NCIS 12x01

Abrufzahlen und Fernsehquoten sprechen eine eindeutige Sprache: Das crime procedural NCIS erfreut sich in den USA sowie hierzulande bei einer treuen Zuschauerschaft einer großen Beliebtheit. Aus diesem Grund haben wir von SERIENJUNKIES.DE® uns auch erneut dazu entschieden, die am 23. September neugestartete zwölfte Staffel zu begleiten, auch wenn sich hier ein kleines Problem innerhalb der Redaktion zeigte.
Die Qualität von „NCIS“ in allen Ehren, wirklich verfolgen tun diese Serie eher sehr wenige Mitglieder der Redaktion. Trotzdem möchten wir unserer Leserschaft eine Plattform bieten, sich über die neusten Episoden austauschen zu können, was uns wiederum den Anstoß gab, ein anderen Ansatz in der wöchentlich Betrachtung neuer Folgen von „NCIS“ zu wählen.
Von nun an werde ich mich nämlich dem Crime-Format widmen, dabei möchte ich jedoch gleich mit offenen Karten spielen: Procedurals dieser Art sind schlichtweg nicht mein Geschmack, ich habe in meinem bisherigen Leben als Serienjunkie derartige Genrevertreter so gut wie gar nicht gesehen, dementsprechend kann ich auch kein fundiertes Wissen über „NCIS“ vorweisen. Deshalb soll jetzt der kritisch-faire Blick auf die CBS-Serie erfolgen, inwiefern sie denn ihrer Machart nach wie vor gerecht wird und ob man als kompletter Neueinsteiger auch seinen Spaß mit dem Format haben kann.
Mit ausführlichen Querverweisen auf vergangene Episoden und Staffeln könnt ihr hier also nicht wirklich rechnen, vielmehr mit einem neutralen Ansatz, der auch auf Euch Leser baut. Falls Euch diese Art Experiment missfällt, könnt Ihr uns das sehr gerne mitteilen. Viel besser und interessanter wäre es jedoch zu sehen und gemeinsam festzustellen, ob „NCIS“ nach mehr als zehn Jahren immer noch das hat, was ein grundsolides Procedural ausmacht. Dabei versuche ich natürlich so wertfrei wie nur möglich an die Serie und ihre einzelnen Episoden ranzugehen.

Every nation has its outlaws
Wie bereits erwähnt ist NCIS absolutes Neuland für mich, wodurch der unmittelbare Einstieg in die Auftaktepisode der zwölften Staffel, namentlich Twenty Klicks, durchaus ein wenig irritierend ist. Das erste auffällige Merkmal sind hier für mich die in schwarz-weiß gehaltenen Vorausblicke, die über die gesamte Laufzeit der Episode immer wieder eingebaut werden. Ein interessanter Ansatz, der mir so auch noch nie wirklich untergekommen ist. Mir gefällt dieses Konzept recht gut, können die Autoren doch diese kurzen Momentaufnahmen von zukünftigen Ereignissen als geschicktes Mittel zum Spannungsaufbau nutzen, was in „Twenty Klicks“ auch ein paar Mal demonstriert wird.
Die Geschichte in „Twenty Klicks“ ist eigentlich schnell erzählt: Gibbs (Mark Harmon) und McGee (Sean Murray) reisen nach Russland, um dort einen Systemadminstrator ihrer Behörde in die Staaten zurückzuführen. Dieser wird von einer für Gibbs und Co. noch unbekannten Bedrohung verfolgt, was das Duo der „NCIS“-Crew und die in der Heimat verbliebenden Mitglieder des Team in eine gefährliche Situation bringt, in der Gibbs und seine Leute alle Register ziehen müssen, um zum einen besagten Systemadminstrator namens Kevin (Ethan Rains) zu beschützen und zum anderen einen verheerenden Angriff via perfiden Cyberterrorismus zu verhindern.
Once a geek, always a geek
Der Plot von Twenty Klicks ist an und für sich sehr einfach, aber funktionell. Wie für die Machart dieses Genre üblich erfolgt recht früh eine Zweiteilung der Handlung: Eine Gruppe sieht sich der unmittelbaren Auseinandersetzung mit den Antagonisten gegenüber, während eine zweite Gruppe aus der Ferne der ersteren unter die Arme greift. Hier kann vor allem die Handlung um Gibbs, McGee und den skrupellosen Sergei (Alex Veadov) als Bedrohung punkten.
Nachdem der Helikopter abgeschossen wird, der Kevin eigentlich in Sicherheit bringen sollte, entspinnt sich ein recht spannender Guerilla-Kampf zwischen Sergeis Schergen und dem erfahrenen Gibbs. Diesen Teil der Episode sorgt für turbulente Momente und hätte gern noch prominenter aufgearbeitet werden können. Die Absturzsequenz sieht technisch gut aus, der Tod der Helikopterpilotin gibt etwas Einblick in Gibbs Charakter und bietet darüber hinaus eine dramatisch authentische Momentaufnahme.
Wo wir schon bei den Stärken von „Twenty Klicks“ sind, muss ich als Neueinsteiger gleich einen weiteren positiven Aspekt von NCIS hervorheben. Wie ich mir von einigen Kollegen habe versichern können, fußt ein großer Teil der Beliebtheit der Serie vor allem auf die einzelne Charaktere und deren Dynamik untereinander. Und selbst ohne je eine Folge dieser Serie gesehen zu haben, wird diese unterhaltsame Figurenkonstellation mit den unterschiedlichsten Charakteren sofort deutlich. Dabei sind es oftmals nur kleine Details, die andeuten, in welcher Beziehung wer zu wem steht. Diese sind dann gut nuanciert und lassen keinen Zweifel zu, dass dies ein markantes Merkmal der Serie zu sein scheint.
Higher ground
Insbesondere Mark Harmons Hauptfigur Gibbs wird wunderbar etabliert, so dass etwaiges Vorwissen nicht im geringsten notwendig ist, um die eigenwillige Art und die Motivationen dieser Figur nachzuvollziehen. Das erleichtert wiederum den Einstieg in die Serie und ihre Charaktere, denn nicht nur Harmons sehr sympathischer alter Haudegen gefällt, auch der Rest der Truppe hinterlässt einen markanten Eindruck, der vielleicht nicht die komplexesten, aber auf jeden Fall nachvollziehbare Charaktere verspricht.
Jedoch gibt es auch einige Dinge, die mir an „Twenty Klicks“ eher nicht so gut gefallen haben. Die ganze Geschichte um den alles vernichtenden Virus, den das restliche „NCIS“-Team in Washington DC bekämpfen muss, fiel im Vergleich zum Handlungsstrang in Russland nahe der finnischen Grenze für meinen Geschmack schon deutlich ab. Auch die Widersacher waren etwas zu einfach gezeichnet. Ebenfalls ein wenig enttäuschend war Sergeis vermeintlicher Tod, der doch recht antiklimaktisch inszeniert wurde. Schade, denn zuvor kam es beim Showdown zwischen Gibbs und Sergeis Männern wohl zur lässigsten Szene der gesamten Episode, als Gibbs einen Gegner nach dem anderen den Garaus machte.

Mit dem stark vernetzten Terroristen Sergei, der die Schüsse Gibbs' überlebt hat, scheint nun eine Art Staffelbösewicht eingeführt zu sein. Wie viel Raum dieser bekommen wird, bleibt abzuwarten. Zumindest gibt es wohl eine Verbindung zu einem alten Bekannten, mit dem sich Gibbs und Co. bereits in der Vergangenheit herumschlagen mussten. Hier scheint sich ein übergreifender Konflikt anzubahnen, bei dem es sich womöglich um etwas „Persönliches“ handelt, was wiederum etwas zu klischeehaft, jedoch im Großen und Ganzen verkraftbar ist.
Fazit
Zugegeben, sich komplett von irgendwelchen Vorurteilen oder Erwartungen gegenüber was auch immer zu befreien, gelingt äußerst selten. Dementsprechend war ich auch bei der Sichtung meiner allerersten Episode von NCIS eher vorsichtig. Letztendlich bin ich jedoch mehr positiv als negativ überrascht. Zwar schleichen sich in Twenty Clicks einige offensichtliche Mängel ein, insgesamt kann die Episode jedoch überzeugen.
Ein kleiner Gastauftritt von Lev Gorn, der in The Americans ganz hervorragend eine Nebenfigur mimt, ist ein netter Bonus, außerdem gehen die Macher nicht allzu platt mit dem ewigen Konflikt zwischen den USA und Russland um, wodurch stereotypische Fettnäpfchen größtenteils vermieden werden. Zusätzlich sorgt das Element „Überleben hinter feindlichen Linien“ für Spannung und versprüht einen gewissen Reiz. Von meiner Perspektive aus gesehen ein gelungener Einstieg in die neue Staffel.
Jetzt seid Ihr dran. Teilt uns Eure Meinung zu „Twenty Clicks“ und zu unseren neuen Art der Rezension von „NCIS“-Episoden gerne im Kommentarbereich mit.
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 24. September 2014NCIS 12x01 Trailer
(NCIS 12x01)
Schauspieler in der Episode NCIS 12x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?