NCIS 12x02

NCIS 12x02

In Kill the Messenger muss das NCIS-Team den dubiosen Umständen eines Mordfalls nachgehen. Jedoch rückt das persönliche Drama einer der Figuren mehr in den Vordergrund und lässt den Procedural-Teil der Episode recht nebensächlich erscheinen.

Das „NCIS“-Team bekommt es in „Kill the Messenger“ mit einem geheimnisumwobenen Mordfall zu tun. / (c) CBS
Das „NCIS“-Team bekommt es in „Kill the Messenger“ mit einem geheimnisumwobenen Mordfall zu tun. / (c) CBS

Letzte Woche haben wir hier auf SERIENJUNKIES.DE® mit der neuen Art der Rezension der gerade gestarteten zwölften Staffel der CBS-Serie NCIS einen kleinen Versuch gestartet, sich dem langjährigen Crime-procedural mal von einer anderen Seite zu nähern. Die Resonanz war recht groß und freut mich als Verfasser der Kritiken zu den neuesten Episoden von „NCIS“ persönlich erst einmal.

Gleichzeitig kann ich aber auch nachvollziehen, warum viele etwas skeptisch sind, inwiefern ein kompletter Neueinsteiger ohne etwaiges Vorwissen die bisherigen Charakterkonstellationen sowie prägenden Vorkomnisse in der Serie richtig bewerten kann. Dennoch bedanke ich mich bei all denjenigen, die mir ein paar Hinweise und Tipps unter der Kritik zu Twenty Klicks aus der Vorwoche gegeben haben.

Life in order

In „Kill the Messenger“ komme ich hinsichtlich vergangener Ereignisse auch gleich ein wenig ins Rudern, auch wenn ich durch Eigenrecherche ein paar Wissenslücken schließen konnte. Dennoch geht mir gerade bei der sehr persönlichen Geschichte des NCIS-Directors Leon Vance (Rocky Carroll) stark die emotionale Bindung zu diesem Charakter verloren, da ich dessen Leidenszeit aufgrund des tragischen Todes seiner Ehefrau in der zehnten Staffel als Zuschauer nicht miterlebt habe.

Die schockierende Nachricht für Vance, dass dieser womöglich an einer stark fortgeschrittenen Lymphomerkrankung leidet, wirbelt sein Leben gehörig durcheinander. Der Verlust seiner Frau Jackie wiegt nach wie vor schwer, sein Leben hat er immer noch nicht wieder auf die Reihe bekommen. Wenn er jetzt noch schwer erkrankt, weiß er nicht, was er tun soll, insbesondere mit Blick auf seine beiden Kinder. Die Szenen zwischen Vance und Gibbs (Mark Harmon) strahlen eine gewisse Schwere aus, die dieser dramatischen Geschichte im Großen und Ganzen gerecht wird. Vor allem Gibbs gefällt mir erneut, da Mark Harmon seine würdevolle Präsenz gut einfangen kann.

Vance (Rocky Carroll) und Ducky (David McCallum) in %26bdquo;Kill the Messenger%26ldquo; © CBS
Vance (Rocky Carroll) und Ducky (David McCallum) in %26bdquo;Kill the Messenger%26ldquo; © CBS

Good news

Was mir jedoch etwas missfällt, ist die Auflösung dieses Handlungsstrangs. Die Serienmacher entscheiden sich nämlich für ein Happy End, wo ich - zugegeben - eine ernüchterndere Diagnose für Vance „lieber“ gesehen hätte, ohne dieser Figur explizit den Tod wünschen zu wollen. Da sich die Flecken auf dem Röntgenbild seiner Lunge aber als eher ungefährlich herausstellen, verliert die Geschichte leider etwas an emotionaler Tiefe und Konsequenz.

Natürlich entspinnt sich noch eine nette kleine Szene zwischen Vance und seiner Tochter. Insgesamt hätte jedoch ein dramatischeres Schicksal (es hätte ja nicht unbedingt ein baldiger Tod sein müssen - eine riskante Operation wäre ja auch eine Möglichkeit gewesen) sehr früh in der neuen Staffel von „NCIS“ vielleicht für mehr Spannung und Ergriffenheit beim Zuschauer sorgen können.

Trotz dieses Kritikpunkts kann sich das Drama um Vance in den eigentlichen Mittelpunkt dieser Episode befördern, was aber auch daran liegt, dass der Fall der Woche eher klassische Kost ist. Das Team ermittelt in einem Mordfall an einem NAVY-Offizier, der über seine Affäre in Erfahrung bringen konnte, dass zahlreiche Geheimnisse der USA schneller an das Licht der Öffentlichkeit dringen könnten, als es der Regierung lieb wäre. Schuld daran ist eine eklatante Sicherheitslücke bei einer Firma, die die unzähligen Informationen und Daten der USA betreut und wo wiederum die Liebschaft des Mordopfers ihre Brötchen als Analytikerin verdient.

Practical education

Ein paar Aspekte dieser Geschichte sind doch ein wenig zu weit hergeholt: der Fund der Leiche mitten in einem öffentlichen Park im touristischen Herzen Washingtons, die Verbindung zum Präsidenten, mit dem das Mordopfer in einem Freizeitbasketballteam gespielt hat und der hier eigentlich überhaupt keine Rolle spielt sowie eine erfahrene Analytikerin, die einst für die NAVY arbeitete und sich doch ein wenig zu naiv hinsichtlich ihrer vermeintlichen Verfolger verhält (beim folgenschweren Anruf vom Bürotelefon aus hätte sie es durchaus besser wissen müssen). Einige Erklärungen sind mir dann doch zu schwammig geraten. Auch, dass die USA pikante Staatsgeheimnisse von einer externen Firma verwalten lässt, erscheint mir etwas seltsam.

Gut gelungen ist hingegen die falsche Fährte hinsichtlich der Ehefrau des Mordopfers, die zu einer möglichen Verdächtigen gemacht wird. Eine klassische Trope des Genres, die man geschickt umschifft, auch wenn der wirkliche Mörder letztendlich recht banal überführt wird. Etwas seltsam mutet auch die Hinführung zu Abbys (Pauley Perrette) kleinem Liebesplot an. Natürlich ist nur sie in der Lage dazu, ein verschwommenes Bild des ersten Verdächtigen kenntlich zu machen.

Hey, wise-ass!

Solche kleineren Probleme fühlen sich oftmals ein wenig zu gewollt an, nur um die verschiedenen Handlungsstränge in Fahrt zu bringen. Anders würde Abby zum Beispiel nicht ihr recht charmantes Techtelmechtel mit dem Park Ranger bekommen. Generell muss ich wie bereits letzte Woche feststellen, dass die Charaktere und deren Interaktion untereinander für die unterhaltsamsten und lockersten Momente in Kill the Messenger sorgen. McGee (Sean Murray) und DiNozzo (Michael Weatherly) stechen dabei heraus, gerade letzterer darf wohl die amüsanteste Szene dieser Folge sein Eigen nennen, als er völlig unwissend den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika flapsig am Telefon anmacht.

Gibbs (Mark Harmon) gemeinsam mit DiNozzo (Michael Weatherly) am Tatort © CBS
Gibbs (Mark Harmon) gemeinsam mit DiNozzo (Michael Weatherly) am Tatort © CBS

Interessant ist auch, wie man versucht, einen kleinen roten Faden hinsichtlich der verschiedenen Beziehungsstatus der einzelnen Figuren mit einzuweben. Dadurch bekomme ich als Neuling oder auch als Zuschauer, der vielleicht ab und an das eine oder andere Detail vergisst, ein gutes Gefühl, wie es um die Charaktere steht und was sie ausmacht.

Die gescheiterte Ehe des Mordopfers und seiner Frau bildet dabei den Rahmen und auf eine mehr oder minder subtile Art und Weise denken die Mitglieder aus Gibbs' Team darüber nach, wie sich deren derzeitige Liebessituation darstellt. DiNozzo scheint nicht wirklich in der Lage, eine feste Bindung zu finden (Könnte der Grund dafür in der Vergangenheit liegen oder ist er der Typ „lässiger Weiberheld“? Hinweise dazu bitte in den Kommentarbereich.), Ellie (Emily Wickersham) hat selbst mit kleineren Eheproblemen zu kämpfen und McGee führt eine Fernbeziehung, die ihre Vor- sowie Nachteile mit sich bringt. Als stoischer Fixpunkt dient da weiterhin Gibbs, der mit seiner no bullshit-Attitüde für ein paar spaßige Momente sorgen sowie seinen Teammitgliedern in schwierigen Zeit zweifellos Halt geben kann.

Fazit

Kill the Messenger ist eine solide Episode, in der sich jedoch einige Probleme und Kritikpunkte finden lassen. Diese mindern die ordentliche Qualität der Folge zwar nicht extrem, dennoch präsentiert sich gerade der „Case of the Week“-Teil von „Kill the Messenger“ als zu gewöhnlich. Trotzdem gelingt es, einige interessante Elemente einzubauen. So kann wiederum eine Art übergreifendes Thema etabliert werden, dass zwar nur am Rande behandelt wird, der Folge jedoch etwas Tiefe gibt.

Dadurch können auch andere Mängel einigermaßen überspielt werden, obwohl ich nach wie vor mit dem Ausgang von Vances Geschichte nicht ganz zufrieden bin. Möglich wäre hier jedoch eine weitere falsche Fährte und eine Verheimlichung von Vances wirklichem Gesundheitszustand, um die Bombe erst im späteren Verlauf der Staffel platzen zu lassen. Dadurch könnte Spannung generiert werden, die zu Beginn der zwölften Staffel vielleicht zu früh käme und die die Serienmacher daher jetzt noch nicht ausspielen wollen.

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 1. Oktober 2014
Episode
Staffel 12, Episode 2
(NCIS 12x02)
Deutscher Titel der Episode
Anruf aus dem Weißen Haus
Titel der Episode im Original
Kill The Messenger
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 30. September 2014 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 11. Januar 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 9. Januar 2015
Autoren
Frank Cardea, George Schenck
Regisseur
Dennis Smith

Schauspieler in der Episode NCIS 12x02

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