Nashville 2x10

Nashville 2x10

Die Episode Tomorrow Never Comes holt noch einmal das ganz große Drama raus. Doch leider scheinen die blanken Konstruktionsbalken immer mehr durch, auch die besten Schauspieler können da nicht mehr alles retten.

Peggy (Kimberly Williams-Paisley) und Teddy (Eric Close) in der Serie „Nashville“ / (c) ABC
Peggy (Kimberly Williams-Paisley) und Teddy (Eric Close) in der Serie „Nashville“ / (c) ABC
© eggy (Kimberly Williams-Paisley) und Teddy (Eric Close) in der Serie „Nashville“ / (c) ABC

Einiges an der Episode Tomorrow Never Comes kann man sich schon denken bevor der Vorspann abgelaufen ist, anderes kommt zwar überraschend, wirkt aber schon fast verzweifelt aufmerksamkeitsheischend. Am ärgerlichsten jedoch ist, dass die Nashville-Autoren einfach keine Vorhersehbarkeit auslassen können.

Möchtegern-Schocker

Die beiden potentiellen Todesopfer, die die Episode Tomorrow Never Comes fordert, wirken vor diesem Hintergrund schon fast verzweifelt. Peggys möglicher Tod lockt wohl aus kaum einem Zuschauer auch nur die kleinste emotionale Regung heraus. Denn die Nashville-Autoren haben es nicht geschafft, sie als echten Charakter zu etablieren, es im Grunde auch nie versucht. Die falsche Schwangerschaft ist in absoluter Nichtigkeit verpufft und ihr möglicher Abschied wirkt einfach wie der letzte Ausweg. Doch dieser schmerzlose Abgang wäre im Moment immer noch besser als wenn Peggy (Kimberly Williams-Paisley) lediglich verletzt ist und wir weiterhin die langweiligen Szenen einer bedeutungslosen Bürgermeisterehe ertragen müssen. Zudem haben die Autoren sich das größte Klischee nicht nehmen lassen und Maddie (Lennon Stella) schnell noch den unvermeidlichen Satz „You're not my mother!“ in den Mund gelegt. Viel mehr bliebe dann ja auch eh nicht zu tun für die neue Frau der ohnehin schon recht belanglosen Nebenfigur Teddy (Eric Close).

Der zweite mögliche Tote der Episode Tomorrow Never Comes ist Will (Chris Carmack). Und das ist schade, denn als Neuzugang hat er sich recht schnell als Sympathieträger etabliert. Er hatte oft die richtigen Dinge zu sagen und hatte schöne Szenen mit verschiedenen Figuren. Bei ihm konnte man die innere Zerrissenheit, die ein Leben im Auge der Öffentlichkeit mit sich bringt, gut mitfühlen. Und das kann man nicht von allen Figuren sagen, siehe Scarletts seltsames Bühnenfiasko und ihre wundersame Veränderung zur Rampensau.

Es wäre schade, wenn Will wirklich jetzt abtreten würde. Aber auch hier haben die Serienmacher es sich nicht nehmen lassen, die letzten Klischees noch in die Story zu quetschen, an erster Stelle Will, wie er von der Bühne zwischen Layla (Aubrey Peeples) und Brent (Derek Krantz) steht. Layla und Brent bleiben flache Figuren, nur zu einem, in Laylas Fall zwei Zwecken eingeführt, Eigenleben gleich null. Die Geschichte um den jungen Künstler, der darunter leidet, sich nicht zu seiner Sexualität bekennen zu können, war eigentlich ein willkommen frischer Wind zwischen den endlosen Liebesdreiecken. Doch es hätte ein bisschen individueller ausgestaltet werden können und Will als Figur hätte man noch andere Storylines wünschen können. Es wäre schade, wenn es das gewesen ist.

Endlich ins Rampenlicht

Besonders wenn man sich anschaut, mit wem er uns so zurücklässt. Deacon (Charles Esten) und Gunnar (Sam Palladio) waren in der ersten Staffel zwei vielversprechende Figuren, die im Moment sträflich vernachlässigt werden. Decaon darf immerhin noch Anteil am Familiendrama um Maddie haben. Doch seine eigene Story, von der Seitenlinie endlich ins Rampenlicht zu treten, könnte noch mehr Raum vertragen. Er hat es jetzt so oft betont, dass man es schon kaum mehr hören mag. Und nun baut er eine Bühne vor dem Festival auf. Das ist eine schöne Idee, die jedoch in der Episode Tomorrow Never Comes weitgehend untergeht. Vielleicht wird es ja nun interessanter um Deacon, nachdem ihm jemand die Chance auf eine Solokarriere angeboten hat.

An seiner Seite hat er mit Gunnar eine ebenfalls ganz schön blasse Figur, was nicht gerade hilft. Im Team mit Avery (Jonathan Jackson) war Deacon bestechend amüsant, mit Gunnar funktioniert das nicht. Gunnar versucht sich ebenfalls auf die Bühne zu kämpfen und wie bei Deacon enden diese Versuche leider meist in der Nichtigkeit. Im Moment tritt er in erster Linie als Zoeys neuer Freund in Erscheinung, eine Sache, die irgendwie um Scarlett (Clare Bowen) herumkonstruiert wurde, aber bisher keine interessanten Ereignisse abgeworfen hat. Ganz offensichtlich wollen die Nashville-Autoren kaum Zeit investieren, um uns diese beiden wirklich als Charaktere näherzubringen.

Zoeys Entscheidung am Ende der Episode Tomorrow Never Comes darf da schon als Meilenstein gelten. Doch im Großen und Ganzen fühlt es sich auch belanglos an, ob die beiden nun zusammen sind oder nicht. Unterdessen darf Scarlett die passiv-aggressiv beleidigte Leberwurst spielen, die man ihr leider auch zutrauen durfte. Ihre innere Zerrissenheit in Bezug auf ihre Karriere ist auf Eis gelegt, dafür verdichten sich die Anzeichen, dass wir bald in den Genuss kommen werden, ihre Mutter kennenzulernen. Da ist doch ein Drama im Anrollen in Form von Scarletts unglücklicher Kindheit. Immerhin die neue Beziehung mit Avery steht beiden Beteiligten außergewöhnlich gut.

Bitte nicht!

Womit wir beim größten Ärgernis der Episode Tomorrow Never Comes angelangt sind: Warum nur konnten die Nashville-Macher es nicht einfach sein lassen und mussten die so liebevoll aufgebaute Freundschaft zwischen Scarlett und Avery unbedingt aufs Spiel setzen? Dass Juliette (Hayden Panettiere) auf Averys Türschwelle erscheint, ist auf so vielen Ebenen enttäuschend. Es hat sich wohl einfach angeboten, aus Scarlett, Juliette und Avery ein neues Liebesdreieck zu machen, aber es war einfach zu vorhersehbar, zu flach. Interessanter wäre es gewesen, wenn sie das gerade nicht gemacht hätten. Daran, dass die Beziehung zwischen Scarlett und Avery einfach zu gut ist um lange zu halten, ist nichts auszusetzen, aber eine andere Bedrohung wäre schöner gewesen.

Auch abgesehen von der Vorhersehbarkeit wird es uns nicht gerade leicht gemacht, diese neue Konstellation zu akzeptieren. Die Szene, in der Juliette in Averys Tür auftaucht, atemlos zu einem emotionalen Monolog ansetzt und im exakt richtigen Moment von einer halbnackten Scarlett unterbrochen wird, ist an Klischees nur schwer zu überbieten. Das muss nicht generell etwas Schlechtes sein, aber wenn man als Zuschauer das Gefühl bekommt, das Ende der Szene schon am Anfang zu kennen, dann kann von Spannung keine Rede mehr sein.

Vielleicht ist ja noch nicht alles verloren, wenn sie Avery jetzt nicht wieder zum Antihelden aus widrigen Umständen machen, dann könnte es ja noch etwas werden. Doch sein starrer Blick als Scarlett ihn dafür lobt, sie nie angelogen zu haben, lässt Böses vermuten. Immerhin ist das überraschende Duett zwischen Juliette und Avery einer der Höhepunkte der Episode Tomorrow Never Comes.

Der Superstar

Bleibt noch Rayna. Das einstige Zugpferd des Interesses hat sich in einer seltsamen Storyline um Plattenverträge und einen undurchsichtigen Countrysänger verfangen. Luke (Will Chase) ist ganz offensichtlich nicht die beste Wahl als Partner, vielleicht ist er gar von Jeff (Oliver Hudson) auf Rayna angesetzt worden. Er wird weder sympathisch, noch zeigt er mal eine interessante böse Seite, er scheint einfach als Übergang zum nächsten Deacon-Drama da zu sein.

Das Kräftemessen mit Jeff ist da schon ein bisschen interessanter, aber als Blick hinter die Kulissen der Musikbranche bleiben die Verhandlungen dann doch zu oberflächlich. Schön ist immerhin, dass Tandy (Judith Hoag) und Rayna durch dieses Thema glaubhaft immer näher zueinander finden, ohne dass es sich unmittelbar wie eine Vorbereitung auf das große Lamar-Drama anfühlt.

Fazit

Die Episode Tomorrow Never Comes fühlt sich an, als wenn sie unter Zeitdruck geschrieben wurde, alle Unterhaltungen sind etwas lieblos, die Kehrtwenden fühlen sich an, als wenn die Macher einfach ungeliebte Figuren rausschmeißen beziehungsweise durch einen Schockmoment aufwerten wollten. Die Klischeedichte ist auch für Nashville-Verhältnisse unerfreulich hoch.

Verfasser: am Samstag, 14. Dezember 2013

Nashville 2x10 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 10
(Nashville 2x10)
Deutscher Titel der Episode
Es gibt kein Morgen
Titel der Episode im Original
Tomorrow Never Comes
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 11. Dezember 2013 (CMT)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 27. Mai 2014
Autoren
Meredith Lavender, Marcie Ulin
Regisseur
Patrick R. Norris

Schauspieler in der Episode Nashville 2x10

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