Nashville 2x07

Nashville 2x07

Nashville holt den ganzen Wahnsinn raus in der Episode She's Got You: Amüsante wie überraschende Bündnisse, wunderbare Familienmomente und einen richtigen Schocker. Eine vorgetäuschte Schwangerschaft geht daneben fast schon unter.

Ihre Hochzeit, aber nicht ihre Episode: Peggy (Kimberly Williams-Paisley) und Teddy (Eric Close) in der Serie „Nashville“ / (c) ABC
Ihre Hochzeit, aber nicht ihre Episode: Peggy (Kimberly Williams-Paisley) und Teddy (Eric Close) in der Serie „Nashville“ / (c) ABC
© hre Hochzeit, aber nicht ihre Episode: Peggy (Kimberly Williams-Paisley) und Teddy (Eric Close) in der Serie „Nashville“ / (c) ABC

Hin und wieder hinterlässt eine Nashville-Episode das Gefühl, das wieder nichts Handfestes passiert ist, verstohlene Blicke, alte Fehler aufgewärmt, die immer gleichen Liebesdreiecke. Nicht so die Episode She's Got You. Hier stellt sich eher die Frage, was eigentlich nicht passiert ist.

Die Hochzeit

Wir wussten ja, dass es passieren würde, aber nun kommt die Hochzeit von Teddy (Eric Close) und Peggy (Kimberly Williams-Paisley) doch recht plötzlich. Sie täuscht eine Schwangerschaft vor, er versucht, seine alte und neue Familie zu jonglieren und dabei nicht zu vergessen, dass er der Bürgermeister von Nashville ist. In der Ehe mit Rayna (Connie Britton) haben wir Teddy relativ gut kennengelernt, doch seit der Scheidung ist er aus dem Fokus gefallen.

Wir sehen eine schöne Szene, in der er Peggy vorwirft, sich mehr um die Politik als um die Gefühle seiner Tochter zu kümmern, aber so richtig engagieren kann man sich in dieser Beziehung kaum. In der ersten Staffel gab es einen kleinen Moment, in dem deutlich wurde, dass Teddy in der Ehe mit Rayna nicht glücklich ist und sich mit Peggy ganz anders entfalten kann. Das war schön. Seitdem sind beide Figuren von den Nashville-Autoren jedoch nur noch stiefmütterlich behandelt worden. Er heiratet sie in erster Linie aus Vernunftsüberlegungen, was er fühlt, wissen wir nicht.

Peggy ist nichts anderes als eine gerissene Dame, die sich nur über ihre Liebe zu Teddy definiert. Die Hochzeit dieser beiden geht also weitgehend am Interesse vorbei. Der einzig spannende Aspekt ist Maddie (Lennon Stella). Ihre Identitätskrise ist der einzige Grund, aus dem der Plot zwischen Teddy und Peggy wohl überhaupt weiterverfolgt wird. Interessiert sich jemand wirklich dafür, was passiert, wenn herauskommt, dass Peggy die Schwangerschaft vorgetäuscht hat?

Neue Familienstränge

In dieser Hinsicht ist in der Episode She's Got You einiges zu holen. Maddie sieht zum ersten Mal so richtig den Unterschied zwischen sich und Daphne (Maisy Stella). Sie hat Angst, dass Teddy sie nicht mehr als seine Tochter sieht und nun heiratet er auch noch. Dass sie sich doch noch dazu durchringt, für ihren Vater zu singen, ist ein schöner Moment. Doch im Grunde ist es einfach eine gute Gelegenheit, Maddie und Daphne auf der Bühne zu sehen. Der richtig emotionale Familienmoment kommt später. Mit Deacon (Charles Esten) und Rayna kann man einfach mehr mitfühlen.

Das Unausweichliche passiert endlich: Maddie sucht den Kontakt zu ihrem leiblichen Vater Deacon. Da spielt auch die endlose Geschichte zwischen Rayna und Deacon rein. Am Ende der Episode She's Got You kann man sagen, dass die beiden diese Herausforderung sehr gut meistern. Sie stellen Maddie in den Mittelpunkt, keine Aufwärmung ihrer Romanze, es geht einfach um die gemeinsame Tochter.

Die Szene im Bluebird ist wunderbar und führt zwei auch unabhängig davon interessante Geschichten zusammen. Raynas Angst, dass Deacon Maddie enttäuschen könnte, ist verständlich. Zu oft hat er sie durch seinen Alkoholismus verletzt. Ihrer Tochter will sie das nicht antun. Doch Deacon hält dem Druck stand. Er reagiert nicht über, sondern zeigt sich als verantwortungsbewusster Erwachsener. Dabei schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe. Auch den Druck des ersten Auftritts seit dem Unfall meistert er bestens. Und mit Avery als Partner tut er das zu unserem Amüsement. Die beiden sind sich ähnlicher, als sie wahr haben wollen. Wir wissen das schon länger. Ihre erzwungene Partnerschaft bringt eine amüsante neue Note in die Serie Nashville. Es geht immer um die Frage, wer mit wem zusammen sein will, doch es sind die ganz großen Gefühle, es schwenkt zwischen Liebe und Abneigung, zwischen Sensibilität und Machtintrigen.

Doch nun haben wir zwei, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben möchten. Avery (Jonathan Jackson) versucht, dem Onkel seiner Freundin endlich eine gute Seite von sich zeigen zu können, und Deacon sucht jemanden, vor dem er sich nicht schämen muss. Heraus kommt ein erzwungenes Duo, das früher oder später vermutlich in eine große Freundschaft münden wird. Avery hat Anteil an einem wichtigen Moment im Familienleben von Deacon und Rayna.

Das ist die Familie, in die er will, zurück zu Scarlett (Clare Bowen). Keinen Anteil an diesem Moment hat hingegen Deacons neue Freundin Megan (Christina Chang). Das muss fürs Erste nicht viel bedeuten, sie gehört nicht zu dieser Musik-Clique, will sich auch gar nicht mit Rayna messen. Dieser Abend gehört ganz klar Maddie. Doch auf lange Sicht muss man wohl feststellen, dass die Serie Nashville sich um die ganz großen Gefühle dreht. Die Vorherbestimmung von Rayna und Deacon kann wohl auch eine so selbstbewusste und dabei so sympathische Person wie Megan nicht aushebeln. Um das zu stemmen, geben die Nashville-Autoren ihr viel zu wenig zu tun.

Die halb Unsichtbaren

Ebenfalls an der Schnittstelle zwischen reinem Funktionsträger und echtem Charakter stehen Zoey (Chaley Rose) und Layla (Aubrey Peeples), die die beiden anderen Plots weiter vorantreiben. Zoey und Gunnar sind glücklich mit ihrer geheimen Beziehung. Nach nicht einmal anderthalb Staffeln Nashville wissen wir: Das kann so nicht weitergehen. Sie betrügen Scarlett, was noch für Chaos sorgen wird. Und wir bekommen viel zu wenig Einblick in die Beziehung, als dass wir uns ernsthaft engagieren könnten. Schade ist das vor allem für Gunnar (Sam Palladio), der in der ersten Staffel zu den interessanteren Charakteren gehörte. Doch das Ende der Episode lässt uns Hoffnung schöpfen: Er und Scarlett finden sich im selben Tourbus wieder. Gerade schien es so gut zu laufen für Scarlett und Avery, doch das zweite ewige Liebesdreieck der Geschichte ist wohl ebenfalls noch längst nicht abgehakt.

Interessanter als seine Beziehungen sind im Moment Gunnars Bemühungen, endlich etwas aus seinem Talent zu machen. Er bekommt eine überraschende Chance, und die weiß er zu nutzen.

Während Zoey einen gewissen Sympathiebonus hat, weil wir sie als Scarletts beste Freundin kennengelernt haben, gibt Layla sich keinerlei Mühe, nett zu wirken. Irgendwie hat sie Will (Chris Carmack) in eine Affäre getrickst. Auch wenn sie an dem Auslöser, der Will in ihr Hotelzimmer treibt, keinen Anteil hat, man kann es ihr nur schwer gönnen. Sie hat versucht, Scarlett zu manipulieren, sie zeigt ganz offensichtlich nicht ihr wahres Gesicht, als Charakter ist sie bisher einfach nur flach. Und nun stößt sie auch noch Juliette (Hayden Panettiere) vor den Kopf, als die einen ihrer wenigen netten Momente hat.

Erinnern wir uns zurück an die Pilotepisode: Juliette hat sich uns und Rayna als absolute Zicke vorgestellt. Doch anders als Layla war Juliette als Zicke immerhin noch amüsant. Die Leiden ihrer schweren Vergangenheit schienen schnell durch und lieferten einen guten Grund für sie, mit allen Mitteln zu kämpfen.

Layla hingegen bleibt das reine Feindbild: Aufgestiegen durch eine seelenlose Castingmaschinerie, trägt sie eine Fassade vor sich her, hinter die wir nicht schauen dürfen. Die einzigen Momente, in denen sie ihr wahres Ich zu zeigen scheint, sind die Intrigen. Sie gibt sich als harmloses Mädchen von nebenan mit zuckersüßem Lächeln, an Juliettes scheinheiliges Strahlen mit dem kalten Blick kommt sie einfach nicht heran.

Juliette führt unterdessen ihre Affäre mit Charlie (Charlie Bewley) fort, langweilig, dann rettet er sie, doch sie zeigt wieder einmal, dass sie auf einem ganz eigenen Level von Machtintrigen spielt. Ihr mütterlicher Moment mit Layla wird mit einem amüsanten Spruch abgetan, Nettsein steht ihr einfach nicht.

Was ist hier los?

Das alles verblasst jedoch neben der Schlussszene. Zickenkrieg, hinterhältige Kämpfe, zerstörte Eheträume, alles wäre möglich gewesen, doch die Nashville-Autoren schenken uns einen Moment, der so viel Seifenoperpotential hat, dass man ihn am besten mit einem Augenzwinkern genießt: Die gehörnte Olivia (Brittany Shaw) überrascht die Betrügerin Juliette - mit einem Kuss.

Im Zusammenspiel mit der Layla-Szene zuvor ist es amüsant, denn Juliette betont noch, dass man nicht mit jedem schlafen muss, der sich einem im Showbusiness aufdrängt, und bietet der Newcomerin ihre Hilfe an. Und dann ist sie es selbst, die mit einem ungebetenen Kuss überrascht wird. Im Grunde hat sie wohl kaum eine andere Wahl, als mitzuspielen. Wenn sie Olivia jetzt zurückstößt, wird die Rache vermutlich schlimm werden. Juliette ist vielleicht den anzüglichen Radio-DJ los, aber sie hat es erfolgreich geschafft, sich in ein weiteres Liebesdreick zu verstricken, an dem auch ihre Karriere hängen könnte.

Worauf die Nashville-Autoren hinauswollen, was das denn nun soll, bleibt offen, das Urteil kann wohl erst nach der nächsten Episode gesprochen werden. Fürs Erste ist es auf jeden Fall eine gelungene Überraschung, die sich jedoch als lahme Effekthascherei entpuppen könnte.

Fazit

Die Episode She's Got You bietet Wohlfühlmomente für einige, große Probleme für andere. Ein bisschen übertrieben, ein bisschen wahnsinnig und voller überbrodelnder Gefühle - besser kann eine Nashville-Episode kaum sein.

Verfasser: am Dienstag, 19. November 2013
Episode
Staffel 2, Episode 7
(Nashville 2x07)
Deutscher Titel der Episode
Zurück ins Leben
Titel der Episode im Original
She's Got You
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 13. November 2013 (CMT)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 20. Mai 2014
Autor
Debra Fordham
Regisseur
Mario Van Peebles

Schauspieler in der Episode Nashville 2x07

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