Nashville 2x01

Nashville 2x01

Im Staffelauftakt I Fall to Pieces haben alle Figuren mit den Folgen des Autounfalls von Rayna und Deacon zu kämpfen. Nur Avery und Gunnar haben ein anderes, altbekanntes Problem.

Töchter unter sich: Maddie (Lennon Stella) und Juliette (Hayden Panettiere) in der Serie „Nashville“ / (c) ABC
Töchter unter sich: Maddie (Lennon Stella) und Juliette (Hayden Panettiere) in der Serie „Nashville“ / (c) ABC
© öchter unter sich: Maddie (Lennon Stella) und Juliette (Hayden Panettiere) in der Serie „Nashville“ / (c) ABC

Die Serie Nashville kehrt im Staffelauftakt I Fall to Pieces mit zwei Stützpfeilern ihres Könnens zurück: Großen Gefühlen und dramatischen Geheimnissen. Glücklicherweise ersparen die Autoren uns in dieser Episode die aufgesetzten politischen Verwicklungen. Leider fehlt bisher auch der großartige musikalische Aspekt, der in der ersten Staffel für Begeisterung sorgte.

Das zerrissene Liebespaar

Wir haben ihn als charmanten Musiker kennengelernt. Dann hat der Alkohol zum Ende der ersten Staffel aus Deacon (Charles Esten) einen Mann gemacht, mit dem nicht einmal Rayna (Connie Britton) mehr reden konnte. In der Episode I Fall to Pieces treffen wir einen sturen Häftling, der jede helfende Hand von sich stößt, selbst die seiner Nichte Scarlett (Clare Bowen). Deacon foltert sich selbst dafür, dass er das Leben seiner großen Liebe in Gefahr gebracht hat. Er belastet sich selbst zu Unrecht als Fahrer, wenn Rayna gestorben wäre, dann hätte er eine lange, lange Zeit im Gefängnis verbringen müssen. Besonders nun, da Teddy (Eric Close) als Bürgermeister im offenbar hoch korrupten Serien-Nashville alle Fäden in der Hand hält, wie der fragende Blick des Richters auf ihn zeigt.

Deacon nutzt die Gelegenheit, sich seinem Selbsthass komplett hinzugeben. Und das passt zu ihm, zeigt uns die hässliche Seite des Gitarristen, der in der ersten Staffel gegenüber Teddy zum Traumtyp avanciert ist. Sucht hin oder her, so richtig nachfühlen konnte man es nur schwer, dass Rayna Teddy geheiratet hat während Deacon in der Entzugsklinik war. Doch die gelungenen Rückblicke zeigen uns, wie es damals war. Deacon, der selbst einen im Suff gemachten Heiratsantrag vergessen hat. Und ohne dass wir Teddy in dieser Zeit gezeigt bekommen, kann man nachempfinden, zwischen welchen Alternativen Rayna zu wählen hatte und was an Teddy so bestechend wirken musste. Zumindest im Gegensatz zu Deacon, mit dem eine Beziehung unmöglich schien. Wir erfahren im Grunde nichts, was wir nicht schon wussten, doch wir sehen es zum ersten Mal vor uns. Und interessant ist auch, wie die Serienmacher es geschafft haben, uns in den Rückblicken eine Version von Rayna und Deacon zu zeigen, die nicht nur jünger wirkt, sondern in der die Enttäuschungen noch frisch sind.

Dass Rayna sterben könnte, damit hatte wohl niemand gerechnet, erleichtert darf man am Ende der Episode I Fall to Pieces trotzdem feststellen, dass die Serienautoren uns nicht mit einem soapmäßigen Amnesiedrama langweilen oder Rayna über mehrere Episoden im Koma versauern lassen. Am Ende kommt Rayna aus dem Koma und Deacon aus dem Gefängnis. Wir sehen sie noch nicht zusammen, wissen nicht einmal, was Rayna über Deacon denkt, außer, dass sie generell alles hinter sich lassen will. Aber wir sehen Deacons Gesicht als er erfährt, dass Rayna wach ist. Und das zeigt, dass es nicht so einfach werden wird für Rayna neu anzufangen.

Aber eins lässt dennoch Schlimmes vermuten: Wieso sind alle Personen, die in Deacons Leben treten, weiblich, attraktiv und potentiell an ihm interessiert? Erst Juliette, dann seine Tierärztin, jetzt seine Anwältin. Noch ist nichts passiert, aber man hat doch stark das Gefühl, Deacon und Megan (Christina Chang, CSI: Miami, 24) verbindet bald mehr als ein Pflichtmandat. Doch eine weitere Freundin mit aufgedrucktem Ablaufdatum, die nur die Funktion hat, ihn von Rayna fernzuhalten, könnte schnell langweilig werden.

Die Kämpferin

Sie ist als recht eindimensionale Hexe in die Serie gestartet, nun zählt Juliette (Hayden Panettiere) zu den interessantesten Figuren in Nashville. Anders als Rayna und Scarlett hat sie sich nicht in endlose Liebesdramen verstrickt. In der Pilotepisode hat sie noch mit Raynas damaligen Produzenten geschlafen, um sich ein Vorteil zu verschaffen. Nun sucht sie sich Sexpartner aus, die sich Vorteile von ihr versprechen. Auf ihre Weise ist Juliette gewachsen. Aber auch darüber hinaus ist sie vielschichtiger geworden. Das Wichtigste ist nach wie vor der Erfolg. Raynas Koma nutzt sie als Aufhänger für ihre PR-Strategie, selbst vor einem gefälschten Besuch im Krankenhaus schreckt sie nicht zurück. Doch als Maddie (Lennon Stella) sie entdeckt, zeigt sich die andere Seite von Juliette. Richtig wohl ist ihr nicht bei dem emotionalen Gespräch mit der Tochter ihrer Kollegin, aber es tut ihr auch gut. Sie beruhigt Maddie - und auch sich selbst - damit, dass man nicht für die Taten der eigenen Mutter verantwortlich ist. Später zeigt sich, dass sie wirklich für Rayna betet, oder zumindest hofft.

Sie nutzt jede Gelegenheit, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, lässt tausend Kerzen anliefern um ihre Trauer mediengerecht in Szene zu setzen und damit ihren Plattenverkauf anzukurbeln. Aber dahinter steckt mehr. Und diese Entwicklung von einer Comicfigur zu einem echten Charakter haben die Autoren über die erste Staffel schön hinbekommen und fassen sie in dieser Episode noch einmal schön zusammen. Hoffentlich geht es so weiter für Juliette. Schön ist auch, dass sie offenbar eine Freundschaft mit Avery (Jonathan Jackson) aufbaut, die schon so weit geht, dass er ihr seine ehrliche Meinung sagen kann. Ein Kunststück, das nicht jeder durchsteht, der sich Juliette gegenüber sieht. Vielversprechend ist auch die Rückkehr von Glenn ( Ed Amatrudo).

Die Nicht-Paare

Weniger interessant sind die Scarlett/Gunnar- und Teddy/Peggy-Verstrickungen. Erstere haben eine Beziehungspause eingelegt nachdem Gunnar (Sam Palladio) im Staffelfinale einen Heiratsantrag gemacht hat. So richtig klar war in dieser Beziehung nie etwas. Warum Scarlett sich zu Beginn so geziert hat, warum sie dann doch nach dem Tod seines Bruders mit ihm zusammen sein wollte, und wieso sie nun den Antrag ablehnt und sich dann sogar trennt, das wird ebenfalls nur ansatzweise deutlich. Ja, sie muss jetzt endlich mal auf eigenen Beinen stehen. Echtes Interesse kann man da nur schwer aufbringen. Wir sind also wieder an einem altbekannten Punkt: Sowohl Gunnar als auch Avery werben um Scarletts Herz und die hält sich aus allem raus.

Teddy bietet Peggy (Kimberly Williams-Paisley) finanzielle Unterstützung und das scheint okay für sie zu sein. Sie will in erster Linie Mutter werden, ob der Mann dabei ist, scheint ihr gar nicht so wichtig. Nun ist das Unfassbare passiert: Sie hat das Kind verloren. Und lügt Teddy an! Geht es jetzt dann doch wieder um die unsterbliche Liebe, die sie mit Teddy verbindet? Am besten für alle Beteiligten wäre es, sie würde zurück zu ihrem Mann gehen, mit ihm ein Kind bekommen und Teddy für andere Plots freigeben.

Keine Politik mehr bitte

Der Wahlkampf ist gelaufen und Teddy ist Bürgermeister. In der Episode I Fall to Pieces nehmen die Nashville-Autoren einen guten Weg in dieser Hinsicht: Teddy hat Einfluss und all das, aber weiter gehen sie auf die Politik nicht mehr ein. Keine drohenden Betrugsgeheimnisse mehr, keine Stadionpläne oder Wahlbetrugsversuche. Selbst Tandy (Judith Hoag) hat keine Lust mehr auf dieses Thema. Doch anders als sie, dürfen wir uns freuen als wir hören, worum es wirklich geht: Lamar (Powers Boothe) steht im Verdacht, etwas mit dem Tod seiner Frau zu tun zu haben.

Fazit

An die Stelle der politischen, halbgaren Verwicklungen treten dunkle Familiengeheimnisse. So kann es weitergehen. Denn das würde bedeuten, dass die Macher der Serie Nashville erkannt haben, was sie am besten können: Kein politisches Drama, sondern emotionale Storys um Liebe und Geheimnisse, die manchmal einen Hang zur Seifenoper haben. Aber noch lange nicht so soapmäßig sind, dass wir uns durch einen Gedächtnisverlust quälen müssten, bis Raynas Geschichte endlich weitergeht. Etwas schade ist, dass die Musik in der Episode I Fall to Pieces im Vergleich zur letzten Staffel mau bleibt und schnell wieder vergessen ist. Aber es ist ja auch erst der Staffelauftakt.

Verfasser: am Donnerstag, 26. September 2013
Episode
Staffel 2, Episode 1
(Nashville 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Das Lied vom Tod
Titel der Episode im Original
I Fall to Pieces
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 25. September 2013 (CMT)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 29. April 2014
Autor
Dee Johnson
Regisseur
Michael Waxman

Schauspieler in der Episode Nashville 2x01

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