Nashville 1x21

Nashville 1x21

Die Verleihung der Country Music Awards steht an. Doch die wirklich spannenden Ereignisse finden woanders statt. Die Serie Nashville landet mit der Episode I'll Never Get Out of This World Alive ein großartiges erstes Staffelfinale.

Echtes Gespräch: Rayna (Connie Britton) und Juliette (Hayden Panettiere) in der Serie „Nashville“ / (c) ABC
Echtes Gespräch: Rayna (Connie Britton) und Juliette (Hayden Panettiere) in der Serie „Nashville“ / (c) ABC

Die Serie Nashville hat sich vor einiger Zeit entschlossen, ihre Storys größer, strahlender, niederträchtiger, emotionaler anzulegen als man noch auf einem realistischen Level mitfühlen könnte. Das hat sie von einem Drama Richtung Seifenoper geschoben. Die Übergangsphase war hart, doch pünktlich zum Staffelfinale haben die Serienautoren und auch die Schauspieler den richtigen Ton gefunden. Sie fahren nicht mehr zweigleisig, verstecken den Kitsch, die Klischees und die Vorhersehbarkeit nicht mehr beschämt zwischen möglichst zurückhaltenden Szenen, sondern nehmen es an. Und das macht es dem Zuschauer möglich, sich fallen zu lassen und einfach mal mitzufiebern wenn Maddie plötzlich vor Deacons Haustür auftaucht. Selbst wenn man kein Hellseher sein muss, um zu wissen, wie es weitergeht.

Der Star

Die Episode I'll Never Get Out of This World Alive bringt einen amüsanten Effekt hervor: So sehr sie sich auch bemühen und vorbereiten: Niemand schafft es so wirklich ins Rampenlicht, obwohl die große Bühne der Country Music Awards die besten Voraussetzungen bietet. Besonders eine hat wirklich hart daran gearbeitet, endlich wertgeschätzt zu werden. Doch Juliette (Hayden Panettiere) sieht von der Preisverleihung nicht viel mehr als ihre Umkleide. Für diejenigen vor der Mattscheibe ist sie trotzdem ein heißer Anwärter auf den Star des Abends. Sie zeigt, worauf es bei einer Serie wie Nashville wirklich ankommt: Dass sie einen Nervenzusammenbruch erleiden wird, sich nach langer qualvoller Zeit endlich ihre Gefühle für Jolene (Sylvia Jefferies) eingestehen kann - das ist keine echte Überraschung.

Dass was wirklich wichtig ist, ist die Art wie Hayden Panettiere diese Entwicklung rüberbringt. Und die lässt nichts zu wünschen übrig. Der Zusammenbruch im Umkleideraum, als sie diesen einen Satz sagt, der zu weit geht, der auch ihr zeigt, dass sie nicht bei klarem Verstand ist: Großartig. Ihre vielleicht erste echte Unterhaltung mit Rayna (Connie Britton) vor der Beerdigung: Unvergesslich. Und natürlich gebührt es Juliette, uns aus dieser Staffel zu singen. Während die meisten anderen Figuren ihre großen emotionalen Songs als romantisches Duett dargeboten haben, ergreift Juliettes Darbietung den Zuschauer gerade weil sie ihre Einsamkeit und ihre Verletzlichkeit zeigt.

Doch so ganz alleine ist man nie, vor allem nicht in einer Serie wie „Nashville“. Ihr alter Manager ist auf dem besten Wege, an die Seite des Pop-Sternchens zurückzukehren und auch mit Rayna und Deacon (Charles Esten) macht Juliette ihren Frieden. Am wichtigsten könnte in der glücklicherweise bereits beschlossenen zweiten Staffel ihre neue Verbindung zu Avery (Jonathan Jackson) werden. Die beiden scheinen so unterschiedlich zu sein, doch etwas in den Figuren ist ähnlich angelegt. Und das ist nicht nur die Tatsache, dass sie zwei derer sind, die als Verlierer aus Liebesdreiecken hervorgegangen sind. Vielleicht ist es die Art, mit der sie immer wieder anecken und nicht einfach durchrutschen können wie zum Beispiel Rayna mit ihrer ewig guten Miene zum bösen Spiel.

Der Nicht-Schocker

Dass Maddie (Lennon Stella) Deacon mit ihrer Entdeckung konfrontiert, geht als logischer Fortgang der Geschichte durch. Dass aber Deacon automatisch nach so vielen Jahren einen Rückfall zum Alkohol erleidet, ist dann doch etwas zu viel des Dramas. Wirklich nichts an dieser Storyline kommt überraschend auf uns zu. Der Rückfall, Maddies Wut auf ihre Mutter, selbst der Autounfall kündigt sich schon meilenweit vorher an.

Deacon (Charles Esten) freut sich nicht gerade; Rayna zu sehen © ABC
Deacon (Charles Esten) freut sich nicht gerade; Rayna zu sehen © ABC

Doch darauf kommt es so wirklich auch gar nicht an in der Serie Nashville. Worauf es ankommt, ist die Frage, ob man trotz aller Vorhersehbarkeit mitfühlen kann. Und das geht auch im Fall der tragischen Familiengeschichte sehr gut.

Juliette ist den anderen meist einen Schritt voraus. Die großen Katastrophen hat sie hinter sich, die Episode I'll Never Get Out of This World Alive wendet sich in ihrem Fall der Verarbeitung zu. Rayna, Deacon und Teddy (Eric Close) haben lange versucht, die Fassade aufrechtzuerhalten. So kommt es, dass sie das Staffelfinale im Ausnahmezustand verbringen müssen. Während Juliette schon trauert, bricht die Welt für sie erst zusammen.

Rayna und Deacon sind ein geradezu verdammtes Paar. Sie können nicht ohneeinander, aber eine glückliche Beziehung ist ihnen auch nicht beschieden. Dafür haben sie in der Vergangenheit zu viele Fehler gemacht. Und an diese Fehler knüpft Deacon nahtlos an, indem er Zuflucht im Alkohol sucht. Es dreht sich immer weiter. Da kann auch dem Zuschauer schon mal der Kopf schwindeln.

Anders als die Probleme zwischen Deacon und Rayna, die immerhin langsam aufgebaut worden sind und die man daher mitfühlen kann, ist Teddys neuer Plot einfach lieblos in die Episode geworfen worden. Peggy (Kimberly Williams-Paisley, deren Ehemann Country-Star Brad Paisley übrigens in dieser Episode den CMA-Auftritt mit Rayna hinlegt) verrät ihn nicht an die Ermittler und ist schwanger. Peggy ist eine Figur, mit der die Autoren sich kaum Mühe geben. Sie kommt zwielichtig und fast sogar hinterhältig daher. Dabei liegt das in erster Linie daran, dass wir nichts von ihr alleine erfahren. Alle Figuren in der Serie Nashville begehen Dummheiten, doch wir sind hautnah dabei, erkennen die Aus­weg­lo­sig­keit, die Motive. Peggy verrät Rayna und Teddy an die Presse und wir wissen nicht so richtig, wieso eigentlich.

Diese Gestaltung des Charakters war in Ordnung solange ihre einzige Funktion war, in Teddys Augen ein Gegengewicht für Rayna zu sein. Es war emotional als Teddy seiner Noch-Frau gestand, dass er sich in Peggys Armen das erste Mal seit langem wieder glücklich gefühlt hat. Doch mittlerweile ist Peggy zum Sinnbild für den politischen Aspekt der Serie geworden: So wirklich interessieren tut es keinen, was Lamar (Powers Boothe), Tandy (Judith Hoag) oder Teddy da an der Spitze der Politik von Nashville treiben, darum wird dieser Erzählstrang auch immer kurz gehalten. Doch gerade weil er so kurz gehalten wird, kann auch kein weitergehendes Interesse aufkommen. Immerhin erhält dieser Teil der Geschichte die Figuren am Leben, die nicht im Mittelpunkt stehen, aber immer wieder auch in den großen Dramen wichtige Parts übernehmen. So ist zum Beispiel Tandy immer in Bestform wenn sie sich als Raynas Schwester und Vertraute zeigt. Und in gewisser Weise ist es nett, ein bisschen mehr aus ihrem Leben zu erfahren als das, aber nicht so viel, dass es nervt.

Der Naja-Schocker

Sie bekommen nicht die meiste Zeit gewidmet in der Episode I'll Never Get Out of This World Alive, aber in vielerlei Hinsicht haben sie den stärksten Erzählstrang zu bieten: Die junge Generation um Scarlett (Clare Bowen) und Gunnar (Sam Palladio).

Juliette (Hayden Panettiere) nimmt Abschied von ihrer Mutter © ABC
Juliette (Hayden Panettiere) nimmt Abschied von ihrer Mutter © ABC

Will (Chris Carmack) spielt sich immer mehr in die Gruppe und das ist schön. Vor allem darf man aufatmen: Der Kuss zwischen Gunnar und ihm schien einige Zeit lang wie ein verzweifelter Versuch noch mehr Liebesdrama in die Serie zu bringen. Stattdessen zeigt sich nun, dass die Serienautoren gewillt sind, sich wirklich mit seinem Leben auseinanderzusetzen. Er versteckt einen großen Teil seines wahren Ichs und könnte damit schon bald in die Bredouille geraten. Das ist angenehm überraschend - nicht unbedingt, was passiert - aber, dass etwas mit ihm alleine passiert.

Auch Scarlett und Gunnar ist eine Überraschung vergönnt: Er macht ihr einen Heiratsantrag. Es ist nicht komplett aus der Luft gegriffen, aber im Gegensatz zu anderen Entwicklungen in dieser Episode wohl nicht völlig vorhersehbar. Eher hätte man erwarten können, dass Scarlett und Avery sich nun wieder näher kommen. Aber diese Langeweile ersparen die Autoren uns. Stattdessen nutzen sie ein Duett der beiden ehemaligen Partner damit Gunnar zu sich kommt. Wie einst Avery wird er Zeuge einer romantischen Darbietung zwischen seiner Freundin und seinem Konkurrenten. Doch anders als Avery bringt ihn diese Bedrohung nicht dazu, auszurasten. Stattdessen begreift er, was er an Scarlett wirklich hat. Immer wieder werden uns die Unterschiede zwischen Gunnar und Avery vor Augen geführt, besonders in Bezug auf Scarlett. Und dies war nun der letzte Tropfen, der die beiden noch zu einem Happy End gefehlt hat.

Fazit

Es gibt Tote, Heiratsanträge, Musikpreise, Alkoholrückfälle, Offenbarungen verschwiegene Vaterschaften und einiges mehr in der Episode I'll Never Get Out of This World Alive, was nerven könnte. Die Welt in Nashville ist zu schrill, zu bunt, zu dramatisch, zu klischeehaft, doch die Schauspieler und mittlerweile auch die Autoren sind gut genug, den Zuschauer auch mit hanebüchenen Entwicklungen und haarsträubenden Vorhersehbarkeiten bei Stange halten zu können: Nämlich dadurch, dass sie uns Figuren schenken, die wir trotz allem lieben - oder hassen - können.

Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 23. Mai 2013
Episode
Staffel 1, Episode 21
(Nashville 1x21)
Deutscher Titel der Episode
Kein Entkommen
Titel der Episode im Original
I'll Never Get Out of This World Alive
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 22. Mai 2013 (CMT)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 16. Juli 2013
Autor
Callie Khouri
Regisseur
Callie Khouri

Schauspieler in der Episode Nashville 1x21

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