Nashville 1x20

© very (Jonathan Jackson) bleibt auch Juliette (Hayden Panettiere) gegenüber standhaft in der Serie „Nashville“ / (c) ABC
Über die Tatsache, dass die Serie Nashville auf dem besten Weg in Seifenoper-Territorium ist, wurde in den letzten Reviews schon einiges geschrieben. Die Episode A Picture From Life's Other Side festigt diese Sicht mit allerlei dramatischen Ereignissen und unglaublichen Zufällen. Doch daran müssen wir uns wohl gewöhnen, wenn wir weiterhin die wunderbare Musik und die guten Schauspieler genießen wollen. Also lassen wir uns von den Serienmachern an die Hand nehmen und stürzen uns ins Drama.
Neue Perspektiven
In Sachen Liebesdreieck haben sich die Karten seit der ersten Episode stark verändert, sowohl für die Gruppe um Scarlett (Clare Bowen) als auch für die um Rayna (Connie Britton). In beiden Fällen sind die weiblichen Mitglieder mit demjenigen zusammengekommen, mit dem wir sie von der Pilotepisode an gesehen haben. Doch nicht für alle ist das ein Happy End geworden.
Kaum ein Paar schien so vorherbestimmt wie Scarlett und Gunnar (Sam Palladio). Und das ganz ohne emotionale Vergangenheit wie Rayna und Deacon (Charles Esten). Sie schienen einfach perfekt füreinander, beide außerordentlich talentiert, ein Traumduo am Mikrofon, abseits der Bühne waren sie so lieb und normal, dass es einen vor der Mattscheibe schnell langweilen konnte. Doch man gönnte es ihnen. Allerdings ist keinem Paar in der Serie Nashville ein langanhaltendes Glück beschieden. Und nun trifft der Hammer Scarlett und Gunnar. Die Tatsache, dass er die Nacht ihres großen Auftritts im Gefängnis verbringt, bringt ein großes Schild mit der Aufschrift Klischee mit. Doch dass Gunnar den Bad Ass rauskehrt ist nicht die Wurzel des Problems, es ist die Trauer um seinen Bruder. Und das gibt der ganzen Sache immerhin eine glaubhafte Untermauerung.
Für den Zuschauer gibt die Gefängnisszene noch etwas Überraschendes her: Will (Chris Carmack), der immer siegreiche Clown, öffnet sich und heimst damit zum vielleicht ersten Mal Sympathiepunkte ein. Er ist mehr als ein furchtloser Nachwuchskünstler, der mit einem Grinsen durchs Leben kommt. Wer erwartet hat, dass er sich einfach zum „Liebesvieleck“ um Scarlett hinzugesellt, der könnte doch noch positiv überrascht werden.
Dennoch kommt die jüngere Generation nicht ohne Dreieck aus: Wir sind zurück zur Ursprungskonstellation gekommen. Das Schöne daran ist, dass man Avery (Jonathan Jackson) seine Wandlung zum netten Jungen größtenteils abnehmen kann. Er hat einiges durchgemacht auf seiner Suche nach Erfolg und im letzten Moment hat er sich richtig entschieden. Doch die Serienautoren wollten keine Bedenken offen lassen und bringen ihn als einzigen Mann in Stellung, der Juliette (Hayden Panettiere) widersteht. Sie ist betrunken, er nutzt sie nicht aus, außerdem hängt er immer noch an Scarlett, ein deutlicheres Beispiel für Averys guten Charakter kann es kaum noch geben. Oh doch, er schickt seiner Ex-Freundin eine rührende Erinnerung in die Garderobe und bringt sich damit geschickt zurückhaltend als möglicher Partner in Stellung.
Väter
Eine andere Art von Problem sieht sich Rayna gegenüber. Sie hat den Mann bekommen, der für sie bestimmt schien und der Abgelegte zeigt sich, anders als Avery, nicht gerade als Gentleman. Für sie gibt es also im Grunde nichts zu bereuen, sie hat alles richtig gemacht.
Doch Teddy (Eric Close) hat sich sehr verändert, wenn man bedenkt, dass wir ihn als freundlichen Hausmann kennengelernt haben, der die Kinder hütet während seine Frau Karriere macht. Diese Veränderung ist nicht grundsätzlich unglaubwürdig, schließlich haben wir erfahren, dass er auch im Vorfeld der Serie Geschäfte gemacht hat. Doch wir haben wenig von ihm gesehen in der letzten Zeit und diese Kehrtwende seines Charakters fühlt sich daher doch etwas hohl an.
Maddie (Lennon Stella) scheint nichts anderes zu tun zu haben, als ziellos durchs Haus zu streichen und die geheimen Telefonate ihrer Eltern mitanzuhören. Das ist zwar seltsam, aber immerhin herrscht jetzt Gerechtigkeit, sie hat ihren Vater und Peggy erwischt und nun entlarvt sie ihre Mutter und Deacon. Das wahre Problem steht aber noch bevor. Denn neben Lauschen, Singen und Gitarre spielen hat Maddie noch eine weitere Fähigkeit zu bieten: Sie weiß, wo man suchen muss, wenn man verstörende Familiengeheimnisse ausgraben will. Die wahre Vaterschaft ist also raus. Alleine das gibt schon genügend Dramastoff für die Finalepisode.
Opfertod
Doch es wäre nicht Juliette, wenn sie dem Ganzen nicht noch eine Krone aufsetzen würde. Aus der Sextape-Erpressung ist eine Selbstmordgeschichte geworden. Juliette hat ihre Mutter verloren. Und das ist vielleicht etwas übertrieben, aber es ergibt Sinn. So richtig haben die Serienmacher keinen Weg für Jolene (Sylvia Jefferies) gefunden. Sie hat sich tapfer in die Nüchternheit gekämpft und ist dort als gelegentlicher Punchingball der Tochter verkommen. Einen eigenen Handlungsstrang hat sie nicht bekommen. Ein Rückfall wäre zu langweilig gewesen, hätte nur all das wiederholt, was wir schon zu Genüge gesehen haben. Also opfert Jolene sich für ihre Tochter.
Das bringt Juliette die Chance für eine völlig neue Storyline ein. Sie wandelt immer wieder zwischen zickigem Star und verletzlichem Mädchen. Der Selbstmord ihrer Mutter wird wohl einen Ausschlag geben, in die eine oder andere Richtung.
Fazit
Es ist Seifenoper, damit muss man halt leben wenn man weiter an Nashville festhält. Und das ist nicht allzu schwer, denn die Musik ist immer noch gut, die Figuren sind gut gezeichnet und die Schauspieler haben fast durchgehend das gewisse Etwas zu bieten, was es einem so gut wie unmöglich macht, nicht mitzuleiden. Die Episode A Picture From Life's Other Side setzt überraschende Entwicklungen in Gang und stellt die Weichen für ein großes Finale, das wohl kaum einen Stein auf dem anderen lassen wird.
Verfasser: am Freitag, 17. Mai 2013(Nashville 1x20)
Schauspieler in der Episode Nashville 1x20
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