Nashville 1x19

© carlett (Clare Bowen) und Gunnar (Sam Palladio) in der Serie „Nashville“ / (c) ABC
Seit der Episode Why Don't You Love Me ist es nicht mehr zu übersehen: Die Serie Nashville macht es sich auf Seifenoper-Territorium gemütlich. Die Ereignisse aus der letzten Episode haben es angedeutet und die aktuelle Episode schließt nahtlos daran an. Damit muss man sich wohl abfinden und hoffen, dass die Figuren und Storys einen schon so sehr in ihren Bannkreis gezogen haben, dass man über die Vorhersehbarkeit und Überspitztheit hinwegsehen kann. Damit muss auch Scarlett (Clare Bowen) klarkommen, als sie amüsiert-verwirrt feststellt, dass sie in einer Welt lebt, in der in kürzester Zeit ihr Onkel als Bandleader von ihrem Ex-Freund ersetzt werden kann.
Endlich Liebe
Rayna (Connie Britton) und Deacon (Charles Esten) haben es endlich geschafft, zusammenzufinden. Doch so einfach wird es nicht werden. Die beiden haben sich über die Jahre in eine Lage gebracht, die verzwickter kaum sein könnte. Die Entwicklung war von der ersten Minute der Serie darauf angelegt, dass diese beiden das unmögliche Traumpaar sein werden. Sie können nicht mit und nicht ohne einander. Die Probleme, die Rayna und Deacon nun haben, sind nicht nur ein bisschen vorhersehbar gewesen. Seit einigen Episoden wurde das Problem der Vaterschaft immer wieder angedeutet und passend zum großen Revival der ehemaligen Liebhaber geht Teddy (Eric Close) mit seiner ältesten Tochter auf einen Schulball und nähert sich ihr endlich wieder an.
Zwischendurch ist es schwer, die Story noch ernst zu nehmen, doch die Szenen zwischen Rayna und Deacon gehören trotz allem zu den stärkeren der Episode Why Don't You Love Me. Wir haben sie kennengelernt als sie noch keine Soap-Opera-Figuren waren und die Hoffnung bleibt, dass sie auch dorthin wieder zurückfinden.
Sie will ihm die Wahrheit über Maddie erzählen, das sieht man. Und vermutlich wird es auch nicht mehr lange dauern bis es soweit kommt. Doch die Frage ist: Sie hat es über zehn Jahre geheim gehalten, zehn Jahre, in denen Deacon größtenteils ihr Bandleader und damit allgegenwärtig in ihrem Leben war. Und nun kann sie keinen weiteren Tag mehr an sich halten, obwohl die familiäre Situation ohnehin schon alles andere als entspannt ist?
Das vererbte Problem
Auch in Sachen Juliette (Hayden Panettiere) gehen die Serienautoren mit der Vorschlaghammermethode vor. Sie ist die Tochter einer Süchtigen, die sich einen trunkenen Abend gönnt und die aufgesetzten Parallelen springen einen überall an. Dabei ist Juliette mit ein paar Gläsern zu viel intus eine echte Sehenswürdigkeit. Die Bösartigkeit, die sie auch gewöhnlich verspritzt, bekommt ein amüsantes Extra wenn sie von einer Angetrunkenen kommt. Falls diese eine alkoholisierte Nacht in der Tat zu einem Suchtproblem führen sollte, würde es zwar reichlich übertrieben wirken, aber immerhin hätte Juliette damit endlich mal ein neues Gebiet bekommen. Es schien als hätte sie so einiges gelernt, sich weiterentwickelt, aber die Episode Why Don't You Love Me wirft sie zurück an den Anfang der Serie.
Sie hat nur zwei Sorgen: Ihr Image und ihre Mutter. Und letztere hat sich mittlerweile so sehr im Griff, dass sie ihrer Tochter Hilfestellung geben kann. Diese neue Dynamik zwischen Mutter und Tochter könnte Juliettes letzter Ausweg aus einem Teufelskreis sein. Nach Dantes Betrug ist sie wieder dort gelandet, wo sie angefangen hat: Nur sich selbst vertrauend und alle anderen vor den Kopf stoßend arbeitet sie sich der Katastrophe entgegen.
Die Entwicklung
Auch Averys Anwesenheit in Juliettes Story ist eine Wendung, die man kommen sehen konnte. Und im Moment sagen die Ereignisse zwischen den beiden mehr über Averys Entwicklung aus als über Juliettes.
Und im Gegensatz zu Juliette und Rayna hat Avery (Jonathan Jackson) eine echte Odyssee hinter sich. Wir haben ihn als unsympathischen, eifersüchtigen Freund von Scarlett kennengelernt, er hat sich zum arroganten Nachwuchstalent gemausert, dabei seine Freunde und sein Geld verloren und leistet nun demütig Reuearbeit als Roadie auf Juliettes Tour. Noch ist er nicht unbedingt ein Sympathieträger, aber er hat sich von einer Randfigur zu einem der interessantesten Charaktere in der Serie entwickelt.
Eine Entwicklung hat auch Gunnar (Sam Palladio) hinter sich. Doch bei ihm, der so hoch gestartet ist, führt die Zeit eher zu negativen Eindrücken. Er hat den Song seines toten Bruders gestohlen und muss nun erkennen, dass der Produzent an seinen echten, eigenen Sachen kein Interesse hat. Noch dazu hält er die Tatsachen vor Scarlett geheim. Anders als Avery ist er uns als sensibel beschrieben worden. Doch diese Sensibilität hat sich gewandelt und hat zu Geheimniskrämerei und leichter Rückratlosigkeit geführt. Schön ist das nicht. Aber immer noch spannender als Rayna und Deacon, deren Weg schon weitgehend vorgezeichnet scheint.
Avery und Gunnar entwickeln sich auf interessante Art und Weise gegensätzlich. Wenn diese Tatsache jetzt nicht ausschließlich dafür genutzt wird, um Scarlett zurück in ein Liebesdreieck zu ziehen, könnte diese Story noch spannend werden.
Fazit
Die Serie Nashville stellt ihre Fans auf eine harte Probe. Die Entwicklungen der letzten Episoden sind kaum mit dem Anfang der Staffel zu vergleichen. Die Vorhersehbarkeit und die Überspitztheit machen es einem nicht leicht, immer noch emotionalen Anteil am Schicksal der Figuren zu nehmen.
Verfasser: am Freitag, 10. Mai 2013(Nashville 1x19)
Schauspieler in der Episode Nashville 1x19
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