Nashville 1x18

© unnar (Sam Palladio) mit seinem Kumpel Will (Chris Carmack) in der Serie „Nashville“ / (c) ABC
Nashville wird erschüttert von einigen ziemlich überraschenden Wendungen. Manche davon funktionieren gut, andere weniger. Dass sie sich auch noch alle in der Episode Take These Chains from My Heart versammeln macht es nicht erträglicher. Aber der Reihe nach.
Vom Helfer zum Betrüger
Hin und wieder kann einen das Gefühl überkommen, die Storys der Serie Nashville sehr weit voraussehen zu können. Es sind keine besonders originellen Geschichten, vieles ist vorhersehbar. Mit der Enttarnung von Dante (Jay Hernandez) als Beziehungsbetrüger haben jedoch sicher die wenigsten gerechnet. Vorhersehbar war es also nicht so richtig. Dennoch konnte man kommen sehen, dass Juliette (Hayden Panettiere) und Dante nicht das ewige Glück vorherbestimmt ist. Und das nicht nur, weil die Figuren in der Serie Nashville nicht zum dauerhaften Liebesglück ausersehen sind. Auch seine rasante Wandlung weckte Misstrauen, in Windeseile ging es vom Suchthelfer der Mutter über den heißblütigen Liebhaber der Tochter zum eiskalten Geschäftspartner.
Wahrscheinlicher schien jedoch, dass das Liebesglück durch einen Rückfall von Dante in seine Machtsucht gestört werden würde. Und vielleicht ist diese Suche ja auch der Grund, warum er Juliette betrogen hat. Vielleicht war seine ganze Geschichte aber auch erlogen und er ist in der Tat nur ein Betrüger. Das werden wir in naher Zukunft wohl nicht erfahren, auch wenn Juliettes Entschluss, nicht zur Polizei zu gehen, eine Hintertür offengelassen hat. Sollte Dante jemals zurückkehren, könnte Juliette ganz nach Belieben damit umgehen, denn keine Autorität könnte sich einmischen.
Die Frage ist: Warum sollte Juliette jemals wieder ein Wort mit Dante wechseln? Sollte sie eigentlich nicht, aber die Tendenz der Serie zur Seifenoper hat so stark zugenommen, dass sich einem solche Fragen plötzlich stellen.
Dies hat schließlich bereits seine Enttarnung als Betrüger gezeigt. Es kommt überraschend, aber auf eine Art, die über das Ziel hinausschießt. Juliette hat einen langen Weg hinter sich gebracht, sie hat sich ihrer Mutter angenähert und besonders in den Therapiesitzungen immer wieder neue Seiten gezeigt. Doch es war eine zaghafte Entwicklung, schließlich ist sie immer noch dabei, ihrer Crew das Leben schwerzumachen.
Mit Dantes Betrug und ihrer Androhung, niemandem jemals wieder zu vertrauen, könnte ein großer Rückschritt eingeläutet werden. Sie könnte zurück in die seelenlose Rolle der eiskalten Zicke gehen, die sie zu Beginn der Serie gespielt hat. Und das ist nicht nur sehr seifenoperartig, das ist auch generell sehr schade. Juliette ist besser als Person, die sich entwickelt, die auch mal Gefühle zeigen kann.
Ein neues Dreieck, ein Viereck?
Wie bei Dante konnte man auch bei Will (Chris Carmack) das Gefühl bekommen, irgendetwas stimme nicht. Mit Blick auf die Konstruktion der Serie war die Erklärung naheliegend, dass Will sich in die Beziehung von Scarlett (Clare Bowen) und Gunnar (Sam Palladio) drängen möchte. Und nun stellt sich heraus, dass er genau das auch versucht. Doch, anders als die meisten wohl erwartet hatten: Ziel seiner Begierde ist Gunnar.
Sehen wir hier einem weiteren Liebesdreieck entgegen? In jedem Fall ist von der Nähe zwischen Gunnar und Scarlett nicht mehr viel übrig. Auf Dauer glücklich sein, das darf man nicht in der Serie Nashville. Doch die Schnelligkeit, mit der gerade entstandene Beziehungen wieder gekippt werden, fühlt sich langsam etwas übertrieben an. Eine Vermutung liegt nahe: Scarlett wird sich angesichts der Gefühlskälte ihres Freundes vielleicht nach dem alten Avery (Jonathan Jackson) zurücksehnen, der passenderweise selbst gerade auf einem Läuterungstrip ist.
Finale
Endlich ist es passiert: Rayna (Connie Britton) und Deacon (Charles Esten) finden zueinander - zumindest kurzzeitig. Anders als die beiden vorhergehenden Wendungen kommt diese mit einer langen Vorankündigung. Seit der Pilotepisode war klar, dass es passieren musste. Dass es ausgerechnet in der Episode Take These Chains from My Heart passiert, spielt nur einer Erkenntnis in die Hände: Es kann keine glückliche Beziehung in Nashville geben. Deacon war auf einem guten Weg mit Stacey (Susan Misner). Zumindest, bis er seine alte Liebe im Duett mit dem Neuen gesehen hat. Und auch Rayna hätte wohl die bessere Entscheidung getroffen, wenn sie sich auf eine unkomplizierte Affäre mit Liam (Michiel Huisman) eingelassen hätte statt mitten in der Scheidung alte Wunden aufzureißen.
Fazit
Mit dieser Episode scheinen die Autoren sich der Seifenoperbedrohung ergeben zu haben und lassen ihren wildesten Ideen freien Lauf. Dante ist ein Betrüger, Will ist an Gunnar interessiert, Scarlett trifft auf einen geläuterten Avery, Rayna und Deacon finden in letzter Minute doch noch zueinander, Tandy (Judith Hoag) strebt einen Machtwechsel gegen ihren Vater an und Teddy (Eric Close) hat sich ohnehin in so viele Intrigen verwickelt, dass er kaum noch als Charakter wahrzunehmen ist.
Es sind die guten Schauspieler und die schöne Musik, die die Serie Nashville über Durchhänger retten können. Oder ein deutlicher Umschwung - weg von der Soap Opera.
Verfasser: am Samstag, 4. Mai 2013(Nashville 1x18)
Schauspieler in der Episode Nashville 1x18
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