Nashville 1x16

© uliette (Hayden Panetierre) begrüßt Raynas Töchter in der Serie „Nashville“ / (c) ABC
Die Episode I Saw the Light holt das Beste aus lange aufgebauten emotionalen Verbindungen heraus und baut auf dieser Grundlage neue Figuren geschickt ein. Nur, um uns dann mit einem Schocker zurückzulassen...
Der Plattenvertrag
Nach wie vor am Rande stehen die Geschichten um Scarlett (Clare Bowen), Gunnar (Sam Palladio) und Avery (Jonathan Jackson). Daher sind sie schnell zu Beginn abzuhandeln.
Scarlett hat einen Plattenvertrag angeboten bekommen, aber ihrem neuen Freund nichts davon erzählt. Das ist natürlich eine schlechte Sache für die Beziehung, aber eine gute Gelegenheit, einen Konflikt zu konstruieren und Gunnar trotzdem als den Guten zu behalten, der Averys Fehler nicht wiederholt. Es ist Scarlett, die die alte Schuld-Nummer wieder aufwärmt und sich dafür schämt, dass sie ganz offensichtlich entweder talentierter oder glücklicher ist als ihre Freunde. Doch Gunnar ist gar nicht wütend über den Erfolg seiner Freundin, sondern darüber, dass sie sich ihm nicht anvertraut hat. Das musste so kommen, andernfalls hätte er sich direkt zu Avery auf die Straße gesellen können. Trotzdem spielt die Serie damit, dass es eine Zeitlang so aussieht, als ob Gunnar denselben Weg wählt wie sein Vorgänger.
Die Storys um Scarlett und Gunnar sind am wechselhaftesten. Die herzerwärmende Seite beherrscht das Traumpaar perfekt, besonders im Angesicht von Tragödien wie dem Tod des Bruders. Doch beide sind einfach zu glattgespült, um echte Konflikte miteinander zu haben. Da muss noch einiges in der Figurenzeichnung kommen. Dass Gunnar die Karriere seiner Partnerin unterstützt, ist keine Überraschung, und dass der Weg dahin als eine Art Konflikt gezeichnet wird, lähmt die Story der beiden in der Episode I Saw the Light.
Glücklicherweise ist der Plattenvertrag nicht der einzige Punkt dieser Story. Wir - und auch die beiden - lernen einen neuen Nachbarn kennen, der - Überraschung - ebenfalls ein talentierter Musiker ist, und - noch größere Überraschung - bestens mit Gunnar harmonisiert. Doch immerhin könnte durch Will (Chris Carmack, The OC) endlich mal etwas Bewegung in die Beziehung der beiden kommen. Schließlich hinterlässt das Beziehungs-Happy-End der beiden eine ganze Menge freien Raum, der nun nicht mehr mit ewigem Liebes-Hin und Her gefüllt werden muss.
Mit einem Plattenvertrag hat auch Avery zu kämpfen. Allerdings eher mit den Nachwehen seiner großen Chance. Er hat seinen Vertrag geschmissen - und nicht unbedingt auf die cleverste Art und Weise. Nun steht ihm das Wasser bis zum Hals. Während wir ihn in der letzten Episode noch dort gesehen haben, wo er hinwollte - auf der Bühne des Blue Bird -, ist er nun auch dort nicht mehr gern gesehen. Sein kleiner Ausbruch hat ihm alte Kontakte verbaut.
Doch noch ältere Kontakte geben ihm neue Hoffnung. Es ist interessant zu sehen, dass Avery im Moment der Not ausgerechnet von dem Mann Hilfe bekommt, den er übel fallengelassen hat. Es muss eine Zeit in Averys Leben gegeben haben, da er ein wirklich guter Freund war. Nun beginnt er erneut - als Roadie. Sollte das auf der Rayna/Juliette-Tour geschehen - wonach ja alles aussieht -, dann würde immerhin er endlich in den Hauptplot einbezogen werden. Und das hätte er verdient, denn Avery hat sich als interessante Figur gezeigt, die im Moment eine noch größere tickende Zeitbombe ist, als Juliette es jemals war. Anders als sie hat er wirklich alles verloren. Und das kann ihn überall hinführen.
On Tour
Rayna (Connie Britton) ist seit neuestem ziemlich mit sich im Reinen. Das trifft sich gut, denn Deacon (Charles Esten) führt seine neue Flamme vor. Und die zeigt kein Merkmal, eine Rebound-Affäre zu sein. Stattdessen wirkt Stacey (Susan Misner) vom ersten Moment an wie der perfekte Ruhepol für den getriebenen Musiker Deacon. Es passt einfach perfekt. Und das sieht auch Rayna. Doch sie erlaubt sich keinen Ausrutscher, begrüßt die Neue höflich in einer verständlicherweise unangenehmen Unterhaltung und gibt Deacon schließlich ihren aufrichtig klingenden Segen.
Sie wirken so zufrieden und im Frieden mit sich. Doch für das ehemalige Traumpaar Rayna und Deacon liegen bereits einige Dramen bereit, die nur noch an die Oberfläche geschwemmt werden müssen. Der nächste große Knall wird wohl mit Lamar bevorstehen. In welcher Art und Weise auch immer. Und dann scheint seit einigen Episoden das große Geheimnis um Maddies Vater in der Luft zu liegen. Immer häufiger sehen wir Deacon mit Maddie (Lennon Stella). Wenn er sie nicht gerade ins Krankenhaus fährt, legt er seinen Arm um sie, während sie gemeinsam ein Rayna-Konzert ansehen. Oder er singt mit, während Maddie und Daphne (Maisy Stella) auf der Bühne ihr Bestes geben.
Die Töchter sind seit einiger Zeit mehr als nur oberflächliche Figuren, die Raynas und Teddys Ehe zur Familie ausbauen. Zumindest Maddie hat ein Eigenleben entwickelt. Und die Sympathien, die man für beide Töchter bereits entwickeln konnte, schöpfen die Serienautoren in der Episode I Saw the Light voll aus. Die Story darum, ob Maddie Sängerin werden darf, wirkt zunächst ein bisschen aufgesetzt. Nachdem Juliette (Hayden Panettiere) ihren Senf dazugegeben hat - und natürlich das Gegenteil von Rayna vertritt - kann einem schnell der Gedanke kommen, dass das Ganze nur als weitere Quelle dieses Konflikts dienen sollte. Doch dann schickt Rayna ihre Töchter vor versammelter Tour-Mannschaft auf die Bühne - und nicht nur der mitsingende Deacon macht das zu einem herzerwärmenden Moment, der angenehm überraschend kommt.
Muttergefühle
Aus Juliette, Jolene (Sylvia Jefferies) und ihrem Suchthelfer Dante (Jay Hernandez) wird in dieser Nashville-Episode ein seltsames Dreieck. Ihrer Mutter einen Therapeuten an die Seite zu stellen, der vom Alter und Attraktivitätsgrad in Juliettes Beuteschema fällt, erschien von Anfang an seltsam. Doch wir haben einige schöne Szenen mit großen Fortschritten für die Mutter-Tochter-Beziehung bekommen. Und schließlich ist es doch soweit: Juliette kann Dankbarkeit und Zuneigung einem Mann gegenüber nicht anders als durch Sex ausdrücken. Das bekommt auch Dante zu spüren. Dass es eine schlechte Idee ist, mit dem Suchthelfer der eigenen Mutter ins Bett zu steigen, kann man zehn Meter gegen den Wind riechen.
Doch fürs Erste gibt die Entwicklung eine wunderschöne Szene her, in der Juliette ihrer Mutter von der Bühne herunter dankt. Das vergrößert die Fallhöhe, wenn Jolene demnächst erfahren wird, dass ihre Tochter ihren Therapeuten nicht nur für Geschäftstreffen gestohlen hat.
Unterdessen in Nashville
Die Serienautoren haben sich wenig Mühe gegeben, Sympathien für Peggy (Kimberly Williams-Paisley) zu wecken, und auch Teddy (Eric Close) ist irgendwie unten durch, seit er sich so kühl seiner frisch getrennten Frau gegenüber verhält und ansonsten nur noch als Taktiker auftritt. Von dem herzensguten Menschen, der sich aufgeregt hat, als er dachte, dass Lamar (Powers Boothe) Coleman Tabletten untergeschmuggelt hat, ist nur noch wenig übrig. Über den Plot um das Stadium und die Affäre des Bürgermeisters gibt es daher auch nicht viel zu sagen. Die zu konstruiert wirkende Eröffnung, dass es Peggy war, die die Scheidungsstory ausgeplaudert hat, lockt auch kaum jemanden hinter dem Ofen hervor. Man fragt sich in erster Linie, wohin das eigentlich führen soll und ob es eine Verbindung zu Rayna und den anderen geben wird.
Fazit
Die Bühne als Platz für Emotionen zu nutzen, das kann die Serie Nashville gut. Und das zeigt sie in der Episode I Saw the Light in voller Breite. Die Szene mit Raynas Töchtern und auch Juliettes Widmung an ihre Mutter sind Herzensbrecher. Im Taumel dieser Gefühle kann der Zuschauer auch die neuen Figuren direkt ins Herz schließen. Stacey ist eine Freundin, gegen die man nur schwer sein kann, selbst als großer Deacon/Rayna-Fan. Und in Sachen Will: Jeder, der ein bisschen Würze in die Story um Scarlett und Gunnar bringen könnte, sollte herzlich aufgenommen werden.
Die Episode I Saw the Light spielt alle Karten bestens aus, bringt große Gefühle, gute Musik, schleichende Bedrohungen und hält den Soap-Faktor dabei doch in erträglichen Grenzen.
Verfasser: am Freitag, 5. April 2013(Nashville 1x16)
Schauspieler in der Episode Nashville 1x16
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