Nashville 1x14

© inst eine Familie, nun Kontrahenten: Teddy (Eric Close) und Lamar (Powers Boothe) in der Serie „Nashville“ / (c) ABC
Die Episode Dear Brother handelt von Familie und verändert in dieser Hinsicht vieles, für alle Beteiligten. Wirklich glücklich kommt niemand in der Serie Nashville aus dieser Episode heraus.
Die Pressemeute
Die erste große Überraschung trifft Rayna (Connie Britton) und Teddy (Eric Close). Ihre bisher geheim gehaltene Scheidung gelangt an die Presse. Wir haben gesehen, wie Juliette (Hayden Panettiere) ihr Spiel mit der Presse treibt und umgekehrt, aber bei Rayna konnte man hin und wieder gar vergessen, wie groß das öffentliche Interesse an ihrer Person ist.
Doch die bevorstehende Scheidung hat das verändert, auf Schritt und Tritt wird sie von Fotografen verfolgt. Und wendet sich für Hilfe an ihre Schwester. So unangenehm die ganze Sache auch für ihre Figur ist, es steht ihr gut. Denn Rayna beweist mal wieder Klasse und bleibt auch im Angesicht der Katastrophe ganz sie selbst: Stilvoll und gelassen. Auch wenn ihre Verletzlichkeit deutlich durchscheint.
Es ist schön zu sehen, dass sie auf ihre Schwester zählen kann. Die Familienverhältnisse waren bisher nur undeutlich zu erkennen. Rayna hat sich als rebellische Tochter gezeigt, Lamar (Powers Boothe) als eiskalter Königsmacher mit schwacher Stelle für die Familie. Die dritte im Bunde, Tandy (Judith Hoag), arbeitet eng mit Lamar zusammen, hat jedoch auch hin und wieder ihre Verbundenheit zu Rayna gezeigt.
In der Stunde der Not stehen die Schwestern zusammen und das ist beruhigend. Am Ende des Tages zählt die Familie am meisten in der Serie Nashville.
Rückfallgefahr
Das ist auch im Hause Barnes so. Juliette hat sich überwunden und ihre Mutter Jolene (Sylvia Jefferies) eingeladen, bei ihr zu bleiben. Doch fürs Erste behält sie ihre Attitüde bei und rechnet ihren Beitrag zum Heilungsprozess der Mutter in Dollar aus. Anteilnahme zeigt sie keine.
Bis es zum Äußersten kommt und Jolene einen Rückfall erleidet. Juliette ist schon häufig über Leichen gegangen, doch die Episode Dear Brother zerrt auch ihre verletzliche Seite ans Licht. Nichts ist ihr wichtiger als das Rampenlicht, das wissen wir. Und der Auftritt auf Deacons Geburtstagsparty ist für sie aus mehreren Gründen noch wichtiger als andere. Es ist die geschichtsträchtige Bühne, die großen Namen im Publikum und ihre Rolle als Gastgeberin für Deacon (Charles Esten), die diesen Auftritt zu einer großen Sache machen.
Doch sie entscheidet sich dagegen und geht mit ihrer Mutter. Das ist ein großer Schritt für den Charakter Juliette. Und zumindest der Zuschauer wird belohnt. Nicht nur die intime Szene zwischen Juliette und ihrer Mutter bringt uns den oft so eiskalten Popstar näher, auch das Gespräch mit dem Unterstützer ihrer Mutter hat viel zu bieten. Hinter der glitzernden Fassade steckt ein verletztes Mädchen, das viel durchmachen musste. Sie hat eine Schutzmauer um sich aufgebaut, die nun langsam bröckelt und die wahre Juliette zum Vorschein bringt.
Verzweiflung
Auch für Gunnar (Sam Palladio) stehen die Sterne nicht gut. Auch er sehnt sich nach seiner Familie, in erster Linie nach seinem Bruder. Und wir haben Jason (David Clayton Rogers) auch als netten Menschen kennengelernt, bekommen gar in der Episode Dear Brother eine rührende Bruder-Szene serviert. Das macht den Verlust für alle noch härter. Gunnar hatte lange zu kämpfen, um auf den richtigen Weg zu kommen. Und einer wie er, der sich stets nahe am Abgrund wähnt, muss eine niedrige Toleranzgrenze haben, wenn er die Gefahr sieht durch seinen Bruder zurück in den Sumpf gezogen zu werden. Die Entsorgung der Waffe ist also die logische Konsequenz, die er ziehen musste. Auch wenn der Zuschauer voraussehen konnte, dass das böse enden wird. Einen Vorwurf kann man Gunnar nicht wirklich machen.
Und doch kann man die Schuld fühlen, von der er glaubt, sie auf sich geladen zu haben. Und diese Verzweiflung, die auch Scarlett (Clare Bowen) fühlt, führt zu einer verhängnisvollen Entwicklung.
Dabei hat alles so gut angefangen für die beiden Newcomer in dieser Nashville-Episode. Sie durften vor den Großen der Szene auftreten und haben endlich einen kleinen Zugang zu den anderen Figuren der Serie bekommen. Die Zeichen standen - zumindest beruflich - auf Erfolg.
Doch die Tragödie mit seinem Bruder bringt die beiden in eine schwierige Lage. Gunnar kehrt heim, beladen von Schuld und Trauer. Scarlett weiß sich und ihm nicht anders zu helfen, als die einzige Karte auszuspielen, von der sie wohl auch weiß, dass sie Gunnar ein bisschen Glücksgefühle geben kann: Sie küsst ihn.
Doch als Start für eine Beziehung ist diese Nacht eine schwierige Sache. Die Trauer um seinen Bruder kann sie nicht ausschalten, auf lange Sicht gesehen auch nicht mindern. Es ist eine Kurzschlussreaktion. Erst die kommenden Episoden werden zeigen, ob diese beiden Dinge miteinander vereinbar sind.
An der Macht
Von der Veröffentlichung der Scheidung ist auch Teddy betroffen. Lamar entzieht ihm seine volle Unterstützung. Und Teddy zeigt sich der Rolle des Machtpolitiker würdig. Und sucht die Allianz mit Coleman (Robert Wisdom). Hier formiert sich ein neuer Konfliktherd. Doch so richtig spannend wird die ganze Politik-Sache in der Serie Nashville damit noch nicht, denn sie steht zu sehr im Schatten der Musikszene.
Wir können noch nicht erkennen, was für Teddy und auch Coleman auf dem Spiel steht wenn sie sich gegen Lamar stellen. Und auch die Entwicklung mit Peggy (Kimberly Williams-Paisley) fühlt sich seltsam an. Kann es eine Lösung sein, die Frau anzustellen, von der die Presse behauptet, man habe eine Beziehung mit ihr? Sollte Teddy sich nicht viel eher in jeder Hinsicht von Peggy distanzieren, wie es Raynas Krisenmanagerin in Bezug auf Deacon und Liam (Michiel Huisman) vorschlägt? Aber Teddy stellt seine Affäre ein und das scheint seltsamerweise kein weiteres Problem zu sein. Außer natürlich für Rayna.
Der Außenseiter
Avery (Jonathan Jackson) hat seit Beginn der Serie zu kämpfen, er will an die Spitze und dafür hat er seine Integrität verloren. Er hat seine Band im Stich gelassen und seine Freundin hat sich von ihm abgewandt. In einer Masse aus gefühlvollen Männern ist er kein Sympathieträger, aber so richtig unsympathisch ist er auch nicht. Er versucht das Beste zu machen, mit dem, was er zur Verfügung hat. Und muss nun erkennen, dass er vielleicht auf dem Weg zum Star sein könnte, aber sein Integritätsverlust ihm den Zutritt zur Szeneparty verwehrt. Er steht alleine vor dem Blue Bird während alle anderen drinnen feiern. Doch auch hier scheint noch nicht alles verloren, er könnte das Ruder noch herumreißen.
Fazit
Alle hatten in den letzten Episoden mit familiären Problemen zu kämpfen: Rayna und Teddy mit ihrer Scheidung, Juliette mit ihrer Mutter und Gunnar mit seinem Bruder. Die Episode Dear Brother führt in dieser Hinsicht für alle in eine mehr oder weniger große Katastrophe. Doch es bewegt sich etwas in der Serie Nashville. Die jüngsten Ereignisse verändern vieles und das macht es spannend.
Ein bisschen im Abseits steht das Geburtstagskind der Episode, Deacon. Sein Mut zum Kuss wird vorerst nicht belohnt. Doch Rayna ist in einer Ausnahmesituation mit ihrer Scheidung. Auf lange Sicht ist da noch nichts entschieden, die Beziehung der beiden bleibt weiterhin in der Warteschleife, in der sie schon seit der Pilotepisode steckt.
Verfasser: am Freitag, 1. März 2013(Nashville 1x14)
Schauspieler in der Episode Nashville 1x14
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