Mr. Robot 4x13

© zenenfoto aus dem Serienfinale zu der US-Serie Mr. Robot (c) USA Network
Als Elliot (Rami Malek) erwacht, scheint die Welt sich zum Besseren verändert zu haben. Nach kurzer Eingewöhnungsphase ist er schließlich gewillt, die positiven Neugestaltungen zu akzeptieren, wird jedoch schnell wieder auf den Teppich geholt, als er seinem dortigen Pendant begegnet und die angenehme Vision langsam, aber sicher ihre Risse erhält und er Wahrheiten über sich erfährt, die absolut alles für ihn auf den Kopf stellen.
Blissful Ignorance
Elliot hat Schwierigkeiten, sich zu akklimatisieren, denn fernab der befürchteten Kernschmelze kann er es kaum fassen, dass die Maschine von Whiterose tatsächlich funktioniert haben könnte. Zwei liebende Eltern, die bevorstehende Hochzeit mit Angela (Portia Doubleday), alles wirkt zu perfekt, um wahr zu sein. Doch, als sein Ich aus dieser potentiellen alternativen Realität ihm gegenübersteht, wird ihm klar, dass es unmöglich ist, dass sie beide an diesem Ort koexistieren können.
Als sich die Gelegenheit ergibt, sein fremdes Ich loszuwerden, ergreift er schließlich diese Möglichkeit, um dessen Platz einzunehmen und endlich das glückliche Leben zu führen, welches er sich schon immer erhofft hatte. Doch, anstatt diesen Traum wahr werden zu lassen und seine große Liebe endlich heiraten zu können, löst sich das Fundament dieser wunderbaren Lüge unter seinen Füßen auf, als Mr. Robot und Angela ihm klarmachen, dass er nicht derjenige ist, für den er sich hält.
Er stemmt sich gegen diese Wahrheit, die ihm schließlich in Form einer letzten Therapiesitzung, die sich tief in seinem Inneren abspielt, von einer imaginären Krista (Gloria Reuben) offenbart wird: Der wahre Elliot ist derjenige, der sich gefangen in dieser von ihm erschaffenen idealen Version der Welt befindet und die Person, von der wir geglaubt haben, sie sei Elliot, ist lediglich eine weitere Persönlichkeit, ein Teil von ihm, den die anderen als „The Mastermind“ bezeichnen. Er ist derjenige, der die Kontrolle über Elliots Bewusstsein hat und seine Hacker-Persona verkörpert, die die Gesellschaft mit ihren Taten verändert hat.
Als sein Mastermind-Part in einem Krankenhaus in Washington wieder erwacht, befindet sich Darlene (Carly Chaikin) an seiner Seite und macht ihm klar, dass er sich wieder in der Realität befindet und er trotz Explosion der Maschine von Whiterose eine Kernschmelze verhindert hat. Obwohl er überglücklich ist, seine Schwester wiederzusehen, der, wie sie gesteht, bereits klar war, dass nicht der echte Elliot all die Zeit seit der Gründung von F-Society am Steuer war, sieht seine Mastermind-Persona ein, dass es an der Zeit ist, in den Hintergrund zu treten und die wirkliche Persönlichkeit Elliots sein Leben führen zu lassen. Im Anschluss werden wir Zeuge, wie sich die verschiedenen Charaktere im Inneren unseres Protagonisten zurücklehnen und der wahre Elliot als Summe all seiner Persönlichkeiten von seiner Schwester willkommen geheißen wird.
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Domo Arigato Mr Roboto
Es zeichnete sich bereits ab, dass Mr. Robot vorhat, noch einen ganz großen Twist in Bezug auf Elliots dissoziative Identitätsstörung hervorzuzaubern. Dabei zaubert man dies aber eigentlich nicht wirklich plötzlich aus dem Hut, denn diese Offenbarung wurde bereits seit dem Beginn der Serie mit etlichen kleinen Details und Hinweisen aufgebaut. Lässt man diverse Ereignisse nun Revue passieren, stehen diese auch in einem völlig anderen Licht.
Doch fangen wir mit unserer Aufarbeitung an einer anderen Stelle an: Mit dieser Art von Ende rund um die Ereignisse im Kraftwerk wurde im Grunde genommen auch die Sci-Fi-Komponente der Serie entfernt beziehungsweise auf geschickte Weise offengelassen, denn, ob das Projekt von Whiterose durch die Veränderung der Realität jemals funktioniert hätte oder lediglich Wunschvorstellung oder Wahnsinn ihrerseits war, lässt sich nicht mit Sicherheit beantworten. Eine Frage, die dabei offenbleibt, ist allerdings auch, was sie damals Angela (Portia Doubleday) gezeigt hat beziehungsweise geglaubt hat, Elliot zu zeigen, da wir de facto nun wissen, dass die alternative Welt sich nur in seinem Kopf abspielte und einem ganz anderen Zweck diente.

Nun wissen wir auch, wer alles in Elliots Kopf herumspukt und bekamen ebenso erläutert, zu welchem Zweck und in welcher Reihenfolge die diversen Persönlichkeiten erschaffen wurden. Mr. Robot (Christian Slater) entstand nach Elliots Sturz aus dem Fenster und fungierte als sein Beschützer. Elliots Mutter (Vaishnavi Sharma) formierte sich in ihrer harschen Form, um Schuldzuweisungen auszusprechen, während Elliots junges Ich (Evan Whitten), ihm half, sich vor dem Trauma zu verschließen und auf seine Weise dagegen anzukämpfen. Dann entstanden wir, der Zuschauer, welcher exakt zu Beginn der Serie zum ersten Mal die Augen aus Elliots Sichtweise öffnet. Ungefähr zur selben Zeit beziehungsweise kurz davor muss auch die Mastermind-Persona entstanden sein, den wir anstelle des wahren Elliots die ganze Serie über begleiteten. Nun ist dieser, auch wenn er Elliot in seiner utopischen Traumwelt gefangen hielt, keineswegs ein Bösewicht. Er ist dessen gesammelte Wut über all das Leid, all das Unrecht, was ihm widerfahren ist, dessen Mission darin bestand, die Welt für Elliot besser zu machen, koste es, was es wolle.
Seine Schattenseite bestand darin, dass er nicht loslassen wollte, so schuf sich die Mastermind-Persona letztlich ihre eigene Narrative und verdrängte das Bewusstsein, dass der wahre Elliot eigentlich stets schlummerte. Dabei spielte nicht zwangsläufig der Kontrollverlust, sondern vielmehr die Angst davor, im Nichts zu verschwinden, eine Rolle, denn wie könnte man als Teil einer Summe voraussagen, was passiert, wenn man von etwas Größerem wieder absorbiert wird? Sorge um Darlene mag möglicherweise auch ein Faktor gewesen sein, denn schließlich war es nur das Mastermind, das eine tiefe Verbindung mit ihr knüpfte. Sie war auch der Anker, der ihn immer wieder in die Realität zurückgeholt hatte, was einer der Gründe dafür war, dass sie in Elliots Traumwelt keinen Platz hatte. Carly Chaikin legt zum Abschluss dafür übrigens auch eine tolle Leistung aufs Parkett.

Man könnte noch über etliche Dinge reflektieren, so viel analysieren und interpretieren, doch vor allem geht es ja auch um eine wichtige zentrale Frage: Ging der Plan von Sam Esmail auf? Hat er sich mit seinen Ambitionen verhoben? Konnte er nach dieser außergewöhnlichen Staffel halten, was er versprochen hatte? Meiner Meinung nach hat er dies voll und ganz getan. Mit Elliots Psyche sind wir zum Kernthema der Serie zurückgekehrt, welches stets neben vielen Mysterien und Verschwörungen ein Stück weit Vorrang hatte und somit gerechtfertigt den Kreis schließen durfte. Es fühlt sich richtig an, alles auf einer positiven, aufbauenden Note zu beenden und, obwohl einige strahlende Figuren wie Angela ihr Leben lassen mussten, sind Traumabewältigung und Akzeptanz der Realität in all ihren Schattierungen essentielle Dinge, an denen unserer Protagonist gewachsen ist.
Er ist einer der komplexesten und faszinierendsten Seriencharaktere, die jemals geschrieben wurden: Held, Antiheld, schüchtern, mutig, kompromisslos, gutherzig, zurückhaltend, unsicher, verletzlich, leidenschaftlich. Elliot und seine Persönlichkeiten decken das gesamte Emotions- und Attributsspektrum ab und es braucht verdammt gute Drehbücher sowie einen unglaublich talentierten Schauspieler, um diesen innerlichen Wirbelsturm auch nur ansatzweise auf den Bildschirm zu bringen, so wie wir es erleben durften. Rami Malek beherrscht die Kunst, diesem Charakter, der sich eben nicht durch überbordende Exzentrik, sondern vielmehr durch innerliche Konflikte auszeichnet, Leben einzuhauchen. Ganz, wie es Mastermind-Elliot in seiner Schlussrede formuliert - die übrigens auf so vielen Ebenen gleichzeitig bedeutungsvoll und bewegend war -, kann er auf sich als wichtiger Teil des Ganzen absolut stolz sein.
Fazit
Das Finale von „Mr. Robot“ kann die daran gestellten Erwartungen in vollem Umfang erfüllen. Das ist eine ganz besondere Auszeichnung, denn mit dieser letzten Staffel, genau wie mit der gesamten Serie, haben Sam Esmail und sein Team neue Maßstäbe gesetzt, was insbesondere heutzutage nach der Wandlung des TV-Mediums mit seiner Vielzahl an beeindruckenden Werken eine Rarität ist (siehe Peak TV). Inspiriert von etlichen Filmen, Serien und Büchern schuf man jedoch etwas ganz Eigenständiges und wartete mit vielen Experimenten und innovativen Ideen sowohl in Bezug auf das storytelling als auch auf die Regie auf. Diese eigene Handschrift macht dieses Serienerlebnis zu etwas ganz Besonderem und mit diesem rundum gelungenen und gut durchdachten Schlusspunkt erreicht man etwas, was selbst einigen ganz Großen verwehrt geblieben ist. Denn, wie wir es schon oft erleben mussten, ist es ganz und gar keine Selbstverständlichkeit, einer fantastischen Serie auch ein ihr gebührendes Ende zu verleihen. Hut ab vor allen Beteiligten dieser Ausnahmeserie, welche sich all das Lob, das sie im Laufe der Zeit bekommen hat, redlich verdient hat. Goodbye, friend!
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Verfasser: Tim Krüger am Montag, 23. Dezember 2019Mr. Robot 4x13 Trailer
(Mr. Robot 4x13)
Schauspieler in der Episode Mr. Robot 4x13
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