Mr. Robot 4x11

© zenenfoto aus der Episode 4x11 eXit der US-Serie Mr. Robot (c) USA Network
In eXit beschließt Elliot (Rami Malek), das Projekt von Whiterose (BD Wong) unter dem Nuklearkraftwerk in Washington Township unschädlich zu machen. Doch diese steigt aus dem Chaos hervor, um eine neue geordnete Welt hervorzubringen, während die Umsetzung ihres Plans näherrückt, in dem Elliot eine entscheidende Wahl treffen muss...
Zhang is dead. There's only Whiterose.
Whiterose und Elliot schreiten parallel ihrem Schicksal entgegen, denn während Whiterose über die Leichen des Sonderkommandos steigt, welches Minister Zhang in Gewahrsam hatte nehmen sollen, beschließt Elliot, ebenso wie sie zu dem Nuklearkraftwerk zu reisen, welches das mysteriöse Projekt beherbergt, das wiederum die Welt verändern soll. Dort angekommen, ist es überraschend einfach für ihn, in den Komplex hineinzugelangen, denn er wirkt verlassen. Der Grund dafür wird ihm bald klar, während er versucht, einen Virus in das System einzuspeisen, um das Projekt lahmzulegen, denn niemand des ursprünglichen Personals ist mehr am Leben.
Während Sirenen die anrückenden Polizeikräfte ankündigen, geleitet ein bewaffneter und für diese Situation verantwortlicher Trupp der Dark Army ihn einige Stockwerke tiefer, wo Whiterose bereits auf seine Ankunft wartet. Sie diskutieren über ihre unterschiedlichen Ansichten bezüglich humanistischen Handelns und die Wahl, die Whiterose in seine Hände legt. Als ihre Zeit abgelaufen ist, erklärt letzterer, dass der massive Energiekonsum des Konstruktes die Kühlfunktionen des Kraftwerks beeinträchtigt und damit eine Kernschmelze bevorsteht. Mit dem Versprechen der Wiedergeburt in einer Parallelwelt nimmt sie sich das Leben und übergibt Elliot die Kontrolle.
Anhand eines Rollenspiels auf einem alten Apple-Computer spielt Elliot zwei Szenarien durch, von denen er sich erhofft, dass diese als besagte Wahl an die Maschine von Whiterose gekoppelt sind. Als er die Option „bleiben“ wählt, geschieht jedoch etwas Unerwartetes: In einer anderen Welt (parallel oder imaginär) erleben wir den Alltag eines anderen Elliots, der ein geordnetes und gewöhnliches Leben als Chief Executive Officer bei Allsafe führt. Er ist im Begriff, seine beste Freundin Angela (Portia Doubleday) zu heiraten, trifft sich regelmäßig mit seinem fürsorglichen Vater (Christian Slater) und handelt gleichzeitig einen für die Firma monumentalen Deal mit einem gewissen Tyrell Wellick (Martin Wallström) von F-Corp aus. Doch irgendetwas scheint nicht zu stimmen, denn, als er sein Apartment betritt, findet er es nicht nur verändert vor, es sitzt auch eine Person mit Hoodie vor seinem Computer, die ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ist.
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Something must be wrong if everything is right
Ganz schnell wird in eXit klar: Die Dark Army ist noch nicht am Ende, denn Whiterose (BD Wong) ist lediglich gezwungen, ihren Zeitplan anzupassen. Zielstrebig und unaufhaltsam steigt sie über die Leichen derer, die versucht haben, sie zu stoppen, während sie verkündet, dass Minister Zhi Zhang nicht mehr existiert und nur noch Whiterose übrig ist. Mr. Robot ist mit seiner extravaganten Inszenierung schon immer bildgewaltig gewesen und kann in dieser Episode mit Szenen wie dieser ganz besonders punkten.

Das ist vor allem auch BD Wong (zuvor vor allem: Law & Order: Special Victims Unit und diverse „Jurassic Park“-Filme) geschuldet, der eine eindrucksvolle Performance abliefert, die so vielen starken Leistungen seiner Kollegen in dieser Serie in nichts nachsteht. Die stimmungsvollen und einprägsamen Sequenzen reihen sich diesmal aber auch wirklich aneinander, wie etwa diejenige, in der Elliot von Schergen der Dark Army unter Anleitung des entspannt vor sich hin mampfenden „Hamburger Man“ (Stephen Lin), der sich auch noch einmal die Ehre gibt, zu den Klängen von White Widow der Band Afterhours zu Whiterose geleitet wird. Der Song beschreibt nicht nur viele Aspekte von ihr sowie die Situation äußerst treffend, er stimmt zudem, während wir durch die Korridore geführt werden, und der Blick Elliots links und rechts auf die zahlreichen Leichen abschweift, auf eine der wichtigsten Begegnungen dieser Serie mit gebührend Gravitas - bizarrer Humor inklusive - ein.
Er kündigt ein Gipfeltreffen, ein Duell, oder je nach Betrachtungsweise, eine schicksalsträchtige Konversation an, die definitiv nicht enttäuscht. Es wurden viele Leben zerstört, viel Leid ertragen und auch immer wieder Blut vergossen, um an diesen Punkt zu gelangen. Doch all diese Mittel rechtfertigen für Whiterose den Zweck, die trotz ihrer Differenzen bezüglich Ethik und Humanismus Elliot den Schlüssel in die Hand legt. Natürlich kommen automatisch einige Fragen auf, doch wir erhalten auch Antworten zu ihrem mysteriösen Projekt, zu dem bereits etliche Andeutungen die gesamte Serie über verstreut wurden: Es scheint sich tatsächlich darum zu drehen, eine Art Parallelwelt zu schaffen, die chronologisch weniger fortgeschritten als der aktuelle Handlungsstrang ist und zeitlich in etwa am Beginn der Serie ansetzt. Nur sind die Karten eben komplett neu gemischt.
Bevor wir jedoch darauf eingehen, sollte man sich noch einmal vergegenwärtigen, dass Whiterose ein solches Vertrauen, einen solchen Glauben in ihr Projekt besitzt, dass sie dafür nicht nur eine verheerende Kernschmelze in Kauf nimmt, sie demonstriert dies auch auf ansonsten unwiderrufliche Weise, in dem sie sich das Leben nimmt. Doch genau das ist eben der Punkt: Es ist ihr egal, dass es kein Zurück mehr gibt, da der Countdown für den Resetknopf bereits eingeleitet ist. Nimmt man dabei das RPG unter die Lupe, welches Elliot unter Zeitdruck durchzuspielen versucht, findet man zahlreiche Referenzen und Metaphern, die seine Persönlichkeit und seinen Entscheidungsprozess unterstreichen. Es folgen jedoch so viele wichtige Geschehnisse und Twists aufeinander, dass man als Zuschauer vieles erst einmal auf sich wirken lassen muss, um mit wesentlichen Ereignissen auf Augenhöhe zu bleiben.
Während wir eine andere Version von Elliot nach dem großen Cut beobachten, drängen sich trotzdem natürlich parallel dazu sofort einige substantielle Fragen und Theorien zu der dargestellten Welt auf: Wenn Whiterose dies Angela gezeigt hat, ist es also nur eine Demonstration/Illusion, die veranschaulicht, wie eine veränderte Welt aussehen könnte? Ist es eine Parallelwelt oder spielt sich das Ganze doch einfach nur im Unterbewusstsein beziehungsweise im Kopf unseres Protagonisten ab? Werfen wir einmal das „Wie?“ über Bord und nehmen an, dass Whiterose diese Welt und den Zeitpunkt nach ihren Vorstellungen gestaltet hat, ist ihre Vorstellung einer gerechten Welt, eines Utopias, nicht absolut absurd und illusorisch? Können alle Kranken gesund, alle Armen reich sein? Besonders letzteres ist eine spannende Frage, denn soziale Gerechtigkeit war einer der theoretischen Knackpunkte des Grundgerüsts der Handlung von Mr. Robot und die Entstehungsgeschichte von F-Society. Diese Welt scheint zudem auf einigen persönlichen Wünschen aufgebaut zu sein: Whiterose ist eine große Philanthropin, eine Reflexion der Darstellung ihrer selbst gegenüber Elliot.

Dieser ist nun der Sohn eines liebenden Vaters (Christian Slater) und steht mit seiner bevorstehenden Hochzeit mit einer quicklebendigen Angela (Portia Doubleday) vor einem der Höhepunkte seines Lebens, nachdem er als hohes Tier in seiner Firma auch F-Corp (F=Fake?) mit ins Boot holte und wir dabei auch Tyrell (Martin Wallström) wiedersehen. Ein dezenter Indikator, dass auch in dieser Welt nicht alles in Ordnung ist, sind unter anderem die blutigen Scherben, verursacht von Angelas Eltern, die optischen Glitches oder das Fehlen von Darlene (Carly Chaikin). Wir können davon ausgehen, dass diese Version der Welt im Finale noch dekonstruiert wird, doch die große und wichtigste Frage als Resümee des Ganzen ist vordergründig: Wie zur Hölle geht es jetzt weiter? Mit zwei ausbleibenden Folgen bleibt es ungemein spannend und es ist angenehmerweise schwieriger denn je, vorauszuahnen, wo Sam Esmail mit seiner Geschichte nun hin will und wie seine Pointe aussehen wird...
Fazit
Bei dem, was Mr. Robot Woche für Woche auf den Bildschirm bringt, gehen mir allmählich die Superlative aus. Auf ganzer Linie überzeugende Darsteller, eine gekonnte und einzigartig Regieführung sowie genau das richtige Verhältnis zwischen Fragen, Andeutungen und Antworten wecken mehr Spannung denn je für das kommende Serienfinale, das sich bereits jetzt dadurch auszeichnet, dass es in alle Richtungen offen ist und es somit kaum möglich ist vorauszusehen, was Sam Esmail und seine Mitverschwörer letztlich für uns ausgeheckt haben. Besser und cleverer kann man ein Finale kaum vorbereiten.
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Der Trailer zum abschließenden Serienfinale von Mr. Robot, 412 & 413 Series Finale Part I and Part II (Payload Too Large):
Verfasser: Tim Krüger am Montag, 16. Dezember 2019Mr. Robot 4x11 Trailer
(Mr. Robot 4x11)
Schauspieler in der Episode Mr. Robot 4x11
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