Marvel's The Defenders 1x01

Marvel's The Defenders 1x01

Marvel's The Defenders werden ab sofort auf die Netflix-Kundschaft losgelassen. Gelingt es der TV-Sparte von Marvel, die Helden auf spannende Weise zu vereinen oder gibt es Anlaufschwierigkeiten? Oder wird in der ersten Episode noch gar nichts vereint?

„Marvel's The Defenders“ / (c) Marvel TV/Netflix
„Marvel's The Defenders“ / (c) Marvel TV/Netflix
© ??Marvel's The Defenders“ / (c) Marvel TV/Netflix

Das große Netflix-Projekt der Marvel Studios hat auf diesen Moment hingesteuert. Vier Serien und bisher fünf Staffeln lang haben die Straßenhelden Daredevil, Jessica Jones, Luke Cage und Iron Fist mit durchaus gemischten Resultaten ihr eigenes Ding durchgezogen und nun ist es an der Zeit sie zusammenzubringen, um das Team-up Marvel's The Defenders auf die Beine zu stellen.

Sie sollen so etwas sein wie die Straßen-Avengers, die hauptsächlich New York und nicht die ganze Welt oder das Universum vor dem Bösen schützen. Ironisch ist dabei natürlich, dass die erste große Avengers-Schlacht in „Marvel's The Avengers“ sich bereits in New York abgespielt und dabei beeindruckend vorgemacht hatte, wie so eine Teamzusammenführung aussehen kann. Traditionell ist das eben die Stadt, in der die meisten Marvel-Abenteuer spielen, auch wenn es Versuche gab, das aufzulockern (Stichwort: Fifty States Initiative) - und eigentlich ist es auch überhaupt nicht schlimm, dass das der zentrale Handlungsort ist für unsere local heroes.

Nun darf also die TV-Sparte rein und zumindest der Auftakt lässt sich sehr viel Zeit und zeigt den Zuschauern in einem eher gemütlichen Tempo, wo die Einzelhelden nach den Ereignissen der jeweils aktuellen Staffel stehen. Statt also mit einem großen Action-Set-Piece zu starten und dann in medias res zu gehen, bleiben wir zunächst eng an den uns bekannten Protagonisten.

Iron Fist - Im Schatten der Hand

Danny Rand in einem Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“
Danny Rand in einem Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“ - © Marvel TV/Netflix

Danny Rand (Finn Jones) aka Glühfaust Iron Fist reißt mit Colleen Wing (Jessica Henwick) den Spuren der Hand hinterher, denn die hat bekanntlich Dannys Leben auf den Kopf gestellt und dürfte hinter der Zerstörung von K'un Lun stecken. Bis auf eine expositorische Flashback-Sequenz erfährt man im Piloten jedoch nichts davon. Ihre beste Fährte wird jedenfalls vor ihren Augen durch eine mysteriöse Frau, die sich vor dem Folgenende als von der Hand wiederbelebte Elektra (Elodie Yung) herausstellt, umgebracht. Zuvor gibt es jedoch den Hinweis, dass sich der Krieg nicht in Kambodscha abspielt, sondern in New York, dem Nabel der Marvel-Welt, the greatest city in the world.

Wenn auch mit vergleichsweise wenig Screentime, bleibt die Iron-Fist-Geschichte für mich im Auftakt am uninteressantesten, was auch mit der Gestaltung der Figur bisher zu tun hat. Der Funke will einfach nicht überspringen, die Kampfszenen werden wieder mal mit vielen Schatten kaschiert und es gibt noch enormes Steigerungspotential. Dies gilt aber für den gesamten Piloten.

Jessica - Dial H for Hero? Wrong number!

Jessica Jones in einem Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“
Jessica Jones in einem Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“ - © Marvel TV/Netflix

Jessica Jones (Krysten Ritter) ist trotz des sehr öffentlichen Triumphs über Kilgrave (David Tennant) - für den sie alle als Heldin wahrnehmen und teilweise wohl auch verehren - weiterhin eine Schnapsdrossel, die in Bars einschläft.

Weiter an ihrer Seite ist Jugendfreundin und Radio-Host Trish (Rachael Taylor). Jessica bewahrt ihre BFF davor abgeschleppt zu werden, ihr eigenes Leben als Ermittlerin kriegt sie jedoch nicht auf die Reihe oder weigert sich erfolgreich, daran zu arbeiten. Die Eingangstür ist wieder mal kaputt und das Telefon wird nur mit der Nachricht „Wrong Number“ bespielt, während sie verzweifelte Klienten ablehnt mit der zynischen Begründung, dass die vermisste Person ohnehin ihre Frau betrügt.

Dennoch lässt Sidekick/Assistent Malcolm (Eka Darville) nicht locker und hilft dabei einer Spur, die von einem Drohanruf im Vermisstenfall inspiriert wird, nachzugehen. Flugs findet Jessica in einer verlassenen und unheimlich beleuchteten Absteige, die wohl einem Heroinjunkie gehört, eine große Menge Sprengstoff.

Mit Trish und Malcolm bringt man die Jessica Jones-Nebenfiguren mit, die sicherlich am vielversprechendsten sind, was ein Trend bei den Individualstorys zu sein scheint. Allerdings gilt, dass man sich nicht übernehmen sollte, was die Vielzahl von Figuren angeht...

Luke Cage - Not starting over, moving forward

Luke Cage in in einem Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“
Luke Cage in in einem Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“ - © Marvel TV/Netflix

Audiovisuell wird Luke Cage (Mike Colter) in der ersten Folge wohl am eindeutigsten vom Rest der Gruppe getrennt. Während bei Jessica Blau- und Violettöne vorherrschend sind und Matt Murdock (Charlie Cox) später passend zur Figur in Rot inszeniert wird, sind es bei Cage das Gelb (das jedoch auch in dieser Serie gerne zu Beleuchtungszwecken eingesetzt wird) und der Hip-Hop-Nostalgie-Filter, die in Harlem zum Einsatz kommen.

Cage hat seine Haftstrafe abgesessen und glaubt, mit seiner Vergangenheit aufgeräumt zu haben. Weil der Schließer die Handschellen nicht aufbekommt, hilft er selbst nach und beweist so, dass er zwar jederzeit hätte abhauen können, weil er aber Buße tun wollte, dementsprechend brav eingesessen hat. Sein Anwalt ist niemand Geringeres als Foggy Nelson (Elden Henson), womit wir eine erste Vermischung der Soloserien haben. Er arbeitet, wie schon am Ende der zweiten Daredevil-Staffel angedeutet, für Hogarth (Carrie-Anne Moss) und hat maßgeblich geholfen, Lukes Strafe so kurz wie möglich zu halten. Er selbst ist ein Mustergefangener, der nicht einmal handgreiflich wurde.

Hier muss man sich fragen, wie realistisch das ist, auch in einer Comicwelt: Haben die Gefangenen wirklich so viel Respekt, dass es zu keinem Angriff kommen würde? Ebenfalls etwas merkwürdig mutet Cages Weltanschauung nach seiner Befreiung an. Da seine Sünden der Vergangenheit vergolten sind, meint er, dass er zukünftig nie wieder in Schwierigkeit geraten wird? Gleichzeitig hat er Mariah Dillard (Alfre Woodard) direkt wieder im Visier und möchte sie zu Fall bringen. Ein Unterfangen, wofür er nach eigenem Bekunden bereit ist, außerhalb des Gesetzes zu agieren. Na ja.

Doch bevor er irgendetwas macht, gilt es, die Verabredung zum Kaffee mit Claire Temple (Rosario Dawson) einzulösen, was übersetzt so viel wie „Apartment zerstörenden Sex“ bedeutet.

Misty Knight (Simone Missick) macht Luke dann darauf aufmerksam, was seit seiner Abwesenheit in Harlem passiert ist. Neben Mariahs Intrigen sind das mysteriöse Mordfälle an Mittzwanzigern, die ihren Müttern vorher ein schönes Leben ermöglichen. Luke soll versuchen zu verhindern, dass weitere Personen auf die schiefe Bahn geraten, doch dafür kann es schon zu spät sein, wie im Fall des Bruders von Candace, deren Aussage Mariah hätte überführen können. Was genau sich hinter diesen Vorfällen verbirgt, wird im Auftakt noch nicht klar. Luke wäre aber nicht Luke, wenn er nicht mehr darüber aufdecken würde. Misty selbst hat eine Beförderung erhalten und nun auch etwas mehr zu sagen, was sicherlich auch noch nützlich für die Helden sein könnte.

Persönlich bin ich ein großer Fan von Luke und Claire als Paar und sehe hier eindeutig Chemie, auch wenn das stark von einer gewissen Comicpaarung abweicht. Aber auch Misty Knight als Nebenfigur mag ich und hoffe, dass trotz des großen Ensembles Platz für die Figuren und ein paar Interaktionen mit ihnen bleibt, denn das ist eine große Stärke, die das Marvel Cinematic Universe (oder sollte man sagen Television Universe?) den Autoren an die Hand gibt.

Matt Murdock - Teuflisch guter Pro-Bono-Anwalt?

Matt Murdock in einem Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“
Matt Murdock in einem Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“ - © Marvel TV/Netflix

Matt hat das Teufelskostüm (vorerst) aufgegeben und arbeitet nun als Pro-Bono-Anwalt - und das mit großem Erfolg. Der Fall eines Jungen, der im Rollstuhl sitzt, bringt der Familie elf Millionen Dollar ein. Auch wenn das das alte Leben nicht zurückbringt, ist das so aber zumindest eine Chance, sich das Leben zurückzuholen. Die Parallele zu seiner eigenen Vergangenheit dürfte nicht von ungefähr kommen und so setzt er sein Talent eben beim Helfen anderer ein - ganz ohne Maske und dem Verprügeln von Leuten.

Karen (Deborah Ann Woll) arbeitet weiterhin als Journalistin und nutzt den gewonnenen Fall für ein Wiedersehen bei einem gemeinsamen Essen mit angeschlossener Aussprache. Man könnte stark vermuten, dass ihre Interaktion mit dem Punisher und das Herausfinden von Matts Zweitidentität dazu geführt hat, dass sie anders über maskierte Selbstjustizler denkt. Ihr gegenüber sagt Matt zwar, dass er es weder vermisst, ein Held zu sein, noch bereut, es ihr erzählt zu haben. Doch in seiner Beichte gesteht er sich eine Lüge ein und die Tatsache, dass die Gedanken an Elektra ihn weiterhin beschäftigen.

Alexandra - Mächtige Frau in einem sterbendem Körper

Die Schurkin des Stücks ist Alexandra (Sigourney Weaver), deren Einführung ganz unkonventionell geschieht - und zwar in einem Moment, der sie in ihrer größten Schwäche zeigt: beim Konsultieren eines Arztes. Dieser hat keine positiven Nachrichten für sie. Ihre Lebenszeit neigt sich dem Ende entgegen. Auch ihr Reichtum und ihre Ressourcen helfen hier nicht weiter. Er gibt ihr also nur noch Wochen oder Monate zu leben.

Diese Nachricht veranlasst sie, einen Plan deutlich schneller in die Tat umsetzen zu lassen als eigentlich geplant. Madame Gao (Wai Ching Ho), die wir aus Daredevil und Iron Fist kennen, soll alles in die Wege leiten.

Die Dynamik der beiden ist durchaus interessant, wenn man bedenkt, wie Gao gegenüber Wilson Fisk in der ersten Daredevil-Staffel agiert hatte. Allerdings wurde die Mystik der Figur dann auch in Iron Fist schon wieder entkräftigt und ihrer Faszination beraubt. Jetzt ist Gao also doch wieder nur eine Handlangerin dieser Figur (Stichwort „Fütter die Vögel“), wobei auch hier die Kleidungsfarben wohl nicht zufällig, aber auch nicht subtil gewählt wurden. Der Kontrast könnte nicht größer sein.

Alexandra und Elektra in einem Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“
Alexandra und Elektra in einem Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“ - © Marvel TV/Netflix

Lässt die Geschichte, die Alexandra über den Kauf von Manhattan erzählt, vielleicht Schlüsse auf ihr Alter zu? Ist sie gar älter als Gao? Offen bleibt vieles, kleine Andeutungen muss man sich mithilfe der anderen Serien selbst zu einem Vermutungspuzzle zusammensetzen. Denn die Wiederbelebung von Elektra und vorher schon die von Nobu (Peter Shinkoda) in „Daredevil“ zeigen uns, dass der Tod für die Hand nicht die letzte Grenze ist. Ein Problem der Organisation Hand als Schurke sind die vagen Ziele. Auch der Auftakt hilft noch nicht, um ein klares Bild zu zeichnen. Der Episodenabschluss zeigt eine Art Erdbeben, das New York erschüttert und womöglich dafür sorgen könnte, dass die Helden der Straße sich vereinen müssen.

Hoffnungen und Voraussetzungen

Noch sind sie jedoch in alle Winde verstreut. Immerhin sind es diesmal nur acht Episoden, die hoffentlich für eine dichtere Erzählung genutzt werden. Die Trailer haben bereits angedeutet, dass auch der Humor nicht fehlen wird, der im Pilot noch etwas spärlich eingesetzt wird, und auch im Bereich Action besteht durchaus noch sehr viel Luft nach oben. Ein paar düstere Iron-Fist-Szenen hier, eine Rettung durch Luke Cage da und ein befreites Auto durch Jessica tragen nicht dazu bei, dass man den Auftakt im Action Department besonders dynamisch oder herausragend nennen kann.

Es ist keine leichte Aufgabe, vier Einzelserien zu einem großen Ganzen zu verbinden, wenn man sich zum Ziel gesteckt hat, auch die Protagonisten für weitere Staffeln in Stellung zu bringen.

Darum ist es eigentlich - trotz aller Mühe eines individuellen Auf-den-aktuellen-Stand-Bringens der einzelnen Figuren - nötig, die Einzelserien gesehen zu haben (vielleicht mit Ausnahme von Iron Fist, weil man die enttäuschenden Kampfszenen, ständigen Wendungen (Meachums) und Szenen bei Rand Industries niemandem zumuten muss).

Hoffen kann man also, dass das Tempo in den weiteren Episoden angezogen wird. Nach Folge eins wissen wir, wo alle stehen, wer der Feind ist und dass New York in Gefahr ist, was allen Beteiligten Grund zum Handeln geben sollte. Nun wünsche ich mir persönlich - wie die Trailer es schon andeuteten - ein zusammengewürfeltes Team, das trotz so mancher Eigentümlichkeit erkennt, dass es zusammen stärker ist als allein und so die Seele der Stadt retten kann.

Fazit

Die Defenders machen sich bereit. Nur noch nicht in der Pilotfolge - in einem Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“
Die Defenders machen sich bereit. Nur noch nicht in der Pilotfolge - in einem Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“ - © Marvel TV/Netflix

Wie erwartet, ist der Auftakt zu Marvel's The Defenders und dessen Genuss maßgeblich davon abhängig, wie und ob man die einzelnen Helden annimmt und mag. Während Matt Murdock, Luke Cage und Jessica Jones Potential birgen und jeweils Aspekte mit einbringen, die man vertieft sehen möchte, wird es bei Danny Rand schwierig, wenn auch nicht unmöglich, seine Figur sympathischer zu gestalten. Eine Taktik könnte dabei tatsächlich sein, dass man die Figur und ihre Lächerlichkeiten auf die Schippe nimmt, dabei darf man es aber nicht übertreiben, weil sie sonst zur Witzfigur verkommt.

Über Alexandra wissen wir noch nicht genug, um uns ein Urteil zu bilden. Allerdings scheint sie mächtig genug zu sein, dass Gao nach ihrer Pfeife tanzt und alle Hebel für ihren potentiell verheerenden Fall schnellstmöglich in Bewegung setzen kann. Außerdem kontrolliert sie Elektra. Weaver ist jedenfalls eine exzellente Wahl als Schurkin und es bleibt zu hoffen, dass hier nichts verschenkt wird, wobei die selbst gesetzte Schurken-Messlatte mit Fisk und Kilgrave immer noch recht hoch hängt...

Als zusammenfassender Prolog ist diese Episode also okay, um alle potentiellen Zuschauer an die Hand zu nehmen, aber jetzt bitte wieder mehr Action, wenn schon der Showrunner der zweiten Daredevil-Staffel am Ruder sitzt.

In eigener Sache: Dieses Mal verzichten wir auf einen Ausblick auf die vier vorab zur Verfügung gestellten weiteren Folgen. Ein Staffelreview ist für den Anfang der kommenden Woche geplant.

Trailer zu „Marvel's The Defenders“:

Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 18. August 2017

Marvel's The Defenders 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Marvel's The Defenders 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Das H-Wort
Titel der Episode im Original
The H Word
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 18. August 2017 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 18. August 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 18. August 2017
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 18. August 2017
Regisseur
S.J. Clarkson

Schauspieler in der Episode Marvel's The Defenders 1x01

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