Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 7x03

© zenenfoto aus der Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.-Folge Alien Commies from the Future! (c) ABC
Alien Commies from the Future!
Mit Alien Commies from the Future! landet die Zephyr mit ihrer Crew im Jahr 1955, wo die relativ junge Organisation S.H.I.E.L.D. im Area 51 unter anderem an einer ionischen Fusionstechnik forscht. Im Rahmen dessen ist eine Demonstration geplant, zu der zahlreiche wichtige Personen von S.H.I.E.L.D. eingeladen wurden, was den feindlichen Chronicoms eine Möglichkeit bietet, zu intervenieren und die Organisation doch noch auszulöschen. Unsere Agenten müssen also zusehen, dass sie die Übeltäter im Area 51 ausfindig machen und aufhalten, ohne allerdings die Geschichte aus den Angeln zu heben und selbstverständlich unter fremden Identitäten, denn der Zugang zur Anlage ist natürlich limitiert.
Was wir diese Woche erhalten, ist eine weitere gute Episode mit sehr großen Portionen Humor, einem tollen Gastauftritt von Envar Gjokaj als Daniel Sousa, den vermutlich nicht wenige hier aus Marvel's Agent Carter kennen werden, und überraschenderweise eine Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus, welches aktuell (nicht nur und leider) in den Staaten wieder eine große Rolle spielt. Gerade letzteres wirkt aus den aktuellen Anlässen schon fast gespenstisch, denn man könnte meinen, dass die Autorinnen Nora und Lilla Zuckerman die Nachrichten der letzten Wochen im Auge hatten, um das Thema unterzubringen. Das kann natürlich nicht sein, da die siebte Staffel schon lange vorher fertig war... Bedrückend ist es aber schon, weil das wiederum aufzeigt, wie sehr das Thema (welches eigentlich schon längst keins mehr sein sollte) in unserer Gesellschaft verankert ist.
Moment, große Portionen Humor und dabei gleichzeitig ein so ernstes Thema? Wie schon so oft gelingt der Serie auch mit dieser Folge der Spagat in meinen Augen sehr gut. Einmal zu Beginn, als Coulson (Clark Gregg) seine Begeisterung für die Epoche zum Ausdruck bringt und von Daisy (Chloe Bennet) dezent auf die getrennten Toiletten hingewiesen wird, aber überwiegend natürlich in Form von Gerald Sharpe (Michael Gaston), dessen Befragung sich schwieriger als angenommen erweist. Dass eben dieser Sharpe, dessen Weltbild uns im Verlauf der Episode nähergebracht wird, am Ende sein Fett wegbekommt (und wie), ist köstlich gelöst.
Agent Carter
Leider ist uns (noch?) kein Auftritt von Hayley Atwell als Agent Peggy Carter vergönnt. Simmons (Elizabeth Henstridge) darf dafür in ihre Rolle schlüpfen und zusammen mit Coulson, der sich als Sharpe ausgibt, die Basis infiltrieren. Um die Chronicoms zu finden, wird anschließend das Personal verhört, wobei den jeweiligen Kandidaten eine emotionale Reaktion entlockt werden soll. Mein Highlight bei den Befragungen ist sicher „Moist!“, wobei ich aber auch bei vielen der anderen „Verhöre“ grinsen oder lachen musste. Nur die alte Dame (Mary Eileen O'Donnell) tat mir irgendwie leid (zumal die Schildkrötengeschichte aus Ridley Scotts „Blade Runner“ stammte, was man entweder als dreist geklaut oder eben als schöne Referenz bezeichnen könnte).
Mit dem Auftritt von Daniel Sousa kommt schließlich mehr Schwung in die Sache. Die Szene zwischen ihm und „Agent Carter“ (als er Simmons entlarvt) stellt ein weiteres Highlight dar, wobei mich aber auch Coulsons Fanboy-Gerede prächtig amüsiert hat. Ein wenig schwächer würde ich Daisys erste Konfrontation mit Sousa einordnen, die für mich eher als „Malen nach Zahlen“ rüberkommt. Außerdem hätte ich mir mehrfach gewünscht, dass unser Team Sousa reinen Wein einschenkt und die wirkliche Lage erklärt. Verständlicherweise passiert das (vorerst?) nicht, wenngleich Sousa ein solches Geheimnis sicher gut hüten würde. Gespannt dürfen wir allerdings der nächsten Folge entgegenblicken, denn ein gewisser Bericht über Schläfer-Agenten innerhalb von S.H.I.E.L.D. deutet in eine ganz bestimmte Richtung für Daniel Sousa, schließlich werden diese Schläfer vorerst nicht entlarvt.
Zephyr
Gerald Sharpe wird von unseren Agenten entführt und in ein Zelt an Bord der Zephyr gebracht. Deke (Jeff Ward) meint, dass die Akten, die Sharpe mit sich führt, auf einen Schreibtischtäter hindeuten würden und ein Verhör somit leichte Sache ist. Aber Sharpe ist nicht dumm, durchschaut jeden Ansatz, den Mack (Henry Simmons), Yo-Yo (Natalia Cordova-Buckley) und schließlich auch May (Ming-Na Wen) und Deke probieren und kann sich gegen Ende sogar noch von seinen Fesseln befreien.

Thematisch geht es hier, wie eingangs bereits beschrieben, in eine ernstere Richtung. Sharpe sieht sich als Patrioten, der von Kommunisten entführt wurde und macht durch seine Äußerungen sehr deutlich, wie er gegenüber anderen Nationen und auch Rassen aufgelegt ist („bush-league commie scum like you“, „Mamacita“, etc.). An sich ist er natürlich ein widerlicher Charakter, was sich schon zu Beginn im Diner abgezeichnet hat. Dennoch muss man eine Lanze für Michael Gaston brechen, der sich ordentlich ins Zeug legt, um diese Rolle zu verkörpern. Zu Gute kommt ihm dabei, dass die Rolle als (vermeintlicher) Antagonist alles andere als oberflächlich wirkt. Die Figur mag zwar keine Sympathien wecken, ist gewissermaßen aber nicht verkehrt geschrieben. Das gilt sowohl im Rahmen der damaligen Zeit als auch mit einem aktuellen Blick darauf. Mit anderen Worten: Michael Gaston sehe ich immer gerne, egal, welche Rolle er spielt. So auch in den letzten Sekunden der Folge, als Sharpe sein verdientes Ende erhält.
May und Yo-Yo
Unsere „Problemkinder“ May und Yo-Yo haben offenbar mit längerfristigen Einschränkungen zu rechnen. Das wird sicher nur wenigen gefallen, denn wenngleich es mit Blick auf die letzte Staffel in beiden Fällen recht nachvollziehbar wirkt, dass sich etwaige Folgen, seien diese nun physischer oder psychischer Natur, nicht ohne Weiteres abschütteln lassen, kosten sie uns doch wichtige Merkmale dieser Charaktere. Der Weg, der bei LMD-Coulson eingeschlagen wurde, gefällt da einfach besser.
Bei Yo-Yo sorgt die Shrike-Infektion offenbar für Nachwirkungen. Unter normalen Umständen hätte es ihr möglich sein müssen, die Missetäterin aufzuhalten. Aber ihre Fähigkeiten sind nur ansatzweise vorhanden und lassen sich nicht nutzen. Das ist zwar einen kleinen Schritt besser als letzte Woche, aber somit bleibt Daisy vorerst die einzige im Team mit übernatürlichen Kräften (Coulson zähle ich mal nicht mit).
May hat derweil eine Panikattacke, als es drauf ankommt. Zeigte sie zuvor keinerlei Emotionen, scheint nun alles auf einmal aus ihr herauszubrechen - natürlich in der ungünstigsten Situation überhaupt. Irgendwo ist zwar klar, dass mit May etwas nicht stimmt und die „Reparatur“ durch Enoch (Joel Stoffer) nicht ohne Konsequenzen auskommt. Aber May mit Panikattacke will mir überhaupt nicht schmecken und widerspricht so gut wie allem, was wir in sieben Jahren über die Figur erfahren haben. In beiden Fällen (May und Yo-Yo) hoffe ich auf eine relativ zügige Lösung, denn im aktuellen Zustand fehlt mir bei den Figuren schlicht etwas.
Sonstiges
Die feindlichen Chronicoms bestehen nicht nur aus Jägern, sondern haben mit Sibyl (Tamara Taylor) auch jemanden (einen sogenannten „Predictor“), der die passenden Zeitpunkte zum Angriff ausmachen kann. Für unser Team, welches ohnehin stets ein wenig hinterherhinkt, wird es somit nicht einfach werden, die Chronicoms aufzuhalten. Wenngleich die Anzahl der Chronicoms von Episode zu Episode abzunehmen scheint.
Die Lösung mit dem elektromagnetischen Impuls ergibt zwar Sinn, aber mich wundert ein wenig, dass Simmons da nicht an Coulson denkt. Als LMD kann er sich schließlich nicht dem Effekt widersetzen und klappt entsprechend zusammen. Es beruhigt allerdings, dass wir gegen Ende noch ein Funkeln im Auge sehen.
Noch immer keine Spur von Fitz (Iain De Caestecker). Wird langsam mal Zeit für eine Nebenhandlung und auch weitere Erklärungen zum „considerable amount of time“, den FitzSimmons hatten, um die Vorkehrungen zum letzten Staffelfinale zu treffen. Enoch vermisse ich zwar diese Woche auch, aber da bin ich mir sicher, dass er erstmal gut aufgehoben ist.
Nicht zuletzt weiß die Einbindung der „UFOs“ hier hervorragend zu gefallen. Bereits bei den ersten Szenen musste ich grinsen und wie gesagt, der Abschluss mit Sharpe passt da gut rein. Schön getroffen.
Fazit
Ich bin weiterhin recht begeistert von der siebten Staffel. Es gibt zwar mit May und Yo-Yo ein paar Sorgenkinder und nicht jeder Handlungsaspekt vermag zu punkten, aber die ganze Zeitreise-Angelegenheit ist schon eine feine Sache, was sich diese Woche unter anderem in einem bestimmten Gastauftritt widerspiegelt. Positiv überrascht bin ich derweil über die (zugegebenermaßen recht comichafte, aber deshalb gerade passende) Unterbringung eines aktuellen und sehr ernsten Themas, was ich jetzt nicht gerade erwartet hatte. Von mir gibt es erneut vier von fünf Sternen. Und von Euch?
Hier findet Ihr abschließend noch den Serientrailer zur Episode Out of the Past der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. (7x04). Die Episode wird am Mittwoch, den 17. Juni 2020 in den USA beim Network ABC ausgestrahlt werden.
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Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 13. Juni 2020Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 7x03 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 7x03)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 7x03
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