Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x13

© zenenfoto aus der Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.-Folge The Sign (c) ABC
The Sign & New Life
Es wird immer schlimmer, ehe es besser wird (oder noch schlimmer, wenn man kurz auf das Ende der Doppelfolge blickt). In diesem Sinne könnte The Sign schon fast als das Finale herhalten - wenn man uns Zuschauer denn mit einem riesigen Cliffhanger zurücklassen wollte, der einiges unaufgelöst lässt. Das Schicksal von May (Ming-Na Wen), die Frage, was mit Sarge (Clark Gregg) passiert oder ob Izel (Karolina Wydra) und ihre „Zombiearmee" nun gewinnen werden - das alles (und noch mehr) erwartet uns erst im zweiten Teil, während der erste auf einen großen (aber zum Glück nur kurzen) Cliffhanger hinbaut.
Das heißt jetzt nicht, dass uns New Life mit einem Cliffhanger verschont. Aber es werden doch viele Elemente abgeschlossen, die sich über die Staffel erstreckt haben, während die Chronicoms um Malachi (Christopher James Baker) und Enoch (Joel Stoffer) den Weg zur nächsten Staffel in die Wege leiten, welche uns in den letzten Minuten schmackhaft gemacht wird.
Vielleicht hätte es sich angeboten, beide Folgen separat zu betrachten. Aber bei dem Ende von The Sign konnte ich den Rest vom Finale nicht abwarten, ganz zu schweigen davon, dass ich sonst zweimal über Figuren wie May, Sarge oder Izel hätte schreiben müssen. Von daher gibt es jetzt ein Review zur Doppelfolge und auch eine Wertung, die als Gesamtwertung beider Episoden zu betrachten ist.
Izel

Fangen wir mit einer Figur an, die den eigentlichen Bösewicht der Staffel verkörpert und erst relativ spät die Bühne betreten hat: Izel. Wir erfahren da noch ein bisschen was über ihre Motivation und ihre Beziehung zu Sarge beziehungsweise dem Wesen, welches ihm innewohnt (und plötzlich gar nicht so körperlos aussieht, wie es angeblich der Fall ist). Aber insgesamt und auch im Vergleich mit vorherigen Bösewichten anderer Staffeln der Serie sieht Izel doch bis zuletzt recht blass aus. Besonders wichtig ist mir dieser Punkt zwar nicht, aber da wäre eben noch Luft nach oben gewesen.
Auch in Sachen Fähigkeiten will sich mir nicht so recht erschließen, wie sie die Shrike erschafft, die plötzlich zu Hunderten ausschwärmen und die trotz der scheinbar abgelegenen Lokalität (ein Tempel irgendwo in den Tiefen des Dschungels) im Nu zahlreiche Wirte finden, die unseren Protagonisten zu schaffen machen. Wie passen da überhaupt zeitlich die 30 Minuten hinein, die Yo-Yo (Natalia Cordova-Buckley) später noch verbleiben? Dieser Punkt stört mich schon etwas mehr, denn hier merkt man als Zuschauer, wie sich die „Regeln" teilweise zurechtgebogen werden.
Apropos Yo-Yo. Da wird zur Rettung wieder ein übliches Klischee verwendet, um es unseren Helden zu erlauben, ein Teammitglied trotz düsterer Aussichten zu retten. „Maybe when the Wicked Witch is gone, her flying army will die off, too.“ - oder so ähnlich. Mit anderen Worten müssen unsere Protagonisten „nur" Izel töten, um Yo-Yo und alle anderen von Shrike okkupierten (und noch lebenden) Wirte zu retten. Nett, dass Daisy diese Möglichkeit benennen darf und die Macher somit augenzwinkernd zeigen, dass sie sich der Einfachheit der Lösung bewusst sind. Aber in Sachen Spannung wäre es besser gewesen, einen etwas originelleren Weg zur Rettung Yo-Yos zu finden (und diesen nicht schon vorher anzukündigen).
Sarge

Die Figur, die diese Staffel am meisten Rätsel aufgab und fraglos das übergreifende Hauptthema bildet, ist Sarge. Durch Daisy (Chloe Bennet), die letzte Woche durch ihren „Eingriff" zur Erkenntnis kam, dass da doch eine gute Portion Coulson in Sarge schlummert, ist Sarge (zusammen mit seinem Schwert) zunächst die beste Möglichkeit, um Izel zu Leibe zu rücken. Mack (Henry Simmons) mag das zwar anders sehen, aber er war letzte Woche auch nicht dabei. May besteht währenddessen darauf, Sarge zu begleiten - natürlich in der Hoffnung, dass am Ende des Tages eine neue Coulson-Version übrigbleibt.
Erfreulich ist auf jeden Fall, dass alle Figuren, die mit Sarge zu tun haben, sich treu bleiben. Da tanzt niemand aus der Reihe oder schießt einen Bock, der gegenteilig zu den bisherigen Verhältnissen steht. Alle Entscheidungen, die unsere Agenten hier treffen oder nicht treffen, wirken glaubhaft - was man angesichts der Situationen auch erstmal schaffen muss.
Sarge selbst spielt derweil einmal zu oft „Bäumchen wechsle dich". Erst entschlossen, Izel zu töten. Dann das Ende der ersten Folge, wo er May das Schwert durch den Körper rammt und sie durchs Portal stößt. Später Izels Verdacht, er hätte das mit Absicht getan, damit May auf der anderen Seite eingreifen kann. Dieses Hin und Her mag zwar unsere Hoffnung aufrechterhalten, dass Coulson am Ende doch noch zum Vorschein kommt, ist letztlich (und mit Blick auf das Ergebnis) aber unnötig. Überhaupt ist es schade, wie das Thema Sarge beendet wird. Da hätte ich mir nach dem vielversprechenden Staffelauftakt und der ganzen Reise, die uns nach und nach mehr Informationen zur Figur, dessen Taten und Vergangenheit lieferte, einen anderen Ausgang gewünscht. Gerne auch mit einem Opfer, wie es einer der Kommentatoren unterm letzten Review angemerkt hat. So aber hinterlässt das Ergebnis einen leicht schalen Beigeschmack, da hätte Daisy rückblickend auch letzte Woche das Schwert an Sarge ausprobieren können.

Unterm Strich bin ich hier ein wenig enttäuscht, auch wenn ich das Ende (von Sarge) nicht habe kommen sehen und durchaus überraschend finde. Missen wollte ich derweil nicht die ganze Action, die uns präsentiert wird. May gegen Izel oder die anderen gegen Sarge konnte sich schon sehenlassen und an Spannung fehlt es auch nicht. Dennoch wäre etwas mehr drin gewesen.
Agents of S.H.I.E.L.D.

Wie sich oben vielleicht schon rauslesen lässt, wissen unsere Agenten fast durchweg zu gefallen. Und zwar nicht nur in den größeren, entscheidenden Momenten, sondern auch beim kleineren Beiwerk, welches immer mal wieder vorkommt. Sei es ein kleiner Austausch zwischen Deke (Jeff Ward) und Daisy über dessen psychopathische Ex-Freundin, Enochs „Bluff" als Isaiah (Jan Uddin), Macks Erwähnung von Dekes Framework-Videospiel gegenüber Daisy, Flints (Coy Stewart) anfänglicher Auftritt mit Reminiszenzen der fünften Staffel, Mays Versuch, an Coulson zu appellieren oder was auch immer - die Liste ließe sich hier noch um zahlreiche Punkte erweitern.
Und das macht die Serie so großartig. Es gibt keinen Protagonisten, der nervt. Manche sind vielleicht weniger interessant, aber selbst diese Figuren fügen sich meist gut ins Team ein. Dabei wird viel diskutiert, wobei man letzten Endes wieder am gleichen Strang zieht. Obendrein vergessen die Macher nie, was die Charaktere bislang alles schon erlebt haben und bauen entsprechend zahlreiche Referenzen ein, die teils zur Belustigung, teils zur Erinnerung oder auch zur Dramatisierung von Szenen beitragen - insgesamt aber vor allem ein wenig tiefer in unsere Figuren blicken lassen.
In diesem Zusammenhang müssen Fitz (Iain De Caestecker), Simmons (Elizabeth Henstridge) und Deke auch erneut erwähnt werden. In The Sign geraten „Bobo" und Deke aneinander, nachdem Fitz mitbekommen hat, womit sein Enkel seine Firma aufgebaut hat. Man kann sich hier sehr gut in beide Figuren hineinversetzen und die jeweiligen Standpunkte nachvollziehen - ebenso wie Jemmas Versuche, die Rolle der Schlichterin zu übernehmen. Die Zankerei führt dazu, dass Deke sich (erneut) beweisen will, was ihn handlungstechnisch mitten ins Geschehen im Tempel führt, wo er sich anschließend in vielen Situationen tatsächlich beweisen darf. Und das ist genau der Knackpunkt, den Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. oft so wundervoll hinbekommt - die organische Verknüpfung von persönlichen Problemen der Figuren mit der Handlung (oder andersrum). So ist auch für FitzSimmons später relevant, dass Deke sein Labor und seine Leute ins Lighthouse geholt hat - etwas, wovon Malachi und dessen Jäger noch nichts wissen.
Chronicoms

Womit wir zu den Chronicoms kommen, die sich erst am Ende der ersten Episode blickenlassen. Tatsächlich wurde die Erde als Chronica 3 ausgewählt, wobei Malachi auf das Wissen von FitzSimmons zurückgreifen kann, welches die Einnahme des Lighthouse für die Jäger sehr einfach gestaltet und Neuzugang Trevor Khan (Shainu Bala) neben anderen Agenten das Leben kostet. Die Neuzugänge dieser Staffel haben es wirklich nicht leicht.
Für FitzSimmons beginnt ein Versteckspiel und gerade als sie bereit sind, sich zu opfern und einen Teil der Jäger ins Jenseits zu befördern, erhalten sie unerwartete Hilfe. Enoch meldet sich zurück und hat sogar einen Plan. Wie der genau aussieht und weshalb Jemma später davon spricht, genug Zeit gehabt zu haben (für diverse Upgrades bei der Zephyr), bleibt vorerst noch offen - auch wenn sich ein bisschen was erahnen (aber noch nicht erklären) lässt.
Jedenfalls wird uns in den letzten Minuten der Staffel eine Menge an den Kopf geworfen - im positiven Sinne. Pünktlich nach dem Aus von Izel und Sarge wird der Weg zum nächsten Abenteuer der Agents geebnet und führt in die Vergangenheit. Wie das möglich ist? Keine Ahnung. Mein Interesse ist aber hoch und aufgrund der allerletzten Szenen darf man sich weiterhin auf Clark Gregg freuen, der in der siebten Staffel vermutlich wieder eine andere Version von Coulson spielen darf. Möge die Wartezeit nicht zu lang werden.
Fazit
Ich hätte gerne weniger zu meckern gehabt, komme aber bei Sarge und Izel nicht ganz dran vorbei. Selbst mit einem zugedrückten Auge fühlt sich der Abgang von Sarge - gerade mit Blick auf die Staffelreise der Figur - falsch an, während Izels Fähigkeiten zuweilen ein Stirnrunzeln verursachen und die „tötet die Königin, dann stirbt auch ihr Volk"-Option zu einfach (und zu bekannt) wirkt. Was unsere Agenten angeht, bin ich derweil sehr zufrieden und freue mich dank der letzten Minuten dieser Staffel auf die nächste, auch wenn es leider die letzte wird. Von mir gibt es vier von fünf Sternen. Und von euch? Seht ihr das ähnlich oder gar ganz anders?
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Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 4. August 2019(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x13)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x13
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