Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 5x22

Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 5x22

Die fünfte Staffel von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. ist vorbei - es war eine ungewöhnliche Staffel, der man die Budgeteinsparungen auf dem neuen Sendeplatz angesehen hatte. Es mag nicht die stärkste Season gewesen sein, aber man hat das Beste aus den zur Verfügung stehenden Mitteln herausgeholt.

Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“ (c) ABC
Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“ (c) ABC
© zenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“ (c) ABC

Lange Zeit musste man bangen, ob Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. mit der fünften Staffel beendet wird oder doch noch weitergeht. Die Quoten sind, spätestens seit die Serie am Freitagabend ausgestrahlt wird, noch einmal kräftig gefallen. Bei anderen Sendern und ohne Synergieeffekte durch Marvel und Disney, wohl eingestellt worden. Dennoch haben es Coulson (Clark Gregg) und Co wieder geschafft und kommen im Sommer 2019 mit einer 13-teiligen sechsten Staffel zurück.

Schon der aktuellen Staffel hat man Budgetkürzungen deutlich angemerkt und der kreative Ansatz war diesmal ebenfalls ein anderer. Isoliert durch eine Weltraumstory, die sich obendrein noch in der Zukunft abspielt, in der die Welt durch den „Destroyer of Worlds“ zerstört wurde, machten Coulson und Co zunächst in einer von Kree kontrollierten Weltraum-Station Halt. Dabei begegnen dem Zuschauer immer wieder dieselben Tunnel und Gänge sowie die gleichen Räume. Logisch, denn die Welt, wie wir sie kannten, gibt es nicht mehr. Eine bessere Beleuchtung, die die Serie ausgezeichnet hat und nicht ermüdend unerkennbar gemacht hat, dann aber auch nicht. Interessanterweise zeigt eine andere Marvel-Produktion, dass man aus minimalen Mittel auch das maximal Kreative herausholen kann, denn Legion hat die S.H.I.E.L.D.-Agenten als konstant beste Marvel-Serie abgelöst. Manche werden vielleicht Daredevil oder Jessica Jones in den Raum werfen, die sind aber spätestens in ihren jeweiligen zweiten Staffeln eingebrochen und leiden unter den üblichen Netflix-Schwächen, wie zum Beispiel ein fehlender Plot für 13 Folgen. Natürlich hat auch „MAoS“ bis zur 17. Folge der ersten Staffel gebraucht, um richtig sehenswert zu werden, hat dann aber tatsächlich für die Leute, die drangeblieben sind, oft gute Unterhaltung geboten.

Das gilt auch für die fünfte Staffel, die trotz der begrenzten Kulissen und weniger abwechslungsreichen Schauplätze weiterhin einige Highlights geboten hat. So beispielsweise die Episode Rewind. Diese dreht sich um Fitz (Iain De Caestecker) und seine Bemühungen, zu seinen Kollegen in die Zukunft zu kommen, und weckt positive Erinnerungen an die Simmons-Sternstunde 4. Gemeinsam mit dem Chronicom Enoch (Joel Stoffer) und vorher auch mit Agent Hunter (Nick Blood) wird gezeigt, wie es ihm nach dem Verschwinden seiner Kollegen ergeht, wie er sich körperlich und geistig stählt und dann das fast Unmögliche schafft: nämlich in der Zukunft aufzuschlagen und Daisy (Chloe Bennet) und die als Sklavin gehaltene Simmons (Elizabeth Henstridge) aus den Fängen von Kasius (Dominic Rains) zu befreien.

Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“
Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“ - © ABC

Apropos Kasius: Der Kree-Schurke ist von den Big Bads der Staffel wahrscheinlich derjenige, der mich am wenigsten mitgerissen hat. Seine Motivation, andere, vornehmlich Inhumans, aus Spaß an der Freude in einer Arena um Leben und Tod kämpfen zu lassen, ließ mich größtenteils kalt. In dem ersten Arc war seine tödliche und wortkarge Assistentin Sinara (Florence Faivre) immerhin etwas interessanter, genauso wie das Organisations- und Kastensystem der wenigen überlebenden Menschen.

S.H.I.E.L.D. in future space

Anfangs hatte diese Staffel deutliche Anleihen bei der Alienreihe, besonders, was den Auftakt angeht und mit der Zeit verschwanden immer mehr von den neuen Gesichtern, wobei man bisweilen nicht sicher sein konnte, ob tote Figuren auch wirklich tot oder nur mit dem Icer auf Eis gelegt sind. Beispiele dafür sind neben bereits erwähnten Kasius und Sinara auch Tess (Eve Harlow) und Flint (Coy Stewart). Lange Zeit wurde das Team voneinander getrennt, doch mit dem vereinten Gehirnschmalz und der Hilfe von Flint und Deke (Jeff Ward) gelingt es doch, der Zukunft zu entkommen, wobei ich mich frage, ob eine Nebengeschichte um das Framework (bekannt aus Staffel vier) vergessen oder ich unachtsam wurde, weil ich ohne regelmäßige Reviews nicht mehr ganz zur vollständigen Aufmerksamkeit gezwungen war.

Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“
Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“ - © ABC

Ein weiteres Highlight ist die 100. Episode der Serie, die nicht nur ein Wiedersehen mit zahlreichen Feinden wie Hive, Deathlok und Lash möglich macht, sondern endlich die Hochzeit von FitzSimmons über die Bühne bringt. Das Paar, das schon von Beginn an eine tolle Chemie hatte, im Lauf der Serie aber immer mehr zum perfekten Shipper-Gespann wurde, musste im Laufe der Serie schon so viele Trennungen (viele Lichtjahre), Traumata (Verletzungen durch Ward, Evil-Fitz im Framework) und Schocks erleben, dass man ihnen einfach diese Momente des Glücks gönnt.

Vielleicht etwas vorschnell ist dabei die Annahme, dass die beiden unsterblich sind, weil sie vom Kinder-Orakel Robin Hinton und Yo-Yo (Natalia Cordova-Buckley) erfahren haben, dass sie dazu bestimmt sind, Nachwuchs in die Welt zu setzen. Ein Zeichen dafür: Enkel Deke, den Fitz kaum leiden kann. Während es bei ihnen dazu führt, dass sie riskante Experimente wagen und ihr Leben riskieren, führt es bei Yo-Yo zu lähmenden Ängsten - und dann wäre ja noch die Tatsache zu nennen, dass Coulson seit seinem Deal mit dem Ghost Rider dem Tode geweiht ist und langsam stirbt. Da hilft auch kein Projekt T.A.H.I.T.I., aber das Centipede-Serum, was aber eine knappe Ressource ist.

Raised by Hydra

Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“
Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“ - © ABC

Eine durchaus spannende Figur stellt auch General Hale (Catherine Dent) dar, in deren Flashback-Episode Rise and Shine wir erfahren, dass die Musterschülerin der Hydra-Akademie wegen ihres Geschlechts zur Brutmaschine bestimmt wird. Dabei zieht sie Tochter Ruby (Dove Cameron) zur tödlichen Waffe heran, die ein möglicher Kandidat für den Posten des Destroyer of Worlds ist und Yo-Yo die Arme kostet. Das hatte sich zuvor bereits in einer traurigen Zukunftsversion angedeutet, in der Yo-Yo auf sich selbst traf und viel über das Schicksal der Kameraden erfuhr.

Hale bringt auch Talbot (Adrian Pasdar) wieder ins Spiel, der sich als von Hydra manipulierter Schläferagent herausstellt und zum Ende der Staffel zum wahren „Big Bad“ aufspielt, indem er das Gravitonium absorbiert und immer mächtiger, aber auch unkontrollierbarer wird. Ihm dürstet es nach mehr Macht, die er beispielsweise auch aus Crusher Creel (Brian Patrick Wade), dem Absorbing Man, bezieht und irgendwann so mächtig wird, dass selbst Quake auf vollem Anschlag wenig ausrichten kann.

Infinity Battle?

Mit dem erstarkten Talbot wird auch der im Hintergrund lauernde Thanos und der „Avengers: Infinity War“ in die Serienhandlung eingebaut, wobei Talbot zunächst hofft, so stark werden zu können, dass er den Mad Titan gemeinsam mit den Rächern aufhalten kann. Später wird er selbst dann völlig verrückt. Laut einem Interview mit den Serienmachern spielt das Ende der Staffel aber kurz vor dem eigentlichen Auftauchen von Thanos auf der Erde, weswegen der Angriff auf New York, die Schlacht in Wakanda oder die Konsequenzen des Filmendes auch nicht direkt in der ABC-Serie zum Tragen kommen.

Ohnehin gibt es in der Staffel auch wieder einige gute Kampfszenen zu sehen. Figuren wie Ruby und Sinara liefern hier ein paar Kämpfe ab. Hierbei gehören ein paar Arenakämpfe oder Szenen rund um May ebenfalls zu den Action-Höhepunkten, die sich sehen lassen können, aber auch im Finale darf noch mal etwas vom eingesparten Budget für einen offenen Kampf in Chicago ausgegeben werden.

Saver of Worlds

Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“
Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“ - © ABC

Im Staffelfinale, das glücklicherweise wieder etwas mehr im Hellen spielt, kommt es dann zur Konfrontation zwischen Quake und Graviton, bei welchem Daisy durch ein kleines Geschenk von Coulson die vorhergesagte Zukunft doch noch umkehren kann, dabei Talbot ins All schleudert und den Tag rettet. Zwischendrin wird jedoch Fitz schwer verletzt und erliegt seinen Verletzungen - für ihn gibt es keine schnelle Rettung, aber zumindest eine offene Hintertür...

Am Anfang der Folge nimmt May (Ming-Na Wen) dem Team die schwierige Entscheidung ab, ob man die Welt oder Coulson rettet, indem sie das Serum zerstört und alle zwingt, eine Lösung für beides zu finden, was ein klassisches S.H.I.E.L.D.-Rezept ist. Ebenso wie die Tatsache, dass ein früh angekündigter Tod in der Serie nie den trifft, den man als Erstes dem Tode weiht. Statt Coulson, dem am Ende der Staffel nur noch Tage oder Wochen bleiben, segnet nämlich Fitz das Zeitliche und somit eine der Figuren mit einer tragischen Entwicklung. Man darf auch nicht vergessen, dass ein Whedon und dessen Frau als Showrunner am Ruder sitzen und glückliche Paare eben meistens nur temporäres Glück vergönnt ist.

Düstere Agenten für düstere Zeiten

Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“
Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“ - © ABC

May ist in dieser Staffel, vielleicht auch durch eine echte Verletzung der Schauspielerin am Anfang der Season, ein wenig unterrepräsentiert. Ihre Liebesgeschichte mit Coulson, die in Staffel vier noch ein dominanter Arc war, wird leider nur am Rande behandelt, aber dafür zum Ende hin wieder etwas mehr in den Fokus gerückt.

Ein persönliches Highlight bei Philinda ist der Kuss hinter Coulsons holographischem Schild und natürlich auch, dass den beiden am Staffelende die gemeinsame Zeit im echten Tahiti ermöglicht wird, während der Rest des S.H.I.E.L.D.-Teams unter Director Mack (Henry Simmons) zu neuen Abenteuern fliegt. Persönlich hätte ich es schöner gefunden, wenn Daisy, wie im Comic, die Verantwortung übernimmt, aber mit Mack als Kommandant gebe ich mich auch zufrieden. Zumal das Staffelende auch als Serienende hätte fungieren können.

Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“
Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“ - © ABC

Coulson geht also in den Ruhestand und genießt die Zweisamkeit mit May; Fitz ist tot, aber gleichzeitig auch nicht, weil eine Version von ihm noch eingefroren ist und sich auf dem Weg in die Zukunft befindet, was Simmons Hoffnung gibt, ihn zu finden, während Mack und Yo-Yo sich haben. Yo-Yos größere Rolle in der Staffel ist nicht immer ganz unproblematisch, weil sie von allen S.H.I.E.L.D.-Mitgliedern die fatalistischste ist und auch bereit dazu ist, Coulsons Leben zu opfern, was aber wiederum zu ihrem harten Kern passt. Denn den kann im Endeffekt nicht mal der Verlust ihrer Arme stoppen. Ihre Figur wurde dementsprechend nicht immer im sympathischsten Licht dargestellt - da ist sie aber nicht die einzige. Eine dramatische Rückkehr von Evil Fitz, der an Daisy experimentiert, gehört ebenfalls dazu wie eine Daisy, die sich weigern will, in die Gegenwart zurückzukehren oder Simmons und Yo-Yo, die Mack reinlegen, um Fitz aus seiner Zelle zu befreien. Zu guter Letzt passt hierzu auch Coulson, der seinen Zustand vor seinem Team verschleiert. Deswegen ist es auch in mehrerlei Hinsicht eine der düstersten „MAoS“-Staffeln bisher.

Fazit - Truly a magical place

Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“
Szenenfoto aus der fünften Staffel von „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“ - © ABC

Ich schaue die Serie auch in der fünften Staffel weiterhin gerne und es tut mir leid, dass ich in dieser TV-Season wegen des ungünstigen Sendeplatzes keine Zeit in meinem regelmäßigen Review-Portfolio hatte - viel besser als Arrow war das Gesehene allemal. Vielleicht werden Marvels Agenten bei der Sommerausstrahlung der kommenden Staffel ein Comeback bei SERIENJUNKIES.DE® feiern...

Trotzdem würde ich die Staffel insgesamt eher im Mittelfeld der bisherigen einordnen. Androidin Aida, das Framework und der Ghost Rider in Staffel vier haben mir deutlich besser gefallen als Kasius, Hale, Ruby und Graviton aka Talbot und auch die Ward-lastige Hive-Staffel und Kyle MacLachlan als Daisy-Daddy Mr. Hyde sowie die bösen Inhumans ziehe ich dieser Staffel vor, besonders, was die Finalepisoden angeht.

Mit den Episoden direkt nach dem zweistündigen Staffelauftakt und bis Fitz' großer Auftritt kommt, habe ich dabei wohl die ärgsten Probleme, weil das Momentum da kurzzeitig verloren geht. Auch insgesamt bin ich froh über die Kasius-freien Folgen und musste kurz mit den Augen rollen, als im letzten Drittel einige seiner Alien-Vorfahren auf den Plan gerufen wurden.

Der Einbau von „Infinity War“ bleibt nach dem gelungenen „Winter Soldier“- und „Age of Ultron“-Einbau in die Serie etwas hinter den Erwartungen zurück, vielleicht auch, weil man nach dem Ende von „Avengers 3“ sehr viele Möglichkeiten gehabt hätte, das Staffelende noch etwas tragischer zu gestalten und sich gleichzeitig ein paar Türen offen zu halten, wenn die nächste Staffel ohnehin erst im nächstjährigen Sommer startet.

Hoffentlich findet man für die kurze Staffel noch gutes Material, denn eigentlich hätte man hier auch einen schönen Schlusspunkt mit Abschluss und Hoffnung für die Zukunft setzen können.

Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 22. Mai 2018

Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 5x22 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 22
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 5x22)
Deutscher Titel der Episode
Das Ende
Titel der Episode im Original
The End
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 18. Mai 2018 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 7. Dezember 2018
Autoren
Jed Whedon, Maurissa Tancharoen
Regisseur
Jed Whedon

Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 5x22

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?