Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 5x01

Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 5x01

Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. meldet sich mit der Doppelfolge Orientation mit der fünften Staffel zurück und schnell stellt sich heraus, dass nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. Der Auftakt hinterlässt mannigfaltige Fragen.

Szenenfoto aus der „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“-Folge „Orientation“ (c) ABC/Marvel
Szenenfoto aus der „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“-Folge „Orientation“ (c) ABC/Marvel
© zenenfoto aus der „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“-Folge „Orientation“ (c) ABC/Marvel

Dass die US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. in eine fünfte Staffel geht, war lange Zeit in der Schwebe und erst kurz vor der Deadline gab es dann die Verlängerung. Seitdem kursierten Berichte, dass Disney und Marvel die quotenschwache Serie unbedingt retten wollten und nun läuft sie da, wo sie quotentechnisch nicht mehr viel Schaden anrichten kann: am Freitagabend. Hier kann man auch mit sehr wenigen Zuschauern noch ein paar Staffeln überleben, sollten es die Beteiligten wünschen.

Los geht es mit der Episode Orientation (Part One), einem Zweiteiler, der die neue Ausgangslage des ersten Handlungsbogens erläutert. Ob es davon erneut drei geben wird, wie in der vorherigen Staffel, muss sich zeigen. Die erste Episode etabliert und erinnert, dass Coulsons Team nach dem Ausbruch aus dem Framework von einer geheimnisvollen Organisation verhaftet und verschleppt wurde. Offenbar in den Weltall, wo gefährliche Aliens im Schatten ihr Unheil treiben und Menschen bis aufs Blut aussaugen. Coulson (Clark Gregg) und Co werden von einem Mann namens Virgil abgefangen, der sie und ihre Verdienste offenbar sehr gut kennt und ihnen mitteilt, dass sie da sind, um die Menschheit zu retten. Doch bevor er mehr sagen kann, wird er von Mack (Henry Simmons) k. o. geschlagen und später offenbar zum Opfer der Aliens ,vor denen er warnt.

Not on Earth anymore

Die Stimmung im Auftakt erinnert an einen Survival-Horrorfilm, was für reichlich Spannung und bei Zuschauern für Fragezeichen sorgt, denn es gilt für Zuschauer wie Figuren gleichermaßen zu entdecken was vorgefallen ist. Natürlich kommt als erstes „Alien“ in den Sinn, wobei das Team solche Filme kennt und deswegen dafür plädiert zusammenzubleiben, statt zu riskieren, dass einer nach dem anderen eliminiert wird. May (Ming-Na Wen) ist vom Rest isoliert und verletzt und macht Bekanntschaft mit einem Mann, dessen Maske an eine blaue Variante von Star-Lord erinnert und der sich später als Deke (Jeff Ward) vorstellt. Er verfügt über eine Technologie, die jemanden per Schwerkraft an die Stationswände drücken kann.

Der Rest des Teams will derweil herausfinden, wo sie sich befinden, wobei Simmons (Elizabeth Henstridge) für den wissenschaftlichen Ansatz plädiert und Beweise für Hypothesen sucht. So sieht die Station wie von Menschenhand geschaffen aus, verfügt aber über technische Komponenten, die ihrer Zeit weit voraus sind, während alles einen sehr eingelebten Look hat. Verwirrend also. Einer vom S.H.I.E.L.D.-Team fehlt übrigens: Leo Fitz (Iain De Caestecker) wurde offenbar zurückgelassen und könnte für die Rettung des Teams sorgen, wenn er denn herausfindet, in welchen Schwierigkeiten sie sich befinden. Gleichzeitig sorgt das zum wiederholten Mal dafür, dass er und Simmons getrennt sind. Das ist also eine der häufigsten Konstanten der Serie.

Die Kräfte der Inhumans Daisy (Chloe Bennet) und Yo-Yo (Natalia Cordova-Buckley) funktionieren ebenfalls, was zumindest ein Vorteil ist, während Coulson nur seine normale Hand-Prothese dabei hat. Das Team findet einen Kontrollraum, bei dem klar wird, dass man sich im Weltall befinden muss, denn über Eisvorkommnisse wird beispielsweise Wasser gesammelt und Daisy wird als Mensch von der Konsole der Zugang verweigert. Schon bald tauchen die Kree auf (die bekanntlich durch ihre Experimente hinter den Inhumans stecken) und nehmen das Team gefangen.

Invasion?

Während Coulson glaubt, einfach auf einen anderen Planeten transportiert worden zu sein und eine Kree-Invasion verhindert werden müsse, klärt Deke nach einigen Missverständnissen und der Befreiung aus der Kree-Verhaftung darüber auf, dass das Team offenbar einen Abstecher in die Zukunft gemacht hat. Eine Zukunft, in der die Erde von einem katastrophalen Ereignis zerstört wurde und nur noch wenige Menschen überlebt haben sollen. Viele davon befinden sich auf dieser Station, die von den Kree geleitet wird. Denn dieses Volk hat die Erde nach dem Vorfall heimgesucht und gerettet, was zu retten war, auch wenn es bedeutet, dass die Erdlinge quasi zu Sklaven werden, die von den Krees kontrolliert werden.

Der neue Status Quo wird in der Episode Orientation (Part Two) verdeutlicht, wo Coulsons Team in die Gepflogenheiten vor Ort eingeweiht wird und erst einmal verkraften muss, dass sie in einer schrecklichen Zukunft sind. Aber nach der schrecklichen Hydra-Gegenwart aus der Framework-Staffel sind sie daran ja bereits halbwegs gewöhnt. Der Hoffnungsschimmer ist Fitz, dessen verblasste Postkarte aussagt, dass er an einer Lösung arbeitet.

Blend in, work hard

Neben Deke lernen wir auch noch Tess (Eve Harlow) kennen, die Vigil näher stand und ebenfalls Hoffnungen in Coulson und Co setzt, während Deke vorschlägt, dass das Team so unauffällig wie möglich in den Alltag integriert wird, was natürlich leichter gesagt als getan ist. Denn die Metrics, die die Leute vor Ort registrieren, haben sie schon einmal nicht und Mack und Daisy mussten zwei Kree umbringen, um ihr eigenes Leben zu retten, was den Aliens unter geschoben werden soll. Deke hingegen lässt sich mit Geld offenbar zu vielem überreden, weswegen Tess ihm das Doppelte von dem anbietet, was Virgil angeboten hat, wenn er weiterhin hilft.

Der Tagesablauf der Menschen wird im Lighthouse geregelt, dem Umschlagplatz, wo man alles zum Überleben erhalten kann, auch wenn das nicht viel ist und technologische Errungenschaften ein Fremdwort für die Menschen sind. Tess kennt die alte Erde nur aus Filmen, hat selbst noch nie echte Luft geatmet oder Regen gespürt. Der einzige, der etwas Durchblick hatte, war Virgil, der alte Artefakte sammelte (erinnert irgendwie an Coulson) und mit bescheidenen Mitteln Dinge wie Pflanzen kultiviert und alles Wissenswerte in einem Notizbuch festgehalten hat. Ich könnte darauf wetten, dass wir noch nicht das Letzte von ihm gesehen haben.

Kree-Geisha?

Szenenfoto aus der „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“-Folge „Orientation“
Szenenfoto aus der „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“-Folge „Orientation“ - © ABC/Marvel

Die Kree haben ganz klar das Sagen, bestimmen aber manche Menschen zu Höherem, die dann als eine Art Kree-Geisha mit goldenem Make-Up eine bessere Stellung genießen. Die Fütterung der Menschen gleicht dabei einer Raubtierfütterung im Zoo und führt zu Futterneid und Streit unten denen, die zu langsam oder zu schwach sind. Bei einer solchen wird einer der höher gestellten Menschen verletzt, wobei der Täter sofort von einer mysteriösen schweigsamen Kree-Frau per Metallkugeln getötet wird. Simmons mischt sich ein und rettet das Leben des Verletzten, in dem sie die Wunde ausbrennt. Dadurch erscheint sie auf dem Radar von Kasius, der offenbar das Sagen hat und sich wundert, warum jemand einem anderen helfen würde.

Simmons versucht ihre Haut zu retten, indem sie ihm ein paar Ausreden und Lügen auftischt, doch er scheint zu merken, dass etwas nicht mit ihr stimmt. Weil sie jedoch zu viel redet, macht er sie zu seiner stummen Dienerin, die nur das hört, was sie hören soll. Kasius glaubt daran, dass man Schönheit kultivieren und den Rest entfernen sollte, es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis ihn die Menschen langweilen. Denn eine weitere Tradition an Bord des Schiffs scheint es zu sein, dass man Mord mit Mord aufwiegt. Mithilfe der Metrics werden Opfer ausgesucht, die nur dann überleben, wenn sie ein anderes Leben nehmen, bis der vorgesehene Ausgleich wieder erzielt ist.

Leben gegen Leben

Szenenfoto aus der „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“-Folge „Orientation“
Szenenfoto aus der „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“-Folge „Orientation“ - © ABC/Marvel

Coulson, Yo-Yo und Mack, die ein Tablet der Kree klauen und sich einen Informationsvorteil erhoffen, erhalten von Grill (Pruitt Taylor Vince), der viele der Menschen beschäftigt und insgesamt ein ressourcenreicher Mensch zu sein scheint, im letzten Moment ebenfalls Metrics. Auch wenn die Krees bei der Kontrolle Misstrauen schöpfen und May und Tess sie vor dem letzten Menschen retten müssen, um selbst zu überleben. Insgesamt sind die Menschen also für die Kree so etwas wie nervige Haustiere, die durchgefüttert und geduldet werden müssen, aber kaum einen großen Wert haben.

Quake

Daisy ist derweil auf eigene Faust unterwegs und folgt Deke in sein Schlafgemach, wo sie in eine Maschine gerät, die sie in eine virtuelle Welt bringt, die auf den Überresten des Frameworks basiert. Deke hat eine neue Software geschrieben, die den Menschen eine Flucht aus der Gefangenschaft ermöglicht und den Agenten bei richtiger Benutzung womöglich die Rettung. Allerdings erfährt Daisy hier auch, dass es offenbar sie war, die durch ihre Erdbebenkräfte überhaupt erst für die Zerstörung der Welt verantwortlich war.

Don't call it a Reboot

Szenenfoto aus der „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“-Folge „Orientation“
Szenenfoto aus der „Marvel%26#039,s Agents of S.H.I.E.L.D.“-Folge „Orientation“ - © ABC/Marvel

Die fünfte Staffel der Marvel-Serie bricht durch die Verlegung der Handlung in den Weltraum und die Zukunft - sofern sich beides nicht noch als großer Twist herausstellt - zu neuen Ufern auf. Je nachdem wie lange die Storyline geplant ist, lassen sich die Kulissen wahrscheinlich gut wiederverwenden und so Kosten sparen, statt auf große Außendrehs - wie es bisher der Fall war - zu setzen. Die neue Prämisse fühlt sich an wie eine Mischung aus Firefly, Dollhouse und einigen Syfy-Produktionen wie Killjoys oder The Expanse.

Als Einstieg hat mir der Survival-Horrortouch sehr gut gefallen, da man diesen gut mit den offenen Fragen verbinden konnte und auf ein Episodenende zugesteuert hat, was zum Weiterschauen einlädt. Die zweite Folge hat dann die Aufgabe die neuen Regeln, Charaktere und die Welt zu etablieren und bereits zu verraten, dass wieder einmal Daisy das Zünglein an der Waage ist, während das Framework noch nicht ganz abgeschlossen wird und noch einmal zum Einsatz kommt. Was die neuen menschlichen Figuren angeht, bin ich mir noch nicht sicher, was ich von ihnen halten soll. Deke ist wahrscheinliche eine Art Ward-Ersatz, der etwas undurchsichtig ist, wahrscheinlich ein gutes Herz hat, sich aber auch für genügend Geld auf seine Seite holen lässt. Tess würde am liebsten wohl ganz direkt das Team unterstützen, wo sie kann und Grill erscheint ebenfalls wie ein Opportunist, der auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzt, aber zunächst an sich und seinen eigenen Profit denkt.

Fazit

Mich haben beide Folgen gut unterhalten, wobei die erste per se spannender ist, als die zweite. Allerdings könnte es von der Ausgangslage her eine schwierige Staffel werden. Denn es ist so vieles anders. Vielleicht aber auch nur im Auftakt. Dass das Team so viel zusammen zu sehen ist, ist man gar nicht gewohnt, weswegen Daisy und Simmons (und Fitz) direkt neue Aufgaben erhalten. Und schon oft hatte man Figuren, die sich durch ihr Aussehen von Menschen unterschieden haben. Hier hängt es davon ab, den Kree noch etwas mehr Charakter zu geben, um sie zu einer ernsten Bedrohung zu machen. Die Kree-Frau sieht zwar schon gefährlich aus, aber was genau die Aliens motiviert, wissen wir noch nicht.

Dennoch bin ich bereit den Autoren erst mal etwas Vorvertrauen zu schenken und an ihren Plan zu glauben, denn in den bisherigen Staffeln wurde ich - nach den anfänglichen Längen in Staffel eins - eigentlich selten so richtig enttäuscht. Dennoch ist es erst einmal gewagt, ins All und die Zukunft zu springen - vielleicht auch, weil im restlichen Marvel Cinematic Universe schon so viel passiert. Viel zu verlieren hat man allerdings, wie eingangs erwähnt, sowieso nicht und obwohl in der Vergangenheit bisweilen Crossover und Cameos aus dem MCU stattgefunden haben, ist man darauf auf kreativer Ebene nicht unbedingt angewiesen. Da reicht es vielleicht schon, wenn man mehr mit den Kree macht. Und: Warum nicht mal Experimente wagen und die etablierte Formel über den Haufen werfen? Deswegen akzeptiere ich einfach, dass in dieser kleinen Ecke nun das stattfindet und blicke optimistisch auf den Rest der Folgen.

In eigener Sache: Wahrscheinlich wird es zu dieser Staffel von mir diesmal keine weiteren begleitenden Reviews geben. Ich hätte sie gerne gemacht, weil mir die Serie bisher in der Regel Spaß gemacht hat. Aber der späte Start, der ungünstige Sendeplatz und mein normales Arbeitspensum machen diesem Projekt einen Strich durch die Rechnung.

Verfasser: Adam Arndt am Samstag, 2. Dezember 2017

Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 5x01 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 1
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 5x01)
Deutscher Titel der Episode
Orientierung (1)
Titel der Episode im Original
Orientation (Part One)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 1. Dezember 2017 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 13. Juli 2018
Autoren
Jed Whedon, Maurissa Tancharoen
Regisseur
Jesse Bochco

Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 5x01

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