Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x13

Bei 22 Episoden pro Staffel kann nicht jede davon Topunterhaltung sein. So wirkt die aktuelle Episode One of Us der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. für mich wie ein kleiner Durchhänger, bei dem vielleicht noch etwas mehr drin gewesen wäre, da in der präsentierten Idee eigentlich ordentlich Potential steckt. Vielleicht ist es aber auch nur eine klassische Aufbauepisode.
Zentral sind in dieser Folge die Rekrutierungsmaßnahmen von Cal (Kyle MacLachlan), der weiß, dass seine Tochter Skye/Daisy (Chloe Bennet) verändert aus der Tempelerfahrung hervorgegangen ist. Außerdem möchte er weiterhin Phil Coulson (Clark Gregg) heimzahlen, dass er ihm seine Rachemöglichkeit genommen hat. Nebenbei hat er es sich auf die Fahne geschrieben, diejenigen zu befreien, die unter der Inhaftierung durch S.H.I.E.L.D. leiden, aber über besondere Fähigkeiten verfügen - ob das nun durch Experimente oder von Geburt an ist, spielt dabei wohl weniger eine Rolle. Cal selbst gehört allerdings zur Sorte „Selbstexperiment mit Folgen“. Wie wir wissen, hat er sein Temperament nicht immer unter Kontrolle. Etwas, was auch Skye vererbt wurde.
So besucht Cal in Coney Island etwa Karla Faye Gideon (Drea DeMatteo), die ihr Leben mit Metallvorrichtungen über ihren Fingern bestreiten muss und deswegen schon seit einiger Zeit auf diesem Wege nichts fühlt. Cal bietet ihr die Befreiung davon an, was Fingernägel mit scharfen Rasierklingen offenbart - ich möchte nicht daran denken, wie unpraktisch so etwas im täglichen Leben sein kann. Cal jedenfalls verspricht seinen Gefährten, dass sie sich mit ihm an S.H.I.E.L.D. rächen können, denn er hat den Index mit den Superwesen knacken lassen und sucht nach weiteren Unterstützern.
Einen davon findet er in einer geheimen psychiatrischen Klinik von S.H.I.E.L.D., wo die instabilen Zeitgenossen verwahrt werden. Bevor Coulsons Team eingreifen kann, gelingt ihm sein Vorhaben. Das jedoch nicht, ohne Coulson einen Hinweis zu hinterlassen, um den Direktor aus der Reserve zu locken. Zunächst weiß er jedoch nicht, was es mit dem Spruch „Fight on“ auf sich hat...
Skye beim Psychiater
Da Skyes Geheimnis nun keines mehr ist, kümmern sich May und Coulson darum, dass sie professionelle Hilfe erhält. Nach außen hin gibt sich die junge Frau normal und möchte am liebsten wieder auf Einsätze ins Feld, doch, bevor sie nicht ordentlich durchgecheckt wurde, können die beiden erfahrenen Agenten das nicht zulassen. Also wird Dr. Andrew Garner (Blair Underwood), der gleichzeitig Mays Ex ist, dafür ins Haus beziehungsweise Flugzeug geholt. Die beiden kabbeln sich ein wenig, da May ihn nach der Infiltration von S.H.I.E.L.D. nicht angerufen hat und er wundert sich auch, dass sie wieder als Feldagentin und Ausbilderin arbeitet. Er hilft ihr unter der Bedingung, dass es dabei vordergründig um die Gesundheit seiner Patientin geht und S.H.I.E.L.D. außen vor gelassen wird.
Da Skye den Prozess der psychologischen Evaluation bereits aus ihrer Zeit als Waise/Pflegekind kennt, hat sie Schutzmechanismen (Scherze, Fragen ausweichen) entwickelt, die dazu führen, dass der Beginn der Therapie eher schleppend verläuft. Da sie außerdem von May erfährt, dass sie und Andrew einst verheiratet waren, versucht sie, ihm einige Geheimnisse aus dem Privatleben zu entlocken. Genau darauf lässt Andrew sich auch ein und gibt einige kleine Peinlichkeiten von May preis, womit die Befragung ein gegenseitiges Geben und Nehmen wird. Die zentrale Frage ist dabei, warum Skye sich selbst auf Eis gelegt hat. Dabei wird deutlich, dass die Kontrolle der Kräfte eben kein Zuckerschlecken ist und sie stets Schmerzen dabei empfindet und natürlich ihre Ersatzfamilie nicht gefährden wollte.
Geheimnisse zerbrechen Freundschaften

Simmons (Elizabeth Henstridge) ist derweil sauer auf Fitz (Iain De Caestecker), da er sie in Bezug auf Skye angelogen und auch noch Daten gefälscht und Werte modifiziert hat. Deswegen hat sie aufgehört, mit ihm zu sprechen, weil sie findet, dass man sich von so einem Vertrauensbruch nicht einfach erholt. Die Autoren bemühen sich im Fall von Simmons darum, ihre Motive nachvollziehbar zu machen, da ihre Ablehnung gegen Superwesen zuletzt eher plötzlich dargestellt wurde. Für sie ist es eine Frage der wissenschaftlichen Ethik, obwohl sie selbst dafür plädiert hatte, Unbekanntes direkt auszulöschen, ohne es zu untersuchen. Schwerer wiegt bei ihr aber tatsächlich das fehlende Vertrauen.
Dass sie dabei ausgerechnet mit Bobbi (Adrienne Palicki) spricht, die mit Mack (Henry Simmons) zusammen ein großes Geheimnis versteckt, entbehrt dabei natürlich nicht einer gewissen Ironie. Mack hat Hunter (Nick Blood) ausgeknockt und ihn in ein safe house geschafft. Er bleibt ihm zwar die längste Zeit über eine Antwort schuldig, versorgt ihn aber immerhin mit seiner Lieblingspizza.
Coulson wundert sich derweil über das Fernbleiben Hunters, da er ihm kürzlich erst das Angebot für eine langfristige Verpflichtung unterbreitet hatte. Ihm entgeht auch nicht, dass die beiden wieder eine körperliche Beziehung haben. Bobbi gelingt es fürs Erste, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen und sein Verschwinden mit Hunters Launen und Bindungsängsten zu erklären, doch Coulson wittert sicher etwas oder wird zumindest bald der Sache auf den Grund gehen.
Zum Ende der Folge erfahren wir dann allerdings bereits, was hinter dem Geheimnis steckt. Demnach sind Bobbi und Mack wirklich Teil von S.H.I.E.L.D. - allerdings von „The Real S.H.I.E.L.D.“, was auch immer das bedeuten soll. Das Logo zeigt den bekannten Adler, aber dazu noch drei Sterne, was ein wenig an Captain America erinnert. Entstanden sei diese Organisation aus dem, was Nick Fury (Samuel L. Jackson) hinterlassen habe, doch eigentlich hat der frühere Direktor Coulson mit dem „Zauberwürfel“ ausgestattet, der ihm alles geben sollte, womit er den Wiederaufbau bewerkstelligen kann.
Nicht auszuschließen ist eine Wendung passend zu „The Avengers 2: Age of Ultron“, in dem vielleicht gezeigt wird, was Maria Hill (Cobie Smulders) bei ihrem neuen Job für Tony Stark macht. Oder aber Cap hat das Sagen oder der Fury, der mit Coulson gesprochen hat, ist nicht der, für den man ihn hält. Wir werden sehen. Organisationen wie S.W.O.R.D. oder H.A.M.M.E.R. spart man sich wohl noch auf.
Die Offenbarung ist für meine Begriffe etwas enttäuschend, weil irgendwie unpassend. Vielleicht sind die folgenden Details spannender als der erste Blick auf Macks echten Auftraggeber. Möglich ist natürlich auch, dass man hier noch tiefer in Gefilde vordringt, die auch in der Comicreihe „Secret Warriors“ behandelt wurden. Die Showrunner haben schon mehrfach angegeben, dass sie große Fans der Reihe von Jonathan Hickman sind.
Cals Schurkenversammlung
Aus der S.H.I.E.L.D.-Anstalt, die nur zwei Gefangene enthält, befreit Cal derweil noch David Anger (Jeff Daniel Phillips), der mit seiner Stimme gewaltigen Schaden anrichten kann und damit fast ein wenig an den Inhuman-König Black Bolt erinnert (auch wenn bei diesem ein Flüstern genügt, um ganze Planeten zu zerstören). Mit dessen Hilfe wird in Coulsons Heimat Wisconsin das örtliche Sportteam (neben allen Vögeln in der Umgebung) ausgeknockt und so klärt sich auch Cals Botschaft, denn „Fight on“ ist das Mannschafts- beziehungsweise Schulmotto.
Skye versucht erneut, mit auf den Einsatz gegen die Schurken zu gehen, wie sie es oft tut, wenn ihr Vater involviert ist. Doch May und Andrew sind wegen der emotionalen Verbindung und dem ungeahnten Ausmaß ihrer Kräfte dagegen. Bobbi und Coulson, die schon vor Ort sind, werden derweil von den Schurken umstellt, sind aber zahlenmäßig unterlegen. Darum wartet Coulson auf Mays Verstärkung. Skye schlägt unterdessen vor, dass man die Emotionalität ihres Vaters gegen ihn ausnutzen sollte, woraufhin May so tut, als würde sie Skye erschießen wollen. Er glaubt, dass sich seine Tochter für den falschen Vater entschieden hat und dass sie einer Gehirnwäsche unterzogen wurde, was er ändern will, und weiß, dass May nicht abdrücken würde. Bevor Schreihals Anger noch einmal wüten kann, erscheint allerdings der teleportierende Inhuman Gordon (Jamie Harris) und schafft Cal fort.
Nicht nur emotionale Wunden

Die anschließenden Kämpfe bieten leider nichts besonders Herausragendes. May legt sich mit dem langhaarigen Schurken an, während Bobbi sich um Carla kümmert und Coulson Anger und das Genie im Bunde in Schach hält. Die Actionchoreografie ist dabei zweckmäßig, aber nicht beeindruckend. Das haben wir schon deutlich besser in der Serie gesehen.
Interessanter ist da schon, dass Skye sich plötzlich doch nicht mehr kontrollieren kann und dabei zutage tritt, dass sie sich durch die angeblichen Kontrollübungen nur selbst verletzt hat. Denn ihre Kräfte lassen sich auch nach innen kehren. Skye braucht also Training, aber pronto. Bisher haben sich die Inhumans, die das wohl am besten könnten, lediglich um Raina (Ruth Negga) und Cal gekümmert - warum, wissen wir bislang noch nicht.
Im Fall von Cal wirkt Gordon als Korrektiv, der die Balance zugunsten Coulsons Team verschiebt, während Raina vor dem Freitod bewahrt wurde. Weil es sich bei Cal aber um ein Wissenschaftsexperiment handelt, kann oder will er ihm nicht helfen. Ob der Raum, in dem wir auch schon Gordon gesehen haben, dabei so etwas wie ein Testlabor ist, muss ebenfalls noch geklärt werden. Hier können sich Wesen mit Kräften jedenfalls auspowern oder abreagieren, wie es scheint und wie wir am zerbrochenen Mobiliar sehen. Cal hingegen ist hier nicht willkommen.
Simmons ist damit beschäftigt, ihren Horizont zu erweitern und sich für neue Formen von Superwesen zu öffnen. Sie schlägt vor, den Index neu zu gestalten und in zwei grobe Kategorien zu gliedern: Wesen, die von Menschen oder der Wissenschaft verändert wurden (wie Cal oder Michael Peterson) oder solche, die von Geburt an mehr in sich haben (wie Skye oder Raina).
Obwohl May Andrew eine Beratertätigkeit anbietet, lehnt dieser dankend ab. Ihm selbst ist sein Privatleben wohl wichtiger als die fordernde Arbeit bei S.H.I.E.L.D. Seine Empfehlung für Skye ist, dass sie S.H.I.E.L.D. am besten ganz verlassen sollte, weil die körperliche und seelische Last auf Dauer einfach zu groß für sie ist. Doch wir wissen wahrscheinlich alle, dass das nicht passieren wird oder zumindest nicht dauerhaft, denn, wie May schon sagt: S.H.I.E.L.D. ist ihr Familienersatz.
Fazit
Eigentlich ist die Verstärkung, die sich Cal in der Episode One of Us sichert, eine vielversprechende Idee. Aus dieser wird aber zu wenig herausgeholt, was vielleicht auch daran liegt, dass die Motivation der Schurken zu wünschen übrig lässt und außer dem Hass auf S.H.I.E.L.D. wenig Substanz vorhanden ist. Selbst dieser Hass ist bisweilen nicht besonders stark ausgeprägt. Mindestens zwei der Verbündeten bleiben außerdem blass wie eine Tapete.
Langsam läuft Cals Figur zudem Gefahr, zu einer Karikatur seiner selbst zu werden, die nur eindimensional auf Rache aus ist. Bleibt zu hoffen, dass bald einige neue Facetten der Figur gezeigt werden. Möglich ist auch, dass er im Schatten der Inhumans verschwinden könnte, doch das wissen wir momentan noch nicht. Angers Kraft stellt immerhin eine nette Abwechslung dar, auch wenn die Schurken aus der zweiten oder dritten Reihe ihrem Namen insgesamt alle Ehre gemacht haben.
Die Storyline rund um Mack, Bobbi und Hunter überzeugt mich diesmal auch nicht und wirkt fast ein wenig wie Füllmaterial mit einer zunächst nicht ganz so packenden Auflösung wie vielleicht erhofft.
Mays Ehemann Andrew ist ein netter Gaststar, der gerne durchaus noch einmal wiederkehren kann. Besonders, da wir so etwas mehr Hintergründe zur cavalry erfahren können.
Der Fall FitzSimmons bleibt ebenfalls weiter offen, auch wenn ich persönlich bislang die ganze Zeit auf der Seite von Fitz stehe und meine Schwierigkeiten habe, Simmons' Handlungen und Begründungen zu schlucken.
Insgesamt fühlt sich die Episode zäher als sonst an, etwas generischer und einfallsloser als im Staffeldurchschnitt. Allerdings bringt sie auch einige Figuren für neue Entwicklungen in Stellung.
Videopreview zur nächsten Episode, Love in the Time of HYDRA (2x14), der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.:
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 18. März 2015Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x13 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x13)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x13
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