Marvel's Agent Carter 1x05

Marvel's Agent Carter 1x05

Man nehme einen Trip nach Russland, Howling Commandos und Peggy Carter, die ordentlich austeilt und zeigt, was in ihr steckt, und dazu neue Details zur mysteriösen Nachbarin. Heraus kommt eine starke Episode von Marvel's Agent Carter.

Szenenfoto aus der Episode „The Iron Ceiling“ der US-Serie „Agent Carter“ / (c) ABC
Szenenfoto aus der Episode „The Iron Ceiling“ der US-Serie „Agent Carter“ / (c) ABC
© (c) ABC

Die Episode The Iron Ceiling der US-Serie Marvel's Agent Carter hat so ziemlich alles, was ich mir von der Serie erwartet habe, als sie angekündigt wurde. Old-School-Spionage, Howling Commandos, der Aufbau einer ebenbürtigen, angsteinflößenden Gegnerin, mehr Respekt vom SSR für Peggy und noch einiges mehr.

Red Room

Warum lange um den heißen Brei reden, wenn man es auch auf den Punkt bringen kann: Die Episode führt den Red Room ein und startet mit einem Flashback ins Russland des Jahres 1937. Hier werden in einer unheimlichen Montage junge Mädchen indoktriniert. Die Mädchen schlafen in großen Sälen und zwar mit Handschellen an ihre Betten gekettet, schauen Schneewittchen und müssen sich gewisse Botschaften (auch unterschwellige eintrichtern), sie kriegen zu wenig zu essen und kämpfen um Leben und Tod. Im einen Moment bricht man noch das Brot, im nächsten das Genick der vermeintlichen Freundin. Hardcore! Dottie (Bridget Regan) gehörte dazu, womit der Black-Widow-Trick aus der letzten Episode nun auch eindeutig zugeordnet werden kann.

Auch ihr Ziel wird klargemacht: Peggy Carter (Hayley Atwell). So tut sie im Diner so, als würde sie sich für die Sehenswürdigkeiten New Yorks interessieren, wobei sie sich eigentlich nur um Peggys versteckte Habseligkeiten und Geheimnisse schert. Durch einen Trick schmeißt Dottie im Restaurant ihre Tasche vom Tisch und sichert sich so ihren Schlüssel und sieht sich später im Zimmer um.

In einem Versteck in einer Schublade findet sie dann auch Bilder, die Peggy von Starks Erfindungen geschossen hat und außerdem ein Bild von Steve Rogers (Chris Evans). In gewisser Weise scheint Agent Carter für Dottie ein Vorbild oder eine Konkurrentin zu sein, auf deren Leben sie eifersüchtig ist. Anders kann ich mir ihre psychotische Nachahmungsepisode kaum erklären. Dass die Erfahrung in Russland nicht spurlos an ihr vorbei gegangen sind, zeigt auch, dass sie sich auch als Erwachsene noch zum Schlafen ans Bett fesselt.

Der Aufbau von Dottie als Feindin, die ein paar Schritte voraus ist, funktioniert in der Episode hervorragend. Sie merkt beispielsweise, dass Peggy einen Mechanismus hat, der ihr verrät, wenn jemand in ihrem Zimmer war. Das Blut von Steve Rogers, das in der letzten Episode - nicht besonders kreativ - hinter dem Bild versteckt wurde, hat sie allerdings nicht gefunden. Es sollte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis sie das tut.

Die Verbindung zum restlichen Marvel-Cinematic-Universe macht die Figur jedenfalls noch einmal spannender. Ob wir wohl den Namen Yelena Belova noch hören werden? Subtil eingebaut ist auch Peggys Verdacht am Zeitungskiosk, dass ihr etwas fehlt. Gut, dass sie auch mal ein paar Schwächen zeigt und nicht immer alles sofort durchschaut. Schwächen lassen dafür andere Figuren in dieser Episode durchblicken, was auch hier für einen schönen Charakteraufbau sorgt.

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;The Iron Ceiling%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;Agent Carter%26ldquo; © ABC
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To Russia with know-how

Auf Howard Stark (Dominic Cooper) ist Peggy weiterhin nicht gut zu sprechen, daran kann Jarvis (James D'Arcy) - der sonst in der Episode kaum eine Rolle spielt - auch nichts ändern, obwohl er versucht, ein gutes Wort für seinen Arbeitgeber einzulegen. Peggy fühlt sich von ihm ausgenutzt und angelogen. Gleichzeitig führt ihr Jarvis vor Augen, dass ihre Talente beim SSR vergeudet werden und sie nicht ausreichend wertgeschätzt wird. Doch genau das soll sich nun ändern.

Die von Chief Dooley (Shea Whigham) bemerkte Botschaft auf der Funkschreibmaschine stellt die SSR-Experten vor Rätsel, während Peggy durch ihre Berufserfahrung an der Front im Handumdrehen die Codierung knacken kann. Auf den ersten Blick sieht es wie ein Waffengeschäft Starks in Russland aus, was Peggy auch unverblümt so weitergibt. Glauben will sie das dennoch nicht. Darum besteht sie darauf, die Mission mitzumachen - weil sie die fähigste Person für den Job ist.

Thompson (Chad Michael Murray) stellt sich zunächst dagegen, doch irgendwann gehen ihm und dem Chief die Argumente aus und Peggy beweist mehrfach hintereinander, was sie auf dem Kasten hat. Ihr kleiner Monolog rund um den Heringgeruch ist dabei wirklich stark und beweist, dass sie so manchem Mann meilenweit voraus ist, was ihr Wissen im Feld angeht, auch wenn diese das schwer wahrhaben wollen. Die Szene rund um die Umkleide sorgt nicht nur dafür, dass die SSR-Agenten wieder einige dumme Sprüche machen können, sondern auch, dass Souza (Enver Gjokaj) - der einzige Gentleman - Peggy mit der blonden Frau auf der Party in Verbindung bringt. Das soll sich für ihn später durch Akteneinsicht bestätigen - und man sieht Peggy in Unterwäsche, was auch nicht zu verachten ist.

Peggy setzt außerdem schon einmal die Hebel in Bewegung, um Dum-Dum Duggan (Neal McDonough) (bekannt aus dem Marvel One-Shot und Captain America) und einige Mitglieder des Howling Commando als Empfangskomitee einzusetzen. Wenn mich nicht alles täuscht, könnte einer davon auch der Großvater von Agent Triplett (B.J. Britt) aus Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. sein.

Thompson wird in dieser Episode humanisiert. Nicht nur, weil er vor dem Absprung aufgeregt ist, sondern auch, weil er während der Mission endlich einmal einsieht, dass Peggy auch in Situationen unter Druck blendend funktioniert.

Howling Commando

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Die Interaktion zwischen Peggy und Dum-Dum Duggan gehört zu den Highlights der Episode, egal, ob nun das vergeigte Vogelpasswort bei der Begrüßung, der mitgebrachte Bourbon, das Wegschlagen der Zigarre, das Gespräch rund um vergangene Zeiten mit Cap oder der glorreiche Schnurrbart, den er zur Schau stellt. Die Figur ist einfach herrlich old school und comichaft.

Die Präsenz des Howling Commando sorgt außerdem dafür, dass Thompson sich öffnet und von seinem Kriegstrauma erzählt. Doch seine erste Geschichte ist frisiert, wie sich herausstellen soll. Seinen Ruhm als Soldat hat er sich erschlichen und in Wirklichkeit Soldaten erschossen, die die weiße Flagge gehisst hatten. Doch das sagt er nur Agent Carter, für die er nach dem Einsatz großen Respekt hat.

Insgesamt ordnet er sich ihr beim Einsatz unter. So nimmt er recht schnell ihren Vorschlag an, was die Teamverteilung beim Sturm auf die russische Anlage angeht. Denn das was sie dort vorfinden - unter anderem die Betten mit den Handschellen- überrascht auch den sonst sich so abgebrüht gebenden Thompson. Während der Rest des Teams nichts hinter dem Projektor mit Cartoons vermutet, blickt Peggy dahinter und entdeckt die unterschwellige Botschaft „Instill Fear“ („Füge Angst zu“). Das sich dort immer noch ein Mädchen aufhält, mutet etwas merkwürdig an, weil das Gebäude sonst verlassen scheint, aber für die Dramatik ist der Moment natürlich zuträglich.

So nähert sich der sonst eher harte Dum-Dum dem Mädchen, das vorgibt, seinen Hut zu wollen, nur um dann eiskalt ein Messer hervorzuholen, auf ihn einzustechen und einen anderen Missionsteilnehmer zu erschießen. Duggan kann gerade noch so daran gehindert werden, die Kleine - und vielleicht auch sein Team - per Granate in die Luft zu sprengen. Die Heftigkeit der Episode ist für Marvel-Verhältnisse auf jeden Fall recht hoch.

Allein vor Ort ist das Team jedenfalls nicht. Bald finden sie eine Gefängniszelle, in der sich ein Ingenieur und ein Psychiater namens Dr. Ivchenko (Ralph Brown) befinden. Von ihnen erfahren Peggy und Co, dass sie dort eingesperrt sind, um auf der Basis einer Blaupause eine neuartige Waffe zu bauen.

Thompson funktioniert unter Druck nicht

Das Mädchen hat allerdings - wie es scheint - Wachen verständigt, denn bald stehen SSR und Howling Commandos unter Beschuss, was einen weiteren Verlust auf ihrer Seite nach sich zieht (R.I.P. Agent Li, wir kannten dich kaum). Die beiden werden aus der Zelle befreit, weil ihr Wissen zu kostbar ist und es dem SSR weiterhelfen könnte. Der Ingenieur Nikola (Alex Veadov) hält es in dieser Situation für die beste Idee, so zu tun, als wären seine Helfer seine Geiseln und muss bald - wohl auch wegen der Sprachbarriere - dafür mit seinem Leben zahlen.

Für Thompson ist der hektische Schusswechsel zu viel und er wirkt regelrecht gelähmt. Peggy schreit ihn mehrfach lautstark an und übernimmt bald komplett das Kommando und ruft Dum-Dum und sein Viererteam als Fluchtplan. Amüsant ist hier das Bild der beiden, wie sie gemeinsam auf die Feinde schießen und jeweils darauf bestehen, dass einer geht, während der andere Rückendeckung gibt. Die Flucht gelingt ansonsten glimpflich.

Das anschließende Angebot an Peggy, ein vollwertiges Mitglied der Howling Commandos zu werden, wird gekrönt durch Dum-Dums Codenamenvorschlag: Miss Union Jack. Da ist es fast schade, dass das wohl die einzige Episode mit den Recken bleibt. Seinen Bourbon tritt Duggan jedenfalls an den Doktor ab, der aber lieber Wodka hätte und dem SSR nach New York folgt.

Credit where credit is due

Die Mission schweißt Peggy und Agent Thompson enger zusammen. Neben seinem Geständnis rund um die Beschönigung seiner Kriegstaten und dem Vergraben der weißen Flagge, bevor es jemand sehen konnte, gibt Thompson Agent Carter endlich die Anerkennung, die sie verdient - und das vor dem Chief. Dass Stark eine Verbindung mit Leviathan haben soll, wird angezweifelt. Allerdings schwankt der Boss noch, was das angeht und hat sich in der Episode selbst um Recherche dazu gekümmert - etwa in einem Gespräch mit dem Journalisten/Informanten (John Glover). Dieser teilt ihm mit, dass niemand die ganze Geschichte rund um die Schlacht von Finnau kennt, bei der 247 Russen starben und niemand dafür die Verantwortung übernommen hat.

Aus Jarvis bekommt der Chief auch nichts zum Thema General McGuinness heraus. Außer der Erkenntnis, dass es immer drei Seiten einer Geschichte gibt. Zum Komplex um den General sagt der Informant, dass Howard Stark ihn geschlagen haben soll und im Anschluss seinen siebenstelligen Vertrag mit der Armee aufgekündigt habe, während der General zurückgetreten sei. Ist das der gleiche General, dessen Unterschrift gefälscht wurde, um Jarvis' Frau aus ihrer Heimat zu schaffen? Was genau mit dieser Nebenstory beabsichtigt wird, ist mir momentan nicht ganz klar. Die Zweifel an Stark bleiben aber wohl im Hintergrund bestehen.

Good Work, Carter

Sowohl Thompson als auch Dooley loben Carters Arbeit also, während sich Souza, der ihr eigentlich sonst immer am nächsten stand, nun seine Zweifel an ihren Motiven hat. Thompson fragt beide, ob sie zur Feier des Tages etwas trinken wollen, doch Souza ist zu sehr in seine Untersuchungen vertieft und hat nun Gewissheit, während Peggy das Angebot wahrnimmt. Unterschwellig schwingt hier die Frage mit, ob einer der Herren vielleicht der spätere Gatte von Peggy ist? Wie man aus „Captain America 2: The Return Of The First Avenger“ weiß, hat Peggy ein langes Leben inklusive Ehemann und Kindern vor sich. Sowohl Thompson als auch Souza könnten passende love interests sein. Thompson vielleicht sogar gerade etwas mehr als der Mann, der ihr auf der Spur ist. Doch: Was macht Souza mit seinen Erkenntnissen? Spielen sie noch eine Rolle? Peggy sollte sich auf jeden Fall etwas einfallen lassen, um nicht in Ungnade zu fallen.

Fazit

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Wie bereits eingangs erwähnt, handelt es sich bei The Iron Ceiling um eine starke Episode der Serie „Agent Carter“. Bisher würde ich sie sogar meine Lieblingsepisode nennen. Das Black-Widow-Programm inklusive Dottie, Duggan und Co, die Entwicklungen rund um Thompson und die Spannung im Fall von Souza machen die Episode kurzweilig, witzig, unterhaltsam und aufregend. So können die letzten drei Episoden bleiben.

Videopromo zur Episode A Sin to Err (1x06) der US-Serie Marvel's Agent Carter:
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 4. Februar 2015

Marvel's Agent Carter 1x05 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 5
(Marvel's Agent Carter 1x05)
Deutscher Titel der Episode
Im Feindesland
Titel der Episode im Original
The Iron Ceiling
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 3. Februar 2015 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 24. Juni 2015
Autor
Jose Molina
Regisseur
Peter Leto

Schauspieler in der Episode Marvel's Agent Carter 1x05

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