Marvel's Agent Carter 1x04

© zenenfoto aus der Episode âThe Blitzkrieg Buttonâ der Serie âMarvel's Agent Carterâ / (c) ABC
Nach dem Serienpiloten von Marvel's Agent Carter gibt es in der Episode The Blitzkrieg Button endlich wieder einen Auftritt von Howard Stark (Dominic Cooper), der diesmal auch etwas ausgedehnter ist. Der Besuch tut dem Schwung der Folge auf jeden Fall gut. Der Vertraute von Peggy Carter (Hayley Atwell) wird, nachdem sie und Jarvis (James D'Arcy) seine Erfindungen gefunden haben, ins Land geschmuggelt, was zunĂ€chst fast einfacher scheint, als ihn anschlieĂend ins âThe Griffithâ zu kriegen. Der Versuch, ihn durch den WĂ€scheschacht unbemerkt auf Peggys Zimmer zu bringen, ist jedenfalls sehr charmant und gleichzeitig witzig und spannend.
Wieder einmal ist der Wachhund aka Miriam Fry (Meagen Fay) zur Stelle und hegt gewisse Verdachte gegen Peggy. Arbeitet sie wirklich fĂŒr die Telefongesellschaft oder strippt sie eher, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen? Macht sie ihre WĂ€sche oder bricht sie eine der zentralen Regeln bezĂŒglich des MĂ€nnerbesuchs. Folglich besteht sie darauf, Peggy eigenhĂ€ndig aufs Zimmer zu begleiten, doch Peggy kann so lange Zeit schinden, dass Howard aus dem WĂ€scheaufzug aussteigen und in das Zimmer einer Nachbarin fĂŒr ein kleines SchĂ€ferstĂŒndchen absteigen kann - und das mehrfach in dieser Episode.
Rogers vs Stark
Als die Situation ĂŒberstanden ist, möchte Stark gerne wissen, welche seiner Erfindungen vom SSR konfisziert wurden und muss Peggy erneut um einen Gefallen bitten. Eine Erfindung, eine Art EMP-Bombe, die den Strom ganzer StĂ€dte ausschalten kann, soll sie durch einen Dummy ersetzen, da man nicht weiĂ, wie die Wirkung umgekehrt werden kann. Das ist zumindest die anfĂ€ngliche ErklĂ€rung. Doch spĂ€testens in der Interaktion mit Jarvis wird deutlich, dass noch mehr dahinterstecken muss. Peggy wĂ€re nicht Peggy, wenn sie der Sache nicht auf eigene Faust auf den Grund gehen wĂŒrde. Beim Auseinandernehmen des Gadgets begegnet ihr dann eine Ampulle mit einer roten FlĂŒssigkeit, die sich beim GesprĂ€ch mit Howard als das Blut von Steve Rogers aka Captain America herausstellt.
Stark beteuert, dass man durch die Erforschung seines besonderen Blutes allerhand Krankheiten heilen und Menschen helfen könnte. DarĂŒber hinaus kommt zur Sprache, dass er selbst aus bescheidenen VerhĂ€ltnissen kommt und man als Mitglied von gewissen Minderheiten nur vorankommt, wenn man sich die RealitĂ€t zurechtbiegt, was Peggy eigentlich zu gut wissen mĂŒsste. Doch Peggy ist es satt, der Spielball seiner Halbwahrheiten und LĂŒgen zu sein. In der Highlightszene der Episode hĂ€lt sie eine leidenschaftliche Rede, die die Unterschiede zwischen Stark und ihrem Ex Steve Rogers darstellt. Der eine ist nobel, selbstlos und hat immer nur das Wohl der Welt im Kopf und der andere sieht hinter jeder Ecke ein groĂes GeschĂ€ft, auch wenn er noble Absichten vorschiebt. Darum schmeiĂt sie ihn auch raus, nachdem sie ihren Auftrag rund um den „Blitzkrieg Button“ erledigt und seine Absichten mit dem versteckten Inhalt gehört hat.
Zwischendrin versorgt Stark sie immerhin mit einem Kamerakulli, mit dem sie sich im SSR-Labor umschaut und die inkompetenten Wissenschaftler ausspioniert. Die Szene rangiert wieder irgendwo zwischen groĂem Slapstick und der LĂ€cherlichmachung der mĂ€nnlichen Kollegen, funktioniert aber doch im Kontext der Episode ganz gut. Ebenfalls sehr amĂŒsant: Die BemĂŒhungen der Frauen, wenn es darum geht, so viel Essen wie möglich fĂŒr spĂ€ter zu stibitzen und sich dabei sehr kreativ und ressourcenreich anzustellen. Da werden extra Handtaschen entwickelt, die ein HĂ€hnchen oder GĂŒrkchen verstauen können. Putzig!
Ausflug nach NĂŒrnberg

Chief Roger Dooley (Shea Whigham) verfolgt derweil eine Spur, die ihn bis nach NĂŒrnberg fĂŒhrt, wo Colonel Mueller (Jack Conley) in wenigen Tagen hingerichtet werden soll. Er soll ihm etwas zur Schlacht von Finnau erzĂ€hlen und bietet ihm eine Zyanid-Pille an, um sich selbst das Leben zu nehmen, wenn er ihm im Austausch Informationen gibt. Agent Thompson (Chad Michael Murray) ĂŒbernimmt derweil das Kommando und will seine Kollegen zu Höchstleistungen antreiben, um den Tod ihres gefallenen Kollegen zu ehren.
Souza (Enver Gjokaj) recherchiert derweil, ob er weitere Informationen zum anonymen Tippgeber herausfinden kann und schaut sich das Telefon noch einmal genauer an. Dort trifft er auf zwei Obdachlose. WĂ€hrend der eine sich leicht mit einer kleinen Spende zum Reden bringen lĂ€sst, weigert sich der andere mit der âPolizeiâ zu sprechen und macht sich deswegen verdĂ€chtig.
Souza versucht ihn mit seiner eigenen Geschichte zum Reden zu bringen, doch daran scheint er nicht interessiert zu sein. Thompson schwebt etwas anderes vor, erst provoziert er ihn wiederholt und macht ihm dann das Reden mit einem Hamburger und Alkohol schmackhaft. Und siehe da, der Alkohol lĂ€sst ihn reden wie ein Wasserfall und Trinken, wie ein Gestrandeter in einer WĂŒste. Die neue Information ist dabei lediglich, dass die Frau nicht blond gewesen ist, wie dass SSR bisher angenommen hat. Doch viel weiter bringt das die Agenten nicht.
Was die Nebenhandlung mit Souza und Thompson macht, ist ihnen zumindest etwas Tiefe zu verleihen. WĂ€hrend das bei Souza schon zuvor ganz gut gemacht wurde, darf nun Thompson etwas mehr in den Fokus rĂŒcken. Dabei stellt sich heraus, dass Thompson mit Leidenschaft bei der Arbeit ist, aber auch zynisch und sarkastisch an Problemlösungen herangeht, wĂ€hrend Souza feinfĂŒhliger und sensibler ist. Die Ergebnisse dieser Episode geben vorerst Thompsons Herangehensweise recht.
Thompson, der Peggy immer Marge nennt, interessiert sich fĂŒr Peggys GrĂŒnde beim SSR zu arbeiten. Zwar scheint es kurzzeitig so, als wĂŒrde er erkennen, dass sie etwas verbirgt, beweist allerdings nur, was fĂŒr ein Produkt seiner chauvinistisches Zeit er ist. Denn er ist der Ăberzeugung, dass Frauen nie auf einer Ebene mit MĂ€nner sein werden und deswegen nicht fĂŒr ihre Arbeit anerkannt werden können. In gewisser Weise relativiert er es ein wenig, als er meint, dass das ein trauriger Fakt ist, doch Peggy will sich - zu Recht - nicht damit abfinden.
Der Chief bekommt im NĂŒrnberger GefĂ€ngnis tatsĂ€chlich die Informationen, die er sucht, auch wenn er ĂŒberrascht ist, dass Mueller behauptet, dass kein Deutscher in Finnau jemanden umgebracht hat. Vielmehr hat etwas anderes ein Massaker veranstaltet, das zahllose Tote hinterlassen hat. Wer oder was steckt also dahinter? Das werden wir wohl demnĂ€chst erfahren. Der alte Chief hat natĂŒrlich ein Ass im Ărmel und legt Mueller rein, statt Zyanid, handelt es sich bei seiner âHilfeâ um einen Atemerfrischer.
Der unheimliche Blonde

Eine recht interessante Taktik verfolgen die Autoren mit der Schurkenfigur Otto Mink (Gregory Sporleder). Er wird bedrohlich aufgebaut und verfĂŒgt ĂŒber einen automatischen Colt, mit dem er auch die Schergen vom Episodenanfang umbringt. SpĂ€ter stellt er Peggy Carter nach und verfolgt sie ins Griffith. Der Versuch an Frau Fry vorbeizukommen, in dem er sich als ein Liebhaber Peggys mit Blumen vorstellt, prallt an ihr ab und er verschwindet wieder. Stattdessen will auch er sich einschleichen (Wo ist die Hausmutter in dieser Situation?), wird jedoch eher zufĂ€llig von Dottie (Bridget Regan) abgefangen, die sich fĂŒr den Colt interessiert und ihn in Black-Widow-Manier per Kopfschere ausschaltet und wie man spĂ€ter sieht wohl getötet hat. Der Verdacht, dass Dottie etwas verbirgt, lag schon bei Dotties DebĂŒt auf der Hand und nun wissen wir es mit Gewissheit. Auf wessen Seite sie steht, allerdings noch nicht. Soll sie Agent Carter beschĂŒtzen oder bekĂ€mpfen? Ihr Akt wirkt jedenfalls so, als wĂ€re sie auf der Seite der Gegenspieler, denn der Mord ist prĂ€zise, kaltblĂŒtig und sie dabei sehr effizient. Ihr Motiv scheint allerdings eher die Neugier auf die besondere Waffe zu sein.
Ultimativ ist Mink also nur ein Bauernopfer und kein weiterer Schurke, der durch einen Faustkampf ausgeschaltet wird. Durch ihn wird Dottie ins Spiel gebracht, was durchaus effektiv gelingt, da man nun rÀtselt, was es mit ihr auf sich hat.
Stan, the Man
In dieser Episode kommt es zum kurzen Cameo-Auftritt von Comic-Legende Stan Lee, der neben Howard Stark beim Schuhputzer Platz genommen hat, als Jarvis ihn von Peggys weiterer Reaktion berichtet. Selbst Jarvis hat inzwischen genug davon, stĂ€ndig fĂŒr Stark zu lĂŒgen, obwohl man weiterhin nicht sicher sein kann, dass das schon alles ist, was sie verbergen. In der Folge stellt sich Jarvis als wahrlich schlechter LĂŒgner heraus, der sich stĂ€ndig ans Ohr fasst, wenn er flunkert. FĂŒr Peggy Carter ist es auĂerdem belastend, dass sie eigentlich keine einzige Bezugsperson hat, die sie nicht hinterfragen muss. Ihre Kollegen kann sie nicht ins Vertrauen nehmen, ihren Mitbewohnern - Angie vielleicht ausgenommen - kann sie nichts verraten und selbst Howard und Jarvis gilt es zu kontrollieren und auf die Finger zu schauen, obwohl sie eigentlich auf ihrer Seite stehen sollten. Peggy steht allein auf weiter Flur und muss sich nebenbei auch noch gegen mordende Psychopathen zur Wehr setzen, ohne groĂe Anerkennung dafĂŒr zu erhalten.

Sicherlich auch deswegen beschlieĂt sie am Ende der Episode, den Blitzkrieg-Button lieber selbst zu verstecken und fertigt ein Loch in der Zimmerwand an. Doch ob das Zimmer im Griffith dafĂŒr der richtige Ort ist, bleibt fraglich. Besonders mit einer mysteriösen Zimmernachbarin und einer Hausleiterin, die gerne mal unangekĂŒndigt in die PrivatsphĂ€re ihrer Mieterin eindringt. Eigentlich ist so gut wie vorprogrammiert, dass Caps Blut verschwinden wird. Das Episodenende macht mit der Dreifachmontage zwischen Carter, Dottie und dem Chief neugierig. Denn letzterer erhĂ€lt ĂŒber die besondere Schreibmaschine eine neue Botschaft. Offen bleibt noch, von wem.
Fazit
The Blitzkrieg Button ist eine sehr unterhaltsame Episode von Marvel's Agent Carter, die vor allem durch den Auftritt von dem Playboy Howard Stark aufgewertet wird. Die Chemie zwischen ihm und Peggy ist noch stĂ€rker als zwischen Jarvis und Peggy und sorgt fĂŒr einige echte Lacher, aber auch fĂŒr ernste Untertöne und starke Charakterisierungen. Besonders Peggys Kommentare zu seinen SchĂ€ferstĂŒndchen sind wunderbar. DarĂŒber hinaus ist ihr brutal ehrlicher Vergleich mit Steve Rogers hervorragend geschrieben und dĂŒrfte die Marvel-Cinematic-Universe-Fans aufhorchen lassen.
Dazu kommt, dass auch die SSR-Agenten Dooley, Thompson und Souza etwas mehr Hintergrund spendiert bekommen und sich etwas von ihrer teilweise inkompetenten Aura befreien. Zwar sind sie noch immer nicht auf Augenhöhe mit Peggy, aber wenn sie es wĂ€ren, wĂ€re die Serie wohl auch deutlich kĂŒrzer. Souza scheint der Lösung jedenfalls immer nĂ€her zu kommen.
Mit Steve Rogers Blut wird eine Komponente eingefĂŒhrt, die sehr interessant werden könnte, wenn es das sein sollte, was die Schurken in ihre Finger kriegen wollen, etwa um neue Supersoldaten zu schaffen. Dotties KampffĂ€higkeiten bringen auĂerdem endlich eine Frauenfigur zur Serie, die im Kampf Ă€hnlich fit sein sollte, wie Peggy. Last but not least hat man hat das ErzĂ€hlmuster der ersten drei Episoden aufgebrochen, sodass sich endlich etwas Abwechslung erkennen lĂ€sst und sich hier nicht das gleiche Schema erneut wiederholt.
Videopromo zur Episode The Iron Ceiling (1x05) der US-Serie Marvel's Agent Carter: Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 28. Januar 2015Marvel's Agent Carter 1x04 Trailer
(Marvel's Agent Carter 1x04)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agent Carter 1x04
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