Lucifer 3x16

© zenenbild zu der „Lucifer“-Episode „Infernal Guinea Pig“ (c) FOX
In der Lucifer-Episode Infernal Guinea Pig holen Lucifer (Tom Ellis) und Kain (Tom welling) Abel (Lauren Lapkus) aus der Hölle und schenken ihr/ihm wieder das Geschenk des Lebens. Währenddessen tun sich Chloe Decker (Lauren German) und Detective Douche (Kevin Alejandro) zusammen, um in einem Mordfall zu ermitteln, in dem die Hülle von Abel eins der Opfer ist. Zudem therapiert Dr. Linda Martin (Rachael Harris) Charlotte Richards (Tricia Helfer) und Mazikeen (Lesley-Ann Brandt) bekommt endlich die Rache, die sie verdient.
I can win at anything
Charlotte Richards hat mit psychischen Problemen zu kämpfen. Zum einen möchte sie sich ändern, da sie nie ein besonders guter Mensch gewesen ist. Zum anderen erinnert sie sich an die letzten Monate ihres Lebens nicht, was sie unsicher werden lässt. Nun sucht sie Rat bei Dr. Martin, die ihr dabei helfen soll, ihre Seele zu ergründen. Bisher erschien es immer so, dass ihr der Gedächtnisverlust mehr zu schaffen macht als der Umstand, dass sie früher kein guter Mensch war.
In dieser Folge tauchen wir in die tiefen Abgründe von Charlottes Seele ein und finden dort, sehr zu unserer Verwunderung, einen Menschen, der wahre Reue für seine alten Taten empfindet und Angst davor hat, dass diese einen einholen werden. In Wahrheit macht ihr also weniger der Gedächtnisverlust zu schaffen als ihre eigene Persönlichkeit.
Hierbei nimmt man Charlotte zum ersten Mal als einen Menschen mit realen Gefühlen wahr, was ihrem Charakter eine völlig neue Dynamik verleiht. Hier konnte man wahrlich mit ihr mitfühlen. Etwas, was ich nie erwartet hätte, jemals zu schrieben. Denn bisher fand ich ihre Figur eher etwas blass und unnahbar. Indem ein Teil von Charlottes Seele offenbart wurde, könnte sich das jedoch ändern - angenommen es bleibt nicht hierbei. Wenn man so weitermacht, wie ich es mir erhoffe, dann könnte aus ihrer eher eindimensionalen und repetitiven tatsächlich eine interessante Figur werden.
You never forget your first
Letzte Woche rächte sich Maze an Linda und Amenadiel ganz anders als man es von ihr erwartet hätte. Da sie ein sehr impulsiver und leidenschaftlicher Mensch ist, hätte man annehmen können, dass sie auch so ihre Rache servieren würde. Stattdessen entscheidet sie sich für eine zivilisiertere Variante. Das bringt ihr jedoch nicht die Befriedigung, nach der sie gesucht hat, weshalb sie es diese Woche erneut auf Amenadiel abgesehen hat. Hier handelt sie nun endlich aggressiv und impulsiv, womit sie ihrem Charakter treu bleibt. Hierbei erhält sie jedoch auch nicht die Entschuldigung, auf die sie gewartet hat, wodurch sich ihre Wut nur noch steigert. Vorerst scheint in dieser Fehde kein Ende in Sicht zu sein.
Chance at Death, Chance at Life
Apropos Fehde: Lucifer hat einen neuen Ansatz gefunden, um das Mal von Kain zu entfernen. Sein Plan ist es, Abel aus der Hölle zu befreien, wo er die letzten Jahrtausende gewesen ist, und in eine leere Hülle zu stecken, damit dieser wieder lebt. Das würde wiederum bedeuten, dass Kain - rein technisch gesehen - seinen Bruder nicht getötet hat und er deshalb auch nicht verflucht werden muss, wodurch er nicht das Mal trägt und sterben könnte.
So viel zu der Theorie. In der Praxis sieht das Ganze etwas anders aus. Abel lebt zwar, jedoch entfernt sich das Mal nicht, wodurch Kain auch nicht sterblich wird. Als dieser den beiden dann auch noch entwischen kann, heißt es, ihn/sie wieder aufzuspüren. Das sollte sich eigentlich als relativ schwierig herausstellen. Denn Abel wurde die letzten Jahrtausende in der Hölle gefoltert, indem ihm stets neue Versionen vorgesetzt wurden, wie sein Bruder ihn tötet. Dabei lernte er jedoch auch ziemlich schnell, sich an neue Situationen anzupassen, wodurch es schwierig werden dürfte, ihn aufzuspüren. Da Abel jedoch vom Charakter her wie Lucifer ist, mussten sie nur instinktiv dorthin gehen, wo Lucy auch hingehen würde. Somit treffen sie ziemlich schnell auf Kains Bruder. Meiner Meinung nach, war das etwas zu leicht.

Nachdem ihre erste Theorie, dass Kain sterblich wird, indem Abel wieder lebt, sich als falsch herausstellt, setzen sie ihre Hoffnung auf ausgleichende Gerechtigkeit. Da Kain Abel getötet hat, kann Abel vielleicht auch Kain töten. Das entpuppt sich jedoch auch als falsch.
Abel nahm bisher an, dass sie mal wieder in einer neuen Höllenversion stecken würde und ist dementsprechend erleichtert als er (für wenige Sekunden) den Spieß umdrehen kann. Als sein Bruder jedoch wieder aufersteht, bereitet er sich darauf vor, erneut umgebracht zu werden. Dazu kommt es jedoch nicht, da es nicht Kains Absicht ist, ihn zu töten und er erklärt ihm, dass sie am Leben ist. Anstatt sich für den (ersten) Mord an sich und die damit einhergehenden Jahrtausende in der Hölle an seinem/ihrem Bruder zu rächen, entschließen sich die beiden friedvoll miteinander umzugehen.
Genau hier liegt meine Kritik. Aus der Jahrtausend langen Fehde der beiden hätte man so viel machen können. Die Wut, die Abel auf seinen Bruder verspüren muss, verpufft scheinbar innerhalb von Sekundenbruchteilen. Zudem wurde Abel als Mensch beschrieben, der schlimmer als Kain - der erste Mörder - sein soll und er vergibt seinem Bruder einfach. Bei der Geschichte der beiden handelt es sich schließlich um die Fehde schlechthin zwischen Brüdern. Da kann man schon etwas mehr erwarten. Wären die beiden irgendwelche 0815-Brüder mit einer dunklen Vergangenheit, hätte ich so eine Entwicklung akzeptiert, weil sie etwas sehr Wichtiges lehrt: Vergebung. Hiermit bin ich jedoch alles andere als zufrieden. Für mich stellt dieser Teil vergeudetes Potenzial dar.
As long as she lives, we still have hope
Dementsprechend groß war meine Erleichterung, als der Handlungsstrang zwischen Kain und Abel von jetzt auf gleich beendet wurde. Eine Jahrtausend lange Fehde zwischen Brüdern, die nicht ausgelebt wird, möchte niemand sehen. Aus diesem Grund begrüße ich die Entscheidung, diesen Handlungsstrang nicht weiterzuführen.
Ein Gutes hat die Sache jedoch: Kain ist es vielleicht endlich gelungen, Frieden mit sich und der Fehde zu seinem Bruder zu schließen und sich somit selber für den Mord an Abel zu verzeihen.

Hello Cain and Goodbye
Weitere Kritikpunkte stellen für mich, die unfassbaren Lokalisierungsgaben der Protagonisten dar. So gelingt es Lucifer und Kain, Abel innerhalb von kürzester Zeit aufzuspüren. Der Killer, der auf Abels Hülle angesetzt wurde, kann diese auch binnen Stunden auffinden. Außerdem weiß Abel ganz genau, wo sein Bruder aufzufinden ist, um diesen zu töten.
Zudem wissen die Macher scheinbar immer noch nicht, was sie mit Amenadiel anfangen sollen. So wird dieser nur dafür eingesetzt, um Lucifer ein Dorn im Auge zu sein. Wenn er wenigstens in seinen Sticheleien gegen seinen Bruder auch mal Erfolge erzielen würde, fände ich das Ganze auch noch irgendwie gerechtfertigt. So wirkt sein Verhaltensmuster jedoch sehr repetitiv und unkreativ. Er scheint keinen eigenen Handlungsstrang zu haben. Außerdem verläuft seine Geschichte scheinbar im Nirgendwo. Das finde ich mehr als nur traurig.
Bisher muss es sich wahrscheinlich so anhören, als ob mir diese Folge gar nicht gefallen hätte. Das stimmt jedoch nur teilweise. Insgesamt gefiel mir die Atmosphäre der Episode ausgesprochen gut. Wie immer konnte der Humor der Serie mehr als überzeugen und stellt definitiv eine der Stärken der aktuellen Episode, aber auch der Serie im Allgemeinen dar. So muss man vor Schock einfach Loslachen, als Abel von einem Auto erfasst wird. Zudem fand ich die Episode außerordentlich spannend und der Ansatz, dass Abel in den Fall der Woche miteinbezogen wurde, hatte auch etwas für sich. Außerdem harmonierten Kain und Lucifer wieder mal perfekt miteinander, was der Episode gut getan hat.
Fazit
Infernal Guinea Pig löst bei mir ein wahres Hin und Her aus. Es gab viele Dinge, die mir gefallen haben, jedoch konnte ich auch viele Elemente ausmachen, die mir eher weniger zusagten.
Von dem, was die Macher von Lucifer aus der Fehde zwischen Kain und Abel gemacht haben, bin ich mehr als enttäuscht, da ich mir einfach etwas ganz Anderes vorgestellt hätte. Manch einer mag das jedoch auch als erfrischend gesehen haben. Jedoch konnte die Stimmung der Serie wie immer so gut überzeugen, dass die aktuelle Folge für mich wahrlich keine schlechte darstellt.
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Verfasser: Maike Karr am Dienstag, 6. März 2018Lucifer 3x16 Trailer
(Lucifer 3x16)
Schauspieler in der Episode Lucifer 3x16
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