Lucifer 3x05

© zenenbild aus der „Lucifer“-Episode „Welcome back, Charlotte Richards“ / (c) FOX
In der Lucifer-Episode Welcome back, Charlotte Richards kehrt, wie der Name bereits sagt, Charlotte Richards (Tricia Helfer) zurück. Diese stellt für uns einen völlig neuen Charakter dar, da wir bisher nur die Hülle, Lucifers Mutter, gekannt haben. Nun lernen wir also die traumatisierte und verunsicherte Charlotte kennen, die versucht herauszufinden, was in den letzten Monaten mit ihr passiert ist. Das führt sowohl bei „Detective Douche“ (Kevin Alejandro) als auch bei Lucifer (Tom Ellis) zu gemischten Gefühlen.
Big man upstairs
Erneut muss man feststellen, dass die aktuelle Episode keinen wirklichen Bezug zu der letzten hat. Das ist darauf zurückzuführen, dass die restlichen Episoden der zweiten Staffel nun scheinbar ohne jegliche Ordnung in die aktuelle Staffel verteilt wurden. Das wäre an sich nicht weiter schlimm, würde man diese Umstrukturierung nicht immer dermaßen bemerken.
So wurden in der letzten Episode What Would Lucifer Do? wichtige Fragen bezüglich seiner Gefühle für Chloe (Lauren German) aufgeworfen. Zudem könnte es sein, dass sich die Beziehung von Lucy und seinem Bruder Amenadiel (D. B. Woodside) nun für die nächste Zeit grundlegend verändert hat. Außerdem wurde Lieutenant Pierce (Tom Welling), seitdem er der Chef des LAPD ist, endlich besser in den Handlungsverlauf eingebaut und man erfährt immer mehr über ihn.
Nach diesen grundlegenden Schritten für die weiteren Folgen wäre es passend und wichtig gewesen, dort weiterzumachen, wo man in der Woche zuvor aufgehört hatte. Stattdessen wirkt die aktuelle Folge leider sehr fehl am Platz und eröffnet zudem noch neue Handlungsstränge und weitere Möglichkeiten. Inwiefern Lucifer nun sowohl die verschiedenen einzelnen Handlungsstränge, die bisher größtenteils nur angedeutet wurden, als auch den übergeordneten großen Handlungsstrang miteinander verbinden will, ist mir ein Rätsel und es wird der Serie wohl nur mit sehr viel Mühe gelingen.
Like she is a completely different person
Abgesehen von der unpassenden Einordnung der Episode in den Story-Arc der dritten Staffel, gefällt mir die aktuelle Episode sehr gut. Hier schaffen es die Macher, Helfers Figur nicht einfach wahllos in den aktuellen Fall und somit auch in die aktuelle Folge mit einzubauen. Charlotte taucht hier in ihrer ursprünglichen Funktion wieder auf - nämlich als Anwältin.
Über die Folge hinweg erleben wir mit, wie es Charlotte in den letzten Monaten erging und wie sie immer noch mit sich selbst kämpft - sie fühlte sich verloren, weil sie an mehrere Monate keinerlei Erinnerungen mehr hat und versucht nun, einfach so weiterzumachen wie zuvor. Das tut sie in der Hoffnung, dass dann niemand mehr annehmen würde, dass sie verrückt wäre - so fühlt sie sich jedoch auch selbst. So möchte sie also nicht nur die Umwelt von ihrer geistlichen Gesundheit überzeugen, sondern auch sich persönlich. Das gelingt ihr über die Folge hinweg jedoch eher schlecht als recht. Insbesondere zum Ende hin fällt ihre „öffentliche und gesunde“ Maske. Hier scheitert sie daran, ihre geistliche Gesundheit vorzuspielen.
Während sie auf der einen Seite versucht, ihr Gesicht nach außen zu wahren, versucht Charlotte auf der anderen Seite, sich selbst wieder zu finden. Das ist leichter gesagt als getan. Die verunsicherte Anwältin befindet sich in einer Glaubenskrise und möchte, indem sie ihre Tätigkeit als Anwältin wieder aufnimmt, ihr „Karma-Konto“ aufladen. Sie vermutet nämlich, dass sie in der Hölle war und fürchtet, dass sie bald wieder dorthin kommen wird, weil sie sich nicht tugendhaft verhalten hat. Sie weiß dabei jedoch nicht, dass sie für Monate von einer bösen Person besessen war, die selbst mal in der Hölle war und sie eigentlich nur Teile ihrer Erinnerung übernommen hat.

Als Charlotte feststellen muss, dass sehr wahrscheinlich einer ihrer drei Mandanten der Mörder ist, den sie suchen, sieht sie ihre Seele in Gefahr und sie möchte das wiedergutmachen. Hierfür hält sie die drei gefangen und möchte so den wahren Mörder dazu zwingen zu gestehen. Sie weiß jedoch nicht, dass das Opfer Selbstmord begangen hat und somit all ihre Mandanten „unschuldig“ sind. Sie sind zwar bezüglich des Mordes unschuldig, jedoch haben sie dafür gesorgt, dass hunderttausende Menschen durch ihr Produkt krank werden. An dieser Stelle merkt man, wie schlecht es um Charlotte und ihren geistlichen Zustand bestellt ist und letzten Endes ist es Lucifer, der sie rettet. Denn auch er bemerkt, wie es ihr geht. Lucy muss hier einsehen, was seine Mutter dieser Seele angetan hat und zeigt ihr gegenüber unvorhergesehene Empathie.
Welcome back, Charlotte Richards
Durch Charlottes Rückkehr wird Lucifer erst mal komplett aus der Bahn geworfen. Dabei hat es zuerst beinahe den Anschein, dass dieser annimmt, seine richtige Mutter wäre zurückgekehrt und nicht nur ihre Hülle. Als Charlotte jedoch versucht ihn zu verführen, wird auch ihm klar, dass es sich hierbei nicht um seine Mutter handelt. An dieser Stelle wandelt sich ihre Beziehung zueinander. Denn nun weiß zumindest Lucifer, woran er hier ist und was für eine geschundene und verlorene Seele er vor sich hat.

Dadurch kann er nicht nur ihr helfen, sondern auch ein bisschen seine eigenen Probleme bei ihr abladen. Denn Lucy kann nun durch einen Schleier seine unterdrückten Zweifel und Kämpfe mit der Wiedergewinnung seiner Mutter und ihren Verlust verarbeiten. Es tut ihm gut, hier beinahe ungefiltert seine Gefühle gegenüber einer unwissenden Person herauszulassen. Hoffentlich war das nicht nur eine einmalige Sache, sondern die beiden schaffen es, füreinander da zu sein.
It is one of the many things I love about you
Nicht nur Lucifer ist von Charlottes Rückkehr betroffen, sondern auch Dan hat damit zu kämpfen. Insbesondere, da er ihr Verhalten, im Gegensatz zu Lucifer, nicht einordnen kann und annimmt, dass diese ihn ignoriert. Das lässt sich Dan jedoch nicht so einfach gefallen und lässt seine Wut und Verzweiflung über ihre aktuelle Lage an ihr aus. Sie versteht zwar nichts davon, was er sagt, aber ihm tut es einfach gut, hier mal seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen.
Da es Ella (Aimee Garcia) nicht entgeht, wie verletzt Dan durch Charlottes Verhalten ist, versucht diese, ihren Freund mit allen Mitteln zu beschützen. Bisher war es nicht besonders deutlich, dass die beiden eine engere Beziehung zueinander haben oder sich umeinander sorgen. Hier hat es jedoch den Anschein, dass die beiden sehr gute Freunde sind und sich sehr wohl füreinander einsetzen. Das ist eine willkommene Abwechslung. So bekommen sie auch die Möglichkeit, ihren jeweiligen Charakter zu entfalten und nicht nur auf der Eindimensionalität ihrer Figur zu verharren.

Fazit
Obwohl die aktuelle Folge Welcome back, Charlotte Richards durch die Rückkehr Charlottes (Tricia Helfer) eine neue Dynamik in die Charakterkonstellation bringt, kann diese nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Einordnung in die Staffel beinahe willkürlich erscheint. Man kann nur hoffen, dass die Macher zumindest den Anschluss an diese Folge passend hinbekommen.
Abgesehen davon bietet die Episode erstaunlich viel Einsicht in Charlottes Figur. Man kann ihre Verzweiflung beinahe spüren und sich sehr gut in ihre Lage versetzen. Zudem kann man gespannt sein, wie sich ihre Figur weiterentwickeln und was für Auswirkungen das auf Lucy und Dan haben wird.
Verfasser: Maike Karr am Dienstag, 31. Oktober 2017Lucifer 3x05 Trailer
(Lucifer 3x05)
Schauspieler in der Episode Lucifer 3x05
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