Legion 3x04

© zenenfoto aus der Legion-Folge „Chapter 23“ (c) (FX)
Legion ist und bleibt eine herausragende Serie in der vollen Serienlandschaft des Peak-TV. Zuletzt hatte David Haller (Dan Stevens) zusammen mit der Zeitreise-Mutantin Switch (Lauren Tsai) einen Abstecher in die eigenen Ursprünge gemacht, was womöglich zu seiner eigenen Verdammnis geführt hat. Weil die Zeitreise strikten Regeln folgt, die aus gutem Grund da sind, muss der übermächtige Mutant nun mit den Konsequenzen klarkommen. Denn wie sich herausstellt, gibt es tatsächlich Zeitfresser oder Dämonen, wie auch immer man sie bezeichnen möchte, die bei Zeitreisen versuchen die Kontrolle zu erlangen und sich die Bäuche mit der köstlichen Vergangenheit vollschlagen. Sie sehen dabei ein wenig aus wie eine Mischung aus Nightcrawler bzw. den Bamfs aus den X-Men-Comics und der Grinsekatze aus „Alice im Wunderland“.
Dass etwas nicht stimmt, merken wir als Ptonomy (Jeremie Harris) und die Vermillion-AI einen Bug entwickeln und immer wieder Zeit-Glitches auftreten. Da kommt es gerade recht, dass sich Kerry (Navid Negahban) seit der Entführung von Cary (Bill Irwin) langweilt. Denn nun ist Action angesagt. Doch es handelt sich um einen Gegner, der nur schwer greifbar ist und gerne seine Spielchen mit dem Rest treibt, wie der Shadow King in Staffel eins oder der korrumpierte David in Staffel zwei der Serie. In kleinen Vignetten sehen wir also die Versuche einiger Figuren der Situation Herr zu werden. In der Division 3 sieht man anhand von Aufnahmen, was los ist, doch durch die Zeitloops löscht sich das Wissen darüber wieder. Eigentlich gehört Sydney (Rachel Keller) zu einem Einsatzgruppe rund um Farouk (Navid Negahban), Clark (Hamish Linklater) und Kerry, wird aber in letzter Sekunden abgelenkt.
My, myself and I

Das Zeitwirrwarr sorgte dafür, dass Teen-Sydney (Pearl Amanda Dickson) ohne große Erklärung an Bord des mobilen Einsatzzentrums strandet. Beide gönnen sich zusammen ein paar Drinks und etwas Me-Time. Das bedeutet auch zu ergründen, was das jüngere Ich vielleicht vom zukünftigen Ich wissen sollte, was ja ohnehin egal ist, sollte die Zeit kollabieren.
Die Frage die sich stellt: Wird das Treffen Konsequenzen haben? Kann Teen-Syd andere Entscheidungen treffen mit dem Wissen ihres älteren Ichs? Wenn ihr komplizierte Kraft und die Vergangenheit versteht, dann eben sie selbst. Das Sich-Dreckig-Fühlen nach dem Krafteinsatz etwa oder die Gerüche, die nicht die eigenen sind oder das man für sich sein will. Das Gefühl ein Tourist im eigenen Körper zu sein, fasst es als Satz wahrscheinlich am besten zusammen.
Auch das traumatische erste Mal kommt wieder zur Sprache, was für die junge Syd kaum verständlich ist. Denn ihr erster sexueller Kontakt gebührte eigentlich nicht ihr und es sich anfühlt, als würde man ausgenutzt. Im Endeffekt war es Missbrauch einer Schutzbefohlenen (auch wenn es dem Täter wohl nicht bewusst wahr, weil er nichts von ihren Körpertauschkräften wusste). Aber der Akt des Machtmissbrauchs durch den Partner der eigenen Mutter, der sich später bei David wiederholt hat, sitzt tief, auch wenn Sydney die Zeit mit David stellenweise als magisch bezeichnet, bis es zu seiner ätzenden Manipulation kam. Das verdeutlicht eindrucksvoll, wie sehr es Sydney eigentlich das Herz gebrochen hat, sich nun gegen David wenden zu müssen. Das kam vielleicht in der bisherigen Staffel, die sehr auf David und Switch konzentriert ist, zu kurz. Insgesamt ist es eine gute Folge für die Nebenfiguren. Auch die Umarmung der beiden Syds trifft einen ins Herz. Beide haben bedenken, was passieren würde. Könnten sie einen Loop auslösen oder sich selbst auslöschen? Die Grinsekatzen sind jedenfalls zunächst am Drücker.
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No more Mr. Nice Guy
Diese Folge hat gleich mehrere tolle kleinere Ideen, wie man die Tücken der Zeitreise abbilden kann. So auch bei Lenny (Aubrey Plaza), die sich unter Guru David eine eigene kleine Ecke der Glückseligkeit aufgebaut hat, aber als einzige Wiederworte und Paroli bieten darf und David so in gewisserweise vielleicht sogar erdet und verhindert, dass er zum Megalomanen wird. Oder wie seht ihr ihre Rolle?
Ihre schwangere Partnerin Fish ist zwar nicht der hellste Goldfisch im Teich, aber man liebt sich dennoch und es gibt sogar die Idee eines Road Trips inklusive Geburt auf der Straße. Lenny würde gerne flügge werden, fragt sich nur, ob David das zuließe. Die Frage stellt sich nicht, weil David und Switch zurückkehren und offenbar weiteren Schaden am Zeitstrom anrichten.
David versucht beim Meditieren die Erinnerung an Mutter Gabrielle (Stephanie Corneliussen) zu konservieren, aber es ist Lenny, die ihn aus der Konzentration holt und an seine Guru-Audienz erinnert. Kurz darauf, als alle sich beruhigt haben, erklärt Switch, was sie über den Feind weiß. Es ist nicht besonders viel, aber David will sich ihm stellen, es scheint aber so, als würde er sich fast etwas zu viel aufbürden, denn der Gegner ist möchte und David landet bald bei einer alten Bekannten, die ihn für verrückt hält. Nicht wahr, Mommy? Auch hier versucht der den Schaden, den er womöglich angerichtet hat, zu begradigen und Erinnerungen zu hinterlassen. Es scheint aber ohnehin nur eine fingierte Manipulation der Zeitfresser zu sein. Und wenn nicht, warum sollte sich die „verrückte" Gabrielle an die Botschaft eines vermeintlich Geisteskranken erinnern?
Ein weiterer herzzereißender Moment ist der Dialog zwischen David und seiner Mutter, als eine Zeitreise anbietet, aber natürlich die die Leiden des Weltkriegs und die Lager ungeschehen machen kann, sondern eher auf einem egozentrischen Macro-Level denkt. Und ebenfalls, als sie ihm keine genauen Details zu ihren eigenen Hintergründen geben will, weil ihr Wille schon längst durch ihre Gefangenschaft gebrochen ist und es laut ihrer eigenen Aussagen ohnehin niemanden interessiert.
Leben im Zeitraffer

Lenny ist ähnlich wie Kerry eine Frau der Tat. Sie will von David einen Plan hören und stiftet ihn an, die Nice-Guy-Persona ruhen zu lassen und sich mit den Zeitfressern direkt anzulegen. Was David auch tut. Denn er will den Schaden reparieren, was auch immer das kostet.
Switch selbst ist allerdings noch erschöpft und nur bedingt einsatzbereit, also muss David sich etwas einfallen lassen. Das merkwürdigste an dieser durchaus skurrilen Folge rund um das Zeitwirrwarr ist der willkürliche The Shield-Clip, der laut Showrunner Noah Howley vollkommene Absicht ist. Diese Art der Cross-Promotion passt tatsächlich, um die Verwirrung beim Zuschauer komplett zu machen. Denn mit unerklärlichen Glitches und Loop haben wir es hier Dank der Gegner am laufenden Band zu tun.
Doch wir sind noch lange nicht fertig mit den emotionalen Tiefschlägen. Lenny leidet, in meinen Augen an der Situation am meisten. Fish verschwindet, taucht dann wieder auf und die Wehen setzen ein. Was folgt ist ein Lennys Leben als Mutter und Oma im Zeitraffer, aber gleichzeitig nur in Auszügen, wegen der Zeit-Glitches. So sieht sie ihre Tochter Großwerden und auch auf dem Sterbebett. Sie ist gleichzeitig über diese Erfahrung überglücklich, aber auch tieftraurig, weil es nur so selektiv war. Der Schwall an Gefühlen überwältigt sie trotzdem und selbst als David seine Gegner endlich besiegen kann, möchte sie nicht, dass er den Schmerz nimmt, sondern das die Erinnerung bleibt. Für mich ganz großes TV-Kino.
Fumetti Fun

Farouk, Clark und Kerry werden derweil in eine Mischung aus Fumetti, Foto-Comic und Am Rande des Rollfelds (aka der Vorlage für „12 Monkeys“) verfrachtet. Hierbei werden sie auf minimale Aktionen limitiert und es ist wieder einmal ein wundervoller Einfall wie die Macht der Zeitfresser visualisiert wird. Als kleine visuel novel sehen wir, ihre Bemühungen, die wahrscheinlich Ewigkeiten dauern. Denn zwischendrin müssen sie sich auch Nahrung suchen und den Kampf gegen einen Gegner, der am längeren Hebel sitzt wagen. Dabei schafft der Shadow King zumindest kleine Erfolge gegen die blauen Grinsefratzen, die wie Termiten an der Zeit nagen.
Einer profitiert derweil von den Zeitdämonen, denn Cary kann die Manipulation durch David hinter sich lassen, ist bei klarem Verstand und findet Switch, die er aus ihrem Abhängigkeitsverhältnis herausholen will. Denn noch immer scheint sie nicht zu begreifen, wo sie eigentlich reingeraten ist. Die Alternative bei Division 3, wo ihr nicht sämtliche Zähne ausfallen, scheint aber wahrscheinlich reizvoller zu sein und so treten Cary und sie die Flucht nach vorne an, die aber auch von eingefrorener Zeit aufgehalten wird. Zusammen entkommen sie aber per Tunnel und per magischer Telefonzelle und Carys massiven Wissen zu Notsituationen. Also kann man den verglichten Vermillion neu starten, auch wenn die Annäherung an eine Problemlösung auf konventionelle Wege Jahre dauern würde. Da hat man einfach Glück, dass David seinen Gegner ausschalten kann und so alles wieder halbwegs normal wird - abseits von den Traumata und den gemachten Erlebnissen. Problem an der Sache: Als David von Switchs Verschwinden erfährt, erklärt er der Division 3 den Krieg. Ohne Switch und mit Farouk scheint Division 3 einen Vorteil zu haben, aber man weiß nie, zu was David bei voller Motivation und Power zu Stande wäre.
Fazit
Je länger ich mich gedanklich mit den kleinen Charaktermomenten der Folge beschäftigt habe, um so besser fand ich sie und das Gezeigte daran. Es sind diese tragischen Details, die mir dabei am meisten ans Herz gehen. Fast alle Figuren leiden an großen und kleinen Wunden oder durchlaufen und durchleben ihre großen Krisen. Manchmal würde man sich natürlich wünschen die Zeit zurückzudrehen, wie im Fall von Lenny kann es aber auch wunderschön sein, diese Erinnerungen im Kopf gespeichert und einmal erlebt zu haben.
Die Karten sind durch Cary nun neu gemischt und man muss sehen, was Switch auf der Seite der Division 3 leisten wird oder ob David das zulässt. Es ist erst Halbzeit bei dieser finalen Legion-Staffel und dementsprechend kann noch einiges passieren, was alles auf den Kopf stellt. Vielleicht sogar, wie ein Kommentar vorgeschlagen hat, dass wir hier eine elaborierte Zeitschleife erleben, die die uns wieder an den Anfang von Davids Abwesenheit nach Staffel zwei bringen würde. Man kann gespannt sein, was Howley und Co noch für uns in der Hinterhand haben.
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Trailer zur Episode Chapter 24 der Serie Legion (3x05):
Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 16. Juli 2019Legion 3x04 Trailer
(Legion 3x04)
Schauspieler in der Episode Legion 3x04
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