Legion 3x05

© zenenfoto aus der Legion-Folge Chapter 24 (c) FX
Legion marschiert so langsam auf die Zielgerade zu, wobei man bei einer Staffel, in der Zeitreisen möglich sind, nie so richtig einschätzen kann, welche großen Veränderungen noch eintreten können. Chapter 24 fühlt sich in manchen Belangen wie ein Abschluss an, gleichzeitig könnten Switch (Lauren Tsai) und ihre Kraft auch alles Passierte wieder ungeschehen machen - oder weiter verkomplizieren...
David (Dan Stevens) konfrontiert zunächst den Partner von Clark, da er ihm nicht verraten kann oder will, wo Switch ist. Er raubt ihm seine Erinnerungen und zerstört die Vermillion-Bodyguards. Dabei ist der Akt des Erinnerungenraubens gefühlt viel schlimmer als das Zerplatzen der Ais, weil es eben auch nur humanoide Maschinen sind. Kurz nach seinem massiven Eingriff in seine Persönlichkeit erfährt er dann vom Luftschiff, in dem sich Division 3 und sein Objekt der kriegerischen Begierde aufhalten.
Daddy!
David will sich also bereitmachen, um in den Krieg mit seinen ehemaligen Verbündeten zu ziehen. Dafür braucht er Lenny (Aubrey Plaza), die von ihrer Begegnung mit den Zeitfressern aber niedergeschlagen und traumatisiert ist. Ihr fehlt jeglicher Antrieb und sie meint, dass sie ihr Leben mit Drogen und Partys verschwendet habe. David glaubt, es sei nur eine Phase, aber sie nimmt sich vor seinen Augen das Leben und versagt ihm somit jegliche weitere Unterstützung. Heilen kann oder will er sie ebenfalls nicht. Er setzt wohl darauf, dass der Eingriff in die Zeitlinie all seine Probleme lösen wird. Auch seine willenlosen Sklaven, die immerzu nach „Daddy!“ schreien, verschaffen ihm keine Genugtuung mehr. Manche von ihnen löst er in Luft auf (ob sie Tod sind oder teleportiert, ist schwierig zu sagen), andere nimmt er als Truppe mit zum Luftschiff.

Up in the Air
Division 3 versucht, mit Carys (Bill Irwin) Erfinderreichtum, Switch in einem Tank zu verstecken, der sich außerhalb der bekannten Raum und Zeit befindet und so für David eigentlich nicht zu finden sein soll. Allerdings gelingt David ohnehin oft das Unmögliche. Die Regeln des Zeitreisenden verorten diese Person derweil als eine einsame Person, die überall und nirgendwo existiert. Das wird verbildlicht durch ein Videotelefonat mit ihrem Vater, das vielleicht sogar die Grenzen der Zeit überschreitet.
Rabbits + Army of Cowards vs Wolf

Farouk (Navid Negahban) schlägt einen Kampf vor und glaubt, David gewachsen zu sein, weil er leicht ablenkbar und manipulierbar ist. Es kommt allerdings immer auf die Version von David an, die zur Konfrontation erscheint. Der Shadow King wurde von David schon mehrfach geschlagen oder zum Patt gebracht. Das Schiff soll derweil außerhalb der Teleportationsreichweite von David ins All gebracht werden. Das klappt aber nur suboptimal. Vielleicht auch, weil Farouk provoziert und David so die Tür öffnet? Der Shadow King köchelt irgendwie immer etwas seine eigene Suppe und sucht auch die Herausforderung im Kampf gegen seinen „Sohn". Er fordert ihn nämlich auf, als Gott seine eigenen Regeln aufzustellen und sich zu holen, was er will.
Fabelhaft in dieser Folge sind mal wieder die halbtransparenten Projektionen einiger Gesichter, die ich für große Serienkunst in der Komposition halte.
Clark (Hamish Linklater), dem in der Folge schon sein Partner genommen wurde, hat für David nur noch Verachtung übrig. Er hat unter Davids Präsenz schon so oft gelitten - beispielsweise durch seine Narben - und wünscht sich, was man vollkommen nachvollziehen kann, dass er David bei ihrer ersten Begegnung einfach getötet hätte. Das wäre für ihn das Befriedigendere gewesen - stellt sich nur die Frage, ob das auch das Beste für die Welt gewesen wäre oder wäre sonst der Shadow King am Drücker? David dankt ihm diese Bemerkung, indem er ihn eiskalt ins Vakuum des Alls befördert und dort sterben lässt. Kerry (Amber Midthunder) kriegt es mit einer Reihe von Daddy-Girls zu tun und darf zumindest das machen, was ihr am liebsten ist: schwertschwingend in die Schlacht ziehen.
You can't love half way
Davids nächste Station ist Sydney (Rachel Keller), die zunächst versöhnliche Töne anstimmt. Außerdem fällt sie mit der Tür ins Haus und verrät ihrem früheren Partner, wo sich Switch aufhält, da er sie so oder so irgendwann finden würde. Man fragt sich - und das tut David auch -, warum sie ihn so beschwichtigend und versöhnlich entgegentritt. Aber Syd verfolgt eine grenzgeniale Taktik. Die ist so offensichtlich, dass ich mich wundere, warum man sie sich so lange aufgespart hat. Sie redet David gut zu, lenkt ihn gedanklich so ab und kann dann ihre Körpertauschkräfte einsetzen, in der Hoffnung, David aus dem Verkehr zu ziehen. Während sie körperlich noch an Bord des Luftschiffs ist, ist ein Teil von ihr in Davids Hauptquartier oder mind palace. Beim Luftschiff versucht sie, Kerry davon zu überzeugen, Davids Körper zu töten und so den Spuk zu beenden. In Davids Verstand tauchen derweil zahlreiche Splitterpersönlichkeiten auf, die um die Vorherrschaft kämpfen und Syd aus Davids Körper schmeißen wollen. „I am Legion!“
Diese ganze Szenenfolge rund um Syds cleveren Einfall, ihren internen und externen Kampf ist für mich das Highlight der Episode, die diesmal fast bis zum letzten Drittel braucht, um wirklich in Gang zu kommen - dafür dann aber so richtig. Syd braucht für die Umsetzung leider zu lange, so dass sie und Kerry überrumpelt werden können. Ein Kompliment auch an Stevens, der die Nuance, als Syd ihn übernimmt, herrlich spielt.
Bleibt nur noch einer übrig.
Hating you would be hating myself
Die anscheinend letzte Hürde auf dem Weg zu Switch ist Farouk, der ihn zumindest überraschen, aber nie so richtig dominieren kann. Immerhin ist die auserwählte Taktik, den Feind an einen Ort zu bringen, an dem er nur begrenzt Schaden anrichten kann, der richtige Einfall. Denn so leiden nur die Angehörigen von Division 3 - dafür aber auch so richtig... David versucht, Switch zu wecken, die sein Ass im Ärmel ist und Farouk zurück in das Reich verbannt, was in Chapter 23 noch wie ein Foto-Comic-Roman aussah.
Stellt sich also noch die Frage, wie Switch auf das alles reagiert. Die Antwort: überraschend offen und mit einiger Neugierde. An diesem Moment großer Anspannung bauen der Serienschöpfer Noah Hawley und seine Autoren einen klassischen „Legion“-Musikexkurs ein, der ein wenig makaber, aber gewohnt psychedelisch daherkommt: „What's so funny 'bout peace, love and understanding?“ von Elvis Castello startet als Duett und wird mithilfe des Dead-Division-3-Orchersters (plus Lenny) abgerundet. Es ist fast wie der „Always Look on the Bright Side of Life“-Moment der Serie.
Switch scheint derweil also Davids Pläne umsetzen zu wollen, vielleicht, weil sie denkt, dass er immer noch gute Intentionen hat und wirklich nur die Fehler ausbügeln will. Statt zurück zur Mutter will er diesmal nur eine kleine Schraube drehen. Mal sehen, wo und wann genau...
Fazit

Selten war David so rabiat wie in dieser Folge. Gleichzeitig lauert der Resetknopf immer noch latent im Hintergrund, weswegen man sich um manchen vielleicht doch nicht allzu große Sorgen machen muss. Verwundert war ich über die Bereitschaft von Switch, trotz allem an Davids Seite zu stehen. Weiß sie vielleicht wie einst schon Dr. Manhattan in „Watchmen“ mehr über die Zukunft? Man kann gespannt sein, welche Veränderung David als Nächstes probieren will. Vielleicht sollte Switch sich einmal mit ihm hinsetzen und alle Regeln erklären, die sie sich immer wieder anhört, um Schlimmes zu vermeiden.
Hier noch abschließend der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie Legion, Chapter 24 (3x06):
Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 23. Juli 2019Legion 3x05 Trailer
(Legion 3x05)
Schauspieler in der Episode Legion 3x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?