Legion 2x03

Legion 2x03

Legion dreht in Chapter 11 die RĂ€tsel und Mysterien passenderweise bis zu Stufe elf auf. Wer ist der wahre Schurke und in welchem Gedankenlabyrinth befinden sich alle diesmal? Ist David Spielball, Mitspieler oder irgendwas dazwischen?

Szenenfoto aus der „Legion“-Folge „Chapter 11“ (c) FX
Szenenfoto aus der „Legion“-Folge „Chapter 11“ (c) FX
© zenenfoto aus der „Legion“-Folge „Chapter 11“ (c) FX

Legion ist eine komplizierte Serie. Diesen Ruf hat sie sich perfekt aufgebaut und lÀsst uns immer wieder zweifeln an der RealitÀt, an dem Geisteszustand der Protagonisten und daran, wer eigentlich gerade wen kontrolliert. Die Episode Chapter 11 ist da wieder einmal keine Ausnahme...

Eingeleitet wird die die Folge durch einen brillanten Exkurs zum Thema Placebo- und Nocebo-Effekt, den natĂŒrlich wieder Jon Hamm mit seiner Stimme begleitet. Nocebo bedeutet, dass man durch Suggestion auch daran glauben kann, dass simples Zuckerwasser beispielsweise zum Erbrechen fĂŒhren kann, wenn man es selbst glauben möchte. Der Körper und der eigene Geist sind in dieser Hinsicht sehr merkwĂŒrdig.

Inwiefern virale PhĂ€nomene, egal ob das ansteckende GĂ€hnen oder die nervösen Ticks aber wirklich viral werden (die Conversion Disorder ist klar ein Fall fĂŒr Kollege Bjarne in seiner SJ-Therapie-Kolumne) und ganze Gemeinschaften anstecken können, ist zweifelhaft, aber nicht unvorstellbar. In dieser Serienwelt ist das aber offenbar eine Möglichkeit. Dann muss man sich fragen, ob nicht die gesamte Gesellschaft eine einzige Krankheit ist.

Farouks (Navid Negahban) Körper gibt weiter RĂ€tsel auf. Wir werden in dieser Folge Zeuge, wie seine fleischliche HĂŒlle stirbt und ins Kloster der mysteriösen Mönche gebracht wird, welche ihm aber trotz Verstecks nicht Herr werden können. Denn auch nach dem Tod scheint eine unglaubliche Macht von ihm auszugehen. Oder ist alles doch ganz anders? Ehrlich gesagt bin ich mir hier nicht sicher, was ich glauben soll...

Parasit

Die Folge verlĂ€uft zeitweise sogar recht harmonisch, abgesehen davon, dass schon frĂŒh ein Parasit bei Ptonomy (Jeremie Harris) ins Ohr kriecht und ihn zu einem weiteren ZĂ€hneklapperer macht - ein Schicksal, das so gut wie allen zentralen Figuren droht.

Bei Kerry (Amber Midthunder) und Cary (Bill Irwin) erleben wir dann die wahrscheinlich witzigste Szene seit langem. Denn gewisse menschliche NormalitĂ€ten sind Kerry vollkommen fremd: Essen, Trinken und gewisse Körperfunktionen. Die kurze Version: Dumplings sind nicht ganz ihr Ding, dafĂŒr liebt sie aber Cream Soda und findet Stuhlgang sehr widerlich, aber so hat es die Evolution nun mal eingerichtet. Weil eine Fusion aktuell nicht möglich ist und Cary den Grund noch nicht entschlĂŒsselt hat, muss sie jedoch ĂŒben, unabhĂ€ngig zu sein. Ich finde es faszinierend, dass sie offenbar wirklich so wenig außerhalb des Körpers agiert hat, dass sie alle diese Erfahrungen nicht gesammelt hat. Es sorgt jedenfalls fĂŒr schöne kurzweilige Unterhaltung.

Die Suche nach dem Mönch

Szenenfoto aus der „Legion“-Folge „Chapter 11“
Szenenfoto aus der „Legion“-Folge „Chapter 11“ - © FX

Apropos kurzweilig: Auch Sydneys (Rachel Keller) Undercovermission als Katze, die nach dem Mönch sucht, sagt mir als Idee sehr zu. Ihre Neugier auf ihr Zukunfts-Ich kann sie im telepathischen GesprĂ€ch mit David (Dan Stevens) allerdings nicht unterdrĂŒcken. Dabei kommt heraus, dass der bei Division 3 versteckte Mönch-Körper Reißaus genommen hat. Da David ihn mit seinen KrĂ€ften nicht finden kann - er schottet seine Gedanken ab -, muss er wieder in den KrĂ€fteverstĂ€rker steigen und Farouk kontaktieren.

Dort findet er aber nur die einsame und verzweifelte Lenny (Aubrey Plaza), die so gerne Drogen oder Ablenkung oder den Tod hĂ€tte, doch stattdessen muss sie hier verweilen, wobei sie immerhin ein Luxusanwesen und einen Pool zur VerfĂŒgung hat.

Von Farouk fehlt zunĂ€chst jede Spur, bis er sich nach einigen Rufen doch zeigt und mit einem schönen und fĂŒr Schurken untypischen Dialog mit David glĂ€nzt. Die Wortherkunft des Wortes villain wird hierbei auf jemanden, der aus einem Dorf kommt und ein einfacher Diener ist, heruntergebrochen. Die semantische Übung zeigt, dass Farouk ein durchaus schlauer und belesener Mutant ist, der natĂŒrlich auch entsprechend lange schon lebt. Das regt zum Nachdenken an und ebenso zu der Frage: Wer legt eigentlich fest, wer Schurke und wer Held ist? Die wenigsten Schurken in Film und Literatur halten sich fĂŒr ebensolche. Allerdings hat David mit seinem Einwand Recht, dass er schon, als David noch ein Baby war, wie ein Schmarotzer von ihm gezehrt hat und ihn ĂŒber Jahre manipuliert hat. Sein Gegenargument: Er wurde aus seinem Zuhause vertrieben und musste flĂŒchten und bei der Wahl Leben oder Tod hat er sich eben fĂŒrs Leben entschieden.

Die wichtigste Botschaft in diesem GesprĂ€ch lautet aber, dass manche Dinge Fehlannahmen sein können. Nicht er hat die ZĂ€hneklapperer zu verantworten, sondern der Mönch, der wie ein Unkraut oder ein Virus ansteckend ist. In dieser Folge wird ĂŒberdeutlich, dass die Dynamik zwischen David und Farouk in Staffel zwei an „Das Schweigen der LĂ€mmer“ erinnert. Manchmal braucht es etwas Böses, um etwas noch Böseres zu stoppen. Wobei noch nicht vollends geklĂ€rt ist, wie weit man Farouks Wort glauben kann. Dazu gibt es zu viele unterschiedliche Ansichten zu ihm und seinen PlĂ€nen.

Schnitzeljagd

Szenenfoto aus der „Legion“-Folge „Chapter 11“
Szenenfoto aus der „Legion“-Folge „Chapter 11“ - © FX

David öffnet das GesprĂ€ch die Augen und er sieht, dass etwas in Division 3 nicht stimmt. Da ist eine Kuh, die plötzlich in den GĂ€ngen steht, noch das geringste Problem. Cary wurde verschont von dem, was passiert ist, weil er so Ă€ngstlich ist, dass er dem Trubel aus dem Weg gegangen ist. Eine kurze mentale Suche Davids gibt jedoch keine AufschlĂŒsse ĂŒber den Rest. Ptonomy findet die beiden beim GĂ€rtnern und seine Befreiung aus der mentalen Falle dauert nicht lange. Stellt sich danach nur die Frage, ob man den Rest zusammen oder jeweils allein sucht, wobei Horrorfilme gelehrt haben sollten, dass AlleingĂ€nge meist zu schrecklichen Ergebnissen fĂŒhren.

Weiter geht es also zu Melanie (Jean Smart), bei der es zunĂ€chst zappenduster ist, bis sich herausstellt, dass sie wie eine Spielleiterin in einem Rollenspiel (inklusive einer besonderen Abwandlung eines Minotaurus) agiert und den „Mitspielern“ mehrere Optionen anbietet, die aber auch ins Verderben fĂŒhren können. David kommt bald auf den rettenden Einfall und schreibt kurzerhand mit der Kenntnis aus ihrem jĂŒngsten GesprĂ€ch ihre Geschichte um und holt sie so aus dem tiefen Loch, in das sie sich vergraben hatte - wahrscheinlich aber auch wegen des Mönchs.

Im tödlichen Kloster

Admiral Fukuyama und Vermillion werden vom Mönch nach einer Waffe gefragt, die anscheinend geplant, aber nie fertiggestellt wurde. Oder es handelt sich um eine menschliche Waffe, wie Melanie glaubt - wahrscheinlich um David. Ist er der einzige, der den angeblich unzerstörbaren Körper zerstören kann? Mein Kopf raucht. Bei den Loudermilks ist auch unklar, wie es weitergeht. Cary kann Kerry nicht vom ZÀhneklappern befreien, verschwindet aber - womöglich in den gemeinsamen Körper. Wir werden erst in der kommenden Episode schlauer.

Szenenfoto aus der „Legion“-Folge „Chapter 11“
Szenenfoto aus der „Legion“-Folge „Chapter 11“ - © FX

David hat genug von den Spielen und will den Mönch konfrontieren, landet jedoch in dessen schweigsamen und fĂŒr manch andere Mönche tödlichen Reich. Ist David also wieder gefangen? Oder ist er jetzt der Spielball zweier höherer MĂ€chte? Denn im GesprĂ€ch hört er von ihm, dass der Shadow King die Gefahr ist. Will David das nicht glauben, weil es Sydney war, die ihn im Orb gerufen hat und die er bereits in der Zukunft gesehen hat? Kann er sich sicher sein, dass es die echte Sydney ist? Können wir uns sicher sein, dass noch irgendetwas echt ist? Der Mönch wirft sich vom Hochhaus und hinterlĂ€sst David und uns mit offenen Fragen.

Davids nĂ€chste Aufgabe, die nach dem Teaser und Episodenende keine leichte wird: Sydney befreien. Hoffentlich ist nicht er dafĂŒr verantwortlich, dass sie in der Zukunft einen Arm verliert...

Fazit

Szenenfoto aus der „Legion“-Folge „Chapter 11“
Szenenfoto aus der „Legion“-Folge „Chapter 11“ - © FX

Neben den stĂ€ndigen RĂ€tseln und mystery boxes, die Legion Woche fĂŒr Woche prĂ€sentiert, gibt es diesmal auch noch einen Cliffhanger rund um das Schicksal von Sydney. NatĂŒrlich nicht der erste der Serie. Prinzipiell erinnert mich die Episode auch an die Folge aus Staffel eins, in der die Summerland-Mutanten als Patienten bei Lenny eingesperrt waren.

Es handelt sich ohne Frage wieder einmal um eine tolle Folge, wobei mir diesmal das ganz große Herausragende ein wenig gefehlt hat, dafĂŒr gibt es die kleinen Momente wie zwischen Cary und Kerry, die begeistern. Aber wie bereits öfter in meinen „Legion“-Besprechungen erwĂ€hnt, hĂ€lt kaum eine Serie es aus, stĂ€ndig von einem Superlativ in den nĂ€chsten zu hetzen. Eine etwas „schwĂ€chere“ Legion-Folge ist immer noch ganz große Unterhaltung, die die grauen Zellen anstrengt wie wenige andere Serien da draußen.

Trailer zur Episode Chapter 12 (2x04) der US-Serie Legion:

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Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 18. April 2018

Legion 2x03 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 3
(Legion 2x03)
Deutscher Titel der Episode
Kapitel 11
Titel der Episode im Original
Chapter 11
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 17. April 2018 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 18. April 2018
Autoren
Noah Hawley, Nathaniel Halpern
Regisseur
Sarah Adina Smith

Schauspieler in der Episode Legion 2x03

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