Legion 2x02

© zenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 10“ (c) FX
Man möchte bei Legion und dem Hirn von Noah Hawley wirklich gerne manchmal Mäuschen spielen, um zu sehen, was in seinem Verstand vorgeht, wenn er sich die einzelnen Folgen ausdenkt. Er macht aus so wenig so unglaublich viel. Denn, achtet man mal etwas mehr auf die Kulissen, dann fällt einem auf, dass der Handlungsort eigentlich mit kleinen Abweichungen immer relativ ähnlich ist und doch fasziniert die Serie ungemein. Ich bin zumindest voll in ihrem Bann.
Weiterhin wage ich nicht zu behaupten, dass ich bereits weiß, ob das alles nur eine große Illusion von einem gottgleichen Mutanten ist, in der wir uns in Staffel zwei befinden oder ob man seinen Augen doch trauen kann. Stück für Stück erfahren wir mehr über Davids (Dan Stevens) Deal mit Farouk (Navid Negahban, Aubrey Plaza und Jemaine Clement), der hier verbildlicht wird, durch eine Fahrt auf dem Karussell. Er will ihm nach der Bitte von Zukunfts-Sydney (Rachel Keller) helfen, seinen Körper zu finden. Warum, erfahren wir später noch. Seine Bedingung ist aber, dass niemand verletzt wird. Etwas, das schnell von Farouk mit Füßen getreten wird, als man bei Division 3 nach einem Mönch sucht, der weiß, wo besagter Körper ist. Um das vor Division 3 geheim zu halten, ist eine Ablenkung notwendig, die erfolgt, als David und das Team in der Wüste nach dem Körper suchen und dort eine alte Spieluhr aus Sydneys Jugend finden, während Lenny und Oliver Division 3 aufmischen und nach einem Mönch suchen.
Dabei kommen vor allem die Loudermilks zu Schaden, denn Cary (Bill Irwin) und Kerry (Amber Midthunder) können nicht mehr fusionieren. Das bedeutet, dass Kerry dauerhaft draußen bleibt und Cary in ihr gefangen ist und die Verantwortungen auf ihr lasten. Interessante Randnotiz: Cary scheint zu entdecken, dass das Orb-Design auf ihn zurückgeht, auch wenn er es in der Gegenwart noch nicht gebaut hat, was dafür spricht, dass Zukunfts-Sydneys Warnung sehr ernst zu nehmen ist.
Dass man sich ausgerechnet das Theme der Serie „Mein Vater ist ein Außerirdischer“ für die Spieluhr aussucht, finde ich bemerkenswert, frage mich aber, was dahinter steckt. Natürlich passen die Lyrics hervorragend zur Situation und der Thematik der Serie, rund um Wesen, die sich die Welt zu ihrem Spielball machen können. Wer es nicht kennt, findet das Intro bei YouTube. Obskur bleibt die Wahl dennoch.
„Legion“ gehört zu den Serien, die außerdem noch Wert auf eine künstlerische und ansprechende Ausgestaltung der Credits legt, was ich ebenfalls wichtig zu erwähnen finde.
Wer ist Vermillion?
In dieser Folge erfahren wir ein paar neue Details zu den bärtigen Frauen, die Vermillion heißen und keine Mutantenkräfte haben, sondern Androiden sind. Sie können Wahrscheinlichkeiten errechnen und sind auch ein praktischer Lügendetektor, der Menschen ins Schwitzen bringen kann. Niemand weiß, wie viele es gibt. Aber sie durchschauen, dass David nicht die volle Wahrheit sagt, was den Shadow King angeht...
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Tank of Future Past

Admiral Fukuyama wird durch Melanie (Jean Smart) gewarnt, dass man es sich nicht mit David verscherzen sollte, wobei nicht ganz klar ist, inwiefern sie selbst durch eine Form des Shadow King korrumpiert ist und ihn deswegen deckt. Dass Sydney ihn in Schutz nimmt, ist fast schon eher ein Reflex. Division 3 wirkt allerdings eher wie ein Mittel zum Zweck für die Ex-Summerland-Crew. Ein Wunsch meinerseits ist, dass Fukuyama in einer der kommenden Folgen noch mehr Hintergrund erhält, momentan ist es etwas schwer greifbar, was genau er ist oder warum sich alle ihm unterordnen. Allerdings sind sie wenig davon angetan, dass Oliver geopfert werden soll, um Farouk zu schnappen, wobei David ja ohnehin seinen eigenen halbgeheimen Plan verfolgt.
Den zuletzt gebauten Tank zur Fähigkeitenfokussierung will er durch die Loudermilks umbauen lassen, so dass man die Dimension Zeit ebenfalls zu Rate ziehen kann und er somit Zukunfts-Sydney erreicht. Er hat sich nicht gerade die beste Zeit ausgesucht, weil Kerry statt Cary für den Spontanumbau sorgen muss und die Gefahr besteht, dass David darin explodieren könnte. Eine psychedelische Lichtshow später (was rauchen die Macher da eigentlich manchmal?) und Davids Wunsch geht in Erfüllung.
Sydney, die fast selbst wie ein Teil von Vermillion wirkt und robotisch klingt (eine Assoziation: Max Headroom), ist überrascht, ihn wiederzusehen, denn offenbar ist er in ihrer Zukunft eine völlig andere Version seiner selbst. Ihre Gedanken kann er jedenfalls nicht lesen, denn der Versuch bereitet ihm Schmerzen (und wahrscheinlich könnte das den Plot der Staffel auch zu schnell lösen). Also fragt er direkt, was Sache ist und erhält eine beunruhigende Antwort...
David hat in ihrer Zeitlinie den Shadow King getötet - und das schon in einer Woche - doch ohne ihn erschien etwas noch vieles Schlimmeres, das fast alles tötet. Stellt sich nur die Frage, was und wie die Anwesenheit Farouks das verhindern kann. Mit einer weiteren Verabredung verabschieden sich die beiden dann wieder voneinander.
Falsche Grundlagen
In dieser Folge wird auch die Erzählung durch Jon Hamm fortgesetzt. Diesmal geht es um die einzigartige Sichtweise von Hunden und Zecken, die die Welt gänzlich anders wahrnehmen als Menschen. Menschen sind wiederum die einzigen Wesen, die Ideen hervorbringen können. Gleichzeitig lassen sich Menschen aber auch vortrefflich manipulieren. Bringt man einem jungen Menschen bei, dass rot grün und grün rot ist, endet das in der westlichen Welt im schlimmsten Fall dann fatal, sobald man eine Ampel sieht, wie die Folge demonstriert... Natürlich gibt es solche Experimente auch mit Tieren, mir bekannt ist eines mit einer Katze, die in einer Kiste behalten wird und deren Wahrnehmung durch die Ausrichtung der Streifen an der Wand massiv beeinträchtigt wird. Die Vermutung, was diese Lektionen zu bedeuten haben, deuten in eine Richtung, dass David doch wieder nur Spielball von äußeren Umständen ist. Eindeutige Beweise fehlen aber noch. Jedoch war der Parasit namens Shadow King von klein auf in ihm drin und kann so trotz angeblicher Vertreibung mit Sicherheit Spuren hinterlassen oder immer noch eine Hintertür aufgelassen haben.
Was weiß Clark?
Clark (Hamish Linklater) bleibt beim erneuten Treffen mit David ebenfalls ein Rätsel. Er macht unmissverständlich klar, dass er von seinen Geheimnissen weiß, doch was kann er realistisch gesehen dagegen tun? David muss schon mitspielen, sonst riskiert er noch weitere Verletzungen und Narben. Vielleicht hat der Big Boss etwas, das David im Ernstfall aufhalten könnte. David verplappert sich gegenüber fast und bestätigt ihm dabei einige Vermutungen. Ist er für Division 3 also nutzlos oder ein Mitverschwörer, der ausgeschaltet werden muss?
Ringkampf im Geist

David hat genug davon, dass Farouk ihn hintergeht. Er fordert ihn zum Gespräch auf, in dem er in einer neuen Gestalt, wahrscheinlich sogar seiner echten, auftaucht. Als multilingualer Wahrsager präsentiert er sich David und fordert ihn heraus, sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Beide sind mächtige, gar gottgleiche Wesen, die entscheiden können, was real ist und was nicht. Dabei sind die Kämpfe nicht unbedingt fair. Die Metapher des Ringkampfs wird schnell zum Wettrüsten um die kreativere Idee, bis Davids Panzer auf Rauch schießt. Farouk ist jedoch auf David angewiesen, wie es scheint. Nach dem erneuten Gespräch mit der zukünftigen Sydney ist David sogar dazu bereit, wenn er denn sein Wort hält und seine Gewaltexzesse einstellt. Beim Casting haben Hawley und Kollegen wieder Glück und/oder Händchen bewiesen: Navid Negahban hat eine einzigartige, erhabene Präsenz und die Idee, ihn in gleich mehreren Sprachen sprechen zu lassen, weiß zu gefallen. Selbst das Deutsch ist verständlich. Fragt sich allerdings, ob Farouk es ernst meint, dass man seinem Wort trauen kann und er nach der Mission in Davids Schuld steht.

Einen Hinweis darauf, dass Lenny auf einer echten Person basiert, auch wenn ihr Körper schon tot ist, erhalten wir, als David sich zurückzieht und Lenny Farouk bittet, sie gehen zu lassen, weil sie ihren Zweck erfüllt hat. Immerhin kann er ja Oliver noch eine Weile behalten. Er überdenkt ihre Anfrage und kontert, was sie mit einer neuen Chance täte. Doch prinzipiell scheint der Exjunkie nur wieder ein Leben in Saus und Braus leben zu wollen, um dann wieder zu sterben. Offen bleibt noch, ob sie das darf.
Schwere Trennung
Cary und Kerry schaffen die Trennung voneinander wieder mit einer kleinen Hilfe von Bob Marleys „Everything's Gonna Be Alright“. Fragt sich allerdings, wie lange und zu welchem Preis. Die deutlich jüngere Kerry bezahlt dies nämlich mit einigen grauen Haaren. Sie selbst wünscht sich, dass ihr Arrangement so bleibt, wie es war, denn die wahre Welt kann sie offenbar nur schwer auf Dauer ertragen.
Melanie rät David derweil dazu, dass er sein Leben genießen soll, solange er noch kann und die Chance dazu hat, seine Träume auszuleben. Hierbei erhalten wir wieder den optischen Hinweis durch die goldene Elefantenpfeife, dass Melanie nicht ganz unter Kontrolle ist. Darum ist es schwer einzuschätzen, ob sie wirklich nur Olivers Traum gefolgt ist, als es darum ging, Summerland zu gründen und sie nie einen eigenen Traum hatte...
Selbsterfüllende Prophezeiung

Nach seinen Treffen mit Zukunfts-Sydney und Farouk entschließt sich David dazu, die Gegenwarts-Syd in seinen Plan einzuweihen, weil er glaubt, ihr kann er stets vertrauen. Es wirkt auf mich allerdings ein wenig so, als könnten wir es unter Umständen mit einer selbsterfüllenden Prophezeiung zu tun bekommen, wie in „12 Monkeys“ und der Vorlage „Am Rande des Rollfelds“. David sagt ihr nämlich, dass sie ihn im Orb gewarnt hat und ist daraufhin bereit, ihm zu helfen, den Mönch zu finden. Dass Sydney mit einer Katze ihre Fähigkeiten trainiert, haben wir schon in der vorherigen Folge erfahren. Aber gelingt der Körpertausch inzwischen komplett ohne Hautkontakt oder geht es darum, den Effekt zu beenden? Ich bin gespannt, ob das noch zum Thema wird, aber wenn es nun schon zum wiederholten Male gezeigt wird, bin ich mir sicher, dass es kein Zufall sein kann - fast nichts ist in dieser Serie Zufall.
Fazit
Nach einer Folge von Legion brummt der Kopf auf die schönste Weise, besonders, wenn noch neue Komponenten dazu kommen, die den Zuschauer beim Schauen herausfordern und zum Mitdenken anregen. Ein paar kleine Abstriche zum letzten Mal muss ich aber schon machen, weil diesmal nicht ganz der Wow-Faktor zuschlägt. Aber es gibt wieder genug herrlich abgedrehte Ideen, dass ich voller Vorfreude auf die nächste Folge bin.
Trailer zur Episode Chapter 11 (2x03) der Serie Legion:
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 11. April 2018Legion 2x02 Trailer
(Legion 2x02)
Schauspieler in der Episode Legion 2x02
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