Legion 1x05

© zenenfoto aus der âLegionâ-Episode âChapter 5â / (c) FX
Willkommen zu meiner aktuellen Lieblingsserie Legion, die in Chapter 5 nach dem bereits beeindruckenden Chapter 4 gleich noch eine herausragende Folge vom Stapel lÀsst, die die ganze Bandbreite an Emotionen bei mir als Zuschauer heraufbeschwört. Diesmal ist alles weniger verwirrend und verschachtelt, aber nicht weniger fesselnd. Von sexy und prickelnd, bis hin zu unheimlicher und nervenaufreibender Action wird einiges geboten, sodass die Episode zum audiovisuellen Fest wird, das sich erneut meine Höchstwertung verdient.
Ein neuer David - I am the magic man
Die verletzte Kerry (Amber Midthunder) wird von David (Dan Stevens) und Co. nach Summerland gebracht, wo man sich Hoffnung auf ihre Lebensrettung macht, auch wenn es kritisch um sie steht. Die Kugel wird herausgeholt und die Blutung kann gestoppt werden, die âFusionâ wĂŒrde aber dazu fĂŒhren, dass Carry (Bill Irwin) darunter leiden mĂŒsste, was er spĂ€ter aber doch fĂŒr seine Schwester und Körpermitbewohnerin in Kauf nimmt.
Das Wiederauftauchen von David verwundert auch Melanie (Jean Smart), noch viel mehr erstaunt allerdings sein selbstbewusstes Auftreten und die telepathische Unterhaltung mit ihr bezĂŒglich des Treffens mit ihrem Mann, dem einsamen Beat-Poeten im Taucheranzug. ZunĂ€chst will sie kaum wahrhaben, dass sie sich getroffen haben und fragt nach Details, etwa ob er nach ihr gefragt hat.
Beim Meditieren am See offenbart David dann Sydney (Rachel Keller) sein neue Kraftebene. Er hat eine Lösung fĂŒr die Zweisamkeit und ihre KörpertauschkrĂ€fte. Der sogenannte White Room, in dem sie sich berĂŒhren und lieben können, weil sich alles auf der körperlosen Ebene in seinem Verstand abspielt. Allerdings ist dies nur möglich, wenn er den Parasiten, anfangs in Form von Maden verkörpert und spĂ€ter als Lenny/Benny/King/Karikatur/Devil ein StĂŒck (wobei auch das schon zu viel ist) abtritt. Sydney ist Feuer und Flamme fĂŒr diese Lösung, ahnt jedoch anfangs nicht, warum das möglich ist.

Dieser David tritt gegenĂŒber Melanie Bird sehr selbstsicher auf und fragt nicht um Erlaubnis, sondern stellt seinen Plan klar dar: Er weiĂ wo seine Schwester Amy steckt und möchte sie holen. Melanies Erfahrung mit Division 3 und das, was mit ihrem Mann geschehen ist lehrt sie, dass das ein gefĂ€hrliches Unterfangen sein könnte, aber David, der ohne ZurĂŒckhaltung und BeschrĂ€nkungen ausgestattet ist, ist sich sicher, dass er Erfolg haben wird.
Dass Macht korrumpiert musste Melanie bei ihrem Gatten erfahren, der sich selbst ein eigenes Reich schuf und irgendwann dort im Astral-Limbo verloren ging und nicht mehr in der echten RealitĂ€t aufwachte. David bietet ihr einen Besuch an, doch Melanie hĂ€tte viel lieber, dass er ihn in seinen Körper zurĂŒckbringt. David wĂ€re in diesem Zustand wohl dazu in der Lage. Doch da das Böse in ihm am Hebel sitzt, tut er es nicht.
Körperloser Sex im White Room
Arme Sydney. Eigentlich wĂŒrde sie so gerne mit David glĂŒcklich sein und eine sexuelle Beziehung mit ihm fĂŒhren. Das erlaubt seine Kraft nun auch, doch gesteuert wird dieser Ort nicht von David selbst, sondern vom Parasiten, der sich daran erfreut ihn auszunutzen und von ihm zu zehren.
Die Szenen des GlĂŒcks sind wunderschön, aber auch schmerzlich doppeldeutig im Kontext, der im spĂ€teren Verlauf der Episode offenbart wird. Die beiden sind einfach ein tolles Paar, das GlĂŒck verdient. Hawley und seine Autoren verstehen es, die Verletzlichkeit der IntimitĂ€t mit einer Anekdote zu Sydneys erstem Mal zu untermauern.
Denn mit 16 hat sie den Körper ihrer Mutter ĂŒbernommen und ihren damaligen Freund zum Geschlechtsverkehr verfĂŒhrt, aber beim Akt setzte dann wieder der RĂŒcktausch und das Drama ein. Spielten die vorherigen Folgen mit den Bewusstsseins - und Erinnerungsebenen, fĂ€llt diesmal das Farbenspiel positiv auf, das durch blaue, weiĂe oder rote und auch dunkle RĂ€ume jeweils grundverschiedene Stimmung der Extase, Angst, Bedrohung oder Peinlichkeit und IntimitĂ€t bewirken kann.
So findet auch im Red Room (Twin Peaks lĂ€sst grĂŒĂen) die Unterhaltung mit Lenny/Devil (Aubrey Plaza) statt, in der es darum geht, dass man ohne die Summerland-Crew die Befreiung von Amy startet. Die VerfĂŒhrung durch den Teufel, der Faust'sche Pakt, den David eingeht, verleiht ihm eine unvorstellbare Macht, die zudem sĂ€mtliche Moral und Menschlichkeit, auĂer dem puren Es von ihm abstreift. TatsĂ€chlich verschwindet er ohne Sydney und macht den Alleingang, was die Summerlander zum Handeln zwingt. Ptonomy (Jeremie Harris) macht ganz klar deutlich, dass er nichts davon hĂ€lt ohne Plan zu folgen, doch welche Wahl bleibt ihm, wenn die Alternative ist, dass einer der mĂ€chtigsten Mutanten ĂŒberhaupt fĂŒr die Gegenseite missbraucht werden könnte.
Sydney hingegen ist zu diesem Zeitpunkt nur daran interessiert, das David unversehrt aus der Sache herauskommt und wirft Melanie einige freche SprĂŒche an den Kopf, denn fĂŒr sie wirkt er ĂŒberhaupt nicht mehr zerbrechlich seit er wieder da ist. Doch genau das ist ja das Unheimliche. Melanie merkt frĂŒh, dass etwas nicht stimmt, wĂ€hrend Sydney erst die nackte, ungeschönte Wahrheit sehen muss.
The lunatics have taken over the asylum
Mit dem fantastischen Radiohead-Titel âThe Daily Mailâ werden die Zuschauer Zeuge, von Davids Ein-Mann-Feldzug gegen Division 3, der den Ort wie ein Kriegsschauplatz aussehen lĂ€sst (ebenfalls interessant: Das Kriegsspielzeug bei der Unterredung von Sydney und Melanie). Die Lyrics des Songs untermalen die schaurige AtmosphĂ€re, als Melanie und ihr Team inklusive einem Eye als Wolf im Schafspelz durch die Ruinen streunen.
David/der Devil haben kurzen Prozess mit allem gemacht und sind dabei nicht zimperlich mit den Menschen umgegangen, die teilweise im Boden feststecken. Verschont wurde indes Dr. Kissinger, den Syd aber trotz seinem wiederholten Flehen nicht aus seiner Zelle befreit, dafĂŒr rutscht er nun seinerseits in den Irrsinn und kann nicht fassen, was hier vonstatten geht.
Ein GĂ€nsehautmoment folgt, als sich die GefĂ€hrten Videoaufnahmen von Davids Amoklauf anschauen, der spielerisch, kindisch und teilweise wie ein Illusionist wirkt, der mit wenigen Gesten ganze Gruppen von Menschen vernichten kann. Doch noch viel spannender ist, dass die Kameras den Yellow Eyed Devil tatsĂ€chlich einfangen und seine Existenz auĂerhalb von Davids Körper bestĂ€tigen.
Auch der zurĂŒckgebliebene Carry, der sich einige MRT-Archivaufnahmen von David anschaut, bemerkt, den unfreiwilligen Mitbewohner und kommt zu einigen faszinierenden SchlĂŒssen. Der Division-3-Chef aus dem Piloten muss ebenfalls einsehen, dass man den DĂ€mon die lĂ€ngste Zeit verkannt hat und warnt seine Gegner vor dem ĂŒbermĂ€chtigen Wesen, bevor er selbst das Zeitliche segnet.
Parasite inside my head

Carry erklÀrt seine Hypothesen dann Melanie, Sydney und Co, demnach ist das Monster nicht David selbst, sondern eine EntitÀt respektive ein Parasit oder gar ein anderer Mutant, der sich in seinem Geist als selbstÀndiges Wesen eingenistet hat, seit er ein Kind war und bewohnt ihn schon seit 30 Jahren.
Wie ich schon in einer vorherigen Review schrieb, dĂŒrften wir es mit der Legion-Version des Shadow King zu tun haben, der einer der mĂ€chtigsten Mutantengegner der X-Men ist und in den Comics auch schon mit David und dessen leiblichen Vater Charles Xavier zu tun hatte. Abwarten muss man weiterhin ob der Name Xavier fallen wird. Doch diese Folge lĂ€sst es immer wahrscheinlicher anmuten, denn nach einer wunderbaren Banjo-Performance von Kermits âRainbow Connectionâ im weiĂen Raum, sehen wir David mit seiner befreiten Schwester Amy interagieren. Stevens hat laut unserem Interview mit Rachel Keller fĂŒr die Serie eigens Banjo-Spielen gelernt, was die Performance - so gut wie ohnehin schon ist - noch besser macht.

Der kontrollierte David ringt Amy (Katie Aselton) dann das groĂe Geheimnis ab, das sie verbirgt: Er ist adoptiert. Stevens darf in dieser Folge zu schauspielerischen Hochtouren auflaufen und zeigt, welche Bandbreite im Mimikspiel in ihm steckt, als er davon erfĂ€hrt und gleichzeitig sein Nemesis die FĂ€den zieht, wĂ€hrend er kraftlos ist. Vergessen darf man derweil nicht, dass auch The Eye noch verdeckt mitmischt und aus der Distanz zuschaut, wĂ€hrend sich Carry und Kerry inzwischen gut genug erholt haben, um bei der Rettung Davids mitzumischen.
Silence is bliss

Chapter 5 bietet so viel, dass nach den grandios intimen Momenten im White Room, auch noch eine bemerkenswerte inszenatorische Meisterleistung Platz hat. Denn durch den Yellow Eyed Devil wird unterbunden, dass die Summerland-Crew bei dem Besuch des Jugendhauses von David miteinander sprechen kann.
Diese Stille ist so effektiv und unheimlich, dass die vereinzelten Glocken-, und StreicherklĂ€nge und spĂ€tere Jump Scares fĂŒr GĂ€nsehaut und einen kalten Schauer sorgen. Sydneys TrĂ€nen der Angst, als sie nach ihrem Freund sucht, tun ihr ĂŒbriges, um einen emotionalen Treffer zu landen, der dann in brutale Spannung umschlĂ€gt, als Lenny sich zum Devil transformiert, nachdem sie ihre verschiedenen Gestalten zeigt.
NatĂŒrlich ist auch wieder der Schnitt in dieser Folge zu loben, der schon beim Durchstreifen von Division 3 wieder fĂŒr reichlich positive Verwirrung, etwa durch blitzschnelle Spiegelungen und Perspektivwechsel, aber auch in der Hausszene fĂŒr Suspense zum Nagelkauen sorgt und nebenbei mit unglaublich widerlichen KĂŒssen Sydney versucht eifersĂŒchtig zu machen.
WĂ€hrend also Lenny die Summerland-Leute kontrolliert, offenbart sich the Eye und versucht David ein Ende zu setzen, wĂ€re da nicht Sydney die schnell schaltet und ihn in den White Room holt, wo er aber zugibt machtlos zu sein. Die Soundexperimente gehen weiter, denn nach der Stille wird mit Verzerrung gearbeitet, die den unbĂ€ndigen Kampfwillen von Sydney symbolisiert. White Room wird zum Red Room und der Teufel hat die Oberhand. Plötzlich sind alle in Clockworks und Patienten - ja, auch The Eye - und haben - so viel GespĂŒr fĂŒr Detail muss man erst einmal haben - wahrscheinlich sogar ein Ăquivalent aus dem Piloten, an das David sich erinnern kann. Das Ping-Pong-Spiel im Verstand von David Haller geht weiter und wir sind alle nur die SpielbĂ€lle darin.
Fazit
Chapeau David Hawley, Gratulation Regisseur Tim Mielants, Verbeugung fĂŒr diesen Cast. Chapter 5 von Legion ist eine Wahnsinnepisode, bei der dieses Review wahrscheinlich wieder nur die HĂ€lfte der Symbolik in unserem begrenztem Zeitrahmen einfangen und verarbeiten konnte. Sexy, spannend, faszinierend, komplex, sĂŒchtig machend, fantastisch. Bitte gleich die nĂ€chste Dosis des Serien-LSD Legion fĂŒr mich. 5 Sterne.
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 9. MĂ€rz 2017Legion 1x05 Trailer
(Legion 1x05)
Schauspieler in der Episode Legion 1x05
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