Legion 1x04

© zenefoto aus der âLegionâ-Episode âChapter 4â / (c) FX
Bei Legion haben wir mit der Episode Chapter 4 die Halbzeit der ersten Staffel erreicht und das wird mit einer Folge gefeiert, die alle Konventionen des linearen ErzÀhlens sprengt, die fröhlich mit dem Gehirn der Zuschauer spielt und die alles bisher geglaubte mal eben in Frage stellt und auf den Kopf stellt und dann noch durch den Mixer jagt.
Es ergibt in diesem Zusammenhang nur wenig Sinn alles in aufzudröseln oder in eine logische Folge zu bringen, was hier auf audio-visueller, erzĂ€hlerischer und metaphorischer Ebene geschieht. Man wird einfach Zeuge eines groĂen Kunstpuzzles das eine faszinierende Strahlkraft besitzt, die die Konkurrenz nicht im Traum erreichen kann. Legion ist Serien-LSD und das ist fantastisch so.
Dennoch versuche ich - so schwer es mir auch fĂ€llt - mich dem anzunĂ€hern, was diesmal passiert, denn das ist trotz aller Verwirrung und Mindfucks doch so einiges. Dabei wird wieder einmal ein Rahmen um das Gesehen gesetzt, diesmal durch MĂ€rchenonkel Oliver Bird (Jemaine Clement), der ein StĂŒck der Irrungen und Wirrungen in fĂŒnf Akten ankĂŒndigt und damit schon andeutet, dass alles sehr dramatisch enden wird.
Dabei wechseln wir von Szenen, die aus der Warte von Sydney (Rachel Keller) erzÀhlt werden und denen in Davids (Dan Stevens) Psyche.
Syd hinterfragt, was echt und unecht ist und ob das Team aus dem Summerland nicht vielleicht doch noch in einer anderen Ebene des mĂ€chtigen Verstandes von David stecken könnte, womit sie einen guten Riecher beweist, jedoch erst sehr spĂ€t herausfindet, was wirklich Sache ist. Die vielen Schnitte, die ReizĂŒberflutung durch die alten Erinnerungen, die nun wieder in Frage gestellt werden und die Sorge um David, der einfach nicht aus der Narkose erwachen will und gefangen ist zwischen unzĂ€hligen Stimmen, ist dabei meisterhaft in Szene gesetzt.
Dr. Bird (Jean Smart), Ptonomy (Jeremie Harris) und Cary Loudermilk (Bill Irwin), der der Herr der GerĂ€te ist, diskutieren derweil, was man in diesem Fall unternehmen könnte. Denn jedes mal als man in ihn vorgedrungen ist, gab es unerklĂ€rliche Aussetzer. Also muss die echte (?) Welt herhalten und Syd, Ptonomy und Loudermilks Körper-Mitbewohnerin Kerry (Amber Midthunder) recherchieren an den wahren SchauplĂ€tzen in Davids Leben. Was fĂŒr ein Leben fĂŒhrte er also vor Clockwork. Schnell stellt sich heraus, dass Details anders sind, was vor allem Sydney bemerkt, die sich an den Verstand ihres Freundes wohl am genauesten erinnert und tatsĂ€chlich bereits Facetten gesehen hat, die den anderen verschlossen blieben. Ptonomy scheint berufsblind zu sein, denn statt dem Hinweis zu folgen, erklĂ€rt er, dass Erinnerungen nicht immer verlĂ€sslich sind und Abweichungen ganz normal wĂ€ren. Doch ist das auch bei David oder einem Wesen seiner Machtstufe so?
What did the stars say?
Der ErinnerungskĂŒnstler will auf Nummer sicher gehen und die Erinnerung eines Gegenstandes abrufen, doch auch hier sieht man Syd zweifeln. Sie erinnert sich, dass die Aussage, der zu David sprechenden Sterne eventuell ein SchlĂŒssel sein könnte, um ihn wieder aufzuwecken. Nebenbei werden schnelle Schnitte eingefĂŒgt, die uns zeigen, dass es irgendwann zum Kampf mit The Eye (Mackenzie Gray) kommt, doch bis zur Auflösung vergehen noch einige spannende Minuten des Kopfkratzens und Staunens.
Gefangen
Schwester Amy (Katie Aselton) befindet sich derweil in Gefangengschaft in einer im wahrsten Sinne des Wortes schrÀgen Zelle und leidet offenbar unter Nahrungsentzug. Ihr unmittelbarer Nachbar nimmt schnell Kontakt zu ihr auf und gibt sich als Davids Arzt aus Clockwork, Dr. Kissinger, zu erkennen.
Die kuriosen Fakten ĂŒber David hĂ€ufen sich, denn sie erzĂ€hlt davon, dass ihr schon frĂŒher aufgefallen ist, dass er besonderes Wissen hatte, das sie jedoch nicht hinterfragt hat. Seine telepatischen FĂ€higkeiten kommen zur Sprache, als es um Davids Hund geht. Nur existiert dieses Tier, das wir auch schon mehrfach in den AusflĂŒgen in seine Erinnerung gesehen haben, ĂŒberhaupt nicht. An dieser Stelle betrĂ€gt der WTF-Level wohl schon ĂŒber 9000.
Körper zur Untermiete

Noah Hawley und Co. haben schon mehrfach gezeigt, dass sie sich fĂŒr spezielle KrĂ€fte interessieren. Diesmal erfahren wir mehr zur Mechanik der KrĂ€fte von Loudermilk, der sich einen Körper mit Kerry teilt, die aufregende Angelegenheiten erledigen darf, wĂ€hrend er sich um langweilige, alltĂ€gliche Dinge kĂŒmmert. Gleichzeitig kann er an allem teilhaben, was sie tut und erlebt. Ein Twist ist dabei, dass sie wohl nur altert, wenn sie seinen Körper verlĂ€sst, wie es in der Episode der Fall ist.
Bird und Loudermilk besuchen derweil den Mann im Taucheranzug, der sich wenig spĂ€ter offiziell auch als Mr. Bird herausstellt und eventuell (?) Kontakt mit den Summerland-Betreibern aufnimmt, denn ein Alarm fĂŒr unerlaubte Besucher geht los und flugs landet David bei ihm.
Astralebene

TatsĂ€chlich befindet sich Mr. Bird auf der Astralebene, wo er ein einsames Schicksal fristet, sich Jazz anhört und in Erinnerungen an Zeiten der freien Liebe schwelgt. In aller MerkwĂŒrdigkeit und DĂŒsternis, bleibt die Serie dennoch immer wieder offen fĂŒr witzige Momente, wie diesen Austausch.
Mr. Bird weiĂ, anders als seine Gattin, von dem Monster das David im Nacken sitzt und lĂ€sst ihn glauben, dass er zu weit gegangen und fĂŒr immer im Astral-Limbus gefangen sei. Das Gute daran: Nun hat er Gesellschaft. Doch David gibt nicht auf und versucht die beschwerliche Flucht.
They are watching
Syd und ihre Bande verschlĂ€gt es zu Davids Ex-Freundin, wo die Spur fĂŒr Ptonomy erneut zum Therapeuten Dr. Poole (Scott Lawrence) fĂŒhrt, der nun zu einem LeuchtturmwĂ€chter geworden ist (?). Beide Befragten machen sich auffĂ€llig dadurch, dass sie behaupten, dass es keine Lenny (Aubrey Plaza) gĂ€be, sondern viel mehr einen Benny, der David in seiner Drogenphase nicht von der Seite gewichen ist. Als Zuschauer fragt man sich: Gibt es ĂŒberhaupt einen der beiden? Is this real life? Sydney ist sich sicher, hat sie doch damals den Körper mit ihm getauscht und Lenny getötet. Aber wieviel bildet sich David dennoch ein? Die Ex gibt den wichtigsten Hinweis dafĂŒr, dass etwas nicht stimmt: „They are watching!“.
Der Therapeut Poole trĂ€gt derweil Verletzungen davon, die David ihm wohl zugefĂŒgt haben soll. Auf einem Auge blind, ist er verbittert darĂŒber, was David ihm am Ende der sprunghaften dreijĂ€hrigen Therapie angetan hat.
TatsĂ€chlich ist diese Version von Dr. Poole nur eine Illusion von The Eye, der wie es scheint, die ganze falsche Welt erschaffen hat, in der das Mutantentrio investiert hat. Kerry wollte ohnehin die ganze Zeit kĂ€mpfen, was ihr nun erfĂŒllt wird, wĂ€hrend Eye sich durch die SchĂŒsse seines Killerkommandos in Slo-Mo durchmanövriert
Feist und die Kampfmontage des Jahres?
Mit der fantastischen musikalischen Untermalung durch den Feist-Song âThe Undiscovered Firstâ choreographieren Hawley und seine Crew ein Kampfmontagenmeisterwerk sondergleichen. Der Kampf zwischen Division 3 und der Summerland-Gang wird in poetischer Schönheit und herrlich unaufgeregt eingefangen. The Eye vermag es dabei Ptonomy mit nur einer BerĂŒhrung des Kopfes unschĂ€dlich zu machen, wĂ€hrend Kerry und Cary wie ein Ballett gleichzeitig den bewaffneten Schergen versuchen den Garaus zu machen, nur um von der schieren Ăberzahl doch ĂŒbermannt zu werden.
Dann kommt der Main Event: Sydney vs the Eye und die BerĂŒhrung, die sie hasst. Man rĂ€tselt kurz: Gelingt der Körpertausch oder kommt es zum Knockout. Doch tatsĂ€chlich: Sydney hat ihren GegenĂŒber da wo sie ihn haben will, wenn da nicht der Parasite wĂ€re, der David kontrolliert und wie ein Teufel auf seiner Schulter sitzt.

Der Gedanke, dass Lenny oder zumindest diese Version von Lenny gleichzeitig auch der Yellow Eyed Devil sein könnte, schoss mir relativ schnell durch den Kopf und wird am Ende der Episode auch relativ klar visuell bestĂ€tigt, was ein weiterer groĂer Twist ist, aber weiterhin nicht erklĂ€rt, warum dieses Wesen dort ist und warum es solche Macht ĂŒber David besitzt. Denn teuflisch lenkt es die Aufmerksamkeit darauf, dass Fake-Sydney von Fake-Eye besiegt wurde und in Gefahr schwebt. Durch die kanalisierte Wut schafft es David, sich aus seinem GefĂ€ngnis zu beamen und in den Kampf einzugreifen, nichts von dem Körpertausch wissend. Die echte Sydney im Körper des Gegners versucht ihn mit allen Mitteln auf die Sachlage hinzuweisen. The Eye in Sydneys Körper zielt also auf ihn und Kerry opfert sich, indem sie die Kugel abfĂ€ngt. Nun schwebt ihr Leben also in Gefahr.
Fazit
Yes please. Bitte mehr von diesem Stoff! Legion liefert mit Chapter 4 ein fantastisches Kapitel ab, das alle belohnt, die weiterhin mit auf dem wilden LSD-Ritt dabei sind, wobei eine astreine Inszenierung, ein beeindruckender Kampf und die allgemeine WTF-Stimmung eine nahezu perfekte Episode bedeuten.
Der Trailer zur nĂ€chsten Episdoe von âLegionâ:
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 2. MĂ€rz 2017Legion 1x04 Trailer
(Legion 1x04)
Schauspieler in der Episode Legion 1x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?