Legion 1x03

© zenenfoto aus der âLegionâ-Episode âChapter 3â / (c) FX
Schon mit der ersten Episode von Legion wurde etabliert, dass die Mutanten-Serie von Fargo-Schöpfer Noah Hawley einen ganz eigenen Fingerabdruck in der TV-Landschaft hinterlassen wird. Nach drei Episoden steht fĂŒr mich fest, dass ich mich auf den wilden Ritt einlassen möchte, manchmal mit offenem Mund zuschaue und mich wundere, wie unheimlich, klaustrophobisch und abgedriftet die ErzĂ€hlung noch werden kann.
Gewisse Muster lassen sich dabei natĂŒrlich bereits erkennen: Chapter 2 und Chapter 3 starten mit einem ungewöhnlich vorgetragenem StĂŒck. Ob nun Song oder MĂ€rchen, beides trĂ€gt zur einzigartigen und bisweilen beklemmenden AtmosphĂ€re bei, auch wenn der Inhalt eigentlich harmlos erscheint.
Shall We Begin?

Das englische Wort Weirdness fasst die Serie an manchen Stellen treffend zusammen. GeschichtenerzĂ€hlende Robotermaschinen, Gegner, die Gefangene mit Egeln zum Sprechen zwingen wollen, alptraumhafte Kinderbuchfiguren, die zum Leben erweckt werden und in dunklen Ecken lauern - das Spiel mit Trauma und BewĂ€ltigung von verdrĂ€ngten Emotionen wird selten so gut stilisiert und dargestellt wir hier. Muster wiederholen sich, Motive werden - wie manche vielleicht sagen wĂŒrden - schmerzhaft oft wiederholt und auch Details, die im Piloten eingefĂŒhrt wurden, erstaunlich lang und breit ausgeschlachtet und sehr langsam in ihrer GĂ€nze prĂ€sentiert.
Das KĂŒchentrauma mit Davids Freundin, das Vorlesen des Vaters und die Drogengeschichte rund um Lenny (Aubrey Plaza) werden auch im Rest der Folgen noch eine Rolle spielen. Allerdings wird David als besonders komplizierter Fall dargestellt, einer mit dem es Dr. Bird (Jean Smart) so noch nicht zu tun hatte und auch ErinnerungskĂŒnstler Ptonomy (Jeremie Harris) stöĂt bei ihm an seine Grenzen und ist von seinem Machtpotential beĂ€ngstigt. Als David durch seine Angst vor dem Yellow Eyed Devil etwa seine Erinnerungen verĂ€ndern und seine Freunde vor Schaden bewahrt indem er die drei fort teleportiert, sorgt das fĂŒr Bewunderung.
Not My Body

Halt gibt ihm derweil Sydney (Rachel Keller), die von ihrer Mutter erzĂ€hlt und ihren Salon-Parties. Ich bin weiterhin begeisterer Fan der Inszenierung ihrer Beziehung und zĂ€hle das GesprĂ€ch, in dem sie sich darĂŒber aussprechen wie es war im Körper das anderen war, zu meinen Highlights. AuĂerdem wird man daran erinnert, dass Syndneys KrĂ€ften denen von David gar nicht unĂ€hnlich sind. Zwar hört Sydney keine Stimmen in ihrem Kopf, aber sie weiĂ, wie desorientierend es sein kann, wenn man im Körper einer völlig fremden Person deren Leben âentfĂŒhrtâ. Die kurz angedeutete Diskussion ĂŒber Respekt gegenĂŒber eines fremden Körpers und dem besonderen Reiz beim Geschlechtertausch, offenbart weitere spannende Gedanken.
Dazu kommt das GefĂŒhl von Sehnsucht und körperlicher NĂ€he von David, der nichts lieber tĂ€te als einfach nur mit ihr HĂ€ndchen zu halten, sie und ihre WĂŒnsche dabei aber respektiert, spricht ebenfalls fĂŒr einen erwachsenen Umgang mit Phobien und Beziehungen.
Amys Verhör
Schwester Amy (Katie Aselton) wird derweil von The Eye und einem Mitstreiter verhört, gequĂ€lt und auch vermeintlich aufgeklĂ€rt. DarĂŒber, dass ihr Bruder nicht krank, sondern begabt ist und ungezĂŒgelt und sich unter der Kontrolle eines der mĂ€chtigsten Wesen auf der Welt befindet.
David muss derweil weitere Messungen und Experimente ĂŒber sich ergehen lassen und dabei an schlimme Ereignisse aus der Vergangenheit denken. Als Lenny ihn dann wieder als Geist der Vergangenheit konfrontiert und weitere schlimme Gedanken in seinen Kopf setzt, reagiert das GerĂ€t mit einem schrillen Alarm, was so weit fĂŒhrt, dass David sich und Sydney auf Astralebene (?) weg teleportiert und zwar zu Amy, die unter dem Druck des Verhörs zusammenbricht. Immerhin erfahren sie so ein wenig mehr ĂŒber die Division-3-Feinde und auch, dass The Eye diesen Namen nicht umsonst trĂ€gt, denn er scheint sie spĂŒren zu können, es bleibt aber weiterhin rĂ€tselhaft.
David möchte natĂŒrlich seine Schwester von ihrem Leid und aus ihrer Gefangenschaft befreien, doch, wie Melanie Bird schon andeutet, ist der Ăberraschungsmoment nunmehr verflogen und beim nĂ€chsten Mal könnten sie vorbereitet sein. Im Unterschied zur Division-3 möchte sie David aber tatsĂ€chlich heilen und helfen und ihn dann in der Auseinandersetzung oder wie sie es sogar nennt âKriegâ einsetzen. Da sein Verstand aber so eigenwillig und mĂ€chtig ist, muss dies unter BetĂ€ubung geschehen. Sofort bietet Sydney ihre Hilfe an, aber David hat Vorbehalte. Diese klĂ€ren die beiden in einem GesprĂ€ch. Er schĂ€mt sich fĂŒr seine Junkiezeit und fĂŒr das, was er in seiner Vergangenheit im Verborgenen hĂ€lt. Die Angst, dass sie etwas sehen könnte, was ihn in ihren Augen fĂŒr immer verĂ€ndert, ist zwar groĂ, doch er ist ihr viel zu wichtig, als dass sie sich davon abbringen lĂ€sst.
The Horror

Was dann folgt ist an Anspannung und psychologischer Gruseligkeit schwer zu ĂŒbertreffen und deswegen so faszinierend. Wegen der BetĂ€ubung ist nur die Kindvariante von David mit dabei und wir sehen Erinnerungen in Erinnerungen, einen RĂŒckblick auf die Sitzung mit dem Therapeuten, die noch nicht gĂ€nzlich aufgeklĂ€rt ist und erfahren, dass Sydney zwar nicht ihre KrĂ€fte einsetzen kann, aber doch besonders ist, denn sie ist die einzige Person neben David, die den furcheinflöĂenden Yellow Eyed Devil sehen kann.
Die Vorstellung im Verstand eines anderen zu sein und reinste Panik und Lebensgefahr zu verspĂŒren ist der blanke Horror und Hawley und sein Regisseur Michael Uppendahl verstehen es meisterlich mit den klaustrophobischen Bildern (die HĂ€nde aus den WĂ€nden) und Einstellungen zu spielen. Wenn etwa der Bildausschnitt immer kleiner wird und Sydney gemeinsam mit Klein David durch den LĂŒftungsschacht krabbelt, komme ich fast selbst in Atemnot und auch das Sounddesign und der Score, der an Filme wie „Inception“ und „Prometheus“ erinnert, tut sein ĂŒbriges zu dieser Meisterleistung der psychologischen Spannung.
Sydney gelingt tatsÀchlich die Flucht durch Erwachen und auch Ptonomy wird geweckt, Melanie bleibt derweil gefangen und schaut in das gruseligste Kinderbuch aller Zeiten und macht Bekanntschaft mit der Kraft des GelbÀugigen, der ihre Hand in Mitleidenschaft zieht. David selbst ist gefangen im Stimmenwirrwarr. Schreckt sie das ab oder werden sie weiter an seiner Heilung arbeiten und wann erfahren wir mehr zum gruseligen Erzfeind?
Fazit

Chapter 3 ist eine weitere bockstarke Episode von Legion, die mit den Ăngsten der Charaktere spielt und durch eine unheimliche Inszenierung glĂ€nzt. Davids Verstand ist ein einziges Minenfeld, das wohl selbst die besten BombenentschĂ€rfer nicht knacken könnten. Sydney entwickelt sich zu einer SchlĂŒsselfigur in seinem Weg zur möglichen Heilung und die mannigfaltigen Traumata verstören nicht nur ihn und seine WeggefĂ€hrten, sondern auch mich auf unterhaltsame Weise.
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 23. Februar 2017Legion 1x03 Trailer
(Legion 1x03)
Schauspieler in der Episode Legion 1x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?