Law & Order: Los Angeles 1x16

In der Woche der letzten beiden Nach-dem-Neustart-Episode von Law & Order: Los Angeles darf der Zuschauer durchaus minimal enttÀuscht sein. Denn es gab - nach dem tollen Hin-und-Her von Hayden Tract - keine Fortsetzung der Story um Det. Jaruszalskis (Corey Stoll) Suche nach dem Mörder seines Ex-Polizeipartners. Keine neuen Szenen, in denen er nach Hinweisen sucht oder Spuren nachgeht, kein Wort seines letzte Woche sehr besorgten Neu-Partners Det. Morales (Alfred Molina), rein gar nichts dazu.
Nachdem diese Storyline in den letzten Wochen so prominent eingefĂŒhrt worden war, kommt dies etwas unpassend daher. Zumal nun alle Hoffnungen auf der letzten neuen Episode vor dem Serienende, die - aus der Reihe - heute Abend in den USA ausgestrahlt wird, liegen. Ja, NBC zeigt auch noch in den Wochen danach „neue“ Law & Order: Los Angeles-Folgen - allerdings werden das dann nur die Episoden sein, die vor der Neuausrichtung schon abgedreht waren. Das heiĂt, dass dann wieder die Detectives Winters (Skeet Ulrich) und Jaruszalski ermitteln werden. Und das passt natĂŒrlich nicht mehr ins Bild - so ehrbar es auch ist, dass anscheinend wenigstens alle produzierten Episoden fĂŒr Fans ausgestrahlt werden sollen...
Aber zurĂŒck zur aktuellen Episode: Big Rock Mesa zeigte gewohnte Law & Order: Los Angeles-Kost. Im positiven wie im negativen Sinne. Denn zwar sind die FĂ€lle seit dem Neustart um einiges interessanter und gleichzeitig realistischer als zuvor, aber bei der aktuellen Episode fĂ€llt eben der zuvor schon erwĂ€hnte Kritikpunkt negativ ins Gewicht. Dazu war es seltsam, warum solch ein toller Gastdarsteller wie Bradley Whitford (The West Wing) in solch einer wie fĂŒr ihn geschaffenen Rolle als Anwalt der Angeklagten derart blass blieb. Das lag nĂ€mlich nicht an seinem Schauspiel, sondern einfach an dem - fĂŒr einen gegnerischen Anwalt - ungewöhnlich geringem Konfliktpotential, mit dem die Rolle angelegt war.
Ansonsten waren die Ermittlungen rund um einen Waldbrand durchaus wieder interessant. Dass sehr schnell klar wurde, dass es sich dabei um zwei FÀlle von Brandstiftung handelte, wÀhrend der zweite nur gelegt wurde, um die Morde an zwei Obdachlosen und einem Jurastudent zu vertuschen, ist typisch Law & Order - Menschen töten nunmal andere Menschen. Egal wann und egal wo. Hier ging es jedoch um einen Konfliktfall: Denn die Bewohner des der Episode den Namen gebenden Gebiets in Malibu, Big Rock Mesa, wurden von einer Gruppe mit AnwÀlten aus der Law School des getöteten Studenten verklagt. Nach deren Meinung wollten die Bewohner in Big Rock Mesa die dort verweilenden Obdachlosen mit allen Mitteln loswerden - dabei wÀre die Lösung simpel: Einfach nicht in diese Gegend bauen... Dass die Bewohner das anders sahen und durch den Tod eines in den Fall verwickelten Studenten nun ganz andere Probleme hatten, ist klar.
Eine in der Rolle des Hauptangeklagten gewohnt gute Figur machte Lee Tergesen (Oz, Desperate Housewives). Ihm kaufte man die Verzweiflung, die anscheinend wÀhrend des Feuers bestand und ihn deswegen zum Töten trieb, durchaus ab. Ebenso den anderen Angeklagten (darunter auch der aus Hör' mal wer da hÀmmert! bekannte William O'Leary). Deswegen war es zumindest halbwegs nachvollziehbar, dass einer der wenigen FÀlle wurde, den die DDAs Rubirosa (Alana de la Garza) und Dekker (Terrence Howard) verloren haben.
Nicht gelegen haben kann es jedenfalls an dem grandiosen PlĂ€doyer von Dekker. Dabei setzte er komplett auf das MitgefĂŒhl der Jury, appellierte an ihr Gewissen - natĂŒrlich von vorneherein ein risikoreiches Unterfangen... Die dabei aufgeworfene Frage drehte sich darum, was in solchen ExtremfĂ€llen (Gegend steht in Brand, drei eigentlich befeindete Fremde versuchen, Schutz im Haus der Bewohner zu suchen) menschlicher ist: Hilfe anzubieten oder (weiterhin) Wut auszuĂŒben? Eigentlich kommt hier wohl sofort jedem die erstere Variante in den Sinn. Doch hier wurde aufgezeigt (und dabei kritisiert), dass dies in den USA nicht so sein muss. Denn dort ist in den Gesetzen mancher Staaten der Schutz des Eigentums und (der von der Verteidigung eingebrachte, hier aber eigentlich unsinnig erscheinende) Schutz der Familie wichtiger als Menschlichkeit eigneschĂ€tzt...
Fazit
Eine Episode, die vor allem durch die am Schluss aufgeworfene und an MitgefĂŒhl appellierende Frage noch mal einen klaren Schub bekam. Ansonsten konnte sie vor allem durch die tollen schauspielerischen Leistungen (vor allem Howard beim PlĂ€doyer) aller (Neben-)Darsteller ĂŒberzeugen.
Einen Punkteabzug gibt es allerdings wegen der eingangs erwÀhnten fehlenden Storyline zu Jaruszalskis Alleingang. Ob diese in der letzten neuen Episode heute Abend aufgeklÀrt wird, darf zwar gehofft, anhand der bisherigen Episodenbeschreibung (Angel's Knoll) aber leider auch bezweifelt werden...
Verfasser: Sebastian Detzler am Mittwoch, 25. Mai 2011(Law & Order: Los Angeles 1x16)
Schauspieler in der Episode Law & Order: Los Angeles 1x16
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?