How to Get Away with Murder 2x01

How to Get Away with Murder 2x01

Annalise Keating und ihren Studenten wird keine Atempause gegönnt. Im zweiten Staffelauftakt von How to Get away with Murder arbeiten die Juristen einiges aus der vorherigen Staffel auf und bekommen es mit einem neuen Mordfall zu tun.

Emmygewinnerin Viola Davis als Annalise Keating / (c) ABC
Emmygewinnerin Viola Davis als Annalise Keating / (c) ABC

Die fünfzehn Episoden der ersten Staffel How to Get Away with Murder bescherten dem Zuschauer mit zahlreichen Plottwists, Flashbacks und unterschiedlichsten Schockern ein zwar kurzweiliges, jedoch auch verwirrendes Serienvergnügen. Zu Beginn der zweiten Staffel fällt es gar nicht so leicht, sich an alle Handlungsstränge genau zu erinnern.

Was bisher geschah

Klar, der zentrale Punkt der ersten Staffel war die Aufklärung des Mordes an der Studentin Lila Stangard (Megan West) durch die Juraprofessorin und Anwältin Annalise Keating (Viola Davis) und ihre Mannschaft an studentischen Hilfskräften. Doch was war passiert? Zunächst hauptverdächtig ist die junge Rebecca Sutter (Katie Findlay), eine rätselhafte Freundin von Lila, doch später gerät Annalises Ehemann Sam (Tom Verica) ins Visier, der eine Affäre mit Lila hatte.

Nach einer Auseinandersetzung tötet Student Wes (Alfred Enoch) Sam in Notwehr und verbrennt die Leiche mit seinen Kommilitonen Connor (Jack Falahee), Michaela (Aja Naomi King) und Laurel (Karla Souza) im Wald. Zunächst versucht Annalise mit ihren Mitarbeitern, Sam den Mord nachzuweisen, ändert nach einigen Komplikationen jedoch die Taktik und hängt den Mord ihrem eigenen Liebhaber, dem Polizisten Nate Lahey (Billy Brown) an. Inzwischen beginnt Wes, den Aussagen und Handlungen von Rebecca, mit der er eine Beziehung begonnen hat, zu misstrauen und die Studenten nehmen sie als Geisel, um herauszubekommen, ob sie nicht doch Lilas Mörderin ist.

Es stellt sich heraus, dass Annalises enger Mitarbeiter Frank (Charlie Weber) Lila im Auftrag von Sam (also sehr wahrscheinlich mit Annalises Wissen) getötet hat. Rebecca liegt am Ende des Finales ermordet in Annalises Keller und weder sie noch Frank wissen, wer sie umgebracht hat, während die Studenten glauben, Rebecca wäre entkommen.

Status Quo

Gerade einmal zehn Tage sind seit dem ereignisreichen Staffelfinale in der mörderischen Welt von Annalise Keating und ihrem Stab vergangen. Nicht viel Zeit für die zartbesaiteten Studenten, das Geschehene zu verarbeiten. So kommt es sogleich zu Spannungen unter ihnen, die sich noch dazu ohne aktuellen Fall zu langweilen scheinen.

Logischerweise am meisten mitgenommen ist Wes, der nach Rebeccas Verschwinden in der Juravorlesung seiner Mentorin gegenüber aufmüpfig wird und so das Interesse aller Anwesenden auf sich lenkt. Doch wie so oft scheint Annalises Verständnis für Wes grenzenlos zu sein und sie entschuldigt sein Verhalten vor Frank. Denn ihr Handlanger ist überzeugt davon, dass er es war, der Rebecca loswerden wollte. Gemeinsam stellen sie ihm eine Falle, die Wes allerdings durchschaut und Annalise von seiner Unschuld überzeugt.

Ebenfalls um seine Unschuld kämpft noch immer Nate. Die ihm von Annalise zugesteckte Telefonnummer gehört ihrer alten Bekannten Eve Rothlow (Famke Janssen), die ihrer Harvard-Freundin nicht gerade wohlgesonnen scheint und nicht versteht, warum sie Nate verteidigen sollte. In der Diskussion mit Eve bleibt Annalises Plan oft nicht ganz nachvollziehbar. Warum lässt sie Eve so komplett im Dunkeln, wenn doch klar ist, wie sehr sie ihre Hilfe braucht? Wie auch immer - sie schafft es, dass Eve sich mit Nate trifft.

Neben all den ungelösten Problemen ist Annalise auch noch wild entschlossen, einen neuen Fall anzunehmen. Dafür guckt sie sich einen medienträchtigen Mordfall aus, bei dem Caleb (Kendrick Sampson) und Catherine (Amy Okuda) Hapstall ihre schwerreichen Adoptiveltern ermordet haben sollen. Der Trick, mit dem das Team den eigentlichen Anwalt der Geschwister aus dem Rennen befördert, bringt endlich etwas von der kurzweiligen Dynamik der ersten Staffel zurück.

There is nothing good inside of you

Einen allzu großen Einblick in den neuen Fall bekommen wir in dieser Auftaktepisode noch nicht zu sehen, die Protagonisten bleiben noch recht blass und emotionslos. Die später ermordet aufgefundene Tante (Linda DeMetrick) der Angeklagten scheint von ihrer Schuld fest überzeugt zu sein. Und dass beide während des Mordes an der Tante kein Alibi zu haben scheinen und sich danach anlächeln, lässt sie so eindeutig schuldig aussehen, dass Annalise & Co klar das Gegenteil herausfinden werden.

Etwas Wichtiges findet Annalise schon jetzt heraus, leider auf enttäuschend unspektakuläre Weise. Der Mörder von Rebecca war die ganze Zeit vor ihrer Nase. Bonnie (Liza Weil) war es, die, einsatzbereit wie immer, Annalise ungebetenerweise zu Hilfe kam und das „Problem Rebecca“ einfach selbst löste. Einerseits überrascht es, dass sich die Aufklärung von Rebeccas Mord so schnell offenbarte, andererseits ist Bonnie als Mörderin kein wirklicher Schocker.

Schließlich hat sie sich bisher nicht gerade als naiv und liebenswert gezeigt. Ihre wirre Ansprache an Rebecca über gute und schlechte Dinge vor der Tat hätte dafür nicht unbedingt sein müssen. Ein kühler und berechnender Mord wäre viel überzeugender gewesen. Was Bonnies Motiv angeht, scheint ihre eigene Version fast nachvollziehbarer als die Variante, die Annalise sich überlegt hat.

Die Hinweise, dass Bonnie Annalise um jeden Preis gefallen will, sind seit Beginn der Serie da. Immer wieder zieht Annalise jedoch andere vor und stößt Bonnie damit vor den Kopf. Der Mord wäre der ultimative Beweis für Bonnies Ergebenheit, während ihre Liebe zu Sam als Motiv ein ziemlich schwaches Argument bildet. Denn Rebeccas Tod hätte an seiner Schuld oder Unschuld schließlich nichts geändert, besonders nicht für den Prozess.

Interessant an der Auflösung bleibt jetzt natürlich, auf welche Weise Bonnie ein Teil des Teams bleibt. Annalise hat keine andere Wahl, als Rebeccas Mörderin weiterzubeschäftigen, ohne sich vor den Studenten etwas anmerken zu lassen.

Zu einer neuen Konstante in How to Get Away with Murder scheint sich Annalises alte Bekannte Eve zu entwickeln, die sich als weit mehr als das entpuppt. Braucht Annalise Keating in all dem Chaos wirklich noch eine Exfreundin? „Shocking Queen“ Shonda Rhimes kann es offenbar nicht lassen und versucht, die Zuschauer nun mit einer lesbischen Liaison bei Laune zu halten, die aus heiterem Himmel kommt und einfach nur überraschen soll.

Zu schnell gewinnt sie das Vertrauen der eigentlich doch stinksauren Eve zurück, die nach allen Hasstiraden bis hierhin keinen Grund haben sollte, der angeknacksten Annalise mit Nates Verteidigung zu helfen - und sie zu trösten. Oder sollte Eves „You can trust me, Annalise“ vielleicht genau das Gegenteil bedeuten? Offensichtlich gäbe es für die verlassene Ex ja genügend Gründe, sich an Annalise zu rächen.

Neuanfänge?

In einer Nebenhandlung sehen wir, was seit der HIV-Diagnose von Oliver (Conrad Ricamora) geschah. Connor ist wild entschlossen, bei ihm zu bleiben und ein Leben als spießiges Pärchen zu beginnen, worüber Oliver sich zwar freut, aber auch einigermaßen überrascht zu sein scheint.

Asher (Matt McGorry) wird von Anklägerin Emily (Sarah Burns) zu Eve Rothlow befragt und muss zugeben, sie bei seiner Chefin zu Hause gesehen zu haben.

Diese beschließt, endlich mal wieder etwas Spaß zu haben und nimmt ihre vier Lieblingsstudenten mit in einen Club. Michaela traut sich endlich, der Nummer zu schreiben, an die Rebecca kurz vor ihrem Tod eine Nachricht geschickt hatte. Mit wem Rebecca Kontakt hatte, ist eine spannende Frage, deren Antwort wohl noch etwas auf sich warten lässt. Schließlich lässt Wes, der auf Michaelas Tasche aufpassen soll, diese einfach stehen, als Annalise mit ihm tanzen will. Ob Michaela je die Antwort von EGGS911 sehen wird, ist fraglich.

Die Episode schließt mit einem Flash Forward, in dem eine angeschossene Annalise im Anwesen der Hapstalls liegt und um ihr Leben ringt, während ihr Protegé Wes in Panik flieht. Stark impliziert wird durch die intime Tanzszene im Club zuvor und das Voice-over im Flash Forward, dass sich in den kommenden Wochen zwischen Annalise und Wes eine Liebesbeziehung anbahnt. Die Beziehung der beiden war von Anfang an etwas eigen und spielte mit dem Verbotenen. Doch ultimativ wirkten ihre Gefühle zueinander wie eine verkappte Mutter-Sohn-Beziehung, deren Übergang in eine inzestuöse Affäre extrem unmoralisch und abwegig wäre.

Fazit

Es bleibt zu hoffen, dass How to Get Away with Murder nicht in die Scandal-Falle tappt und jeden Schocker versucht mit einer noch abwegigeren Wendung zu übertreffen, um dadurch irgendwann völlig an Plausibilität zu verlieren. Und der Vergleich mit einer weiteren Serie drängt sich in der Schlussminute auf: Auch in Revenge gab es einen Flash Forward, in dem die Protagonistin angeschossen in Lebensgefahr schwebt. Gehen „How to Get away with Murder“ etwa die Ideen aus?

Mehr denn je trägt Viola Davis die Serie, die für ihre starke Darstellung jüngst einen Emmy gewann. Trotzdem ist es wieder einmal bedauerlich, wie wenig Raum dadurch für die anderen Charaktere bleibt, die in It's Time to Move On jeweils nur sehr kurze Szenen bekommen.

Einiges an Altlasten aus der ersten Staffel scheint uns in der zweiten Staffel noch zu begleiten (inklusive Asher). Möge sich der Prozess um Nate nicht unnötig in die Länge ziehen und den Ärmsten endlich von Annalise loskommen lassen.

Wie gewohnt trumpft die Serie mit vielen überraschenden Wendungen auf. Gefährlich wird es, wenn diese auf Kosten einer nachvollziehbaren Story gehen. Ich wünsche mir für die zweite Staffel, dass How to Get Away with Murder kurzweilige, durchdachte Krimiunterhaltung bieten kann, ohne dabei zu sehr auf Effekthascherei zu setzen.

Promo zur Episode „It's Time to Move on“ (2x01):
Verfasser: Nadja Spielvogel am Montag, 28. September 2015
Episode
Staffel 2, Episode 1
(How to Get Away with Murder 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Dunkle Aussichten
Titel der Episode im Original
It's Time to Move On
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 24. September 2015 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 4. April 2016
Autor
Peter Nowalk
Regisseur
Bill D'Elia

Schauspieler in der Episode How to Get Away with Murder 2x01

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