How to Get Away with Murder 1x01

How to Get Away with Murder 1x01

Das neue ABC-Drama How to Get Away with Murder lebt nicht nur von einer starken Hauptdarstellerin, es kombiniert auch erfolgreich verschiedene, altbekannte Seriengenre miteinander. Damit präsentiert sich die Pilotfolge trotz kleinerer Mängel als äußerst kurzweilig und temporeich.

Offizielles Promobild zu ABCs „How to Get Away with Murder“ / (c) ABC
Offizielles Promobild zu ABCs „How to Get Away with Murder“ / (c) ABC

Wie jedes Jahr hält die umfangreiche Fall Season des amerikanischen Fernsehens nicht nur neue, vielversprechende Projekte, sondern auch einige herbe Enttäuschungen für uns bereit. ABCs How to Get Away with Murder zählt glücklicherweise zu den Ersteren, urteilt man zumindest der grundsoliden und unterhaltsamen Pilotepisode nach. In dieser werden wir als Zuschauer oftmals im Dunkeln gelassen und ähnlich wie einer der jungen Protagonisten mitten ins Geschehen geworfen, was wiederum der allgemeinen Dynamik des Formats sowie dem Erzähltempo eine eigene Note gibt.

Dabei werfen die Serienmacher zum einen die klassischen Elemente eines legal drama mit denen einer recht nebulösen Whodunit-Geschichte zusammen, zum anderen führen sie ein buntes Ensemble an Charakteren ein, von denen jedoch nur ein paar einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen können. Der Mix aus unterschiedlichen Genren kann aber überzeugen, auch wenn man hier und da ein paar Abstriche machen muss.

Have you seen me?

In „How to Get Away with Murder“ folgen wir als kleine Orientierungshilfe in dieser doch recht sprunghaften Handlung dem jungen Wesley Gibbins (Alfred Enoch), der gerade noch so einen Studienplatz in Philadelphia ergattern konnte und dort nun Jura studieren wird. In seinem allerersten Kurs an der Middleton Law School wird er jedoch sogleich extrem überfordert, was vor allem an der gnadenlosen Professorin Annalise Keating (Viola Davis) liegt, die mit ihren neuen Studenten in ihrem Kurs How to get away with murder alles andere als zimperlich umgeht.

Viola Davis als Annelise Keating in %26bdquo;How to Get Away with Murder%26ldquo;. © ABC
Viola Davis als Annelise Keating in %26bdquo;How to Get Away with Murder%26ldquo;. © ABC

So ist bereits die erste Stunde eine große Herausforderung für die Jura-Neulinge, als sich ein hypothetischer Fall, in dem ein reicher Geschäftsmann angeblich von seiner Affäre vergiftet wurde, als ein echter Mord herausstellt. Denn Keating ist neben ihrer Arbeit als Dozentin auch als Strafverteidigerin tätig. Nun sollen die Erstsemestler mit gewieften Einfällen glänzen, um die Anklage gegen Keatings Mandantin abzuschmettern. Keating selbst überlässt, wenn es darauf ankommt, zwar nichts dem Zufall, sollten sich jedoch eine Handvoll Studenten finden, die mit ihrem Wissen und Arbeitseifer auf sich aufmerksam machen können, winkt diesen eine lukrative Stelle in Keatings Team.

Neben diesem sehr geradlinigen Handlungsstrang, der den legal drama-Teil der Pilotepisode von „How to Get Away with Murder“ ausmacht, bauen die Serienschöpfer dann noch über geheimnisvolle Vorausblicke die besagte Whodunit-Komponente ein, die in einem separaten Handlungsstrang drei Monate nach den Gerichtsverhandlungen zum Vergiftungsfall spielt. Darin finden sich Wes und drei seiner Mitstreiter, die zum Ende dieser Folge allesamt von Keating in ihr Team berufen werden, in einer nervenaufreibenden Situation wieder. Anscheinend habe die jungen Juristen nämlich eine folgenschwere Tat begangen, versuchen sie doch panisch, eine Leiche verschwinden zu lassen. Um wen es sich dabei genau handelt heben sich die Macher von „How to Get Away with Murder“ bis ganz zum Schluss der Pilotfolge auf.

Discredit the witness

Wie bereits erwähnt, kann man durchaus Gefallen daran finden, in How to Get Away with Murder sofort in die Handlung reingeschmissen zu werden. Dadurch wird man automatisch gefordert, eigenständig eine Struktur auszumachen und die einzelnen Figuren sowie deren Konstellation einzuordnen. Das kann an manchen Stellen ein wenig verwirrend sein, hat man doch den Auftakt des ABC-Dramas an vielen Stellen ganz bewusst etwas undurchsichtiger gestaltet, um Spannung zu generieren und Fragen aufzuwerfen.

Diese Entscheidung geht für den größten Teil der gut 45-minütigen Laufzeit auch auf. Denn man ertappt sich selbst immer wieder dabei gerade angesichts der Vorausblicke und dem möglichen Totschlag durch die Jugendlichen, selbst Vermutungen aufzustellen, welche Person in dem Teppich eingewickelt ist und warum diese sterben musste. Bis zu dieser Auflösung werden dann ein paar altbewährte falsche Fährten gelegt, die sich ebenfalls rentieren, obwohl gleichzeitig der Eindruck entsteht, dass „How to Get Away with Murder“ darin bereits jetzt schon ein Gimmick gefunden hat, das in zukünftigen Folgen immer wieder aufgegriffen werden könnte. Ob man ein solches wiederkehrendes plot device vielleicht recht schnell satt haben könnte, muss jeder Zuschauer für sich selbst wissen.

A new suspect

Ähnliche Probleme könnten früher oder später auch die legal drama-Elemente von „How to Get Away with Murder“ mit sich bringen. In der Auftaktfolge gestalten sich die Gerichtsverhandlungen und Rechtsdiskussion als knackig-dynamische Sequenzen, in denen Viola Davis („The Help“, Century City) mit Leichtigkeit den Nachweis bringt, dass sie eine äußerst talentierte Schauspielerin ist und mit ihrer starken Darbietung bestimmte Szenen einfach tragen kann. Was jedoch ein paar Zweifel aufwirft, sind die zahlreichen überraschenden, lehrbuchartigen Wendungen, die Keatings Verteidigung letztendlich von Erfolg krönen.

Geheimnisvolles Pärchen: Keating gemeinsam mit ihrem Mann (Tom Verica). © ABC
Geheimnisvolles Pärchen: Keating gemeinsam mit ihrem Mann (Tom Verica). © ABC

Überraschungszeugen, entlarvenden Beweise aus dem Nichts, solche Dinge gehören nun mal zum Genre dazu. Wenn man derartige Tropen jedoch zu übertrieben einsetzt, kann sich schnell Langeweile einstellen. In der Pilotepisode kann man eine derartige Problematik noch umschiffen, weil das Erzähltempo stimmt und die geheimnisvollen Inhalte interessieren können. Es bleibt abzuwarten, wie sich „How to Get Away With Murder“ dahingehend in den nächsten Episoden schlagen wird.

Bury the evidence

Die Darstellerriege von „How to Get Away with Murder“ ist eine Mischung aus bekannten Gesichtern sowie jungen Talenten, von denen ein Großteil jedoch ein wenig zu blass bleibt. Neben Davis dürften den meisten wohl Michael Gaston, der vor kurzem noch in The Leftovers zu sehen gewesen ist, Billy Brown (Dexter, Sons of Anarchy) oder Matt McGorry aus Orange Is the New Black bekannt sein. Letzterer mimt einen der fünf auserwählten Studenten für Keatings Team, von denen lediglich Alfred Enoch etwas mehr Profil bekommt, weil er zum einen mit einer Mieterin (Katie Findlay) seines Wohnhauses ein verdächtig nach love interest riechenden Nebenplot bekommt und zum anderen in ein mehr oder minder dunkles Geheimnis von Keating eingeweiht wird.

Die anderen drei Kommilitonen bekommen zwar ein paar spezifische Charakterzüge verpasst, für einen außergewöhnlich guten ersten Eindruck reicht dies aber nicht. Ob jetzt die fleißige Musterschülerin (Aja Naomi King), der zielstrebige Charmebolzen, der mit vollem Körpereinsatz seine Tauglichkeit unter Beweis stellt (Jack Falahee), oder das recht idealistische, hochintelligente Mauerblümchen (Karla Souza) - auch wenn wir eine Ahnung davon bekommen, was diese Figuren charakterisieren soll, vom Hocker wird man nur bedingt gerissen. Hier kann (und sollte) noch in den nächsten Episoden problemlos nachgebessert werden.

Doubts

Die Stärken der Pilotfolge von How to Get Away with Murder liegen eindeutig im Aufbau der Episode und dass man sich immer wieder fragt, in welche Richtung sich diese Geschichte entwickeln wird. So wie Davis' Charakter bei der Jury Zweifel säen will, ist man sich selbst unsicher, was das mit der Handlung in den Vorausblicken zu tun hat, warum sich letztendlich Keatings Mann (Tom Verica) in dem Teppich befindet, was für eine Rolle ein vermisstes Mädchen und der schockierende Fund ihrer Leiche in diesem Zusammenhang spielen und ob es dahingehend nicht sogar eine Verbindung zu der undurchsichtigen Annalise Keating selbst gibt.

So hat man bereits einen roten Faden etabliert, der durchaus Interesse weckt, inwiefern nun klassische cases of the week oder einzelne Charakterentwicklungen das Format zusätzlich aufwerten können, muss die Zukunft zeigen. Die dynamische Kameraführung trägt zum Schwung der Handlung bei, die Vorausblicke sind visuell ansehnlich inszeniert, zusätzlich bleibt die sehenswerte Einstiegsmontage von einer wilden College-Party im Gedächtnis hängen. Insgesamt kann „How to Get Away with Murder“ also auch auf technischer Ebene überzeugen, selbst wenn die generelle Inszenierung an sich keine revolutionären Einfälle zu bieten hat.

Die jungen Jurastudenten während ihrer mörderischen Vertuschungsaktion. © ABC
Die jungen Jurastudenten während ihrer mörderischen Vertuschungsaktion. © ABC

Fazit

Die Pilotepisode von How to Get Away with Murder markiert einen sehr ordentlichen Auftakt der neuen ABC-Serie, in der eine gut aufgelegte Viola Davis recht deutlich die Zügel in die Hand nimmt und mit ihrer schauspielerischen Leistung eher unauffällige Darbietungen von einzelnen Mitgliedern der Besetzung kaschieren kann.

Die Charaktere an sich lösen hier weniger Interesse an dem Format als seine eigentliche Prämisse und Geschichte aus. Insbesondere letztere deutet jetzt schon einige große Überraschungen und Wendungen an, die aus „How to Get Away with Murder“ ein sehr spannendes Drama machen könnten, wenn derartige schockierende Momente denn auch geschickt dosiert werden. Die Voraussetzungen für kurzweilige sowie fesselnde Fernsehunterhaltung sind jedenfalls gegeben und machen „How to Get Away with Murder“ zu einer positiven Neuerscheinung dieser Fall Season.

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 26. September 2014

How to Get Away with Murder 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(How to Get Away with Murder 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Das beste Team
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 25. September 2014 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 15. April 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 3. August 2015
Autor
Peter Nowalk
Regisseur
Michael Offer

Schauspieler in der Episode How to Get Away with Murder 1x01

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