House of Cards 4x13

House of Cards 4x13

Für einen kurzen Augenblick sieht es ganz danach aus, als biete sich dem Ehepaar Underwood im Finale der vierten Staffel kein Ausweg aus den jüngsten Fehltritten. Aber dann erinnert sich House of Cards daran, dass die beiden Hauptfiguren ja unbezwingbar bleiben müssen...

Frank Underwood (Kevin Spacey) hält gleich eine Rede, die seine Präsidentschaft retten soll. / (c) Netflix
Frank Underwood (Kevin Spacey) hält gleich eine Rede, die seine Präsidentschaft retten soll. / (c) Netflix

Das Politdrama House of Cards ist so eng mit seinen beiden Hauptdarstellern und dem Schicksal ihrer Figuren verzahnt, dass es unmöglich erscheint, ihnen jemals beim Scheitern zuzusehen - eventuell mit Ausnahme des Serienfinales, wenn das Kartenhaus vielleicht tatsächlich in sich zusammenbricht. Niederlagen dürfen immer nur von kurzer Dauer sein und dann muss Frank (Kevin Spacey) oder Claire (Robin Wright) wieder ein vermeintlich genialer Schachzug einfallen, der sie aus dem aktuellen selbstverschuldeten Schlamassel befreit.

Feel the pain

Diese Konzeption bringt einige Nachteile mit sich. Zum einen ist die Struktur einer jeden neuen Staffel nach nunmehr vieren absehbar geworden. Zum anderen muss sich das Autorenteam immer dreistere und unglaubwürdigere Methoden einfallen lassen, um die Underwoods politisch überleben zu lassen. Gemordet hat Frank schon zweimal, nun sollten also eher ideologisch angehauchte Überzeugungsmethoden herangezogen werden, um zumindest 51 Prozent des amerikanischen Wahlvolks hinter sich vereinen zu können.

Am Ende eines langen Tages, an dem es fast so aussieht, als könnten die Underwoods an den Rand einer Niederlage gedrängt worden sein, kommt Claire - wenig überraschend - ebenjener „geniale“ Einfall. Besagter Tag hat kaum gute Nachrichten gebracht. Das hastig eingefügte Geiseldrama, das Frank mit harter Hand navigiert, findet nicht den erhofften glücklichen Ausgang. Zwar erreicht el Presidente die Freilassung von Mutter und Tochter, die Erstürmung der als Versteck gehandelten Waldhütte erweist sich jedoch als Fehlschlag.

Überdies übernimmt die NSA die Kontrolle im Rechenzentrum des eifrigen Datensammlers und Technoenthusiasten MacAllan (Damian Young), weshalb zu einem späteren Zeitpunkt herauskommen könnte, dass die Daten zugunsten der Underwoods manipuliert wurden. Ein viel dringlicheres Problem ist jedoch die bevorstehende Veröffentlichung des Artikels von Tom Hammerschmidt (Boris McGiver), den hinsichtlich seiner Sprengkraft nicht nur Pressesprecher Seth Grayson (Derek Cecil) richtig einschätzt, sondern auch Frank selbst.

Ist Claire (Robin Wright) vielleicht sogar der ruchlosere Teil des Powerduos? © Netflix
Ist Claire (Robin Wright) vielleicht sogar der ruchlosere Teil des Powerduos? © Netflix

Also lädt er Hammerschmidt zu einem persönlichen Gespräch ein und versucht es erst mit der Abwiegelung sämtlicher Vorwürfe und danach mit einem grotesken Appell an dessen Vernunft: „Where is your conscience?“ Stellvertretend für alle Zuschauer, die Frank nicht als einen „zupackenden Anführer“ verklären, bei dem sich „unsere Politiker eine Scheibe abschneiden sollten“, feuert Hammerschmidt zurück: „You're ruthless, you're corrupt. You destroy whatever's in your path.“ Frank versucht es daraufhin mit einer Ehrlichkeitsoffensive zu seinem ersten in der Serie dargestellten Komplott, hat aber auch damit keinen Erfolg.

The time for conversation is over

Ganz ehrlich: Wäre Hammerschmidt eingeknickt, hätte ich nie wieder eine Episode dieser Serie angesehen. Viel weniger faul ist das, was uns Autor Beau Willimon stattdessen serviert, aber auch nicht. Nachdem der Artikel des Washington Herald veröffentlicht wurde, glauben sich Frank und Claire beinahe geschlagen. Auch ihr Konkurrent Will Conway (Joel Kinnaman) rechnet schon damit, der nächste Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Doch da haben er und Ehefrau Hannah (Dominique McElligott) nicht die Rechnung mit der Prämisse der Serie gemacht.

Der rettende Einfall kommt Claire, während sie und Frank sich im Selbstmitleid über vergangene Fehltritte suhlen. Fortan habe sie keine Lust mehr, sich bei den Menschen beliebt und wählbar zu machen. Vielmehr wolle sie Angst schüren, ihren wahren Charakter ausleben, sich der Dunkelheit vollends zuwenden. Frank ist von dieser Idee schon überzeugt, als sie noch gar nicht ganz die Lippen seiner Ehefrau verlassen hat, was nicht weiter verwundert. Hernach hält er eine resolute Ansprache an sein Volk, in der er dem (inter-)nationalen Terror den Krieg erklärt.

Dazu gehört auch das bedingungslose Festhalten an der ungeschriebenen Regel, niemals mit Terroristen zu verhandeln. Für den gekidnappten Familienvater hat das tödliche Konsequenzen, die auch noch live im Fernsehen übertragen werden. Frank ist da schon längst damit beschäftigt, uns Zuschauern seine neue Doktrin zu erklären, wobei nun erstmals auch Claire direkt in die Kamera schaut. Leider ist mir der Zusammenhang zwischen dieser neu gefundenen Entschlossenheit und den Vorwürfen seitens der Medien nicht ganz klar. Glaubt Frank allen Ernstes, dass diese verschwinden, weil er behauptet, Amerika befinde sich im Krieg?

In der Realität würde das nicht passieren - in House of Cards wahrscheinlich schon.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 27. Mai 2016
Episode
Staffel 4, Episode 13
(House of Cards 4x13)
Deutscher Titel der Episode
Die Quelle des Terrors
Titel der Episode im Original
Chapter 52
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 4. März 2016 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 27. Mai 2016
Autor
Beau Willimon
Regisseur
Jakob Verbruggen

Schauspieler in der Episode House of Cards 4x13

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