House of Cards 4x02

Die vierte Staffel des Netflix-Politdramas House of Cards hat vielversprechend begonnen. Mit der Episode Die Lage der Nation wird dieser positive Trend nun bestätigt. Frank Underwood (Kevin Spacey) kann darin zwar einen Erfolg - was man nur in seiner verzerrten Wahrnehmung so nennen kann - gegen seine Ehefrau Claire (Robin Wright) erzielen, offenbart dabei aber, dass er ihr langfristig wohl nichts entgegenzusetzen hat.
Brutus, Cassius and the one that got away
Zu Beginn arbeitet sie eifrig an der Erfüllung der eigenen politischen Ambitionen. Hierfür setzen sie und ihre Beraterin Leann Harvey (Neve Campbell) auf die Kooperationen mehrerer Kongressabgeordneter. Weil Jackie Sharp (Molly Parker) an den richtigen Hebeln sitzt, versuchen Doris (Cicely Tyson) und Celia Jones (LisaGay Hamilton), sie mit dem millionenschweren Angebot eines Super-Pacs zur Hilfe bei der Eröffnung einer Krebsklinik zu bewegen. Die wurde ihnen von Claire versprochen - im Tausch für die Kandidatur als Kongressabgeordnete ihres Heimatdistrikts in Texas.
Es sind die üblichen House of Cards'schen Winkelzüge, die sich Claire längst von ihrem Ehemann abgeschaut hat. Was sie nun aber so interessant macht, ist die einfache Tatsache, dass sich die Underwoods mittlerweile gnadenlos gegenseitig bekriegen, ohne dass es jemand mitbekommen darf. Das daraus resultierende Versprechen auf spannendes Drama wird schon in dieser Episode eingelöst. Weil Frank von dem Plan seiner Ehefrau erfährt, macht er ihr auf der größten vorstellbaren Bühne einen Strich durch die Rechnung. Bei seiner Rede zur Lage der Nation verspricht er den Joneses die gewünschte Klinik und macht sich für Celia als Nachfolgerin ihrer Mutter stark.
Die eisigen Blicke, die er und Claire daraufhin austauschen, sind große Unterhaltung. Franks Methodik - auch sein Befehl an Claires Flotte, sofort umzukehren - offenbaren jedoch, dass er mit der strategischen Eleganz eines Presslufthammers vorgeht. Vielleicht hat er bereits erkannt, dass die Schülerin zur Meisterin geworden ist. Ohne seine Machtfülle, ohne seine Befehlsgewalt wäre Frank seiner ehemaligen Wegbegleiterin nicht mehr gewachsen. Sie ist schlauer als er, geschickter. Sie arbeitet mit Hirn, während er nur noch die Muskeln spielen lassen kann. Weil diese Muskeln jedoch die stärksten der Welt sind, bleibt er ein ebenbürtiger Gegenspieler.

Keine Sekunde habe ich ihr jedoch geglaubt, als sie ihm ein Einsehen vorspielt. Was danach passiert, bestätigt diese Einschätzung: Frank ergeht sich in einer ellenlangen Analogie über einen ehemaligen Nachbarsjungen, deren Pointe wir schon nach wenigen Sekunden verstanden haben. Claire hingegen kündigt ihrer Beraterin an, dass sie bisher zu klein gedacht habe. Leann weist sie daraufhin unzweideutig auf ihre üppige Vergütung hin, wofür Claire aber auch schon eine Idee hat - die zu erfüllen jedoch kein ganz einfaches Unterfangen ist, wie die nächste Szene zeigt.
I am the mother
Claire kommt da in der Villa ihrer Mutter Elizabeth (Ellen Burstyn) an, die den Beginn der Episode mit ihren betuchten Freundinnen beim Kaffeeklatsch über den „Barbaren“ Frank Underwood verbrachte. Trotzdem ist sie nicht erfreut über das Verlangen ihrer Tochter nach einem Teil ihres Vermögens. Es ist äußerst interessant zu sehen, wie sich Claire während dieser Auseinandersetzung in einen görenhaften Teenager verwandelt: „Daddy would've done it, no questions asked.“ Mit solchen Giftpfeilen kann ihre Erzeugerin jedoch auch schießen: „You are such a disappointment.“
Es ist der dramatische Höhepunkt einer an dramatischen Momenten nicht gerade armen Episode. Claire scheint das aber gar nicht so sehr zu berühren - sie durchschreitet nächtens das ausgreifende Familienanwesen, raucht genüsslich eine Zigarette und grinst. Man muss sich das mal vorstellen: Diese Frau hat gerade ihrer krebskranken Mutter gedroht, das Grundstück samt Wohnhaus unter ihr weg zu verkaufen. Sie ist offensichtlich zu allem bereit - Frank sollte sich warm anziehen.
Nach seinem Etappenerfolg muss er sich überdies einer drohenden internationalen Krise widmen. Präsident Petrov (Lars Mikkelsen) lässt laut CIA und Auswärtigem Amt oppositionelle Wirtschaftsführer ermorden, die angeblich einen Coup gegen ihn planen. Einer von ihnen, Igor Milkin (Leonid Citer), hat es nach Amerika geschafft, wo er um politisches Asyl ersucht. Zunächst ist Frank dessen Schicksal egal. Als er jedoch von Petrov persönlich erfährt, dass er ihn der Beteiligung an diesem Coup beschuldigt, ist sein Kampfgeist geweckt. Milkin bleibt in den USA, die internationale Krise ist angerichtet.
Und House of Cards macht Spaß.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 11. März 2016(House of Cards 4x02)
Schauspieler in der Episode House of Cards 4x02
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