House of Cards 3x13

House of Cards 3x13

House of Cards schließt seine dritte Staffel mit einer starken Episode ab. In Ebenbürtig kommt es zur Eskalation des Konflikts zwischen den Eheleuten Underwood. Endlich widmet sich die Serie ihrer vielversprechendsten Auseinandersetzung.

You go, girl! Claire Underwood (Robin Wright) verlässt ihren Ehemann, den US-Präsidenten. / (c) Netflix
You go, girl! Claire Underwood (Robin Wright) verlässt ihren Ehemann, den US-Präsidenten. / (c) Netflix

Es passiert nicht viel im Finale der dritten Staffel von House of Cards - aber das, was passiert, hat es in sich. Würden Frank (Kevin Spacey) und Claire Underwood (Robin Wright) nicht so häufig den Standort wechseln, man könnte Ebenbürtig glatt für ein Kammerspiel halten. Regisseur James Foley lässt seine Figuren oft im Halbschatten agieren, was mich normalerweise stören würde, in diesem Falle aber der düsteren Stimmung zuträglich ist.

Fick mich, Francis

Zunächst hat es den Anschein, als wolle Claire ihren vagen Ankündigungen am Ende der letzten Episode keine Taten folgen lassen: „Ich hätte nichts sagen sollen.“ Sie tritt im Wahlkampf auf, wobei ihr aber schnell klar wird, dass sie diese Fassade nicht länger aufrechterhalten kann. Am Abend kommt es schließlich zur ersten kleineren Eskalation des fundamentalen Ehestreits. In ungewohnter Manier fordert Claire ihren Ehemann auf, mit ihr eine Sexpraxis durchzuführen, mit der beide offensichtlich keinerlei Erfahrung haben.

Frank weigert sich, weiß aber nur allzu gut, dass etwas fundamental nicht stimmt. Vielleicht aus Unwillen, sich mit dieser neuen Konfrontation auseinanderzusetzen, vielleicht aus Verachtung seiner Ehefrau gegenüber, lässt er ein neues Zimmer für sie zurechtmachen und schickt sie zurück nach Washington. Seine Berater halten dies für eine schlechte Idee, weswegen er kurze Zeit später einen Rückzieher macht. Claire solle ihm doch weiterhin zur Seite stehen. Dieses Mal ist es jedoch sie, die sich weigert. Nach einem Gespräch mit Tom Yates (Paul Sparks) ist sie sich sicherer als je zuvor, dass ihre Beziehung mit Frank am Ende ist.

Der kann auch ohne ihre Unterstützung die wichtigen Vorwahlen in Iowa für sich entscheiden, weiß aber genau, dass er die Entschuldigungen ob ihrer Abwesenheit nicht für den gesamten Wahlkampf wird glaubhaft übermitteln können. Also startet er einen weiteren Überzeugungsversuch, der jedoch bald eine giftige Wendung nimmt. Plötzlich entlädt sich alles, was sich in all den Jahren einer komplizierten Ehe angestaut hat. Es ist die beste Szene der gesamten Staffel, vielleicht sogar der gesamten Serie. Spacey und Wright spielen darin brillant.

Doug Stamper (Michael Kelly) kennt keine Gnade gegenüber Rachel (Rachel Brosnahan). © Netflix
Doug Stamper (Michael Kelly) kennt keine Gnade gegenüber Rachel (Rachel Brosnahan). © Netflix

Frank kann nicht verstehen, was Claire an ihm missfällt. Er liest ihre Beschwerden als Eigensinnigkeit, die aus einem gemeinsamen Leben geboren wurde, in dem er stets zu ihrer Rettung eilen musste. Er versteht nicht, dass er es ist, der ihr zu wenig ist - nicht das, was er für sie tut. Und wie soll ein Soziopath wie Frank auch die Bedürfnisse seiner Mitmenschen verstehen? Er teilt sie in zwei Kategorien auf: nützlich und unnützlich. Da bildet auch seine eigene Ehefrau keine Ausnahme. Er mag mit dieser Emotionslosigkeit zurechtkommen - sie kann das nicht.

Ohne mich bist du nichts

Hier kulminiert eine Charakterzeichnung, die lange den Anschein hatte, als würde sie nirgendwohin führen. Sollte dies das Endziel (oder ein Zwischenziel) von Showrunner Beau Willimon gewesen sein, Respekt dafür. Man hätte diese Entwicklung zwar schon am Ende der ersten Staffel eintreten lassen können, dann hätten wir uns viele dröge Handlungsbögen sparen können. Aber besser spät als nie. Sollte es zu Beginn der kommenden vierten Staffel bei der Trennung bleiben, stehen uns vielversprechende Episoden bevor, in denen Frank eine ebenbürtige Gegnerin erwachsen könnte.

So hervorragend die Staffel hinsichtlich des Underwoodschen Handlungsbogens zu Ende geht, so ernüchternd ist der Abschluss der Suche von Doug Stamper (Michael Kelly) nach Rachel Posner (Rachel Brosnahan). Nachdem er sie irgendwo im amerikanischen Nirgendwo aufgespürt hat, entführt er sie und bereitet die Entsorgung ihrer Leiche vor. Dann lässt uns Drehbuchautor Willimon noch einmal kurz Hoffnung schöpfen, bevor er uns mit der bitteren Realität entlässt: Doug hat Rachel ermordet und sie in der Wüste begraben.

Hier verweigert sich die Serie einer positiven Charakterentwicklung und lässt eine weitere Hauptfigur zum kaltblütigen Mörder werden. Das fällt zwar nicht so schwer ins Gewicht wie bei Frank Underwood, hinterlässt aber trotzdem einen faden Beigeschmack. All diese Morde sind aus dramaturgischer Sicht unnötig, ja sogar kontraproduktiv. Wir verstehen auch ohne sie, dass hier skrupellose Soziopathen ihrem Tagewerk nachgehen. Sie müssen nicht auch noch als unbarmherzige Mörder dargestellt werden. Dies lässt sie eindimensional erscheinen, raubt den Autoren Möglichkeiten, ihre Charaktere menschlich wachsen zu lassen. Begeht eine fiktionale Figur einen Mord, wird sie fortan nur noch in diesem Licht betrachtet. Es gibt dafür keine Buße, es gibt nur das eine Urteil.

House of Cards war aber noch nie eine besonders subtile und feinfühlige Serie, deswegen passt diese jüngste Aktion ins Schema. Schade nur, dass sich das Format so sehr sträubt, seine Figuren menschlicher erscheinen zu lassen. Bei Doug Stamper hat man das in dieser Staffel versucht - und nun mit einer einzigen Szene wieder zunichtegemacht. Solche Wermutstropfen bleiben, der Ausblick auf ein Duell der beiden Hauptfiguren in der kommenden Staffel stimmt jedoch vorsichtig optimistisch. Ebenbürtig war innerhalb des House of Cards-Kosmos ein sehr gutes Staffelfinale.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 5. Juni 2015
Episode
Staffel 3, Episode 13
(House of Cards 3x13)
Deutscher Titel der Episode
Ebenbürtig
Titel der Episode im Original
Chapter 39
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 27. Februar 2015 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 5. Juni 2015
Autor
Beau Willimon
Regisseur
James Foley

Schauspieler in der Episode House of Cards 3x13

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