House of Cards 2x13

Nun ist er also zum Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt worden, der gute Frank Underwood (Kevin Spacey), ohne auch nur eine einzige Stimme auf sich zu vereinen. Weil ich schon vor Monaten gespoilert wurde, was am Ende der zweiten Staffel passieren würde, war ich davon natürlich nicht überrascht. Aber hätte ich überhaupt angesichts des Verlaufs der Staffel überrascht sein können? Berechtigte Zweifel daran sind angebracht.
Kaum Überraschungspotential
Weil der Ausgang so vorhersehbar war, möchte ich mich nicht lange mit dem Abriss der Handlung dieser letzten Episode aufhalten. Frank hält in „Todesstoß“ an seiner Taktik fest und zeichnet in der Öffentlichkeit das Bild eines Vizepräsidenten, der kompromisslos zu seinem Vorgesetzten hält. Der einzige, der ihm noch gefährlich werden kann, ist Raymond Tusk (Gerald McRaney). Sollte er im Gegenzug zu einer präsidentiellen Begnadigung vor dem Untersuchungsausschuss die Schuld für die Wahlspendenaffäre auf sich nehmen und Präsident Walker (Michael Gill) von jeglichem Mitwissen freisprechen, wäre Frank erledigt und müsste sogar damit rechnen, im Gefängnis zu landen.
Genau das ist Walkers Plan. Seine ehemalige Stabschefin Linda Vasquez (Sakina Jaffrey) soll Tusk zu einem solchen Deal überreden. Weil Frank das schon ahnt und seinerseits bei Tusk mit einem Friedens- und Kooperationsangebot auf taube Ohren stößt, wählt er eine andere Vorgehensweise. Auf Anraten seiner Ehefrau Claire (Robin Wright) schickt er Walker einen persönlichen, handgeschriebenen Brief, dem er eine Erklärung seiner eigenen Schuld anheftet. Sollte Walker sämtliches Vertrauen in Frank verloren haben, müsse er lediglich diesen Brief an die Sonderermittlerin Heather Dunbar (Elizabeth Marvel) übergeben und wäre somit von jeglicher Schuld freigesprochen.
Einmal mehr geht Franks Plan jedoch auf: Walker lässt sich so sehr von den vermeintlich offenen Worten Underwoods beeindrucken, dass er Vasquez beauftragt, den Handel mit Tusk abzusagen. Der ist darüber derart empört, dass er bei seiner Aussage vor dem Untersuchungsausschuss den Präsidenten der Mitwisserschaft bezichtigt, statt sich, wie mit seinen Anwälten vereinbart, auf sein Auskunftsverweigerungsrecht zu berufen, um sich nicht selbst zu belasten. Die restliche Geschichte geht dann zügig über die Bühne. Walker sieht keine Möglichkeit, dem öffentlichen Druck standzuhalten (unabhängig davon, ob die Anschuldigungen gegen ihn nun gerechtfertigt sind oder nicht) und erklärt seinen Rücktritt. Obwohl Franks Pläne so transparent sind wie Frischhaltefolie, obwohl er meist nur in luftigen Metaphern spricht und seine Überredungskünste selten Substanz haben, wird er als neuer Präsident eingeschworen.

Der comichaft überzeichnete, psychopathische Superschurke Frank Underwood ist am höchsten seiner Ziele angekommen - und musste auf dem Weg dorthin wenige bis keine Herausforderungen überstehen. Alle seine Gegenspieler haben sich im Verlaufe von zwei Staffeln als unfähige Trottel erwiesen, die Frank ein ums andere Mal nach allen Regeln der Kunst hinters Licht führen kann - und die ihm trotzdem immer wieder aufs Neue eine weitere Chance geben. Die Finalepisode zeigt dies beispielhaft. Walker, Jackie Sharp (Molly Parker), Catherine Durant (Jayne Atkinson), Remy Danton (Mahershala Ali): Sie alle haben einst erkannt, welches Spiel Frank wirklich spielt - und haben sich dann doch wieder von ihm einspannen lassen.
Weit und breit kein ebenbürtiger Gegenspieler
Auch Michael Kern (Kevin Kilner) und Donald Blythe (Reed Birney) gehören in diese Liste. Letztgenannter gibt in „Todesstoß“ sogar eine halbseidene Erklärung dafür, wieso er Underwood erneut unterstützen werde: „I don't like Frank, but I hate being in the minority even more. We can't let the Republicans dominate two houses.“ („Ich mag Frank nicht, aber ich hasse es noch mehr, in der Opposition zu sein. Wir können nicht zulassen, dass die Republikaner beide Häuser dominieren.“) Außer Tusk gibt es keinen einzigen Charakter in dieser Serie, der Underwood die Stirn bieten kann und will. Und auch er hält nicht bis zum Ende durch, sondern belastet sich lieber selbst, um seinem ehemaligen Freund Garrett Walker eins auszuwischen.
Darin liegt eines der größten Probleme von House of Cards: Die fehlende Spannung macht die Serie schlicht langweilig. Ich habe mich selbst mehrmals dabei erwischt, wie ich einzelne Episoden laufen und meine Gedanken dabei wandern ließ. Der amerikanische TV-Kritiker Alan Sepinwall bezeichnete das Format als „TV show people watch while folding laundry or sorting through junk mail.“ („Eine Serie, die Leute schauen, während sie ihre Wäsche zusammenlegen oder ihre Werbebriefe sortieren.“) Diese Einschätzung teile ich größtenteils.
Dabei ist es nichts Verwerfliches, solche Serien zu produzieren. Das Programm der Networks ist voll von eher seichten Formaten, die eine nette Abwechslung sein können - und auch nicht mehr sein wollen. House of Cards will jedoch so viel mehr sein. Die Serie will in einer Liga mit den Dramakönigen von HBO spielen, sie will ein wichtiger Beitrag über die gefährliche Verquickung von Macht, Geld, Politik und Medien sein. Das merkt man alleine schon an der hinreißenden technischen Umsetzung, die der Serie einen staatstragenden Charakter verleiht. Als Schauspieler wurden mit dem Oscargewinner Spacey und Wright sowie vielen Seriendarstellern der ersten Riege absolute Könner gewonnen. Leider hinkt das Drehbuch der fantastischen Optik und dem versammelten Schauspieltalent meilenweit hinterher.

Wenn man die Geschichte der ersten beiden Staffeln analysiert, kommt dabei nicht mehr heraus als eine vorhersehbare Erzählung über einen schmierigen Politiker, der vor absolut nichts (nicht mal vor Mord) zurückschreckt, um seinen Machthunger zu stillen. Um dieses etwas dürftige Sujet anzureichern, wurden Plotelemente ersonnen, die Kompliziertheit mit Komplexität verwechselten. Gibt es irgendeinen Zuschauer, der die genauen Zusammenhänge zwischen dem Kasino im amerikanischen Nirgendwo, den Wahlspenden, dem Brückenprojekt und dem Handelskrieg mit China verstanden hat? Oder besser: Gibt es irgendeinen Zuschauer, den diese Zusammenhänge interessiert haben?
Langweilige Nebenhandlungen
So uninteressant all diese kleinen Nebenplots waren, so spektakulär scheiterte das Autorenteam um Beau Willimon bei der Modellierung der Nebencharaktere. Claire Underwood bricht im Staffelfinale plötzlich unter Tränen zusammen, als sie realisiert, dass sie für den Niedergang des Präsidentenehepaares maßgeblich verantwortlich ist. Dabei weiß sie genau, dass sie integraler Bestandteil davon war. Die Szene ist ein später Versuch der Autoren, Claire doch noch eine halbwegs menschliche Fassade zu verpassen. Dies kann nicht gelingen, haben sie Claire doch in der ersten Episode dieser Staffel drohen lassen, das ungeborene Baby einer ehemaligen Mitarbeiterin verrecken zu lassen. Wer seinen zweiten zentralen Charakter über eine gesamte Staffel als Ausgeburt des Bösen porträtiert, kann das am Ende mit einer kurzen Szene nicht wieder wettmachen.
Die Serie hatte einst in Zoe Barnes (Kate Mara) und Peter Russo (Corey Stoll) zwei starke Nebenfiguren. Weil beide Frank jedoch zu gefährlich wurden, sahen die Autoren wohl keinen anderen Ausweg, als Underwood zum Mörder zu machen. Bis heute verstehe ich nicht, wie man seine zwei interessantesten Charaktere einfach aus der Serie schreiben kann - auch, weil man sich damit eines großen Teils der eigenen Glaubwürdigkeit beraubte. Beide Morde dienten nicht mehr als einem billigen Schockeffekt und Frank Underwood war fortan noch diabolischer als sowieso schon. Ähnliches gilt im Übrigen für den angedeuteten Dreier mit Leibwächter Meechum (Nathan Darrow). Hätte man doch bloß diese kleinen Handlungsstränge in die größere Geschichte eingebaut, man hätte etwas aus ihnen machen können. So jedoch kamen sie und gingen auch gleich wieder. Sie hatten keinerlei Relevanz für die übergeordnete Handlung.
Wenig Relevanz hatten auch die Handlungsstränge um Doug Stamper (Michael Kelly), Rachel Posner (Rachel Brosnahan) und Gavin Orsay (Jimmi Simpson). Stamper muss am Ende wegen seiner unerklärten Faszination für Rachel mit dem Leben bezahlen und Orsay - ja, was macht der eigentlich? Muss wohl so uninteressant gewesen sein, dass ich es gleich wieder vergessen habe. Ich gehe jede Wette ein, dass beide Charaktere in der kommenden dritten Staffel keine Rolle mehr spielen werden - vielleicht erweist das Drehbuch seiner Figur Doug Stamper ja noch die letzte Ehre. Was mag nun also noch kommen für Frank Underwood? Der mächtigste Mensch der Welt ist er schließlich schon. Also heißt es demnächst wohl „Nächste Station: Weltherrschaft“.
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 26. Mai 2014(House of Cards 2x13)
Schauspieler in der Episode House of Cards 2x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?