House of Cards 1x13

Die Abschlussepisode der ersten Staffel der Dramaserie House of Cards vereint noch einmal sĂ€mtliche Elemente, mit denen der Politthriller bei Publikum und Kritik fĂŒr ambivalente Reaktionen gesorgt hat. Der mĂ€chtige Kongressabgeordnete Frank Underwood (Kevin Spacey) darf sich wieder einmal als das Ăbel der Menschheit gerieren. Er ist der einzige zentrale Charakter der Serie, bei dem keinerlei persönliche Entwicklung festgestellt werden kann.
I'm an invader without an army
FĂŒr einen kurzen Moment scheint sich das Blatt jedoch zu wenden. Da steht Frank also in der Kirche und lĂ€sst sich auf ein ZwiegesprĂ€ch mit Gott ein. SpĂ€testens an dieser Stelle hĂ€tte es die Möglichkeit gegeben, dem Charakter zumindest einen Anflug von Bedauern, wenn nicht gar Besinnung zu gönnen. Im nĂ€chsten Moment verpufft jedoch auch diese Hoffnung und wandelt sich in ihr genaues Gegenteil: „There is no solace above or below. Only us. Small, solitary, striving, battling one another. I pray to myself. For myself.“ Die metapherschweren Szenen bringen die Handlung also wieder einmal nicht voran, sondern zeichnen Underwood weiter als dĂŒstersten aller Charaktere ohne Gewissen oder Moral.

Was die Kirche nicht besorgen kann, muss dann also von einer anderen Religion ĂŒbernommen werden: dem Kapitalismus. Im StreitgesprĂ€ch mit einem Vorstandsmitglied von SanCorp. wird Frank zum ersten Mal klar in die Grenzen gewiesen. Wie ein Schuljunge muss er sich die Lektion erteilen lassen, wer im amerikanischen politisch-industriellen Komplex wirklich die FĂ€den in der Hand hĂ€lt. Diese - fĂŒr ihn neue - Erfahrung lĂ€sst ihn jedoch keineswegs ernĂŒchtert, sondern eher noch tatkrĂ€ftiger zurĂŒck. Daheim in Washington, D.C. spinnt er weiter an seinem Plan, der nĂ€chste VizeprĂ€sident der Vereinigten Staaten zu werden.
Dazu glaubt er, sich seines vermeintlichen Widersachers Raymond Tusk (Gerald McRaney) entledigen zu mĂŒssen. Sein Plan sieht vor, das Vorhaben des PrĂ€sidenten Walker, Tusk zu seinem neuen VizeprĂ€sidenten zu machen, zu untergraben. Dieser scheitert jedoch vorzeitig an seinem etwas wahnwitzigen Plan, SanCorp. dazu zu ĂŒberreden, das viel gröĂere Firmenkonglomerat von Tusk durch feindliche Ăbernahmen von Tochtergesellschaften anzugreifen. Letztgenannter ist ihm gleichzeitig einige Schritte voraus.
Bei einem von Lobbyist Remy Danton (Mahershala Ali) eingefĂ€delten konspirativen Treffen mit Tusk erfĂ€hrt er dann, wie sehr selbst einflussreiche Politiker am Tropf des Big Business hĂ€ngen. Immerhin schafft er es, den von Tusk gewĂŒnschten Blankoscheck in ein wechselseitiges AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnis umzuwandeln. Und natĂŒrlich bekommt er den gewĂŒnschten VizeprĂ€sidentenposten. Dabei ist er jedoch nichts weiter als eine Marionette der Tusk'schen Wirtschaftsinteressen.
I won't let people like you fuck up the world my child has to live in
Der ist nĂ€mlich alleine daran interessiert, seinen Einfluss in der amerikanischen AuĂenhandelspolitik - vor allem gegenĂŒber China - gewahrt zu wissen. Dort lagern 95 Prozent eines fĂŒr seine Atomkraftwerke unabdingbaren Rohstoffs. Frank Underwood scheint dies egal zu sein. Die einzige Motivation, die er fĂŒr eine Nominierung zum VizeprĂ€sidenten benötigt, ist die Tatsache, dass dieser traditionell ein Kandidat fĂŒr die nĂ€chsten PrĂ€sidentschaftswahlen ist. Anders dĂŒrfte nicht zu erklĂ€ren sein, wieso ĂŒberhaupt irgendein ambitionierter Politiker dieses Amt anstreben sollte. De facto ist der amerikanische VizeprĂ€sident nĂ€mlich ein zahnloser Tiger, wie schon Underwoods VorgĂ€nger Matthews (Dan Ziskie) leidlich erfahren musste.

Was Underwood wĂ€hrend seiner Intrigen und Komplotte noch gar nicht mitbekommen hat: Seine ehemalige Geliebte Zoe Barnes (Kate Mara) ist zusammen mit Kollegin Janine Skorsky (Constance Zimmer) und Liaison Lucas Goodwin (Sebastian Arcelus) auf seiner heiĂen Spur. Nachdem sie minutiös rekonstruiert haben, wie es zur Verhaftung und schnellen Freilassung des ermordeten Peter Russo (Corey Stoll) kam, fĂŒhren ihre Recherchen zum ehemaligen Callgirl Rachel Posner (Rachel Brosnahan). Die ist ihnen zwar keine groĂe Hilfe, bringt sie aber ins Spekulieren. SchlieĂlich decken sie auf, dass Underwood und seine rechte Hand Doug Stamper (Michael Kelly) nur ein groĂes Ziel haben: die VizeprĂ€sidentschaft.
Ganz ohne Widerstand dĂŒrften ihre weiteren Recherchen jedoch nicht ablaufen, denn dank Rachel und Russos ehemaliger Mitarbeiterin Christina Gallagher (Kristen Connolly) ist Stamper ĂŒber die letzten Schritte des Investigativtrios informiert. Zudem werden sie weiterhin fĂŒr Underwoods Zwecke missbraucht. Ein an Zoe weitergereichtes Dokument ĂŒber den Tagesablauf des PrĂ€sidenten nĂ€hrt erste Pressespekulationen ĂŒber den neuen VizeprĂ€sidenten.
WĂ€hrend Frank Underwood also ein politisches Zwischenziel erreicht, scheint seine Angetraute Claire (Robin Wright) keinen Ausweg aus ihrer momentanen Sackgasse zu finden. Nachdem sie ihrer Mitarbeiterin Gillian Cole (Sandrine Holt) ihr wahres Gesicht gezeigt hatte, nutzt die ihre eigene Schwangerschaft aus, um ein öffentlichkeitswirksames Forum zu erhalten, von dem sie ihren persönlichen Rachefeldzug gegen Claire und deren verdorbene Ideale fĂŒhren kann. Verdient hat sie es.
Fazit
Im Staffelfinale von House of Cards werden die bisherigen Stilmittel durch den doch etwas ĂŒbertriebenen Einsatz von Pathos und Metaphern (die Kerzen in der Kirche/das kaputte RudergerĂ€t) ergĂ€nzt. Pathetisch wird es vor allem immer dann, wenn Kevin Spacey direkt in die Kamera spricht.
War dieses Stilmittel in den ersten Episoden noch eine nette Abwechslung, so wird es ĂŒber den Verlauf der Staffel doch zu einer eigentlich ĂŒberflĂŒssigen Plattform zur DĂ€monisierung Underwoods. Allein die Handlungen des durchtriebenen Politikers hĂ€tten ausgereicht, um seine Machtbesessenheit ausreichend zu beschreiben. So schlagen die Autoren immer und immer wieder in ein- und dieselbe Kerbe. Underwood ist die Inkarnation des Bösen - wir haben verstanden!
Ein Mangel an KohĂ€renz kann man den Autoren unterdessen nicht unterstellen. SĂ€mtliche Figuren bleiben innerhalb ihrer vorgezeichneten Charakterisierung. Dies kann als besonders realitĂ€tsnahes Merkmal der Serie verbucht werden, denn, machen wir uns nichts vor: Menschen Ă€ndern sich nicht. So dĂŒrfte es jedenfalls das Autorenteam sehen.
Persönliches Wachstum konnte jedoch trotzdem bei einigen Charakteren festgestellt werden. Zoe Barnes und Janine Skorsky bilden ein geniales Rechercheduo und auch Claire Underwood taut zum Ende der ersten Staffel etwas auf. Das Staffelende ist jedoch eher kĂŒnstlich geraten, wird darin doch kein Handlungsstrang wirklich abgeschlossen. Einerseits spannend, andererseits auch etwas unbefriedigend. Dieses Urteil trifft wohl auch auf die gesamte Staffel zu.
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 29. April 2013(House of Cards 1x13)
Schauspieler in der Episode House of Cards 1x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?