House of Cards 3x02

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Das Ehepaar Underwood ist nach der Besteigung des mĂ€chtigsten Gipfels der Welt am Ende seiner Ziele angekommen - von wegen. FrĂŒh in der dritten Staffel wird klar, dass Frank (Kevin Spacey) und Claire (Robin Wright) nicht wirklich zufrieden sind. Frank nicht, weil er schnell zu spĂŒren bekommt, wie impotent seine MachtfĂŒlle eigentlich ist, und Claire nicht, weil sie kaum damit zufrieden sein kann, die Ostereier des Oval Office auszuwĂ€hlen.
Tonight I give you the truth
Ăberdies gĂ€be es keine Serie mehr, wenn deren Protagonisten keine Konflikte zu durchleben hĂ€tten - oder nur eine sehr langweilige. Was die dritte Staffel aber nun schon von den beiden VorgĂ€ngerausgaben unterscheidet, ist die einfache Tatsache, dass Frank und Claire bereits jetzt mehr Gegenwind verspĂŒren als in den gesamten ersten beiden Staffeln. Vor allem ist es Gegenwind, der ernstzunehmend und konsolidiert auftritt, in Form der FĂŒhrungsriege der Demokratischen Partei, die Frank unmissverstĂ€ndlich klarmacht, dass er nie gewĂ€hlt wurde und deshalb auch keinen Anspruch auf die PrĂ€sidentschaftskandidatur im Jahre 2016 habe.
Ich meine sogar, Franks bröckelndes Selbstbewusstsein in seiner ersten Brechung der vierten Wand erkannt zu haben, nachdem er von Bob Birch (Larry Pine) und Konsorten erfahren hat, dass die AnfĂŒhrer der Demokraten seine Kandidatur geschlossen verhindern wollen. Auch seine vermeintliche Nachfolgerin als Majority Whip, Jackie Sharp (Molly Parker), wendet sich offen gegen ihn, weil sie sich von ihm ausgenutzt fĂŒhlt. Diesen Machthebel versucht sie freilich gegenĂŒber Remy Danton (Mahershala Ali) zu einem spĂ€teren Zeitpunkt auszuspielen. Gegen die Information, wen die Demokraten Frank vorziehen, will sie einen zukĂŒnftigen Platz an seinem Kabinettstisch lösen. Frank spielt zunĂ€chst auf Zeit.
Von dieser unverblĂŒmten Offenbarung in seiner Contenance kurzzeitig ĂŒberrumpelt, fĂ€llt es Frank schwer, sich auf Alltagsdinge zu konzentrieren. Heather Dunbar (Elizabeth Marvel) will eine Strategie von ihm wissen, wie sie mit einem schiefgelaufenen Drohnenangriff umgehen solle. Darauf kann er aber erst eine Antwort geben, nachdem er sich eine Umgehung der Blockade gegen ihn ausgedacht hat. Dieser neue long con nimmt sich zunĂ€chst ziemlich simpel aus, weil er aus einer einfachen LĂŒge besteht. Man darf gespannt sein, ob sich das Autorenteam hier noch etwas Ausgefeilteres einfallen lĂ€sst.
ZunĂ€chst muss Frank feststellen, dass die klassischen LobbybemĂŒhungen per Telefon auf keinen fruchtbaren Boden fallen. Er ist darĂŒber so pikiert, dass er seine GesprĂ€chspartner anschreit und schlieĂlich sogar sein Abendessen auf den Boden pfeffert. In solchen Momenten driftet die Serie allzu gerne in die bisweilen trashigen Gefilde aus den ersten beiden Staffeln ab, in denen Frank dann daherkommt wie ein Riesenbaby, das seinen Willen nicht bekommt.
I'm a target now
Claire weiĂ eine ganz einfache Lösung fĂŒr Franks Verstimmungen, wobei nicht ganz klar wird, ob sie nicht auch eine perverse sexuelle Faszination aus seinem Scheitern zieht. Jedenfalls setzt höchstdramatische Musik ein, wĂ€hrend Claire sich und ihren Ehemann entkleidet und ihm temporĂ€re Erleichterung verschafft. House of Cards war nie eine subtil arbeitende Serie und wird dies auch niemals sein - soviel ist jetzt schon einmal klar.
Sie ist optisch wunderbar umgesetzt und kann auf ein beeindruckendes Ensemble verweisen, mehr hat sie mit Prestigefernsehen aber nicht zu tun. Wenn es ihr aber wie in Zwischenlösung gelingt, ein spannendes Politdrama zu entspinnen, in dem der zentrale Charakter kein allmĂ€chtiger Haudegen ist, dann spielt sie nahezu ihr volles Potential aus. Es ist nĂ€mlich nicht nur Frank, der hier mehrere Krisen zu ĂŒberstehen hat. Auch Claire sieht die ErfĂŒllung ihres unbedingten Machtwillens gefĂ€hrdet, als sie bei ihrer Anhörung vor dem Senat vergisst, ihre Nerven zu behalten.
Dort soll sie von republikanischen und demokratischen Senatoren zur amerikanischen Botschafterin bei den Vereinten Nationen ernannt werden. Die kritischen, bisweilen harschen Nachfragen des republikanischen Senators Mendoza (Benito Martinez), der als vielversprechendster Kandidat seiner Partei auf die PrĂ€sidentschaftskandidatur gilt, bringen sie jedoch so sehr aus dem Konzept, dass sie sich zu einer Aussage hinreiĂen lĂ€sst, die im politischen Klima der USA reines Gift ist: „The US military is irrelevant.“ („Das US-MilitĂ€r ist irrelevant.“)
NatĂŒrlich ist das Zitat völlig aus dem Kontext gerissen, fĂŒr ihre politischen Gegner aber trotzdem ein gefundenes Fressen. Claire versucht noch, den Fauxpas wiedergutzumachen (ebenso per Telefonakquise), muss jedoch mitansehen, wie ihr die nötigen Stimmen wegschmelzen. Anders als Frank versucht sie aber daraufhin, den justiziellen Weg zu gehen, wofĂŒr sie wiederum die Hilfe ihres Ehemanns braucht. Nach erfolgreicher Erledigung brĂ€t sich Claire zwei Eier. Wie gesagt: Subtil geht anders.
You are entitled to nothing
Frank kann mit seiner Rede an die Nation bei manchem Mitstreiter punkten, wenngleich seine Positionen mit denen der Demokratischen Partei kaum noch etwas zu tun haben - im Gegenteil, mit diesen Ansichten dĂŒrfte er manch republikanischem Hardliner eine FreudentrĂ€ne entlockt haben. Warum sich die Serienautoren entschieden haben, Frank als Demokraten auftreten zu lassen, bleibt dabei ein RĂ€tsel. Die Republikaner mit ihrem ewigen Lamento gegen den Staat und fĂŒr das Individuum (also gegen gesamtgesellschaftliche SolidaritĂ€t) wĂ€ren doch die perfekte Heimat fĂŒr den machtgeilen Oberegoisten Frank gewesen.
Echte Politik war aber schon immer merkwĂŒrdig abwesend in dieser Serie. Es geht hier vielmehr um Intrigen, Verrat und Betrug. Dadurch limitiert sich House of Cards aber selbst, weil es immer nur diesen einseitigen Blick auf die amerikanische Politiklandschaft zulĂ€sst. Weil die Nuancen fehlen, werden eher die Vorstellungen des Stammtischs reproduziert. Statt ein differenziertes Bild von Politik zu zeichnen, gibt es hier nur die bösen Machthungrigen, denen es um nichts anderes geht als den eigenen Statuserhalt.
Immerhin sieht es nun danach aus, als wĂŒrde Franks Aufstieg (oder Machtzuwachs, Aufstieg geht ja gar nicht mehr) auf entschiedene Gegenwehr stoĂen. Die Ausrichtung bleibt die gleiche, es wurde aber an der Fallhöhe geschraubt. Das kann der Serie nur guttun - wie man an dieser Episode bestens erkennen kann.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 20. MĂ€rz 2015(House of Cards 3x02)
Schauspieler in der Episode House of Cards 3x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?