House of Cards 4x12

House of Cards 4x12

Ein unvorhergesehenes Ereignis wirbelt die Dramaturgie der vierten Staffel von House of Cards gehörig durcheinander. In der vorletzten Episode wird eine Familie von amerikanischen Terroristen Verschleppt, was Underwood und Conway zur Kooperation zwingt.

Sie können's einfach nicht lassen: Frank (Kevin Spacey, r.) und Will (Joel Kinnaman) gehen sich verbal an die Gurgel. / (c) Netflix
Sie können's einfach nicht lassen: Frank (Kevin Spacey, r.) und Will (Joel Kinnaman) gehen sich verbal an die Gurgel. / (c) Netflix

Die Politserie House of Cards muss sich bestimmt nicht selten das Lamento gefallen lassen, dass ihre Handlungsbögen zu unrealistisch ausgearbeitet sind. Ich selbst habe es auch nach vier Staffeln noch nicht geschafft, diesen Anspruch vollständig abzulegen. Die Schuld dafür ist jedoch nicht nur bei mir zu suchen, sondern auch beim vom scheidenden Showrunner Beau Willimon angeführten Autorenteam der Serie. Ein exzellentes Beispiel dafür ist die Episode Verschleppt.

Rotten to the core

Sie ist keine klassische Bottle Episode, kommt deren Charakter aber sehr nahe. Für den Aufbau einer Staffel ist es jedenfalls kein gutes Zeichen, wenn die vorletzte Episode als solche konzipiert wird. Dies verrät, dass den Kreativen keine andere Möglichkeit eingefallen ist, ein intimes Duell seiner beiden Rivalen zu inszenieren, als sich kräftig am Trog der unrealistischen Erzählstränge zu bedienen. In der vierten Staffel hat es keinen Handlungsbogen gegeben, der so wenig nachvollziehbar ist wie die Geiselkrise aus dieser Episode.

Die Präsidentschaftsbewerber Frank Underwood (Kevin Spacey) und Will Conway (Joel Kinnaman) befinden sich gerade mitten in einer historischen TV-Debatte, da muss diese wegen einer aufziehenden Krise unterbrochen werden. Amerikanische ICO-Sympathisanten haben eine dreiköpfige Familie entführt und stellen nun horrende Forderungen für deren Freilassung. So weit, so glaubwürdig. Als Letztes verlangen sie jedoch, ausschließlich mit Will Conway zu verhandeln, weil der „glaubwürdiger“ und ein weniger großer Verbrecher sei als Frank.

Diese Forderung sowie die Bereitschaft von Frank, darauf einzugehen, sind so hanebüchen, dass ich mich gefragt habe, ob nicht sogar Underwood oder Conway selbst hinter der Entführung stecken. Wahrscheinlich ist es aber gar nicht so kompliziert - wahrscheinlich steckt einfach nur der Autorenwunsch dahinter, beide lange und oft genug in einen Raum zu bekommen. Und das klappt (kein Wunder, entstammt es doch der Autorenfeder) - die politischen Gegenspieler treffen nicht nur im Krisenzentrum aufeinander, sondern auch im Weißen Haus.

Wie so oft ist Doug Stamper (Michael Kelly) vornehmlich hinter den Kulissen aktiv. © Netflix
Wie so oft ist Doug Stamper (Michael Kelly) vornehmlich hinter den Kulissen aktiv. © Netflix

Auch hier stellt sich die Frage: Wieso übernachten die Conways in Franks - und vielleicht ihrem zukünftigen - Zuhause? Würde Frank - bliebe er seiner bisherigen Charakterzeichnung treu - seinen Rivalen jemals einladen? Und wenn ja, warum? Einen Vorteil kann er daraus offensichtlich nicht ziehen. Immerhin wird unsere Ambivalenz hinsichtlich dieses unglaubwürdigen Plotkonstrukts mit einer tollen Szene zwischen Claire (Robin Wright) und Hannah Conway (Dominique McElligott) belohnt.

Being forgotten

Während ihre Ehemänner versuchen, die Geiselnahme unblutig zu beenden, ergehen sie sich in distanziertem, aber betont freundlichem Smalltalk. Hannah belobigt Claire für alles, was sie bisher erreicht hat, und bezeichnet sie sogar als ihr Vorbild, leistet sich daraufhin aber einen Fauxpas. Sie fragt Claire, ob die es bereue, niemals Kinder bekommen zu haben. Sofort schießt die First Lady mit verbalen Giftpfeilen zurück: „Do you regret having them?“ Hier muss einmal mehr die gesellschaftspolitische Fortschrittlichkeit der Serie hervorgehoben werden. Eine solche Frage hört man in der übrigen TV-Landschaft fast nie.

Doug Stamper (Michael Kelly) ist derweil damit beschäftigt, einen Zeugen für die öffentliche Falschaussage von Conways running mate Brockhart (Colm Feore) zu finden. George Walleck (Dana Healey) ist Mitglied des Geheimdienstausschusses und weigert sich zunächst, Brockhart - und damit auch Conway - an den Pranger zu stellen. Auch dafür hat Frank jedoch eine Lösung parat: Er erpresst ihn einfach. Nach dem überzeugenden Auftritt Conways im Krisenzentrum ist Walleck jedoch nicht mehr Franks größtes Problem. Abermals entscheidet er sich also gegen das Wohl seiner Landsleute - in diesem Falle der Geiseln -, um sein Image als entscheidungsstarker Anführer wiederherzustellen.

Was danach passiert, erfahren wir erst in der nächsten Episode, dem Finale der vierten Staffel. Darin wird wohl auch der Feldzug kulminieren, den Tom Hammerschmidt (Boris McGiver) gegen die Underwoods anführt. Er hat mittlerweile genug belastendes Material zusammengetragen - inklusive der Zeugenaussagen von Expräsident Walker (Michel Gill) und Jackie Sharp (Molly Parker) -, um seine Ergebnisse zu veröffentlichen. Verlegerin Margaret Tilden (Kathleen Chalfant) ist ganz auf seiner Seite: „Let's hit him while he's distracted.

So unglaubwürdig die meisten Ereignisse in dieser Episode also auch waren, so spannend wird ihre Auflösung im Staffelfinale.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 20. Mai 2016
Episode
Staffel 4, Episode 12
(House of Cards 4x12)
Deutscher Titel der Episode
Verschleppt
Titel der Episode im Original
Chapter 51
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 4. März 2016 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 20. Mai 2016
Autoren
Laura Eason, Bill Kennedy
Regisseur
Jakob Verbruggen

Schauspieler in der Episode House of Cards 4x12

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