House of Cards 4x05

Vielleicht ist es Beau Willimon und seinem Autorenteam selbst zuviel geworden mit den immerzu erfolgreichen und unaufhaltsamen Intrigen ihres Helden Frank Underwood (Kevin Spacey). Als einzigen Weg, seine Dominanz zu brechen, sahen sie in dieser Theorie offensichtlich nur einen Anschlag auf ihn, der natürlich nicht tödlich ausgehen darf, ihn aber wenigstens für ein paar Episoden außer Gefecht setzt. In diesem Sinne wurde das Ziel erreicht - statt sich mit Russland anzulegen und die eigene (Wieder-)Wahl zu organisieren, fantasiert Frank im Krankenbett von seinem Vorfahren Augustus (Malcolm Madera).
Are you God?
Das eröffnet ungeahnte Freiheiten für die übrigen Ensemblemitglieder, die allesamt keine Zeit verlieren, um ihre wertvolle neue Spielzeit voll auszukosten. Wie sich herausstellt, hatte das Selbstmordkommando von Lucas Goodwin (Sebastian Arcelus) einen höheren Zweck als nur die Ausübung eines banalen Racheakts. In seinem Nachlass finden die Strafverfolgungsbehörden eine Art Abschiedsbrief, in der seine Vorwürfe gegen Underwood - fein säuberlich geordnet und mit Bildern versehen - aufgelistet sind. Es gibt niemanden auf der Welt, der sie bestätigen kann, aber viele, die dadurch angespornt werden.
Die dauerskeptische White House-Korrespondentin Kate Baldwin (Kim Dickens) interessiert sich brennend für Goodwins Dokumente, stößt bei Seth Grayson (Derek Cecil) aber verständlicherweise auf eine Mauer des Schweigens. Also wendet sie sich an Goodwins ehemaligen Chefredakteur Tom Hammerschmidt (Boris McGiver), der selbst bereits Besuch vom FBI bekommen hat. Er ist geneigt, den Anschuldigungen keinen Glauben zu schenken, was nicht weiter verwundert, hören sie sich doch wahrlich abstrus an.
Außerdem tritt Claire (Robin Wright) in weiser Voraussicht selbst vor die Kameras und versucht, den Spekulationen ein Ende zu bereiten. Die Idee dazu stammt von Tausendsassa Doug Stamper (Michael Kelly), der sich nicht nur im übertragenen Sinne für sein großes Idol Frank aufopfert - er will ihm sogar die Hälfte seiner Leber spenden, darf das aber nicht, weil er Alkoholiker ist. Ehrlich gesagt, hätte es mich nicht überrascht, wenn er sich bereiterklärt hätte, sich die gesamte Leber entnehmen zu lassen - der selbstgewählte Tod für el jefe, und Amerika natürlich.

Mit Leber ist Stamper aber viel effizienter, wie der arme Seth Grayson zu spüren bekommt, mit dem er sich in einem spektakulären Erpressungs-off befindet. Stamper weiß, dass Seth das Bild von Frank mit dem als Südstaaten-Soldat verkleideten Schauspieler an die Presse weitergegeben hat und zwingt ihn deshalb zum Rücktritt. Grayson kommt vorher aber ein rettender Einfall: Er weiß vom Telefonat zwischen Franks Wahlkampfgegnerin Dunbar (Elizabeth Marvel) und der Obersten Staatsanwältin Martha Wilson (Ellen Harvey), in dem die beiden Lucas Goodwin besprachen. Dieses Wissen bietet er an, um den eigenen Kopf aus der Entlassungsschlinge zu ziehen.
Threaten me again
Fortan glaubt er, wieder mit Stamper befreundet zu sein, was Letztgenannter aber sofort zu torpedieren weiß. Er lädt Seth zu sich nach Hause ein, um dort eine gewalttätige Machtdemonstration vorzunehmen: „If I can't get your loyalty, I will have your obedience.“ Seine Auferstehung von den Toten in der letzten Staffel hat ihn wohl etwas überschnappen lassen, denn nun legt er sich mit jedem an, der seiner heiligen Kuh Frank in den Weg kommen könnte. Vor allem Claire stellt sich dabei als ernstzunehmende Widersacherin heraus.
Sie wickelt den armen Donald Blythe (Reed Birney) so kunstvoll um den Finger, dass der kaum noch weiß, wo Russland auf der Weltkarte zu finden ist. Er ist nun ihr verlängertes Sprachrohr im Konflikt mit Präsident Petrov (Lars Mikkelsen), den sie irgendwie für sich auszunutzen gedenkt. Wie genau das funktionieren soll, ist genauso undurchsichtig wie die Intrige, die sie mit Hilfe ihrer Beraterin Leann (Neve Campbell) spinnt. Teil davon sind auf jeden Fall Remy Danton (Mahershala Ali) und Raymond Tusk (Gerald McRaney), die aber beide zur Mitarbeit erpresst werden müssen.
Hier entfaltet sich einer dieser für House of Cards so typischen Plots, die ebenso heillos unübersichtlich wie sterbenslangweilig sind. Für das amerikanische Volk verständlich ist lediglich, dass die Benzinpreise ins Unermessliche steigen, weil Russland den Hahn zugedreht hat. Nun soll China irgendwie dafür sorgen, dass dieser Prozess umgekehrt wird. Warum das uns Zuschauer interessieren soll, ist das Geheimnis der Autoren. Bleibt die Hoffnung, dass die Journalisten zur Rettung der Staffel eilen. Aber Vorsicht - sobald Frank wieder aufwacht, sind sie in Lebensgefahr.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 1. April 2016(House of Cards 4x05)
Schauspieler in der Episode House of Cards 4x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?