House of Cards 3x12

House of Cards 3x12

Die leisen Zweifel der Claire Underwood werden in Kopf an Kopf immer lauter. So wird der interessanteste Handlungsbogen endlich wieder aufgenommen, was dem Rest der Episode aber nur schwerlich aus dem Tal der Langeweile helfen kann.

Claire Underwood (Robin Wright) bekommt schlechte Neuigkeiten. / (c) Netflix
Claire Underwood (Robin Wright) bekommt schlechte Neuigkeiten. / (c) Netflix

Das Ende der House of Cards-Episode Kopf an Kopf lässt auf ein gelungenes Finale einer ansonsten enttäuschenden dritten Staffel hoffen. Schon einmal war darin am Ende einer Episode (Wahrer Mut) die Möglichkeit angedeutet worden, dass die beiden Hauptfiguren der Serie, Claire (Robin Wright) und Frank Underwood (Kevin Spacey), fortan in den Krieg gegeneinander ziehen könnten.

Wir geben den Leuten, was sie wollen

Sofort in der nächsten Episode war dieser mögliche Handlungsbogen aber schon wieder verworfen. So schade das vor einigen Wochen war, so viel stärker könnte nun ein Zerwürfnis zwischen Claire und Frank ausfallen. Man hatte zwar schon damals die nötige Vorarbeit geleistet und eigentlich keine besseren Geschichten zu erzählen. Wenn man die damalige Auseinandersetzung aber als Amuse-Gueule einsetzen wollte, dann hat das ausgezeichnet funktioniert - wenn darunter nicht alle anderen Erzählstränge zu leiden gehabt hätten.

Freilich ist sämtliche Aufbruchstimmung hier verfrüht, schließlich könnte das Autorenteam rund um Beau Willimon (der das Drehbuch für diese Episode schrieb) wieder einen Rückzieher machen. Fürs Erste wollen wir aber optimistisch bleiben. Angesichts der übrigen Handlungsstränge bleibt uns ja auch nichts anderes übrig. Da gibt es das übliche Postengeschacher und manch kaum nachvollziehbare Entscheidung, die gefällt wird, weil das Drehbuch Frank Underwood nicht noch weiter in die Bredouille bringen will.

Zu Beginn der Episode brauen sich für ihn am Horizont einige pechschwarze Gewitterwolken zusammen, die sich am Ende (mit Ausnahme der größten Wolke namens Claire) beinahe gänzlich verzogen haben. Sein aufs Abstellgleis verbannter, immer noch treuster Mitstreiter Doug Stamper (Michael Kelly) entpuppt sich am Ende als loyal. Wir wissen nun endlich, dass er niemals ernsthaft für Heather Dunbar (Elizabeth Marvel) arbeiten wollte, sondern sie nur nutzte, um sich seinen Job zurückzuholen. Dunbar hat also nichts mehr gegen Frank in der Hand - außer der Gewissheit, dass Claire einst abgetrieben hat.

Genau das ist wohl auch der Knackpunkt, der Claire die Augen öffnet. Wie kann Frank nur ernsthaft darüber nachdenken, Stamper wiedereinzustellen, wo der doch ihr schlimmstes (uns bekanntes) Geheimnis verraten hat? Neben dem potentiellen neuen Konfliktstoff liefert dieser Handlungsbogen die sehr banale Erkenntnis, dass Politik korrumpiert. Jüngstes Opfer: Heather Dunbar. So weit, so wenig überraschend. Schließlich geht es in House of Cards um nichts anderes.

Wofür machen wir das alles?

So verständlich die Entscheidungen bis hierher waren, so wenig nachvollziehbar ist die Weigerung von Kate Baldwin (Kim Dickens), Informationen ihres Kurzzeitgeliebten Tom Yates (Paul Sparks) über Frank und Claire gegen das First Couple zu verwenden. Sie hat es sich offensichtlich zur einzigen Aufgabe gemacht, Underwood zu stürzen. Sie verfolgt schon eine vielversprechende Geschichte (die wohl aber einfach sterben wird), lehnt dann aber neue Erkenntnisse ab, weil es ein Interessenskonflikt wäre?

Vielleicht ist sie ja die einzige moralische Spielerin in dieser Politikarena, ergo: die Verliererin. Mit ihr wird eine weitere Figur, die Frank gefährlich werden könnte, mit zweifelhaften dramaturgischen Mitteln aus dem Verkehr gezogen. In solchen Momenten erinnert House of Cards ein bisschen an die HBO-Comedy Entourage, wo es am Ende immer hanebüchenere Gründe für den Erfolg der Clique um Vinnie Chase (Adrian Grenier) gab.

So ärgerlich es auch ist, wenn starke Figuren durch das Drehbuch in ihrem Handlungsspielraum limitiert werden, so vergessenswert sind einige andere. Die Romanze zwischen Jackie Sharp (Molly Parker) und Remy Danton (Mahershala Ali) flammt wieder auf, hat für den zentralen Handlungsbogen aber kaum Relevanz. Der mit neuer alter Macht ausgestattete Stamper lässt indes nach dem geflüchteten Gavin Orsay (Jimmi Simpson) suchen. Warum? Ist eigentlich egal. Hoffen wir einfach auf ein Finale Frank versus Claire.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 29. Mai 2015
Episode
Staffel 3, Episode 12
(House of Cards 3x12)
Deutscher Titel der Episode
Kopf an Kopf
Titel der Episode im Original
Chapter 38
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 27. Februar 2015 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 29. Mai 2015
Autor
Beau Willimon
Regisseur
Robin Wright

Schauspieler in der Episode House of Cards 3x12

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