House of Cards 3x11

House of Cards 3x11

Frank Underwood erntet in Die Fernsehdebatte den Sturm, den er mit seiner Bräsigkeit gesät hat. Einstmalige Unterstützer gehen reihenweise von Bord, es bleiben wenige loyale Begleiter - und natürlich seine Ehefrau Claire, die aber auch von leisem Zweifel befallen ist.

Frank Underwood (Kevin Spacey) studiert seine Konkurrentin Heather Dunbar (Elizabeth Marvel). / (c) Netflix
Frank Underwood (Kevin Spacey) studiert seine Konkurrentin Heather Dunbar (Elizabeth Marvel). / (c) Netflix
© (c) Netflix

Manchmal wundere ich mich über den Prozess, der in Deutschland zur Übersetzung eines Episodentitels führt. Diese aktuelle Folge von House of Cards heißt Die Fernsehdebatte - und ist damit noch langweiliger übersetzt, als es die wörtliche Übertragung des englischen Titels „Chapter 37“ gewesen wäre. Zum Glück für uns Zuschauer fällt die Episode aber weniger dröge aus, als es die deutsche Betitelung vermuten ließe.

Je generischer, desto besser

Das liegt an einem einfachen Grund: Indem der Wahlkampf um die Kandidatur für den Posten des demokratischen Präsidenschaftskandidaten ins Zentrum gerückt wird, bekommt die Serie neue Impulse, die die außenpolitischen Verwicklungen mit Russland oder das Arbeitsmarktprogramm AmWorks nicht zu leisten vermochten. Diese beiden Handlungsbögen spielen nun weiterhin eine wichtige Rolle - und das ist vielleicht das Beste, was die Autoren aus ihnen herausholen konnten. Sie liefern Munition für Heather Dunbar (Elizabeth Marvel), die aussichtsreichste Gegenkandidatin von Frank Underwood (Kevin Spacey).

Sie fängt in der TV-Debatte sogleich an, aus vollen Kanonenrohren zu feuern. Sämtliche Argumente schlagen zielsicher ein, Frank Underwood sieht zwischenzeitlich aus, als wolle er bald den Kopf in den Sand stecken. Zu Hilfe eilt ihm aber Jackie Sharp (Molly Parker), mit der er zuvor einen Deal abgeschlossen hat. Sie würde die potentielle Wählerschaft Dunbars spalten und sich dann aus dem Wahlkampf zurückziehen. Dafür würde sie einen Posten am Kabinettstisch einer zweiten Legislatur Underwoods bekommen.

Weil sie schon zuvor begriffen hat, dass in einem solchen Haifischbecken niemand überlebt außer Underwood selbst, versucht sie zu Beginn der Episode, zu Dunbar überzulaufen. Statt von ihr aber einen vergleichbaren Posten angeboten zu bekommen, erhält sie gar kein Angebot. Dunbar manifestiert damit eindrücklich, dass sie von solchem Postengeschacher hinter den Kulissen nichts hält. Am Ende wird auch Jackie verstehen, dass der viel nachhaltigere Weg zur politischen Macht nicht über Camp Underwood führt.

Da ist die Debatte schon Vergangenheit und Jackie von ihrem Geschäftspartner öffentlich bloßgestellt. Sie will sich also darüber beschweren, bekommt von Frank aber nur eine weitere schallende Ohrfeige verpasst. Das ist endgültig genug für sie, bei ihrem nächsten öffentlichen Auftritt wird sie das Ende ihrer Kandidatur verkünden - und Heather Dunbar ihre volle Unterstützung zusichern. Kurz darauf folgt ihr auch Remy Danton (Mahershala Ali) beim Verlassen der sinkenden MS Underwood.

Ich hasse, wie sehr ich uns brauche

Dessen Unterstützerkreis ist nun merklich ausgedünnt (und war schon vorher nicht sonderlich groß). Eigentlich bleibt ihm nur noch Pressechef Seth Grayson (Derek Cecil), der genuine Verärgerung über Jackies Auftritt zeigt: „Judas bitch.“ Sogar bei Claire (Robin Wright) sieht es kurzzeitig danach aus, als sei sie am Ende ihrer Kräfte und ihres Willens angelangt. Underwood-Portätist Tom Yates (Paul Sparks) bekommt in einem lichten Moment (ihr wird gerade Blut abgenommen) endlich den Stoff, nach dem er schon so lange dürstet. Der neue Loyalist warnt aber sogleich sein Untersuchungsobjekt, dass es aufpassen müsse, nicht auch noch seine einzige echte Partnerin zu verlieren.

Frank und Claire finden sich nun also in einer Situation wieder, die ihnen nicht ganz unvertraut sein dürfte: Sie beide gegen den Rest der Welt. Wie realistisch es ist, dass irgendjemand in einer solchen Lage auch nur den Hauch einer Chance hätte, im Amt des mächtigsten Staatenlenkers der Welt zu bleiben, sei dahingestellt. House of Cards war nie realistisch, ist nicht realistisch und wird auch nie realistisch sein. Das können wir hier wunderbar an der Debatte selbst ablesen, in der der Moderator John King (ein echter CNN-Moderator) auf ganzer Linie versagt, weil er nicht einschreitet, als die Kandidatinnen die Diskussionsregeln missachten.

Die Serie muss aber gar nicht realistisch sein, um unterhalten zu können. Wenn sie wie in Die Fernsehdebatte ihre begabten Schauspieler mit giftigen Dialogen und viel Konfliktstoff aufeinander loslässt, macht das großen Spaß. Ich habe es in den letzten Reviews immer wieder gefordert, jetzt ist es endlich eingetreten: Zeigt mir das Duell Underwood gegen Dunbar und die Serie wird schlagartig besser. Jetzt noch weniger weißbrotige Episodentitel finden und das Ganze kann sich schon wieder sehen lassen.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 22. Mai 2015
Episode
Staffel 3, Episode 11
(House of Cards 3x11)
Deutscher Titel der Episode
Die Fernsehdebatte
Titel der Episode im Original
Chapter 37
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 27. Februar 2015 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 22. Mai 2015
Autor
Melissa James Gibson
Regisseur
Agnieszka Holland

Schauspieler in der Episode House of Cards 3x11

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