House of Cards 3x10

House of Cards 3x10

Der unkonventionellste US-Präsident aller Zeiten, Frank Underwood, organisiert in der gleichnamigen Episode ein höchst unkonventionelles Spitzentreffen. Um ein Scheitern seiner Außenpolitik zu verhindern, muss er einen vermeintlich hohen Preis bezahlen.

Frank Underwood (Kevin Spacey, 2.v.r.) auf gefährlicher Mission / (c) Netflix
Frank Underwood (Kevin Spacey, 2.v.r.) auf gefährlicher Mission / (c) Netflix
© (c) Netflix

Ist es denn wirklich ein hoher Tribut, den Frank Underwood (Kevin Spacey) für die vage Hoffnung auf Wahrung des Friedensprozesses im Nahen Osten zahlen muss? Zwar muss er seiner Ehefrau Claire (Robin Wright) nahelegen, dass sie ihr Amt als Botschafterin bei den Vereinten Nationen niederlegen müsse, um der irrationalen Forderung des russischen Präsidenten Petrov (Lars Mikkelsen) nachzukommen. Aber sie hat sich bisher auch nicht wirklich als die beste Kandidatin für den Job erwiesen - einen Job übrigens, für den sie keine Zustimmung aus dem Kongress erhielt.

Sie haben dich reingelegt

Ihre Gefühle könnten verletzt werden, sicher. Aber sollte ein amerikanischer Präsident auf die Gefühle seiner Ehefrau hören, wenn er außenpolitische Entscheidungen trifft? Ich jedenfalls würde besser schlafen, wenn ich wüsste, dass dem nicht so ist. Nun war House of Cards nie eine realistische Politserie. Das Format war aber auch nie besonders gut darin, sich eingehend mit komplizierten zwischenmenschlichen Gefühlen auseinanderzusetzen. Das eine Mal, als man die Chance dazu gehabt hätte - am Ende von Wahrer Mut -, scheute man vor der eigenen Courage zurück.

Deshalb fühlen sich die Einsätze in diesem Handlungsstrang erneut so niedrig an. Die Israelis installieren eine Flugverbotszone für russische Maschinen über dem Jordan-Tal. Im nächsten Augenblick verkündet Petrov, dass er sich niemals an die Einhaltung dieses Flugverbots halten werde. Einen weiteren Atemzug später sitzt Frank Underwood in einer Maschine ebendorthin, um mit Petrov von Angesicht zu Angesicht zu verhandeln. Er reist mit Kevlarschutz bekleidet in einem Mini-Konvoi von drei Fahrzeugen durch eine der gefährlichsten Regionen der Erde - wer's glaubt! Wenn Barack Obama auf die Toilette geht, hat er wahrscheinlich mehr Schutz als Frank Underwood dort.

In einer Hütte, die Osama bin Laden zum Weinen gebracht hätte, trifft er schließlich auf Präsident Petrov. Es folgen die üblichen Hahnenkämpfe, die in der Forderung Petrovs nach Claires Absetzung resultieren. Wirklich? Das ist alles, was er fordert? Wie einfach ist das denn? Keine außenpolitischen, finanziellen oder wirtschaftlichen Zugeständnisse? Er will einfach nur Claires Karriere torpedieren? Frank müsste eigentlich innerliche Freudentänze vollführen ob dieser lächerlich kleinlichen Forderung. Er will uns jedoch vermitteln, dass ihm diese Entscheidung übelst schwerfällt. Ist klar, Frank. Murder aint no thang - aber Claires Gefühle verletzen? Bist Du des Wahnsinns?

Mit dem Ende dieses Handlungsbogens und Claires Amtsniederlegung besteht nun wenigstens die Hoffnung, dass wir endlich mehr von Franks Konkurrentin Heather Dunbar (Elizabeth Marvel) zu sehen bekommen. Wir bekommen in Spitzentreffen nur wenige Einblicke in den bereits laufenden Wahlkampf. Am interessantesten hierbei ist noch die Überlegung von Jackie Sharp (Molly Parker), Camp Underwood zu verlassen. Hoffentlich hört sie zukünftig nicht mehr auf ihren Ehemann und seine Parabeln. Ein Team Dunbar/Sharp würde Frank ordentlich einheizen.

Wir sind eine Familie von Umarmern

Neues Feuer ist es nämlich, was diese Serie momentan braucht. Die außenpoltischen Auseinandersetzungen mit den Russen hatten längst China-Infrastruktur-Kasino-Level aus der zweiten Staffel erreicht, weshalb ich nun dringend darauf hoffe, dass wir von Petrov, diesem klischeebeladenen Abziehbildchen eines echten russischen Präsidenten, nichts mehr sehen. An Klischees und unsubtilen visuellen wie sprachlichen Andeutungen mangelt es House of Cards dann immer noch lange nicht.

Bestes Beispiel: Alle anderen Handlungsstränge in dieser Episode. Jackie ist immer noch ein bisschen in Remy (Mahershala Ali) verliebt. Doug (Michael Kelly) bekommt Besuch von der Familie seines Bruders, woraufhin es ihm schleichend dämmert, dass seine so hochgehaltene Freiheit genau das nicht ist. Wir Zuschauer können das natürlich nicht aus seiner Gestik und Mimik ablesen, sondern müssen durch Konversationen wie diese darauf gestoßen werden:

Doug: „Meine Freiheit ist mir wichtig.

Dougs Bruder: „Ich bin freier als du, Kumpel.

Okay, verstanden. Im Gegensatz zu Gavins (Jimmi Simpson) Motiv, Lisa (Kate Lyn Sheil) seine Lügen zu beichten und sie vor dem FBI zu warnen. Und ihr natürlich sein Meerschweinchen zu hinterlassen. Große Geste - die ich nicht verstehe. Ist das Meerschweinchen eine Form der Wiedergutmachung? Hat sie ihm off screen verraten, dass sie Meerschweinchen liebt? Kann er nur mit seinem alten Leben abschließen, wenn er das Meerschweinchen zurücklässt? WAS BEDEUTET DIESES VERDAMMTE MEERSCHWEIN?

Woher die innere Zerrissenheit des dauerbetrübten Schriftstellers Tom Yates (Paul Sparks) kommt, wissen wir nun aber endlich. Er hat sich als Jugendlicher prostituiert, um Geld zu verdienen. Dabei wurde er süchtig nach den Geschichten seiner Freier, weshalb er nun süchtig ist nach der Geschichte von Frank Underwood - die dessen ehemaligen Klassenkameraden (und Geliebten?) Tim Corbet (David Andrews) einschließt. Er und Frank tätscheln ein bisschen, entscheiden dann aber doch, dass Claire nicht noch einmal betrogen werden sollte. „Alle haben Schmerzen.“ Ich bisweilen auch, bei einem solchen Drehbuch.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 15. Mai 2015
Episode
Staffel 3, Episode 10
(House of Cards 3x10)
Deutscher Titel der Episode
Spitzentreffen
Titel der Episode im Original
Chapter 36
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 27. Februar 2015 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 15. Mai 2015
Autor
Frank Pugliese
Regisseur
Agnieszka Holland

Schauspieler in der Episode House of Cards 3x10

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