House of Cards 3x08

House of Cards 3x08

Pech gehabt! Oder besser gesagt: Unglück im Glück. Frank Underwood erleidet in Hurrikan eine empfindliche Niederlage, weiß aber sofort, wie er daraus seinen Vorteil schlagen kann. Derweil formiert sich bereits Widerstand an einer anderen Front. Manche Charaktermotivation bleibt nebulös.

Ein nachdenklicher Frank Underwood (Kevin Spacey) an seinem Schreibtisch / (c) Netflix
Ein nachdenklicher Frank Underwood (Kevin Spacey) an seinem Schreibtisch / (c) Netflix
© (c) Netflix

Wenn man einmal seinen Frieden mit den unrealistischen Storykonzeptionen in der dritten Staffel von House of Cards gemacht hat, kann man einer Episode wie Hurrikan durchaus etwas abgewinnen. Frank Underwood (Kevin Spacey) bleibt natürlich auch darin der omnipotente Widerling, der er schon immer war. Wenn er aber etwas von seiner Screentime an manch ebenso interessanten, wenn nicht gar interessanteren Mitspieler abgibt, bekommt die Serie gleich einen ganz anderen Drive.

Wir brauchen eine Katastrophe!

Und trotzdem zeigt die Episode, welch aberwitzige Konstruktionen ersonnen werden müssen, um eine andere aberwitzige Konstruktion am Leben zu halten. Weil Frank das Budget der Katastrophenschutzbehörde FEMA missbraucht hat, um sein Arbeitsmarktprogramm „AmWorks“ zu finanzieren, muss nun eine drohende Naturkatastrophe her, um seiner Opposition aus Republikanern und Demokraten ein Druckmittel in die Hand zu geben. Die Naturkatastrophe darf aber am Ende natürlich nicht eintreten, weil sich sonst der Rest der Staffel um nichts anderes drehen könnte.

Aber warum muss es dann gleich eine Katastrophe von biblischen Ausmaßen sein? Warum müssen sich alle Meteorologen von New England bis Florida einig sein, dass dieser Hurrikan ohne Zweifel auf die amerikanische Ostküste treffen wird? Wahrscheinlich, weil es das Drehbuch gerne so hätte. Das gleiche Drehbuch, das sich auch Hector Mendoza (Benito Martinez) auf äußerst plumpe Weise entledigt. Das Drehbuch, das unbedingt Freddy, den Rippchenkoch (Reg E. Cathey), zurückbringen wollte, obwohl er seine dramaturgische Nütztlichkeit längst abgelegt hat.

Mendozas Nachfolger Mitchell (Marc Kudisch) und sein Gegenpart aufseiten der Demokraten, Bob Birch (Larry Pine), schaffen es also, Frank zur Auflösung seines Arbeitsmarktprogramms zu zwingen. Eine herbe Niederlage, wie es scheint. Doch Frank Underwood wäre nicht zum mächtigsten Mann der Welt geworden, hätte er nicht aus jeder Niederlage auch einen persönlichen Profit ziehen können. Aus seiner Sicht hat „AmWorks“ mit mehreren zehntausend geschaffenen Arbeitsplätzen längst bewiesen, wie effektiv es sein kann. Also muss er gar nicht mehr warten, trotz aller Beteuerungen seine Präsidentschaftskandidatur anzukündigen.

Sein Biograf Tom Yates (Paul Sparks), der sich von ihm hat um den Finger wickeln lassen, ist sofort mit an Bord. Dessen neue Bettgespielin Kate Baldwin (Kim Dickens) hadert indes zwar noch mit der Redundanz ihres Artikels über FU, dürfte sich aber angesichts dieser neuerlichen Volte ihres Lieblingsfeindes schon gierig die Finger lecken. Die Chemie zwischen Dickens und Sparks stimmt, was nicht weiter verwunderlich ist, sind die beiden doch tolle Schauspieler. Ihre Handlungsstränge könnten interessant werden.

Doug Stamper - International Man of Mystery

Der interessanteste Handlungsbogen - wenngleich von den Autoren nicht als ebenjener erkannt - bleibt aber derjenige um Franks neue, dieses Mal hoffentlich ernst zu nehmende Konkurrentin Heather Dunbar (Elizabeth Marvel). Auf Anraten ihres Inkognitoberaters Doug Stamper (Michael Kelly) versucht sie, Jackie Sharp (Molly Parker), bislang Franks designierte Vizekandidatin, auf ihre Seite zu ziehen.

Stampers Ambitionen bleiben hierbei weiter undurchsichtig. Nach dieser jüngsten Aktion sieht es zwar schon sehr danach aus, dass er immer noch im Sinne seines ehemaligen Arbeitgebers Frank handelt. Ganz ausschließen können wir die Möglichkeit aber nicht, dass auch diese Verschwörung einen doppelten (oder dreifachen? Ich habe aufgehört, zu zählen...) Boden hat. Lediglich Dunbars Absichten lassen sich herausfiltern - was ihre Aussichten auf eine erfolgreiche Kampagne merklich schmälert.

Für wie gerissen sich Stamper aber auch hält, ganz geht sein Plan nicht auf. Als er Seth Grayson (Derek Cecil) die entsprechende Nachricht übermittelt, bittet er mehrmals darum, als Quelle ebenjener genannt zu werden. Der letztendliche Nachrichtenüberbringer Remy (Mahershala Ali) lässt diese Information aber aus, erhält vielmehr eine Standpauke seines Chefs, weil er nicht zu jedem Tages- und Nachtzeitpunkt weiß, wo sich seine Exfreundin Jackie aufhält und - viel wichtiger - mit wem und gegen wen sie intrigiert. Seine schlagfertige und sehr richtige Antwort darauf: „Seth und ich sind Ihre einzigen Soldaten.

Da muss Frank kurz schlucken - aber wirklich nur kurz, kann er sich doch mit den kleinkarierten Gefühlen seiner Angestellten nicht auseinandersetzen. A propos Gefühle: Claire (Robin Wright) spielt in dieser Episode kaum eine Rolle, sie darf lediglich verkünden, dass sich die Russen nun doch an der Friedensmission im Nahen Osten beteiligen wollen. Aha, hat ja alles wunderbar geklappt! Die Wut des russischen Premiers? Vergessen! Die diplomatischen Verwerfungen? Vergangenheit! Der Streit zwischen den Eheleuten Underwood? Längst Geschichte. So funktioniert House of Cards eben. Heute war das okay.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 1. Mai 2015
Episode
Staffel 3, Episode 8
(House of Cards 3x08)
Deutscher Titel der Episode
Hurrikan
Titel der Episode im Original
Chapter 34
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 27. Februar 2015 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 1. Mai 2015
Autor
Bill Kennedy
Regisseur
John Dahl

Schauspieler in der Episode House of Cards 3x08

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