House of Cards 3x07

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Die Autoren des Politdramas House of Cards machen mit der Episode Ein neues Gelübde einen großen Schritt zurück. Gleich mit der ersten Szene machen sie zunichte, was sie in Wahrer Mut noch mühsam und nicht ganz stolperfrei aufgebaut haben. Denn sie zeigen darin die hochoffizielle Versöhnung zwischen Frank (Kevin Spacey) und Claire Underwood (Robin Wright). Erst danach zeigen sie in Rückblenden, wie es dazu kam.
I can't believe we've become this
Ich kann diese dramaturgische Entscheidung beim besten Willen nicht nachvollziehen. Wenn den Autoren schon so viel daran liegt, Team Underwood nicht auseinanderzusprengen, dann sollten sie doch uns Zuschauern wenigstens nicht die Spannung einer Episode rauben. Mit dieser ersten Szene vor dem Traualtar in Franks Heimatstadt Gaffney tun sie aber genau das. Wir wissen nun, dass die beiden sich wieder eins sein werden. Wofür brauchen wir dann noch den Rest der Episode?
Die Serie setzt überdies alles daran, damit auch der letzte Zuschauer versteht, dass die Geschichte hier auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen spielt. In der Rückblende tragen Frank und Claire überwiegend dunkle Anzüge, im gegenwärtigen Handlungsstrang helle. In der Rückblende sind Claires Haare noch blond gefärbt, in der Gegenwart trägt sie ihre natürliche Haarfarbe. Alles klar, wir haben verstanden!
Diese aufdringliche Offensichtlichkeit ist ein Hauptgrund dafür, warum House of Cards aus meiner Sicht nicht zu den besten, sondern nur zu den mittelmäßigen Dramaserien gehören kann. Dies ist ja nun nicht die erste Episode, in der das so stark auffällt - die Serie wimmelt nur so vor himmelschreiend offensichtlichen Anspielungen. Ein anderes Beispiel aus dieser Episode gefällig? Als Frank und Claire von ihrem Moskau-Trip nach Hause kommen, gehen beide schnurstracks in ihre getrennten Schlafzimmer. Sicher, diese Einstellungen sehen wunderschön aus. Aber sie bedeuten nichts. Genauso wie die wiederholte Einblendung der Mönche nichts bedeutet.
Dabei wünscht sich die Serie selbst so sehr, etwas Bedeutendes zu sein. Warum sonst sollte sie all diese schwülstigen, bisweilen kitschigen Andeutungen machen? Wir haben also verstanden: Im Werk der Mönche geht es um die Schönheit des Augenblicks, um die Schönheit des Prozesses, was Frank natürlich nicht versteht, weil er ein Foto davon seiner Frau als Wiedergutmachung schenkt. Claire versteht es aber genauso wenig, obwohl sie sich eine ganze Stunde mit den Mönchen beschäftigt hat. Am Ende verstehen beide zusammen nichts und haben sich wieder lieb.
It's time to tell the truth
Was wollen uns die Autoren damit also sagen? Dass Frank und Claire kein Auge für Schönes, sondern nur für Nützliches haben - spezifisch für Dinge, die ihnen selbst nutzen? Vielen Dank für diese weitere Charakterisierung, aber diesen Wesenszug der beiden kennt der aufmerksame Zuschauer seit der ersten Episode. Gleiches gilt im Übrigen für Franks einsamen Aufenthalt am Denkmal für Franklin Delano Roosevelt. Zwischen all den Zitaten, die ihn eigentlich zum Nachdenken bringen sollten, sieht er nur die Mauer, die zwischen der Statue von FDR und der seiner Ehefrau steht.
Zwischen ihm und Claire soll aber keine Mauer stehen, weshalb er seine ursprüngliche Ablehnung ihres Plans zur Rettung des Nahostplans zurückzieht und die erbetenen Gelder bewilligt. Diese Geste berührt Claire so sehr, dass sie ihren Ehemann postwendend gegenüber der israelischen Botschafterin verteidigt - und den alten Kampfgeist wiederfindet, der ihr kurzzeitig abhandengekommen zu sein schien. Die beiden sind also wieder das mächtige Team, das sie schon immer waren.
Aber ganz ehrlich: Wer will das sehen? Wer will den beiden zum x-ten Mal zuschauen, wie sie ihre Gegner niederwalzen? Und warum sind die Autoren so erpicht darauf, all das zu wiederholen, was sie und wir schon kennen? Warum nichts Neues probieren - wie in der letzten Episode? Da haben sie sich endlich mal was getraut, und siehe da: Sie lieferten die bislang beste Episode dieser größtenteils enttäuschenden dritten Staffel ab. Und dann? Machen sie alles innerhalb von nur einer Szene zunichte. Das muss man auch erstmal schaffen.
Die Hoffnungen auf einen Showdown zwischen Claire und Frank sind also erst einmal begraben. Wenn House of Cards nun wenigstens versuchen würde, seine übrigen Handlungsstränge etwas interessanter zu gestalten. Aber sämtliche Verwerfungen rund um Franks zentrales Wahlkampfvehikel - das Arbeitsmarktprogramm AmWorks - werden in aller Kürze abgefrühstückt. Dieses Programm ist so hanebüchen, dass es eigentlich viel detailreichere Erklärungen bräuchte, um wenigstens halbwegs nachvollziehbar zu machen, was da genau vor sich geht.
You don't have the monopoly on secrets
Stattdessen erhalten wir nur kurze Bestandsaufnahmen. Republikaner und Demokraten schmieden im Kongress gerade eine Allianz dagegen, die Frank mit seinen präsidientiellen Mitteln so lange bekämpfen will, bis das Programm Erfolg hat. Im Kabinett scheint es indes keinerlei Widerworte dazu zu geben - wahrscheinlich, weil Underwood all seinen Ministern mit Entlassung gedroht hat. So regiert kein Demokrat, so regiert ein Tyrann. Aber ja, auch das habe ich verstanden. Frank Underwood will nichts anderes sein. Wie er mit einer solch breiten Front an Gegnern aber überhaupt noch eine Wahl gewinnen will, bleibt mir schleierhaft. In der Welt von House of Cards ist bestimmt auch das möglich.
Sein treuer Begleiter Tom Yates (Paul Sparks) schafft es schließlich, ein einziges Tröpfchen Wahrheit aus ihm herauszupressen - was die Serie als große Enthüllung darstellt, was mich aber so kalt ließ wie der Ausgang eines Cricket-Zweitligaspiels in Pakistan. Das Bekenntnis, dass er sich selbst als unwürdig für seine Ehefrau sieht, stellt ihn ja eigentlich nur wieder in einem positiven, weil bescheidenen Licht dar. An Yates' Vorwurf, Frank erwähne immer nur das, was er in seiner Biografie lesen wolle, ändert das kaum etwas. Um Yates um den Finger zu wickeln, reicht es aber wieder - wie überhaupt immer die einfachsten Schachzüge ausreichen, um sämtliche Gegenspieler auszutricksen.
Auch dieser Handlungsstrang hält also keine spannenden Entwicklungen bereit. Bleibt nur noch die Geschichte um Doug Stamper (Michael Kelly) und seine Suche nach... schnaaaaarch! Das Ansinnen der Autoren, Doug zu einer echten Figur mit echten Gefühlen machen zu wollen, in allen Ehren. Aber dann zeigt uns doch bitte seine moralische Zerrissenheit über den Wechsel ins Camp von Heather Dunbar (Elizabeth Marvel), eine der spannendsten Figuren der Serie (keine Überraschung, ist sie doch eine fähige Gegenspielerin von Frank Underwood). Sie kommt in Ein neues Gelübde aber nur als Stimme am Telefon vor. Irgendwie symptomatisch.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 24. April 2015(House of Cards 3x07)
Schauspieler in der Episode House of Cards 3x07
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