House of Cards 3x05

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Nachdem House of Cards vielversprechend in die dritte Staffel gestartet ist, sucht die Serie zur Mitte der Staffel wieder nach ihrem früheren Erfolgsrezept. Das lautete meist ziemlich simpel, dass Frank Underwood (Kevin Spacey) einem neuen Problem mit einer möglichst komplizierten Lösung entgegentrat. So geht es nun auch weiter, da sich Frank in der mächtigsten Position der Welt befindet. Seiner Fantasie sind also noch weniger Grenzen gesetzt.
Ich fühle mich endlich wieder frei
Statt tiefer in die Figuren und ihr Seelenleben einzutauchen, haben sich die Autoren einmal mehr entschieden, ihre Geschichten so komplex wie möglich auszugestalten, um am Ende wieder einen strahlenden Sieger präsentieren zu können. Frank ist einfach gewiefter als alle anderen. Oder würde sonst jemand beim Monument Valley-Zocken auf die Idee kommen, wie man die Gelder für ein milliarden-(oder waren es gar Billionen?)schweres Vorhaben lockermacht? Franks Hirn arbeitet 24/7 an nichts anderem als der Sicherung der eigenen Machtposition.
In seinem Falle bedeutet dies nun, sein ambitioniertes Arbeitsmarktprogramm AmWorks auf die Beine zu stellen, obwohl sowohl die Opposition als auch die eigene Partei in Person von Hector Mendoza (Benito Martinez) und Bob Birch (Larry Pine) erbitterten Widerstand dagegen angekündigt haben. Statt nun auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen und sich vielleicht die parteiinterne Unterstützung zurückzuholen, macht Frank, was er in solchen Situationen immer macht: Er holt den Bulldozer aus der Garage und versucht, jeglichen Widerstand einfach niederzuwalzen.
Zu allem Überfluss muss er das natürlich gegenüber seiner Ehefrau Claire (Robin Wright) auch mehrfach verkünden. Ganz ehrlich: Wenn es schon sehr unwahrscheinlich war, dass jemand wie Frank fast ohne Verbündete ins Weiße Haus einziehen konnte, so dürfte es in Zukunft schlicht unmöglich sein, gegen den Widerstand aller Parteien seine Wiederwahl zu organisieren. Nichtsdestotrotz ist aber sein gesamtes Beraterteam vollkommen von diesem Plan überzeugt - keiner dieser angeblich so erfahrenen Politikberater, nicht Jackie Sharp (Molly Parker), nicht Remy Danton (Mahershala Ali), schreiten ein, um Frank zu bremsen.
In dieser Rechnung ist überdies noch gar nicht enthalten, dass Frank ja sein eigenes Volk unverhohlen angelogen hat, als er in einer Rede an die Nation behauptete, nicht wieder als Präsident kandidieren zu wollen. Will er aber natürlich doch, weshalb er ja unbedingt einen Erfolg mit AmWorks braucht. Diesen will er durch seinen neuesten Coup erzwingen, für den er sich die Dienste des Bürgermeisters von Washington sichert.
Heute ist die Washington Mall das Feld der Träume
Zunächst droht er aber dem Chef der Katastrophenbehörde FEMA mit dessen Entlassung, sollte der nicht seinen Befehl befolgen, einen Großteil des Budgets fehlzuallozieren, weil er Arbeitslosigkeit als Naturkatastrophe einstufen lassen will. Als Pilotprojekt soll der Bürgermeister nun in Washington, D.C. den titulären Ausnahmezustand verkünden. Auf der Freifläche vor dem Kongress werden Notfallzelte aufgebaut, in denen sämtlichen Arbeitslosen der Stadt Jobs vermittelt werden sollen. Wenn es doch nur in der Realität so einfach wäre, Arbeitslosigkeit zu bekämpfen!
Ebenso dreist wie ihr Ehemann geht Claire gegen die Blockade der Russen im UN-Sicherheitsrat vor. Mit Franks Segen droht sie dem russischen Botschafter an, sämtliche angekündigten Waffenlieferungen an den Iran bombardieren zu lassen, sollte die russische Regierung ihren Widerstand gegen den amerikanischen Truppenaufmarsch im Jordantal nicht aufgeben. Sie verhandelt das alles in der Damentoilette und lässt den Botschafter gar dabei zusehen, wie sie ebenjene benutzt. Auch hier gilt wieder: Wäre Außenpolitik doch nur in der Realität so einfach!
Frank erwachsen indes neue Gegenspieler. Der Stunt seines Medienberaters Seth Grayson (Derek Cecil) aus der letzten Episode hat zur Folge, dass ihm nun mit Kate Baldwin (Kim Dickens) eine noch gewieftere Reporterin nachstellt. Gegen das Image, das sie nun in der Öffentlichkeit von ihm zeichnen wird, versucht er anzukämpfen, indem er den Bestsellerautor Thomas Yates (Paul Sparks) dazu überredet, ein Buch über ihn und sein Arbeitsmarktprogramm zu schreiben.
Unklar bleibt weiterhin, für wen Doug Stamper (Michael Kelly) arbeitet. Ihm gelingt es jedenfalls, sich Zugang zum Wahlkampfteam von Franks Konkurrentin Heather Dunbar (Elizabeth Marvel) zu verschaffen, obwohl deren Beraterin sie nachdrücklich davor warnt. All diese Nebenhandlungen sind interessant und nachvollziehbar und gar nicht so weit von der Realität entfernt. Wenn dies nur auch für die grandiosen Überlistungsstrategien von Frank und Claire Underwood gelten würde, wäre House of Cards sehr wahrscheinlich eine bessere Serie.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 10. April 2015(House of Cards 3x05)
Schauspieler in der Episode House of Cards 3x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?