House of Cards 3x04

House of Cards 3x04

Das Politdrama House of Cards kann sich in Die Kandidatin von seinem jĂŒngsten Fehltritt leicht erholen, schöpft aber am Ende der Episode noch einmal mit beiden HĂ€nden aus dem Trashtopf. Weil Frank neue ernstzunehmende Probleme erwachsen, bleibt es spannend.

Frank Underwood (Kevin Spacey) erhÀlt weitere schlechte Neuigkeiten von Heather Dunbar (Elizabeth Marvel). / (c) Netflix
Frank Underwood (Kevin Spacey) erhÀlt weitere schlechte Neuigkeiten von Heather Dunbar (Elizabeth Marvel). / (c) Netflix
© (c) Netflix

Die neue House of Cards-Episode Die Kandidatin beginnt mit einer Parallelmontage zwischen dem Verfahren vor dem amerikanischen Supreme Court, wo Heather Dunbar (Elizabeth Marvel) vehement die Befugnisse und konstitutionellen Vorgaben fĂŒr die PrĂ€sidentschaft verteidigt, und einer von PrĂ€sident Frank Underwood (Kevin Spacey) besuchten Soldatenbeerdigung. Somit wissen wir sogleich, welche Figuren im Vordergrund der Episode stehen werden - und können erahnen, dass sie am Ende nicht unbedingt freundlich gesinnt auseinandergehen werden.

Someone needs to scrub the stink from this office

Jackie Sharp (Molly Parker) gehört nun offensichtlich wieder fest zu Franks Beraterteam, obwohl sie sich ja eigentlich vehement gegen ihn gestellt hatte. Muss Remy Danton (Mahershala Ali) wohl ganze Arbeit geleistet haben. Jedenfalls warnt sie Underwood davor, Heather Dunbar zu unterschĂ€tzen. Sie habe sowohl die nötigen finanziellen Mittel (ihre Familie wurde mit RĂŒstungsgĂŒtern reicht) als auch die politischen Kontakte, um eine gefĂ€hrliche Gegenspielerin im PrĂ€sidentschaftswahlkampf 2016 zu werden - an dem Frank ja offiziell gar nicht teilnehmen will.

Inoffiziell setzt er aber schon jetzt sĂ€mtliche Hebel in Bewegung, um eine möglichst gute Ausgangslage zu haben fĂŒr die Zeit, wenn er öffentlich erklĂ€ren muss, dass er sein Volk 18 Monate zuvor schamlos belogen hat. Guter Plan, Frank! Er will sich Dunbar also entledigen, indem er ihr einen Platz als Richterin am Supreme Court anbietet, den der alzheimerkranke Amtsinhaber Jacobs (Jonathan Hogan) baldmöglichst abgeben will - vermeintlich. Er hat nĂ€mlich in der Zwischenzeit mit seiner Familie konferiert, die ihm dazu geraten hat (wie Frank vor nicht allzu langer Zeit), sich doch möglichst lange auf der Position zu halten, weil Arbeit die beste Medizin sei.

Frank passt das natĂŒrlich ĂŒberhaupt nicht in den Plan. Er regt sich darĂŒber so sehr auf, dass er sogar vergisst, seine Vierte-Wand-Monologe in die richtige Kamera zu halten. Das ist eine Ă€ußerst gelungene und schöne Spielerei mit diesem Stilmittel, das mittlerweile nur noch aus Selbstzweck eingesetzt wird und nicht mehr, um der Geschichte eine zusĂ€tzliche ErzĂ€hlebene zu verleihen. Der Meta-Kommentar offenbart aber die FĂ€higkeit der Autoren zur Selbstironie, was ich ihnen angesichts ihrer staatstragenden Ernsthaftigkeit kaum zugetraut hĂ€tte. Einem bisweilen trashigen Format wie House of Cards kann eine solche Portion Selbstreflektion nur guttun.

Underwood manövriert sich mit dieser Volte schließlich in eine weitere Sackgasse, weil er nicht bedacht hat, dass Dunbar als Solicitor General beste Kontakte zu den Richtern des Supreme Court unterhĂ€lt. Lasst die Korken knallen, Leute, Frank Underwood hat einen Fehler begangen! Das passt in das (in Staatsbankett ausgesetzte) Ansinnen der Autoren, ihren Protagonisten menschlicher erscheinen zu lassen.

I want to understand what justice is

Am Ende ist er gar so verzweifelt, dass er Zuflucht und Rat in der Kirche von Bischof Charles Eddis (ein fehlbesetzter John Doman) sucht - Rat, den ihm seine Ehefrau Claire (Robin Wright) verweigert, weil er erste leise Anzeichen von Selbstzweifel zeigt. Alles klar, wir haben verstanden: Frank wird Mensch, Claire bleibt Roboter. Im Gotteshaus findet er schließlich seinen Kampfgeist wieder - inklusive Großkotzigkeit und Arroganz. Auf Grabsteine von Verwandten pissen, religiöse Statuen anspucken - it's the Frank Underwood way, baby!

Diese und die ĂŒbrigen Episodengeschichten (Orsay (Jimmi Simpson) sucht weiter nach Rachel, Stamper (Michael Kelly) versucht, Dunbars Team zu infiltrieren) sind sehr geradlinig erzĂ€hlt und - man muss es einfach immer wieder feststellen - mit wunderbar klinischer PrĂ€zision gefilmt. Eines hat mich aber in der letzten Episode schon verwirrt und in dieser hier noch mehr: Wie hat es Claire denn nun geschafft, doch zur US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen aufzusteigen?

Am Ende der zweiten Episode erleidet sie ja eine Niederlage vor dem fĂŒr die Nominierung zustĂ€ndigen Ausschuss. Sie bittet ihren Ehemann daraufhin, Einspruch gegen diese Entscheidung einzulegen. Frank stimmt zwar zu, jedoch wird sie dann schon in der nĂ€chsten Episode als „Botschafterin“ angesprochen. In Die Kandidatin sitzt sie nun sogar im UN-Sicherheitsrat, wo sie eine weitere Niederlage im diplomatischen Kleinkrieg mit Russland hinnehmen muss. Trotzdem kĂ€mpft sie weiter mit allen ihr zur VerfĂŒgung stehenden Mitteln (inklusive denen ihres Ehemanns, des US-PrĂ€sidenten) fĂŒr die Verabschiedung einer Sonderresolution, mit der auch ohne russische Zustimmung der Friedensprozess im Nahen Osten neue Impulse bekommen wĂŒrde. Soweit habe ich es (hoffentlich) verstanden - wie Claire nun in diese Position kam aber nicht. Vielleicht wissen unsere Leser ja mehr?

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 3. April 2015
Episode
Staffel 3, Episode 4
(House of Cards 3x04)
Deutscher Titel der Episode
Die Kandidatin
Titel der Episode im Original
Chapter 30
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 27. Februar 2015 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 3. April 2015
Autor
Laura Eason
Regisseur
Tucker Gates

Schauspieler in der Episode House of Cards 3x04

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?