House of Cards 3x01

House of Cards 3x01

Kevin Spacey darf als Frank Underwood in der dritten Staffel von House of Cards endlich die USA regieren und beißt dabei auf verschiedenen Ebenen auf Granit. Der Staffelauftakt überzeugt dabei jedoch durch einen Charakter, mit dem wohl keiner so schnell gerechnet hat.

Kevin Spacey als Frank Underwood in „House of Cards“ / (c) Netflix
Kevin Spacey als Frank Underwood in „House of Cards“ / (c) Netflix

In Chapter 27 (hierzulande Die Kehrseite der Macht) sehen wir Frank Underwood (Kevin Spacey) dabei zu, wie er als Präsident der Vereinigten Staaten alles andere als leichtes Spiel hat. Neben einer neuen beruflichen Aussicht für Claire (Robin Wright) bekommt dabei ein Charakter einen besonderen Fokus, den wir bisher für tot gehalten haben. Aus der Sicht des ausrangierten Doug Stamper (Michael Kelly) wirkt die sowieso nicht allzu ruhmreiche Machtübernahme Underwoods noch düsterer.

You have to respect your own mortality

Während sich Frank endlich an der Spitze der USA befindet, weiß Die Kehrseite der Macht, wie man die narrative Führung der Episode geschickt von diesem wegnimmt. Nach einem kurzen Besuch Underwoods an dem Grab seines Vaters, welcher selbst für den Stil von House of Cards zu überzogen wirkt, wird die One-Man-Show zum Glück unterbrochen. Statt aus der Sicht von oben wird der Werdegang als Präsident aus der Perspektive des sich rehabilitierenden Doug Stamper erzählt, welcher die große Überraschung dieser Episode darstellt.

Es wirkt fast so, als wolle Serienschöpfer Beau Willimon den Charaktertod von Zoe Barnes (Kate Mara), die in Chapter 14 direkt zu Beginn der zweiten Staffel das Zeitliche segnete, wiedergutmachen. Während die Reporterin durch die Hände Underwoods ins Jenseits geschickt wurde, setzen er und seine Frau anscheinend alles daran, Doug wieder auf die Beine zu helfen. Doch in welche Richtung diese nun zu gehen haben, scheint der ehemaligen rechten Hand nicht ganz klar zu sein.

Michael Kelly als Doug Stamper in %26bdquo;House of Cards%26ldquo; © Netflix
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Seine Position wurde durch Remy Danton (Mahershala Ali) ersetzt, die verloren gegangene Rachel Posner (Rachel Brosnahan) ist unauffindbar, sein Körper und Geist entziehen sich seiner Kontrolle. In einer Reihe von Rückblenden sehen wir den zähen und langatmigen Prozess, dem sich Stamper unterziehen musste, um schließlich wieder halbwegs einsetzbar zu sein, wenn sein Einsatz auch nicht gefragt zu sein scheint. So rät ihm Frank mit seiner typischen, bösartig gut gemeinten Miene, dass er sich viel lieber um sich selbst kümmern und die Politik bis dahin außer Acht lassen sollte.

Wie ein treuer Hund, dessen Herrchen sich nicht mehr um ihn kümmert, scheint Stamper daran jedoch zu Grunde zu gehen. Am Ende der Episode müssen wir ihm dabei zusehen, wie er seiner Alkoholsucht verfällt. Der Gehorsam Stampers scheint zu bröckeln. Währenddessen scheint Frank nicht nur auf seine Hilfe zu verzichten, denn seine Übernahme des Zepters wird nicht wirklich erfolgreich wahrgenommen. So haben sich nach sechs Monaten Amtszeit die Handelsschulden an China, die Vetos im Repräsentantenhaus sowie die Arbeitslosenzahlen deutlich vermehrt, während er nicht nur die Führung der Republikaner, sondern auch die der Demokraten zu verlieren droht.

You have to be a little human when you're the president

Darüber hinaus steht ihm noch ein Treffen mit dem russischen Präsident „Petrov“ (an welchen realen russischen Präsidenten der wohl erinnern soll?) bevor, um die brenzlige Lage im Nahen Osten zu klären. Zwar wird durch die Verlagerung des Schwerpunkts von der Politik auf die Geschichte Dougs nicht allzu viel über den Alltag im Weißen Haus gezeigt, die wenigen Szenen darin geben jedoch zunächst einen guten Statusbericht ab. Frank führt sein Team mit eiserner Hand, droht mit wohlgemeinter Stimme zweien den Rausschmiss an, wenn sie in der Öffentlichkeit noch einmal über Streitigkeiten sprechen und setzt diese Drohung bei einem anderen Mitglied auch in die Tat um.

Sein Ziel des Programms „America works“, welches eine erhebliche Steuererhöhung zur Stärkung der Arbeitsplätze verfolgt, duldet keinen Kompromiss. Mag die Härte von Franks Ton auch den Umständen entsprechend angemessen sein, scheint sie derzeit nicht von Erfolg zu sein. Doch auch an der Ehefront wird Frank Paroli geboten. Denn nicht nur die Presse zweifelt stark daran, dass Frank 2016 wiedergewaählt werden könnte, auch Claire sieht diese Aussicht nicht als gegeben an und versucht alles, um ihre eigene Agenda zu verfolgen.

Kevin Spacey als Frank Underwood in %26bdquo;House of Cards%26ldquo; © Netflix
Kevin Spacey als Frank Underwood in %26bdquo;House of Cards%26ldquo; © Netflix

So möchte sie für den Posten als Abgeordnete der Vereinten Nationen, den Frank ihr anscheinend von vornherein zugesagt hat, kandidieren, was Frank derzeit durch die Bedrohung für seinen Posten eher kritisch sieht. Am Ende der Episode scheint Claire jedoch ein gutes Stück weiter in der Überzeugungsarbeit vorangekommen zu sein. Die funktionale Ehe, wie sie die Underwoods verkörpern, wird wieder einmal nicht von ihrer besten Seite gezeigt.

Who's the President of the United States?

Wie bereits zum Auftakt der zweiten Staffel von House of Cards wird auch in der Episode Die Kehrseite der Macht erzählt, wie der ewige Machtkampf Frank Underwoods kein Ende zu finden scheint. Auch in der Position des wichtigsten Mannes der Welt stillt sich sein Machthunger nicht. Er dominiert sein politisches Umfeld, seine Ehe und seine ehemaligen Kontakte, welche nun durch die Sicht Doug Stampers gezeigt werden.

Nach der selbst für House of Cards-Verhältnisse überzogenen Darstellung von Franks Großspurigkeit zu Beginn der Episode überzeugt die heutige Episode jedoch durch die Geschichte Doug Stampers. Diese nimmt zwar das Tempo etwas heraus, dafür entlastet sie jedoch zum Glück auch die Fokussierung auf Spaceys Hauptcharakter. Besonders die Selbstkasteiung durch die mit Alkohol gefüllte Spritze zeigt das Verhältnis von Frank und Doug auf vortrefflichste Art und Weise auf. Frank unterstützt seine Rehabilitation und lässt ihn in seiner Bedeutungslosigkeit so sehr leiden, dass dieser sich selbst bestraft.

Es bleibt zu hoffen, dass die dramaturgische Reanimation Stampers mehr zu bieten hat, als bereits mit dem Plot um Peter Russo (Corey Stoll) erzählt wurde. Der von Leiden geplagte Weg in die Rehabilitation und der langsam fallende Gehorsam lassen hoffen, dass Doug eventuell der interne Feind Franks werden könnte, den wir in der zweiten Staffel doch schmerzlich vermissten. Vor allem die Gesprächslücken in ihrem Dialog zeigen auf, wie tief verbunden sie einerseits sind und wie gefährlich sie sich andererseits werden könnten. Sollte zudem die minimalistische Verwendung des inneren Monologs und die Heroisierung von Franks Verhalten weiterhin dermaßen unklar bleiben, hat die Serie eine gute Möglichkeit, die Defizite der zweiten Staffel auszugleichen.

Verfasser: Henning Harder am Freitag, 27. Februar 2015

House of Cards 3x01 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 1
(House of Cards 3x01)
Deutscher Titel der Episode
Die Kehrseite der Macht
Titel der Episode im Original
Chapter 27
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 27. Februar 2015 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 13. März 2015
Autor
Beau Willimon
Regisseur
John David Coles

Schauspieler in der Episode House of Cards 3x01

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