House of Cards 2x08

House of Cards 2x08

Kapitel 21 von House of Cards bestätigt leider weiterhin die Schwächen der Serie: Nachvollziehbare Emotionen und übermächtige Protagonisten. Schade, denn zwischendurch wird groß inszeniertes Drama geboten.

Gil Birmingham, Gerald McRaney und Kevin Spacey in „House of Cards“ / (c) Netflix
Gil Birmingham, Gerald McRaney und Kevin Spacey in „House of Cards“ / (c) Netflix

Wenn wir uns in der Kritik von Chapter 20 die Frage gestellt haben, wie ein nervliches Wrack wie Garrett Walker (Michael Gill) es ins Amt des Präsidenten schaffen konnte, versucht House of Cards in Chapter 21 zumindest, die Lösung aufzuzeigen: Kein Amt der Welt ist zu vergleichen mit den Lasten der Ehe. Die von Claire (Robin Wright) in den letzten Wochen schon mehr als offensichtliche Beeinflussung Trishas (Joanna Going) mündet nun in einer Paartherapie des Präsidentenpaares.

Das Fundament dieses Weißen Hauses sind nicht Ziegelstein und Mörtel.

Präsident Walker und seine Gattin tragen weiterhin ihre Eheprobleme auf der Zunge und erzählen sie gerne ihren besten Freunden Frank und Claire Underwood. Hier wird mal wieder der Kontrast zwischen den beiden Paaren herausgestellt und klar vermittelt: Wer emotionale Probleme hat, ist gefundenes Fressen für die Underwoods. Wie leicht scheint es da für Frank, den Bau der von ihm angestrebten Port-Jefferson-Brücke anzusprechen und für Claire, den Druck auf Trisha bezüglich ihres angestrebte Gesetzes gegen sexuelle Übergriffe beim Militär aufzubauen? Sehr leicht. Zu leicht.

Das Präsidentenpaar wird einmal mehr als Spitze eines korrupten Weißen Hauses präsentiert, das nur nach einem einzigen, wahrhaftigen Gesicht sucht und dieses in den Underwoods findet: „The only way to have a friend is to be one.“ („Der einzige Weg, einen Freund zu haben, ist, selbst einer zu sein.“) Mit diesem Credo in seiner Rede auf Terry Womack (Curtiss Cook) vereinfacht er ebenfalls die Strategie, die er bei Walker anwendet.

Auf die Spitze getrieben wird diese Freundschaft dann im Kräftemessen mit Stabschefin Linda Vasquez (Sakina Jaffrey). Wie zwei Kinder, die sich darum streiten, welches von beiden wohl das Lieblingskind der Eltern sei, versuchen beide, den anderen zu übertrumpfen. Das wirkt nicht nur übertrieben und naiv, es mündet darüber hinaus in einem mehr als übertriebenen Dialog zwischen Linda und Garrett. Wieder nach dem Muster eines trotzigen Kindes versucht sie, sich selbst von ihrem Einfluss auf Walker zu überzeugen und ihn vom Bau der Port-Jefferson-Brücke abzuhalten.

Als dies jedoch scheitert, erwägt sie ihren eigenen Rücktritt. Zum krönenden Abschluss überreicht sie Frank ein Militärsabzeichen, das Weiße Haus wird wieder einmal zum Schlachtfeld. „I've never thought higher of her than I do at this moment. She lost. But she played to win.“ („Ich habe sie nie mehr geschätzt als in diesem Moment. Sie hat verloren. Aber sie spielte, um zu gewinnen.“) Somit wird wieder einmal ein Charakter auf dem Weg Underwoods beseitigt, ein weiterer Stolperstein aus dem Weg gerollt.

Und das ist das Problem von House of Cards: Wirkliche Probleme scheint es nicht zu geben. Es gleicht einem Riesen bei einem Hürdenlauf für Zwerge zuzuschauen. Frank und Claire haben sich dermaßen auf Funktionalität getrimmt, dass sie alle emotional gesteuerten Charaktere in ihrem Umfeld (was zum Glück beinahe alle sind) ausspielen und sich selbst vorführen lassen können. Trishas Bedenken bei der Annahme der therapeutischen Hilfe als Futter für die Presse wird hier wieder einmal mehr als deutlich zur Achillesverse des Präsidentenpaares.

Hunde sind so vorrausschaubar, oder?

Nebenbei sehen wir einen recht effekthaschenden Plot um Rachel Posner (Rachel Brosnahan) und Lisa Williams (Kate Lyn Sheil), der zu der Auflösung der im Trailer bereits angedeuteten Kussszene zwischen den beiden führt. Doug Stamper (Michael Kelly) wird mehr und mehr zum Peter Russo (Corey Stoll) der zweiten Staffel: Er verliert sich in seiner Zuneigung zu Posner, wie sich Russo in seiner Drogensucht verloren hat. Dies wurde bereits in der ersten Staffel angedeutet und nun umgesetzt.


Natürlich muss er nach der erotischen Szene der beiden Frauen am Bettlaken Posners schnüffeln. Aber warum bekommt so ein nebensächlicher Plot so viel Aufmerksamkeit? Warum werden Charaktere wie Zoe Barnes (Kate Mara) oder Lucas Goodwin (Sebastian Arcelus) aus der Serie geschmissen, um einer solchen Nebenfigur soviel Erzählzeit zu geben? Während sich die Bedrohung Stampers eher im Hintergrund abspielt, bleibt Raymund Tusk (Gerald McRaney) weiterhin Franks größte Angriffsfläche.

Hier zeigt House of Cards auch wieder seine Stärken auf. Das Spitzengespräch zwischen Tusk, Frank und Daniel Lanagin (Gil Birmingham) stellt den dramatischen Höhepunkt der Folge dar. Die Serie funktioniert dann am besten, wenn Frank ins Straucheln gerät, sein überzogenes Selbstbild hinterfragt wird. Frank versucht, sein Treffen mit Chief Whitehall (Moses Brings Plenty) des Gaya Stammes auszuspielen und das BIA (Bureau of Indian Affairs) über die Verbindung zu Tusk und Xander Feng (Terry Chen) zu informieren.

Tusk und Lannigan weisen ihn darauf hin, dass er selbst keine weiße Weste trägt, da die Gelder Fengs zu Gunsten der Demokraten gezahlt wurden, die Frank unterstützte und besser daran täte, Tusk und Garrett wieder einander näher zu bringen. „Not my Vice President. You're on southern land here.“ (Nicht mein Vizepräsident. Du bist auf südlichem Boden hier.) Natürlich wird der Territorialverweis des amerikanischen Ureinwohners zum überzeichneten Klischee, jedoch ist ja auch schon häufiger zu sehen gewesen, dass es House of Cards nicht um authentische, sondern um pompös inszenierte Momente geht.

Dieser gehört eindeutig zu einem der stärkeren dieser Staffel. Frank reagiert wieder scharf, nimmt das ihm gönnerhaft servierte Steak und wirft es dem Hund zum Fraß im Pool vor. Die symmetrische Halbtotale des Pools wird zum Spiegelbild des Weißen Hauses. In Form der finanziellen Unterstüzung der Demokraten sind hier die wirklich Mächtigen zu sehen. Frank ist zwar zu Gast, weiß aber, wie er seine Feinde aus dem Haus befördert.

Warum muss alles ein Kampf sein? Können manche Leute nicht einmal einfach ja sagen?

Am Ende schafft es Frank, nach der bereits angesprochenen, überzogenen Szene mit Linda, Garrett von dem Bau der Port-Jefferson-Brücke zu überzeugen. Die Fäden laufen langsam wieder zusammen: Er hat sich zwar von Tusk weiter distanziert, ist jedoch einen Schritt näher an Garrett gerückt. Zu gefährlicheren Gegenspielern scheinen dabei jedoch Remy Danton (Mahershala Ali) und Jackie Sharp (Molly Parker) zu avancieren.

Zwar gehört die Liebesgeschichte der beiden auch eher zu den nicht allzu ausgefeilten Szenen, die Kombination verspricht derzeit jedoch neben Tusk das größte Gefahrenpotential für die Underwoods. Während das Präsidentenpaar sich durch emotionale Schwächen verwundbar macht, beginnen Danton und Sharp, ihre Beziehung zwischen Karriere und Zuneigung aufzubauen, was sich auf lange Sicht zur Konkurrenz für die Underwoods entwickeln könnte.


Remys Kauf der Bilder von Adam Galloway (Ben Daniels) baut seit langem mal wieder ein Element aus der ersten Staffel ein, jedoch scheint auch hier die Logik auf der Strecke zu bleiben. Warum braucht es erst Danton, um in den Nacktbildern der Ehefrau des Vizepräsidenten ein gewisses Potential zu sehen? Wieder einmal sind die Wege der Informationsbeschaffung und -sicherung mehr als fraglich. Eine Frau wie Claire, die das mediale Gefahrenpotential einer Therapie für das Präsidentenpaar zu erkennen vermag, schafft es jedoch nicht, Nacktfotos von sich selbst in Sicherheit zu bringen, bevor sie von der Gegenseite aufgekauft werden?

Galloway lässt Bilder mit einem derartigen Potential so leicht in fremde Hände geraten? Der Nebenplot mit Claire und Megan Hennessey (Libby Woodbridge) bleibt dabei ähnlich gefühlskalt. Einem kalkuliertem Paar wie den Underwoods nimmt man ernsthaftes Interesse auch an diesem Gesetz nicht wirklich ab.

Fazit:

Die 21. Folge von House of Cards zeigt wieder einmal die Stärken und die Schwächen der Serie auf. In den ästhetisch aufwendigen Szenen wie dem Gespräch mit Tusk und Lannigan, weiß die Serie zu trumpfen. Hier wird großes Drama erzählt, an Franks angestrebten Thron wird zumindest zeitweise gerüttelt. Das Problem der Serie hingegen bleibt nicht nur die Unnahbarkeit der Underwoods, sondern viel mehr die Inkonsequenz der Charaktere. Claire und Frank spielen die Garrett und Trisha gegeneinander aus, um sie zu einer Paartherapie zu überreden, sind sich dabei vor allem des Gefahrenpotentials für ihre Ehe bewusst.

Andererseits ist es ein leichtes für Tusk und Danton, Nacktbilder von Claire aufzukaufen, bevor Claire von diesen überhaupt erfährt. Die Frage Franks, warum manche nicht einfach mal Ja sagen können, richtet sich somit auch an die Zuschauer. Protagonisten, die einem ihre Allmacht immer wieder unter die Nase reiben, glaubt man das Straucheln und diese kleinen Fehler, glaubt man auch ehrliche Moral nicht mehr. Die Folge bleibt zwar „auf souveränem Boden“, ein Platzwechsel würde ihr jedoch besser stehen.

Verfasser: Henning Harder am Montag, 21. April 2014
Episode
Staffel 2, Episode 8
(House of Cards 2x08)
Deutscher Titel der Episode
Auf souveränem Boden
Titel der Episode im Original
Chapter 21
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 14. Februar 2014 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 21. April 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 22. Oktober 2014
Autor
David Manson
Regisseur
James Foley

Schauspieler in der Episode House of Cards 2x08

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